{"id":101882,"date":"2020-06-16T11:27:20","date_gmt":"2020-06-16T11:27:20","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/06\/schmidheiny-07-2020fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:54:13","modified_gmt":"2023-08-23T20:54:13","slug":"abbau-des-internationalen-steuerwettbewerbs-nach-schweizer-vorbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/06\/abbau-des-internationalen-steuerwettbewerbs-nach-schweizer-vorbild\/","title":{"rendered":"Abbau des internationalen Steuerwettbewerbs nach Schweizer Vorbild"},"content":{"rendered":"<p>Tiefe Unternehmenssteuern sind ein zentraler Standortvorteil der Schweiz im globalen Wettbewerb. Bis zur Reform der Gewinnbesteuerung, die das Stimmvolk mit dem Bundesgesetz \u00fcber die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (Staf) im Jahr 2019 angenommen hat, geh\u00f6rte die Schweiz insbesondere f\u00fcr privilegiert besteuerte Unternehmen international zu den steuerg\u00fcnstigsten Standorten. Der Wegfall dieser Privilegien ab Anfang 2020 wurde kompensiert durch ein neues Privileg f\u00fcr Lizenzgewinne, vor allem aber durch markant gesenkte kantonale Steuers\u00e4tze.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDamit konnte die Schweiz ihre Standortattraktivit\u00e4t vorerst gut verteidigen. Doch werden Steuern als zentraler Standortvorteil der Schweiz auch in Zukunft Bestand haben? Ein Blick auf den Umgang der Schweiz mit dem inl\u00e4ndischen Steuerwettbewerb l\u00e4sst vermuten, dass die Bedeutung tiefer Steuern auch im globalen Standortwettbewerb sinken wird.&#13;<\/p>\n<h2>Schweizer Steuerpolitik kritisiert<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus Sicht vieler L\u00e4nder stellen die tiefen Unternehmenssteuern der Schweiz ein Problem dar. Die Schweiz gilt zusammen mit Belgien, Irland, Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Singapur, Puerto Rico und Hongkong als Steueroase. Dank tiefer Unternehmenssteuern lassen sich viele multinationale Konzerne in der Schweiz nieder und versteuern ihre globalen Gewinne hier. Es wird vermutet, dass ein grosser Teil dieser g\u00fcnstig versteuerten Gewinne nicht durch echte Wertsch\u00f6pfung vor Ort entstand, sondern durch Gewinnverschiebungen mittels manipulierter konzerninterner Transferpreise, Kreditzinsen oder Lizenzgeb\u00fchren f\u00fcr geistiges Eigentum.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSolche Gewinnverschiebungen in Steueroasen erodieren die Steuerbasis sowohl in den grossen Industriel\u00e4ndern wie auch in den Entwicklungsl\u00e4ndern. Die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenl\u00e4nder (G20) starteten deshalb 2013 die gemeinsame Initiative \u00ab<a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/tax\/beps\/beps-actions\/\">Base Erosion and Profit Shifting Project<\/a>\u00bb (Beps), um die aus ihrer Sicht sch\u00e4dlichen Praktiken mittels 15 Massnahmenpaketen einzud\u00e4mmen. Der Druck auf die Schweiz zur Aufhebung der kantonalen Steuerprivilegien ist eine direkte Folge dieser internationalen Initiative.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit der Gr\u00fcndung der Schweiz als f\u00f6deralistisch organisierter Bundesstaat geniessen die Kantone und Gemeinden weitgehende Autonomie bei der Erhebung ihrer Steuern. Diese fiskalische Autonomie f\u00fchrte zu grossen Unterschieden bei der Steuerbelastung wie auch beim Steuersubstrat innerhalb der Schweiz. Die Schweiz hat jedoch wirksame Instrumente entwickelt, um die sch\u00e4dlichen Aspekte des Steuerwettbewerbs zu b\u00e4ndigen.&#13;<\/p>\n<h2>Kantonaler Steuerwettbewerb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz geh\u00f6rt zu den L\u00e4ndern mit der am st\u00e4rksten dezentralisierten Steuerpolitik. Etwa 40 Prozent des gesamten Steuerertrags entstehen bei Kantonen und Gemeinden.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Nur in Kanada mit seinen zehn Provinzen ist dieser Wert h\u00f6her. Die Schweiz ist auch das Land mit der gr\u00f6ssten faktischen Autonomie der Teilstaaten bei der Festlegung von Steuers\u00e4tzen und Freibetr\u00e4gen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese Dezentralisierung f\u00fchrt zu grossen Unterschieden bei der Steuerbelastung: 2018 war die Gewinnsteuer in Basel-Stadt mit 25,6 Prozent rund doppelt so hoch wie in Nidwalden mit 12,7 Prozent (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Noch deutlicher sind die Unterschiede beim Steuersubstrat: 2016 betrugen die versteuerten Gewinne pro Einwohner im Wallis 3800 Franken, im Kanton Zug 104\u2019000 Franken \u2013 d. h., sie waren rund 27-mal gr\u00f6sser (siehe <em>Abbildung 2<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Gewinnsteuern nach Kantonen (2018)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"7-2020_schmidheiny_abb1_de\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#7-2020_schmidheiny_abb1_de').highcharts({  \n  chart: {\n        type: 'bar'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    },legend: {\n            enabled: false\n        },\n    \n    xAxis: {\n        categories: ['Basel-Stadt', 'Genf', 'Jura', 'Tessin', 'Freiburg', 'Z\u00fcrich', 'Waadt', 'Graub\u00fcnden', 'Basel-Landschaft', 'Bern', 'Glarus', 'Schaffhausen', 'Solothurn', 'Wallis', 'St. Gallen', 'Thurgau', 'Neuenburg', 'Schwyz', 'Aargau', 'Uri', 'Obwalden', 'Luzern', 'Appenzell I.Rh.', 'Appenzell A.Rh.', 'Zug', 'Nidwalden'],\n        title: {\n            text: null\n        }\n    },\n    yAxis: {\n        min: 0, max: 60,\n        title: {\n            text: 'Gewinnsteuer'\n        },\n        \n     \n        labels: {format: '{value}%',\n            overflow: 'justify'\n        }\n    },\n    tooltip: {valueDecimals: 0,\n        valueSuffix: '%'\n    },\n    plotOptions: {\n        bar: {\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n    \n    credits: {\n        enabled: false\n    },\n series: [{name: 'Gewinnsteuer',\n\n            \n            data: [25.54, 24.93, 24.24, 23.43, 22.93, 22.85, 21.37, 21.01, 20.30, 19.87, 18.35, 17.91, 17.61, 17.46, 17.40, 16.43, 15.61, 15.19, 15.11, 14.93, 14.92, 14.34, 14.16, 13.83, 13.14, 12.77] \n        }]\n});\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Die Abbildung zeigt Reingewinn- und Kapitalbelastung (in Prozent des Gewinns vor Abzug der bezahlten Steuern) durch Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern sowie die direkte Bundessteuer im Kantonshauptort f\u00fcr eine ordentlich besteuerte Aktiengesellschaft mit 2 Mio. Kapital und 8% Rendite.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: ESTV (2019a) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Versteuerte Gewinne pro Einwohner, nach Kantonen (2016)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"7-2020_schmidheiny_abb2_de\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#7-2020_schmidheiny_abb2_de').highcharts({  \n\nchart: {\n        type: 'bar'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    },legend: {\n            enabled: false\n        },\n    \n    xAxis: {\n        categories: ['Zug', 'Basel-Stadt', 'Schaffhausen', 'Waadt', 'Genf', 'Schwyz', 'Neuenburg', 'Nidwalden', 'Z\u00fcrich', 'Freiburg', 'Basel-Landschaft', 'Luzern', 'Tessin', 'Obwalden', 'St. Gallen', 'Jura', 'Glarus', 'Appenzell I.Rh.', 'Bern', 'Appenzell A.Rh.', 'Uri', 'Graub\u00fcnden', 'Thurgau', 'Aargau', 'Solothurn', 'Wallis'],\n        title: {\n            text: null\n        }\n    },\n    yAxis: {\n        min: 0,\n        title: {\n            text: 'in Franken'\n        },\n        \n     \n        labels: {format: '{value} ',\n            overflow: 'justify'\n        }\n    },\n    tooltip: {valueDecimals: 0,\n        valueSuffix: 'Fr.'\n    },\n    plotOptions: {\n        bar: {\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n    \n    credits: {\n        enabled: false\n    },\n series: [{name: 'Versteuerte Gewinne pro Einwohner',\n     \ndata: [104058.20, 33600.76, 28397.16, 26159.24, 25381.45, 22241.70, 18890.50, 18135.70, 15785.34, 12548.23, 11976.09, 11879.04, 10753.60, 10279.28, 9094.91, 8443.03, 8134.61, 7955.42, 7894.11, 7717.79, 6751.83, 5645.17, 5159.04, 5129.85, 4613.85, 3782.17] \n        }]\n});\n\n\n\n\n});\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Die Abbildung zeigt versteuerte Reingewinne (nach Abzug der bezahlten Steuern) berechnet aus den Ertr\u00e4gen der direkten Bundessteuer mit einem Steuersatz von 8,5%.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: ESTV (2019b) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Eingeschr\u00e4nkter Steuerwettbewerb der Kantone<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz grosser Autonomie der Kantone und Gemeinden bei der Festsetzung der lokalen Steuerbelastung wird der Steuerwettbewerb in der Schweiz heute mit griffigen Instrumenten eingeschr\u00e4nkt. Es ist davon auszugehen, dass die Unterschiede in der Steuerbelastung in den Kantonen und Gemeinden ohne diese Leitplanken deutlich ausgepr\u00e4gter w\u00e4ren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEines dieser Instrumente ist die <em>formelle Steuerharmonisierung<\/em>. Seit 1990 definiert das Bundesgesetz \u00fcber die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) die Steuerbasis in der Schweiz und legt die Grunds\u00e4tze fest, nach denen die kantonale Gesetzgebung zu gestalten ist. F\u00fcr die einheitliche Umsetzung des StHG sorgen die sogenannten <a href=\"https:\/\/www.estv.admin.ch\/estv\/de\/home\/direkte-bundessteuer\/direkte-bundessteuer\/fachinformationen\/kreisschreiben.html\">Kreis- und Rundschreiben der Eidgen\u00f6ssischen Steuerverwaltung<\/a>. Das StHG beschr\u00e4nkt die M\u00f6glichkeit, die Steuerlast spezifisch f\u00fcr Unternehmen zu senken, die besonders stark auf die Steuerbelastung reagieren.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Die Kantone und Gemeinden k\u00f6nnen damit nur \u00fcber den Steuertarif (Steuers\u00e4tze und Abz\u00fcge) in Wettbewerb miteinander treten. Die formelle Steuerharmonisierung verringert damit den Anreiz f\u00fcr Kantone und Gemeinden, Steuern zu senken, und vermindert so den Steuerwettbewerb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit 2008 verf\u00fcgt die Schweiz \u00fcber einen starken <em>Finanzausgleich<\/em> zwischen den Kantonen (NFA); auch dieser mindert den Wettbewerb. Im Jahr 2020 werden die 7 finanzst\u00e4rksten Kantone (ZH, SZ, OW, NW, ZG, BS, GE) den 19 finanzschwachen Kantonen im Rahmen des horizontalen Ressourcenausgleichs gesamthaft 1,7 Milliarden Franken \u00fcberweisen.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Der Ressourcenausgleich macht Steuersenkungen f\u00fcr finanzstarke und finanzschwache Kantone weniger attraktiv und vermindert somit den Steuerwettbewerb.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin weiteres Instrument ist die <em>formelbasierte Ertragsaufteilung<\/em>: Gewinne von schweizweit t\u00e4tigen Unternehmen werden in allen Kantonen besteuert, in denen das Unternehmen t\u00e4tig ist. Diese sogenannte Steuerausscheidung ist nicht im Steuergesetz geregelt, sondern beruht auf der Rechtsprechung des Bundesgerichts und auf den Pr\u00e4zisierungen der <a href=\"https:\/\/www.steuerkonferenz.ch\/?Dokumente:Kreisschreiben\">Kreisschreiben<\/a> der Schweizerischen Steuerkonferenz. Die Unternehmensgewinne werden aufgrund objektiver branchenspezifischer Kriterien (Hilfsfaktoren) wie etwa Umsatz, L\u00f6hne und kapitalisierter Mietzinse auf die Kantone aufgeteilt. Dadurch verliert der Steuersatz am Sitz des Unternehmens seine Bedeutung, und der Steuerwettbewerb wird ged\u00e4mpft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweiz kennt im Prinzip keinen landesweiten <em>Mindestsatz<\/em> f\u00fcr kantonale Steuers\u00e4tze. Die Kantone erhalten jedoch f\u00fcr die Erhebung der direkten Bundessteuer (DBSt) auf Unternehmensgewinne und Haushaltseinkommen einen Anteil von 21,2 Prozent an den im Kanton entstandenen Ertr\u00e4gen der DBSt.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Der Kantonsanteil der DBSt wirkt sich aus wie eine kantonale Steuer: Er w\u00e4chst mit dem kantonalen Steuersubstrat und fliesst ganz dem Kanton zu. Der Kantonsanteil setzt damit faktisch einen kantonalen Mindeststeuertarif auf Gewinne und Einkommen. Da die direkte Bundessteuer auf Unternehmensgewinne zurzeit 8,5 Prozent betr\u00e4gt, resultiert daraus ein kantonaler Gewinnsteuersatz von 1,8 Prozent. Auch ein solcher Mindeststeuersatz verringert den Steuerwettbewerb, da ein sogenanntes Race to the Bottom damit ausgeschlossen wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nLetztlich schr\u00e4nkte auch die zunehmende <em>Zentralisierung<\/em> den Wettbewerb unter den Kantonen ein. Im 20. Jahrhundert wurden dem Bund immer mehr Aufgaben \u00fcbertragen, entsprechend stiegen auch die direkten und indirekten Bundessteuern. Mit der Kriegssteuer von 1915 bis 1940, der Wehrsteuer und der Warenumsatzsteuer ab 1941, der direkten Bundessteuer ab 1982 sowie der Mehrwertsteuer ab 1995 wurden die steuerlichen Kompetenzen des Bundes stetig ausgebaut. Die vom Bund erhobenen Steuereinnahmen werden allerdings nicht nur f\u00fcr Aufgaben des Bundes verwendet, sondern zum Teil an die Kantone verteilt. So stammen fast 3,5 Milliarden Franken im Rahmen des NFA 2020 aus der Bundeskasse. Alle diese Zentralisierungsschritte f\u00fchrten zu einer geringeren Bedeutung der lokalen Steuereinnahmen und damit zu einer D\u00e4mpfung des Steuerwettbewerbs.&#13;<\/p>\n<h2>Schweiz als globales Vorbild?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie wettbewerbsbeschr\u00e4nkenden Massnahmen, welche die OECD und die G20 in der Beps-Initiative vorschlagen, folgen den Instrumenten, die die Schweiz schon seit Jahrzehnten anwendet. So zielt zum Beispiel die Beps-Massnahme 5 auf internationale Steuerpraktiken ab, die aus Sicht der OECD und der G20 den Steuerwettbewerb auf sch\u00e4dliche Weise befeuern. Im Fokus stehen insbesondere als unfair empfundene Erm\u00e4ssigungen f\u00fcr multinationale Konzerne. Die Massnahme hat somit die gleiche Zielsetzung wie das Steuerharmonisierungsgesetz in der Schweiz. Sie ist auch der Ausl\u00f6ser daf\u00fcr, dass die Schweizer Steuerprivilegien unter Druck gerieten und 2019 im Rahmen der Staf abgeschafft wurden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBis heute existiert kein supranationaler Finanzausgleich, der wie der Schweizer NFA Mittel von finanzstarken an finanzschwache L\u00e4nder umverteilt. Der mit 63,4 Milliarden Euro dotierte Koh\u00e4sionsfonds der Europ\u00e4ischen Kommission hat jedoch eine \u00e4hnliche Stossrichtung, da nur L\u00e4nder mit einem Bruttosozialprodukt von weniger als 90 Prozent des EU-Durchschnitts unterst\u00fctzt werden. Die Schweiz zahlte zwischen 2007 und 2017 selber einen <a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/erweiterungsbeitrag\/de\/home\/der_erweiterungsbeitrag\/kurzportraet-erweiterungsbeitrag.html\">Erweiterungsbeitrag<\/a> von 1,3 Milliarden Franken und unterst\u00fctzte so \u00abauf ihre Weise\u00bb das EU-Ziel, die wirtschaftliche und soziale Koh\u00e4sion zu st\u00e4rken. Seit der Finanzkrise von 2007 wird in der Europ\u00e4ischen Union die Einf\u00fchrung eines echten Finanzausgleichs diskutiert. Im Zuge der Corona-Krise erhielt diese Diskussion neuen Auftrieb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAnfang 2019 schlugen OECD und G20 im Rahmen der Beps-Massnahme 1 vor, einen Teil des Gewinns multinationaler Konzerne neu nach Umsatz auf die L\u00e4nder des Absatzmarktes aufzuteilen. Dieser \u00abPillar One\u00bb genannte Vorschlag ist eine formelbasierte Ertragsaufteilung \u00e4hnlich der Steuerausscheidung zwischen den Kantonen.<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> Er zielte urspr\u00fcnglich auf die Digitalindustrie (Suchmaschinen, soziale Medien, Online-Marktpl\u00e4tze, Cloud-Dienste etc..), wurde in der Zwischenzeit aber auf sogenannte Consumer-Facing Businesses ausgeweitet. Genannt werden z. B. H\u00e4ndler von Automobilen oder von Markenartikeln in der Elektronik-, der Luxus-, der Textil- und der Nahrungsmittelindustrie.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a> Dem neuen Regime sollen jedoch nur multinationale Konzerne mit grossem Umsatz (\u00fcber 750 Mio. Euro) unterstellt werden. Die \u00fcber 135 L\u00e4nder des sogenannten Inclusive Framework der OECD\/G20 beabsichtigen, bis Ende 2020 einen Konsens zu erreichen. Eine solche Reform w\u00fcrde die Schweiz mit ihren vielen international t\u00e4tigen Unternehmen schwer treffen. Das Finanzdepartement geht von j\u00e4hrlichen Einbussen zwischen 1 und 5 Milliarden Franken aus.<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a> Schwerwiegender als die direkten finanziellen Verluste w\u00e4re aber der Wegzug von multinationalen Unternehmen und ihrer Arbeitspl\u00e4tze.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn einem zweiten Teil (\u00abPillar Two\u00bb) der gleichen Massnahme schlagen OECD und G20 zudem eine internationale Mindestbesteuerung von multinationalen Konzernen vor. Ein solcher Mindestsatz, der deutlich \u00fcber den aktuellen Steuers\u00e4tzen der Tiefsteuerl\u00e4nder l\u00e4ge, w\u00fcrde auch die Schweiz betreffen und ihren steuerlichen Standortvorteil schm\u00e4lern. Es ist allerdings unklar, ob sich die mehr als 135 L\u00e4nder des Inclusive Framework auf einen verbindlichen Mindestsatz einigen k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine globale Zentralisierung von Steuerkompetenzen ist bestimmt kein Szenario der n\u00e4heren Zukunft. Es ist jedoch denkbar, dass sich die Europ\u00e4ische Union auf direkte europ\u00e4ische Steuern einigen k\u00f6nnte. Kurz- und mittelfristig ist in dieser Hinsicht jedoch kein Druck auf die Schweiz zu erwarten.&#13;<\/p>\n<h2>Andere Vorteile pflegen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz hat seit der Gr\u00fcndung des Bundesstaates den Steuerwettbewerb laufend mit wirksamen Instrumenten eingeschr\u00e4nkt. Die Bestrebungen der internationalen Gemeinschaft zur Regulierung des globalen Steuerwettbewerbs folgen dieser Entwicklung. Es ist deshalb zu erwarten, dass diese Bestrebungen zunehmen und den internationalen Steuerwettbewerb nachhaltig schw\u00e4chen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweiz wird immer weniger auf tiefe Steuern als zentralen Standortvorteil bauen k\u00f6nnen. Damit werden andere Standortfaktoren wie Unternehmergeist, gut ausgebildete Fachkr\u00e4fte, universit\u00e4re Spitzenforschung, b\u00fcrgernahe Politik und eine vielf\u00e4ltige Kulturlandschaft an Bedeutung gewinnen. Diese St\u00e4rken m\u00fcssen noch mehr als bisher gepflegt werden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe T\u00f8rsl\u00f8v, Wier und Zucman (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe OECD, <a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/tax\/federalism\/fiscal-decentralisation-database.htm\">Fiscal Decentralisation Database<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Br\u00fclhart, Bucovetsky und Schmidheiny (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Die Auslandgewinne internationaler Konzerne in der Schweiz sind gem\u00e4ss Sch\u00e4tzungen von Martin Daepp und David Staubli etwa siebenmal steuerempfindlicher als die Gewinne von inl\u00e4ndischen Unternehmen. Siehe ESTV (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\"><a href=\"https:\/\/www.efv.admin.ch\/efv\/de\/home\/themen\/finanzausgleich\/zahlen.html\">Mehr Informationen<\/a> auf EFV.admin.ch.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Vor der Reform des Nationalen Finanzausgleichs im Rahmen der Staf von 2019 konnte es sogar vorkommen, dass einem Kanton von jedem zus\u00e4tzlichen Steuerfranken mehr als ein Franken via NFA wieder verloren ging. Siehe Schaltegger und Leisibach (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Bis Ende 2019 betrug der Kantonsanteil noch 17 Prozent. Und der kantonale Gewinnsteuersatz 1,4 Prozent.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Die \u00c4hnlichkeit geht so weit, dass \u00abAmount C\u00bb in den Vorschl\u00e4gen der OECD\/G20 an das Pr\u00e4zipuum (ein spezieller Gewinnanteil f\u00fcr den Hauptsitzkanton) der Schweizer Steuerausscheidung erinnert.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Siehe OECD\/G20 (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Siehe NZZ (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tiefe Unternehmenssteuern sind ein zentraler Standortvorteil der Schweiz im globalen Wettbewerb. Bis zur Reform der Gewinnbesteuerung, die das Stimmvolk mit dem Bundesgesetz \u00fcber die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (Staf) im Jahr 2019 angenommen hat, geh\u00f6rte die Schweiz insbesondere f\u00fcr privilegiert besteuerte Unternehmen international zu den steuerg\u00fcnstigsten Standorten. 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