{"id":101166,"date":"2020-09-21T11:01:46","date_gmt":"2020-09-21T11:01:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/09\/sinnott-10-2020fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:52:28","modified_gmt":"2023-08-23T20:52:28","slug":"verschuldung-weltweiter-anstieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/09\/verschuldung-weltweiter-anstieg\/","title":{"rendered":"Verschuldung: Weltweiter Anstieg"},"content":{"rendered":"<p>Die meisten Volkswirtschaften sind stark verschuldet. Nach der globalen Finanzkrise von 2008\/2009 stieg die Verschuldung der Industriel\u00e4nder auf Werte, die seit dem Zweiten Weltkrieg nie mehr verzeichnet worden waren (siehe <em>Abbildung 1<\/em>): Ihre Gesamtverschuldung belief sich 2018 \u2013 also noch vor der Corona-Krise \u2013 auf 130 Billionen Dollar. Dies entspricht 265 Prozent ihres Bruttoinlandprodukts (BIP). Die Verschuldung der \u00f6ffentlichen Hand betrug 50 Billionen Dollar oder 104 Prozent des BIP.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZwischen 2007 und 2013 nahm die Gesamtverschuldung in den Industriestaaten um mehr als ein Drittel zu \u2013 haupts\u00e4chlich als Folge der h\u00f6heren Staatsverschuldung. Letztere ist auf die hohen Ausgaben zur\u00fcckzuf\u00fchren, mit denen eine \u00abGrosse Depression\u00bb abgewendet werden konnte. Bis 2018 blieb die Gesamtverschuldung stabil.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Unternehmensverschuldung hingegen erreichte 2018 einen historischen H\u00f6chststand, wobei zwischen den L\u00e4ndern betr\u00e4chtliche Unterschiede bestehen. Auch die Verschuldung der privaten Haushalte ist im Verh\u00e4ltnis zum Einkommen nach wie vor hoch \u2013 insbesondere in den skandinavischen L\u00e4ndern, in Australien und in Kanada, wo die Immobilienpreise rasch gestiegen sind. Das Wachstum der Mitgliedsl\u00e4nder der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat sich von durchschnittlich etwa 4 Prozent Anfang der 1970er-Jahre auf 2 Prozent in den vergangenen Jahren verlangsamt. Es ist daher fraglich, ob die OECD-Staaten ihre hohe Verschuldung wieder abbauen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1: Verschuldung der Industriel\u00e4nder, in Prozent des BIP (1970\u20132018)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='10-2020_Sinnott_Abb1_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#10-2020_Sinnott_Abb1_de').highcharts({\n\nchart: {\n      type: 'spline',\n      zoomType: 'xy'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    },\n\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n\n        },\nlabels: {\n                format: '{value}%'\n            },\n    },\n\n    xAxis: {\n      \n    }, \n\ntooltip: {\n           \n                       valueSuffix: '%',\n\n        },\n\n\n  plotOptions: { \/\/ Punkte auf Linie ausblenden\n            series: {pointStart: 1970,\n                marker: {\n                    enabled: false\n                }\n            }\n        },\n\n\n\n   \n    series: [{\n        name: 'Gesamtverschuldung',\n        data: [125.0, 126.3, 127.9, 129.7, 129.5, 130.9, 132.5, 135.7, 137.3, 139.3, 141.4, 143.6, 147.3, 152.2, 157.7, 163.4, 170.2, 177.4, 183.5, 187.4, 189.6, 191.1, 193.4, 198.2, 203.4, 208.3, 209.6, 209.8, 209.1, 210.9, 212.9, 215.2, 216.5, 218.7, 222.2, 225.9, 229.3, 232.1, 237.2, 247.2, 256.8, 263.8, 266.5, 267.7, 267.5, 266.0, 266.7, 267.2, 266.9]\n    }, {\n        name: 'Staatsverschuldung',\n        data: [40.4, 40.4, 40.0, 38.6, 36.7, 36.1, 36.7, 37.9, 38.6, 39.2, 40.1, 41.1, 43.4, 46.3, 49.3, 52.1, 54.9, 57.3, 58.4, 57.8, 57.0, 57.2, 59.0, 62.3, 65.8, 69.1, 71.1, 71.9, 71.8, 71.8, 71.5, 70.8, 70.3, 71.1, 73.4, 75.1, 75.3, 73.5, 74.1, 80.0, 88.8, 96.7, 101.6, 103.9, 104.6, 103.8, 104.2, 104.2, 104.1]\n    }, {\n        name: 'Privatverschuldung',\n        data: [84.6, 85.9, 87.9, 91.1, 92.8, 94.8, 95.8, 97.8, 98.8, 100.2, 101.3, 102.4, 103.9, 105.9, 108.4, 111.4, 115.4, 120.1, 125.1, 129.5, 132.6, 134.0, 134.3, 135.9, 137.6, 139.2, 138.5, 137.9, 137.3, 139.1, 141.5, 144.3, 146.2, 147.6, 148.8, 150.7, 154.0, 158.6, 163.1, 167.3, 168.0, 167.1, 164.9, 163.8, 163.0, 162.2, 162.4, 162.9, 162.9]\n    }],\n\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Die aggregierten Zahlen wurden auf der Grundlage des aktuellen BIP in US-Dollar berechnet und als gleitender Dreijahresdurchschnitt angezeigt. Die Daten beziehen sich auf die am h\u00f6chsten entwickelten Volkswirtschaften der Welt, d. h. auf L\u00e4nder mit einem hohen Bruttoinlandprodukt pro Kopf und einer bedeutenden Industrialisierung. Die L\u00e4nder sind: Australien, Belgien, D\u00e4nemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Grossbritannien, Hongkong, Island, Irland, Israel, Italien, Japan, Kanada, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Neuseeland, Norwegen, \u00d6sterreich, Portugal, San Marino, Singapur, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, S\u00fcdkorea, Taiwan, Tschechien, USA und Zypern.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Kose et al. (2020) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei der Gesamtverschuldung bestehen zwischen den L\u00e4ndern signifikante Unterschiede (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Rund 40 Prozent der OECD-Staaten ist es nach der Finanzkrise gelungen, ihre Staatsverschuldung wieder abzubauen. So vermochte die Schweiz die Staatsverschuldung vor Ausbruch der Corona-Krise auf das Niveau der fr\u00fchen 1990er-Jahre zu senken.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Dazu beigetragen haben die Schuldenbremse auf Bundesebene und \u00e4hnliche Regelungen, die in den meisten Kantonen nach der Jahrtausendwende eingef\u00fchrt wurden. Im Vergleich zum OECD-Durchschnitt ist das Defizit der \u00f6ffentlichen Hand in der Schweiz gering. Im Gegensatz dazu erreichte die Staatsverschuldung in mehreren OECD-L\u00e4ndern ein hohes Niveau: Italien, Griechenland und Japan weisen beispielsweise eine staatliche Schuldenquote von mehr als 150 Prozent des BIP auf.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSowohl die Verschuldung der privaten Haushalte als auch diejenige der nicht finanziellen Kapitalgesellschaften sind seit Ende der 1990er-Jahre in den meisten OECD-L\u00e4ndern angestiegen. Allerdings gibt es auch hier betr\u00e4chtliche Unterschiede: Ein erh\u00f6htes Risiko besteht beispielsweise in Kanada und in den skandinavischen L\u00e4ndern. In der Schweiz ist die Verschuldung der Unternehmen gering, w\u00e4hrend sie sich bei den privaten Haushalten auf einem hohen Niveau befindet.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Sprunghafter Anstieg wegen Corona<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Verschuldung war bereits vor der Corona-Krise hoch. In der Pandemie haben sich die Staaten weiter verschuldet, um die Wirtschaft zu st\u00fctzen. Es stellt sich daher die Frage, ob die sich verschlechternden Steuerbilanzen Anlass zur Sorge geben. Ist eine stetig ansteigende Verschuldung tragf\u00e4hig? Wie wirkt sie sich langfristig auf das Wachstum aus? Unter \u00d6konomen gehen die Meinungen auseinander.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn einigen Staaten hat die Corona-Krise zu einem \u00e4usserst starken Anstieg der Verschuldung gef\u00fchrt. Gem\u00e4ss dem neuesten \u00ab<a href=\"https:\/\/www.oecd-ilibrary.org\/economics\/oecd-economic-outlook\/volume-2020\/issue-1_0d1d1e2e-en\">Economic Outlook\u00bb<\/a> der OECD, der im Juni 2020 ver\u00f6ffentlicht wurde, steigt die Gesamtverschuldungsquote (im Verh\u00e4ltnis zum BIP) der hoch verschuldeten L\u00e4nder im Jahr 2021 um 20 bis 35 Prozent gegen\u00fcber 2019. Dieser einmalige Schock beeintr\u00e4chtigt die Tragf\u00e4higkeit der Verschuldung an sich nicht. Beunruhigend sind indessen die Schuldendynamik und die weitere Zunahme der Verschuldung, wenn sich die Volkswirtschaften erholt haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den Industriel\u00e4ndern sind die Fixkosten der Verschuldung aufgrund der extrem tiefen oder sogar negativen Zinss\u00e4tze derzeit gering. Sie k\u00f6nnen sich deshalb zu tieferen Kosten relativ stark verschulden, um Unternehmen, Arbeitnehmende und private Haushalte angesichts der derzeitigen St\u00f6rung der Wirtschaftst\u00e4tigkeit zu unterst\u00fctzen. Um die wirtschaftliche Erholung nicht zu gef\u00e4hrden, sollten sie eine zu rasche Haushaltskonsolidierung (insbesondere durch Ausgabenk\u00fcrzungen oder Steuererh\u00f6hungen zur Senkung des Defizits) vermeiden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAllerdings steigen die Risiken erheblich, wenn die Schuldentragf\u00e4higkeit nach \u00fcberstandener Krise nicht gew\u00e4hrleistet wird. Sinnvoll sind Strukturreformen, die zu einem h\u00f6heren BIP-Wachstum beitragen. Die Stossrichtung dieser Reformen hat sich durch die Covid-19-Krise nicht ver\u00e4ndert. So muss etwa der Zugang zur schulischen und beruflichen Grundbildung verbessert werden. Weiter braucht es offene M\u00e4rkte, um die Konkurrenz, den Handel und die Investitionen zu st\u00e4rken. Und schliesslich sollten die Steuer- und Sozialleistungssysteme Ungleichheiten in Bezug auf Wohlstand und Markteinkommen zu Chancenungleichheiten verhindern.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Angesichts der geringeren Wirtschaftsleistung, von der in letzter Zeit zahlreiche Industriel\u00e4nder betroffen sind, k\u00f6nnten solche Ver\u00e4nderungen eine wichtige Rolle spielen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Schweiz erm\u00f6glicht die geringe Staatsverschuldung gem\u00e4ss dem \u00abOECD Economic Outlook\u00bb einen gen\u00fcgend grossen fiskalischen Spielraum, um den Privatsektor, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, weiterhin zu unterst\u00fctzen. Auch die Ausbildung von Stellensuchenden und Berufst\u00e4tigen, die von den Auswirkungen der Digitalisierung bedroht sind, k\u00f6nnte verst\u00e4rkt werden, falls der Wirtschaftsaufschwung auf sich warten l\u00e4sst.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: \u00a0Bruttostaatsverschuldung der OECD-Staaten, in Prozent des BIP (2010\u20132019)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='10-2020_Sinnott_Abb2_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#10-2020_Sinnott_Abb2_de').highcharts({\n   chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    },\n    \n   xAxis: {\n            categories: ['Estland', 'Chile', 'S\u00fcdkorea', 'Schweiz', 'Australien', 'Schweden', 'Israel', 'Deutschland', 'Kanada', '\u00d6sterreich', 'USA', 'OECD-Schnitt', 'Grossbritannien', 'Spanien', 'Belgien', 'Frankreich', 'Portugal', 'Italien', 'Griechenland', 'Japan'\n            ], \n            crosshair: false\n        }, \n    yAxis: {\n        min: 0,\n        title: {\n            text: ''\n\n        },\nlabels: {\n                format: '{value}%'\n            },\n    },\n    \n    plotOptions: {\n        column: {\n            pointPadding: 0.2,\n            borderWidth: 0, colorByPoint: true\n        },\n          \n    },\n    series: [{\n        name: '2019 oder letztes verf\u00fcgbares Jahr',\n        data: [12.72, 37.22, 40.82, 41.13, 45.74, 46.66, 60.88, 69.01, 94.26, 94.74, 108.51, 108.89, 116.62, 117.13, 121.64, 124.22, 137.57, 156.20, 200.59, 222.18], \n        colors: ['#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#c74d70', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#74ab4e', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2', '#a5c4d2'],\n         tooltip: {\n            valueSuffix: ' %'\n        }\n\n    },{\n        name: '2010',\n        type: 'scatter',\n        data: [11.84, 15.29, 32.03, 42.82, 25.09, 47.26, 70.61, 88.16, 86.44, 96.28, 95.23, 95.28, 89.84, 67.59, 108.66, 100.12, 106.72, 125.63, 129.68, 186.64], \n        color: '#d18158',\n\n         tooltip: {\n            enabled: true\n        }\n\n        \n    }, ]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: OECD (2020) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ein n\u00fctzliches Instrument <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchulden machen bietet Vorteile: Mit der Ausgabe von Schuldtiteln k\u00f6nnen die Staaten in der Corona-Krise Ausgabenerh\u00f6hungen oder Steuererleichterungen finanzieren. Indem die Langzeitarbeitslosigkeit verhindert und rentable Unternehmen unterst\u00fctzt werden, lassen sich langfristige Sch\u00e4den f\u00fcr die Wirtschaft verringern. Eine Verschuldung bietet sich auch an, um produktive Investitionen in der Wirtschaft zu finanzieren, wie beispielsweise Investitionen in Infrastrukturen oder neue Technologien, um das Wachstumspotenzial zu erh\u00f6hen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Kehrseite der Medaille besteht darin, dass mit der h\u00f6heren Verschuldung die Risiken zunehmen, die mit dem gr\u00f6sseren Finanzbedarf verbunden sind. Ausserdem beeintr\u00e4chtigt die zus\u00e4tzliche Verschuldung m\u00f6glicherweise auch das Wirtschaftswachstum: Ein hohes Defizit schreckt \u2013 auch ohne Schuldenkrise \u2013 potenzielle private Investoren ab. Zudem k\u00f6nnte die Emission von Staatsanleihen in grossem Umfang die Mobilisierung von privatem Kapital beeintr\u00e4chtigen. Bleibt die Verschuldung auf einem hohen Niveau, schr\u00e4nkt dies schliesslich den Handlungsspielraum der Staaten ein, um in k\u00fcnftigen wirtschaftlichen Schocks mit einer antizyklischen Politik zu reagieren oder f\u00fcr den Bankensektor als Kreditgeber in letzter Instanz zu fungieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNicht alle L\u00e4nder k\u00f6nnen sich dabei im selben Ausmass verschulden. Beispielsweise finden sich Schwellenl\u00e4nder bei einem Anstieg der Schulden im Normalfall in einer heikleren Lage als Industriel\u00e4nder. Je nach Zusammensetzung der Verschuldung und Art der Finanzierung variieren dabei die Risiken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInsbesondere Staaten, die ihre Schulden mit Fremdw\u00e4hrungen finanzieren, sind tendenziell h\u00f6heren Risiken ausgesetzt. Denn ein wirtschaftlicher Schock \u2013 und die damit verbundene pl\u00f6tzliche W\u00e4hrungsabwertung \u2013 kann zu einer starken Zunahme der Verschuldung und einem abrupten Stopp der Fremdw\u00e4hrungsstr\u00f6me f\u00fchren. So l\u00f6ste beispielsweise die drastische Abwertung des argentinischen Pesos Mitte 2018 eine Inflation aus. Zunehmende Marktrisiken veranlassten den Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF), dem Land Nothilfen im Umfang von 50 Milliarden Dollar zu gew\u00e4hren, um Budgethilfe zu leisten und eine vorsorgliche Kreditlinie f\u00fcr die Regierung bereitzustellen. Wegen des hohen Anteils der Fremdw\u00e4hrungsschulden erh\u00f6hte die Peso-Abwertung die Staatsschuldenquote von 57 Prozent im Jahr 2017 auf 86 Prozent im Jahr 2018.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Auch der generelle Kapitalabzug aus den Schwellenl\u00e4ndern nach Ausbruch der globalen Covid-19-Krise im M\u00e4rz verdeutlicht die Volatilit\u00e4t, der Volkswirtschaften ausgesetzt sind, die auf ausl\u00e4ndische Finanzstr\u00f6me angewiesen sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGut ausgestattete inl\u00e4ndische Kapitalm\u00e4rkte und eine diversifizierte Gl\u00e4ubigerbasis verm\u00f6gen dabei das Risiko zu vermindern, von einer begrenzten Anzahl ausl\u00e4ndischer Investoren abh\u00e4ngig zu sein, die den Mittelzufluss jederzeit unterbrechen k\u00f6nnen. Dies erkl\u00e4rt, weshalb Volkswirtschaften wie Italien und Japan, die \u00fcber gut entwickelte Anleihem\u00e4rkte in Landesw\u00e4hrung verf\u00fcgen, seit fast einem Vierteljahrhundert in der Lage sind, eine Staatsverschuldung von mehr als 100 Prozent der Wirtschaftsleistung zu finanzieren. Umgekehrt haben L\u00e4nder mit einer relativ geringen Verschuldung, wie beispielsweise Argentinien, das Vertrauen der Finanzm\u00e4rkte zu einem grossen Teil verloren. Weiter k\u00f6nnen solide makro\u00f6konomische Eckdaten, eine hohe Produktivit\u00e4t, ein gutes wirtschaftliches Umfeld und leistungsf\u00e4hige Institutionen eine Volkswirtschaft vor abrupten Schocks bewahren.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Eine Gratwanderung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls die Corona-Krise ausbrach, befanden sich diejenigen L\u00e4nder, die \u00fcber eine hohe Verschuldung der privaten Haushalte und der Unternehmen verf\u00fcgten, in einer besonders delikaten Lage. Als Reaktion auf die Pandemie ergriffen sie \u2013 wie die meisten Industriestaaten \u2013 umfangreiche Massnahmen zur Unterst\u00fctzung der Einkommen und der Liquidit\u00e4t. Ausserdem schoben sie Kredit- und Steuerzahlungen auf, um Firmeninsolvenzen und eine Zunahme der Konkurse zu verhindern. Die Liquidit\u00e4tshilfeprogramme haben direkt oder indirekt dazu beigetragen, die Lohnkosten zu tragen: Diese Programme haben sich als entscheidend daf\u00fcr erwiesen, dass die Unternehmen in den verschiedenen OECD-L\u00e4ndern \u00fcber die ben\u00f6tigte Liquidit\u00e4t verf\u00fcgten. In einigen stark betroffenen Sektoren wird es lange dauern, bis sich die Nachfrage wieder erholt. F\u00fcr die politischen Entscheidungstr\u00e4ger wird die Herausforderung darin bestehen, das richtige Gleichgewicht zu finden, um die Erhaltung von Arbeitspl\u00e4tzen und rentablen Unternehmen zu unterst\u00fctzen, ohne die Versetzung von Erwerbst\u00e4tigen an neue Arbeitspl\u00e4tze zu verhindern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Weiteren wird die Verschuldung von Unternehmen und privaten Haushalten zunehmen, solange den Unternehmen Aufschub f\u00fcr die Darlehens- und Steuerzahlungen gew\u00e4hrt wird. Wenn sich die Wirtschaft erholt, m\u00fcssen die Staaten auch eine Balance zwischen der Unterst\u00fctzung von stark verschuldeten Wirtschaftsakteuren und der Erleichterung des Zugangs zum Konkursverfahren finden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">OECD (2019a).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Vgl. Beitr\u00e4ge von<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch?p=101106\"> Stefan Fahrl\u00e4nder<\/a> und<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch?p=101203\"> Anastassios Frangulidis<\/a> in diesem Schwerpunkt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">OCDE (2019b).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">IWF (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten Volkswirtschaften sind stark verschuldet. Nach der globalen Finanzkrise von 2008\/2009 stieg die Verschuldung der Industriel\u00e4nder auf Werte, die seit dem Zweiten Weltkrieg nie mehr verzeichnet worden waren (siehe Abbildung 1): Ihre Gesamtverschuldung belief sich 2018 \u2013 also noch vor der Corona-Krise \u2013 auf 130 Billionen Dollar. Dies entspricht 265 Prozent ihres Bruttoinlandprodukts (BIP). 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(2020). <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/research\/publication\/waves-of-debt\">Global Waves of Debt: Causes and Consequences<\/a>, Weltbank.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2019a). <a href=\"https:\/\/www.oecd-ilibrary.org\/economics\/oecd-economic-surveys-switzerland-2019_7e6fd372-en\">OECD Economic Surveys: Switzerland 2019<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2019b). <a href=\"https:\/\/www.oecd-ilibrary.org\/economics\/economic-policy-reforms-2019_aec5b059-en\">Economic Policy Reforms 2019: Going for Growth<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2020). <a href=\"https:\/\/www.oecd-ilibrary.org\/economics\/oecd-economic-outlook\/volume-2020\/issue-1_0d1d1e2e-en\">OECD Economic Outlook<\/a>. 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