{"id":101690,"date":"2020-06-22T12:05:19","date_gmt":"2020-06-22T12:05:19","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/06\/mattig-07-2020fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:53:10","modified_gmt":"2023-08-23T20:53:10","slug":"gesundheitsvorsorge-von-der-natur-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/06\/gesundheitsvorsorge-von-der-natur-lernen\/","title":{"rendered":"Gesundheitsvorsorge: Von der Natur lernen"},"content":{"rendered":"<p>Das Fr\u00fchjahr 2020 wird als Corona-Fr\u00fchling in die Geschichte eingehen: Die Pandemie, vor der die Experten schon viele Jahre gewarnt hatten, brach tats\u00e4chlich \u00fcber die ganze Welt herein. Mit gravierenden Folgen f\u00fcr die Gesundheit, f\u00fcr die Wirtschaft und f\u00fcr die Gesellschaft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nPost Corona wird die Welt eine andere sein. Das gilt wohl nirgends so sehr wie im Gesundheitsbereich. Die Politik ist auf allen Ebenen gefordert. Nun herrscht pl\u00f6tzlich Ungewissheit \u2013 nicht nur was den Terminkalender von Bundesrat und Parlament angeht, sondern auch was die Inhalte betrifft. Dazu geh\u00f6rt nicht zuletzt die Frage, ob Kostend\u00e4mpfung noch der richtige Fokus ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin ausschliesslich kosteng\u00fcnstiges Gesundheitssystem ist kein gesundes Ziel. Was wir brauchen, sind Effizienz und Leistungsf\u00e4higkeit. Mit jedem investierten Franken sollte m\u00f6glichst viel Wirkung erzielt werden. Daf\u00fcr braucht es eine langfristige Perspektive. Zudem muss unser Gesundheitssystem f\u00fcr neue Gefahren gewappnet sein. Erst recht, wenn wir diese schon heute deutlich am Horizont erkennen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDaher sollte es in der k\u00fcnftigen Gesundheitspolitik nicht nur um Krankheiten gehen. Also nicht nur ums Heilen, sondern auch ums Gesundbleiben. Den Spruch \u00abVorsorgen ist besser als heilen\u00bb kennt jeder. Aber wenn wir den <a href=\"https:\/\/www.bag.admin.ch\/dam\/bag\/de\/dokumente\/kuv-leistungen\/Kostend%C3%A4mpfung\/kostendaempfungsmassnahmen-bericht-expertengruppe-24082017.pdf.download.pdf\/Kostend%C3%A4mpfungsmassnahmen%20Bericht%20der%20Expertengruppe%20vom%2024.08.2017.pdf\">Expertenbericht zur Entlastung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung<\/a> anschauen, dann finden wir zu diesem Thema fast nichts. Es wird einzig erw\u00e4hnt, Gesundheitsf\u00f6rderung wirke indirekt. Eine indirekte Wirkung muss jedoch keineswegs unbedeutend sein. Das macht uns die Natur vor.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Der richtige N\u00e4hrboden<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWissen Sie, was Rhizobien sind? Das sind wachstumsf\u00f6rdernde \u00abKn\u00f6llchenbakterien\u00bb im Wurzelgeflecht von bestimmten Pflanzen. Klee w\u00e4chst dank Rhizobien schnell und fast \u00fcberall. Deshalb setzt man ihn in der Landwirtschaft als Gr\u00fcnd\u00fcngung ein, damit andere Pflanzen, die danach auf dem Boden anges\u00e4t werden, bessere Bedingungen vorfinden. Denn auf einem gesunden Boden w\u00e4chst alles besser. Also eine indirekte Wirkweise, die mit kleinem Aufwand unglaublich grosse Wirkung entfaltet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnd genau das sollte unsere Vorgehensweise in der Gesundheitspolitik sein: einen Boden vorbereiten, der \u00fcber viele N\u00e4hrstoffe verf\u00fcgt und so ein bl\u00fchendes \u00d6kosystem hervorbringt, das w\u00e4chst und gedeiht und dabei widerstandsf\u00e4hig gegen Krankheiten bleibt.&#13;<\/p>\n<h2>Auf Pr\u00e4vention setzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGerade die Covid-19-Pandemie zeigt, wie wichtig der allgemeine Gesundheitszustand der Bev\u00f6lkerung ist. Viele Menschen \u2013 darunter auch viele unter 65-J\u00e4hrige \u2013 leiden an chronischen, nicht \u00fcbertragbaren Krankheiten. Die Ursachen dieser Krankheiten liegen nicht zuletzt auch in unserem Lebensstil.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas heisst, wir k\u00f6nnen etwas dagegen tun, damit diese Krankheiten gar nicht erst entstehen oder die Auswirkungen gemildert werden. Der Schl\u00fcssel dazu heisst Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention. Wenn es um Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen geht, dann liegt hier wohl eines der gr\u00f6ssten Potenziale. Die Niederlande investieren 5,5 Prozent ihrer Gesundheitskosten in Pr\u00e4vention. In der Schweiz sind es lediglich 2,1 Prozent \u2013 womit sie unter dem OECD-Schnitt von 2,7 Prozent liegt. Wenn wir hingegen weiterhin mit Scheuklappen nur versuchen, die Kosten zu d\u00e4mpfen, werden wir am Ende kein leistungsf\u00e4higeres Gesundheitssystem haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDabei gilt es zu pr\u00e4zisieren: Pr\u00e4vention und Gesundheitsf\u00f6rderung sind nicht per se effizient, sie m\u00fcssen auch effizient betrieben werden. Daf\u00fcr braucht es Know-how und professionelle Strukturen. So werden Innovationen erm\u00f6glicht. Zudem verbessert sich die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren, und die Effizienz wird dank regelm\u00e4ssiger Evaluation optimiert. Das sind seit je die Hauptaufgaben von Gesundheitsf\u00f6rderung Schweiz (siehe <em>Kasten<\/em>). Wir sind eine wichtige Schaltzentrale eines ausbauf\u00e4higen Systems, in dem sich Kantone, Gemeinden, Leistungserbringer, Versicherer sowie Nichtregierungsorganisationen und Non-Profit-Organisationen gemeinsam f\u00fcr dasselbe Ziel einsetzen: mehr Gesundheit f\u00fcr mehr Menschen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>F\u00f6deralismus als Chance<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBesonders wichtig ist dabei das Zusammenwirken der Kantone. In unserem Land wird vieles zuerst im Kleinen ausgiebig getestet und kritisch durchleuchtet. Dies mit vergleichsweise grossem Aufwand. Der stark verwurzelte F\u00f6deralismus und die Mehrsprachigkeit machen es dabei nicht immer einfach, gute Projekte fl\u00e4chendeckend auszurollen. Doch wenn alle Akteure mitwirken, k\u00f6nnen diese vermeintlichen Nachteile in Vorteile umgewandelt werden. Sobald wir sehen, was tats\u00e4chlich wirkt, k\u00f6nnen wir es auch guten Gewissens gemeinsam weiterf\u00fchren, optimieren und verankern. Die Covid-19-Pandemie hat uns wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, eine gesunde Balance zu finden \u2013 zwischen zentraler Steuerung und f\u00f6deralistischer Selbstbestimmung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJedoch kann auch das beste System aus eigener Kraft nicht viel erreichen. Vielmehr ist es auf die Mitwirkung der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger angewiesen. Deshalb geht es bei Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention keineswegs um Bevormundung. Das Ziel der Bem\u00fchungen ist, die gesunden Kr\u00e4fte in der Bev\u00f6lkerung zu mobilisieren. Mit Anreizen und Unterst\u00fctzung kann die Eigenverantwortung gef\u00f6rdert werden. Auch dies f\u00fchrt uns die Pandemie mit aller Deutlichkeit vor Augen: Ohne Eigenverantwortung geht in unserer liberalen Gesellschaft gar nichts. Und das ist auch gut so.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nK\u00fcnftig sollten wir die Mittel da einsetzen, wo langfristig die beste Wirkung erzielt wird. Die Vernachl\u00e4ssigung von Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention k\u00f6nnen wir uns nicht mehr leisten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Fr\u00fchjahr 2020 wird als Corona-Fr\u00fchling in die Geschichte eingehen: Die Pandemie, vor der die Experten schon viele Jahre gewarnt hatten, brach tats\u00e4chlich \u00fcber die ganze Welt herein. Mit gravierenden Folgen f\u00fcr die Gesundheit, f\u00fcr die Wirtschaft und f\u00fcr die Gesellschaft.&#13; &#13; Post Corona wird die Welt eine andere sein. 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Weiter f\u00f6rdert die Stiftung die psychische Gesundheit in Unternehmen (<a href=\"https:\/\/gesundheitsfoerderung.ch\/betriebliches-gesundheitsmanagement.html\">betriebliches Gesundheitsmanagement<\/a>). Zudem setzt sie auf <a href=\"https:\/\/gesundheitsfoerderung.ch\/pgv.html\">Pilotprojekte<\/a> im kurativen Bereich, die konkreten Innovationen zum Durchbruch verhelfen sollen. 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