{"id":101720,"date":"2020-06-22T12:03:51","date_gmt":"2020-06-22T12:03:51","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/06\/kaempf-07-2020fr\/"},"modified":"2024-02-05T16:51:52","modified_gmt":"2024-02-05T15:51:52","slug":"teure-neue-medikamente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/06\/teure-neue-medikamente\/","title":{"rendered":"Teure neue Medikamente"},"content":{"rendered":"<p>Die Coronavirus-Pandemie hat die gesundheitspolitische Agenda auf den Kopf gestellt. Dabei verz\u00f6gerte sich auch die Er\u00f6ffnung der Vernehmlassung zu kostend\u00e4mpfenden Massnahmen: In einem zweiten Massnahmenpaket wollte der Bundesrat verschiedene Modelle f\u00fcr die \u00dcbernahme von Medikamentenkosten pr\u00fcfen, wobei die teuersten Pr\u00e4parate im Vordergrund standen. Eine solche Analyse bleibt nach wie vor unabdingbar.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren kamen immer st\u00e4rker individualisierte Therapien auf den Markt. Grunds\u00e4tzlich ist dieser Trend zur personalisierten Medizin, insbesondere zur Behandlung seltener Krankheiten, erfreulich. Allerdings sind auch Bedenken angebracht, denn die neuen Medikamente sind oftmals extrem teuer. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, dass diese Pr\u00e4parate den finanziellen Druck auf das Krankenversicherungssystem weiter erh\u00f6hen werden. So haben sich die Kosten von Krebsmedikamenten, die zulasten der obligatorischen Grundversicherung gehen, in den letzten f\u00fcnf Jahren fast verdoppelt. Sie stiegen von j\u00e4hrlich 580 auf 935 Millionen Franken.<\/p>\n<p>Auch der Absatz von Medikamenten, die zwischen 10\u2019000 und gut 100\u2019000 Franken kosten, nahm in diesem Zeitraum um j\u00e4hrlich mehr als 10 Prozent zu. Bei der H\u00e4lfte davon handelt es sich um Krebsmedikamente, die zweistellige Zuwachsraten aufweisen. Der Krankenkassenverband Sant\u00e9suisse rechnet bei Medikamenten ab 10\u2019000 Franken mit Zusatzkosten von rund 200 Millionen Franken pro Jahr.<\/p>\n<h2><strong>Solidarit\u00e4tsprinzip gef\u00e4hrdet<\/strong><\/h2>\n<p>Diese Zuwachsraten sind in zweifacher Hinsicht problematisch: Zum einen haben sie f\u00fcr die Krankenversicherer und damit auch f\u00fcr die Versicherten immer h\u00f6here Kosten zur Folge \u2013 zum andern ist die Wirksamkeit dieser Medikamente nicht in allen F\u00e4llen nachgewiesen.<\/p>\n<p>Sant\u00e9suisse will unbedingt vermeiden, dass der Zugang zu bestimmten Medikamenten preisbedingt eingeschr\u00e4nkt werden muss, wie dies in anderen L\u00e4ndern der Fall ist: Jegliche Beschr\u00e4nkung des Zugangs zu kostenintensiven Behandlungen w\u00fcrde das Solidarit\u00e4tsprinzip untergraben, das die Grundlage des Schweizer Krankenversicherungssystems bildet. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass sich die Pr\u00e4mienzahlenden an der Finanzierung von Therapien beteiligen m\u00fcssen, deren Nutzen f\u00fcr die Patienten nicht garantiert ist.<\/p>\n<p>Neue Modelle f\u00fcr die Kosten\u00fcbernahme, die den Kriterien Wirksamkeit, Zweckm\u00e4ssigkeit und Wirtschaftlichkeit uneingeschr\u00e4nkt Rechnung tragen, sind unerl\u00e4sslich. Gem\u00e4ss dem <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/19940073\/index.html#a32\">Krankenversicherungsgesetz<\/a> m\u00fcssen diese Voraussetzungen bei jeder Leistungsabgeltung erf\u00fcllt sein.<\/p>\n<p>Denkbar w\u00e4re etwa ein Kostenerstattungssystem, das an den Behandlungserfolg gekoppelt ist (\u00abpay for performance\u00bb). Dieses w\u00fcrde beispielsweise f\u00fcr Medikamente gelten, deren Preis \u00fcber einer Schwelle von 50\u2019000 Franken pro Jahr liegt. Im Rahmen dieses neuen Systems w\u00fcrde die obligatorische Grundversicherung die Kosten von Arzneimitteln nur \u00fcbernehmen, wenn der Patient geheilt ist oder bedeutende positive Therapiewirkungen nachgewiesen sind.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Coronavirus-Pandemie hat die gesundheitspolitische Agenda auf den Kopf gestellt. Dabei verz\u00f6gerte sich auch die Er\u00f6ffnung der Vernehmlassung zu kostend\u00e4mpfenden Massnahmen: In einem zweiten Massnahmenpaket wollte der Bundesrat verschiedene Modelle f\u00fcr die \u00dcbernahme von Medikamentenkosten pr\u00fcfen, wobei die teuersten Pr\u00e4parate im Vordergrund standen. Eine solche Analyse bleibt nach wie vor unabdingbar. 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