{"id":101734,"date":"2020-06-22T12:03:51","date_gmt":"2020-06-22T12:03:51","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/06\/schlup-07-2020fr\/"},"modified":"2024-02-05T16:19:45","modified_gmt":"2024-02-05T15:19:45","slug":"gesundheitspolitischer-perspektivenwechsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/06\/gesundheitspolitischer-perspektivenwechsel\/","title":{"rendered":"Gesundheitspolitischer Perspektivenwechsel?"},"content":{"rendered":"<p>Die Politik der Kostend\u00e4mpfung des Departements des Innern (EDI) hat die gesundheitspolitische Diskussion in den letzten sieben Jahren gepr\u00e4gt. Angefangen hat diese Politik im Jahr 2013 mit einer Zielvorgabe von 20 Prozent Kostenersparnis. 2017 folgte ein Expertenbericht, und 2019 \u00fcberwies der Bundesrat dann die Botschaft zum ersten Kostend\u00e4mpfungspaket ans Parlament. Am 21. Februar 2020 begann \u2013 mit dem einstimmigen Eintreten auf dieses erste Kostend\u00e4mpfungspaket (inklusive einer Globalbudget-\u00e4hnlichen Massnahme) durch die Gesundheitskommission des Nationalrats \u2013 die Gesetzgebung dazu. Die Detailberatung sollte gleich im M\u00e4rz erfolgen und die Beratung in der Sondersession im Mai. Der Ausbruch der Corona-Pandemie stoppte das Vorhaben.<\/p>\n<p>Zehn Tage nachdem der Bundesrat die besondere Lage gem\u00e4ss Epidemiengesetz verk\u00fcndet hatte, reichte die CVP am 10. M\u00e4rz die Volksinitiative f\u00fcr eine Kostenbremse im Gesundheitswesen ein. Doch bereits Ende M\u00e4rz sagte die CVP-Nationalr\u00e4tin Ruth Humbel,\u00a0befragt zu k\u00fcnftigen Anpassungen des Pandemieplans, im <a href=\"https:\/\/www.aargauerzeitung.ch\/aargau\/kanton-aargau\/aargauer-gesundheitspolitikerin-ruth-humbel-ich-musste-meinen-vater-ueberzeugen-dass-ich-einkaufe-137538440\">\u00abAargauer Tagblatt\u00bb<\/a><em>:<\/em> \u00abDa d\u00fcrfen wir nicht mehr bloss auf den tiefsten Preis schauen, wir m\u00fcssen die Versorgungssicherheit garantieren.\u00bb<\/p>\n<p>Im Mai segneten die R\u00e4te \u2013 statt \u00fcber kostensenkende Massnahmen zu beraten \u2013 in einer ausserordentlichen Session milliardenschwere Massnahmen zur Abfederung der Auswirkungen des Coronavirus auf Wirtschaft und Gesellschaft ab.<\/p>\n<h2><strong>\u00d6ffentlichkeit erwacht<\/strong><\/h2>\n<p>Wird Versorgungssicherheit bei der Beurteilung von Kosten und Nutzen des Gesundheitswesens ein neues wichtiges Kriterium? Erste Hinweise, die zeigen, wie sensibel die Bev\u00f6lkerung reagieren kann, sind sichtbar. Ende M\u00e4rz haben die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften (SAMW) und die Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Intensivmedizin (SGI) Richtlinien f\u00fcr Triage-Entscheidungen auf Intensivstationen ver\u00f6ffentlicht. Diese wurden \u2013 auch in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 intensiv diskutiert. Das Bewusstsein daf\u00fcr, dass bei zu knappen Ressourcen nicht alle Menschen angemessen behandelt werden k\u00f6nnten, ist gross.<\/p>\n<p>Es ist davon auszugehen, dass das EDI im Rahmen des schon l\u00e4nger angek\u00fcndigten zweiten Kostend\u00e4mpfungspakets fr\u00fcher oder sp\u00e4ter eine Vernehmlassung zu Zielvorgaben oder Globalbudgets er\u00f6ffnen wird. Dies, obschon erwiesen ist, dass <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.4414\/saez.2020.18717\">Globalbudgets<\/a> die medizinische Versorgung der Bev\u00f6lkerung verschlechtern und ungeeignete Instrumente zur Kostend\u00e4mpfung sind. Ebenso denkbar \u2013 und ebenso fatal \u2013 w\u00e4re, dass eine unverbindliche Zielvorgabe pr\u00e4sentiert wird. In diesem Fall w\u00e4re das obligatorische \u00abGatekeeping\u00bb m\u00f6glicherweise das neue Vorzeigeobjekt des Bundes. Hundert Prozent der Bev\u00f6lkerung w\u00fcrden die gesundheitliche Erstberatung an einer neu zu gr\u00fcndenden medizinischen Anlaufstelle erhalten.<\/p>\n<p>Wir sind aber zuversichtlich, dass nach den bisherigen Erfahrungen mit der Corona-Krise weder das Parlament noch die Bev\u00f6lkerung Experimente durchf\u00fchren und das gute Funktionieren und die Qualit\u00e4t der Versorgung aufs Spiel setzen wollen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Politik der Kostend\u00e4mpfung des Departements des Innern (EDI) hat die gesundheitspolitische Diskussion in den letzten sieben Jahren gepr\u00e4gt. Angefangen hat diese Politik im Jahr 2013 mit einer Zielvorgabe von 20 Prozent Kostenersparnis. 2017 folgte ein Expertenbericht, und 2019 \u00fcberwies der Bundesrat dann die Botschaft zum ersten Kostend\u00e4mpfungspaket ans Parlament. Am 21. 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