{"id":101983,"date":"2020-05-25T10:50:34","date_gmt":"2020-05-25T10:50:34","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/05\/plattner-06-2020fr\/"},"modified":"2024-02-05T16:47:31","modified_gmt":"2024-02-05T15:47:31","slug":"versorgung-mit-medikamenten-sicherstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/05\/versorgung-mit-medikamenten-sicherstellen\/","title":{"rendered":"Versorgung mit Medikamenten sicherstellen"},"content":{"rendered":"<p>Bei Krisen muss man zwischen lokal bedingten und globalen Schocks unterscheiden. Solange lokale Schocks global abgefedert werden k\u00f6nnen, ist die Pharmaindustrie stabil aufgestellt. Bei r\u00e4umlich begrenzten Ereignissen wie zum Beispiel einem starken Erdbeben z\u00e4hlt, dass die Produktion breit abgest\u00fctzt ist. Damit k\u00f6nnen lokal verursachte Produktionsausf\u00e4lle aufgefangen werden. In der Realit\u00e4t ist dies leider immer weniger der Fall. Seit einigen Jahren verlagern sich immer gr\u00f6ssere Teile der weltweiten Arzneimittelproduktion nach Fernost, wo sie sich auf wenige Produktionsstandorte verteilen. Die Abh\u00e4ngigkeit von solchen \u00abApotheken der Welt in der Arzneimittelgrundversorgung\u00bb muss verhindert und darf nicht mit nationalen Zulassungs- und Preisregulierungen noch gef\u00f6rdert werden. Preissenkungen bei Medikamenten \u2013 wie sie sich unter anderem aus der dreij\u00e4hrlichen \u00dcberpr\u00fcfung der Arzneimittel und dem derzeit diskutierten Referenzpreissystem ergeben \u2013 d\u00fcrfen nicht so weit gehen, dass die Produkte in der Schweiz aus Rentabilit\u00e4tsgr\u00fcnden nicht mehr verf\u00fcgbar sind. Weiterentwicklungen von bew\u00e4hrten Produkten werden durch ein solches Tiefpreisdiktat faktisch verunm\u00f6glicht, und es kommt zu einer Ausd\u00fcnnung des Angebotes. Nur mit einer geschickten Regulierung l\u00e4sst sich die l\u00fcckenlose Versorgung sicherstellen \u2013 hier ist die Politik gefordert.<\/p>\n<h2>Pharma als Hoffnungstr\u00e4gerin<\/h2>\n<p>Nebst Risiken ergeben sich aus gesundheitlichen Krisen Chancen, sind solche Ausnahmesituationen doch immer auch Antrieb f\u00fcr die Forschung. Pharmaindustrie und Universit\u00e4ten arbeiten in Krisensituationen unter Hochdruck zusammen, um rasch und unb\u00fcrokratisch Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln. Der Industrie kommt als Hoffnungstr\u00e4gerin eine wichtige gesellschaftliche Rolle zu. Dabei ist interessant, zu sehen, wie die Kostenfrage in den Hintergrund r\u00fcckt, wenn es darum geht, den explosionsartigen medizinischen Bedarf an dringend ben\u00f6tigten Therapien zu decken. In stabilen Zeiten wird die Pharmaindustrie als Kostenverursacherin angeprangert, in Krisensituationen geht es ums nackte \u00dcberleben. Epidemien wie Aids, Ebola oder Hepatitis haben die Pharmaindustrie immer wieder vor grosse Herausforderungen gestellt. Dank unerm\u00fcdlicher Forschung und medizinischem Fortschritt sind wir heute im Kampf gegen schwerwiegende Erkrankungen besser aufgestellt. Nebst der hoch innovativen Spitzenmedizin geht es aber genauso um die vielen etablierten Therapien der Grundversorgung mit grossem Nutzen f\u00fcr die breite Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Medikamente leisten auch einen Beitrag zu tragbaren Gesundheitskosten. Im Vergleich zu anderen, teuren Behandlungsoptionen wie etwa langen Kuraufenthalten oder Operationen sind sie h\u00e4ufig die g\u00fcnstigste Behandlungsmethode und damit per se die L\u00f6sung zur Kostenersparnis. Der rasche Zugang zu teilweise lebensnotwendigen Medikamenten hat seinen Preis, f\u00fchrt aber letztendlich dazu, dass die Patienten besser und schneller genesen. Dies reduziert nicht nur die individuelle Krankheitslast, sondern auch die gesellschaftlichen Kosten, die auf lange Sicht verursacht werden. Was die volkswirtschaftlichen Auswirkungen sein k\u00f6nnen, wenn kein geeignetes Medikament zur Verf\u00fcgung steht, erleben wir aktuell bei Covid-19 schmerzlich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Krisen muss man zwischen lokal bedingten und globalen Schocks unterscheiden. Solange lokale Schocks global abgefedert werden k\u00f6nnen, ist die Pharmaindustrie stabil aufgestellt. Bei r\u00e4umlich begrenzten Ereignissen wie zum Beispiel einem starken Erdbeben z\u00e4hlt, dass die Produktion breit abgest\u00fctzt ist. Damit k\u00f6nnen lokal verursachte Produktionsausf\u00e4lle aufgefangen werden. 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