{"id":102004,"date":"2020-05-25T10:50:33","date_gmt":"2020-05-25T10:50:33","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/05\/kohl-06-2020fr\/"},"modified":"2024-02-05T17:22:28","modified_gmt":"2024-02-05T16:22:28","slug":"robuste-schweizer-mem-industrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/05\/robuste-schweizer-mem-industrie\/","title":{"rendered":"Robuste Schweizer MEM-Industrie"},"content":{"rendered":"<p>Gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sind die Voraussetzung daf\u00fcr, dass die exportorientierte Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) exogene Schocks erfolgreich bew\u00e4ltigen kann. In den letzten zw\u00f6lf Jahren durchlebten wir vier solche Krisen: Zun\u00e4chst f\u00fchrte die Finanzkrise im Jahr 2009 zu einem weltweiten Nachfrageeinbruch. Zwei Jahre sp\u00e4ter wertete der Franken stark auf, sodass die Schweizerische Nationalbank einen Euro-Mindestkurs einf\u00fchrte. Dieser wurde im Januar 2015 abrupt aufgehoben, wodurch der Franken erneut stark an Wert gewann. Als vierter Schock folgt aktuell die Corona-Krise.<\/p>\n<p>Die Schweizer MEM-Industrie erzielt 80 Prozent ihres Umsatzes im Ausland, davon die H\u00e4lfte in der Eurozone. Bei exogenen Schocks brechen die Ums\u00e4tze weg \u2013 w\u00e4hrend die kurzfristig nur wenig beeinflussbaren Kosten bestehen bleiben. Viele Firmen gleiten deshalb unvermittelt in die Verlustzone ab.<\/p>\n<p>Um die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit zur\u00fcckzugewinnen, nutzen die Firmen nach exogenen Schocks das ganze Arsenal an betrieblichen Massnahmen. Kurzfristig sind dies Prozessoptimierungen, Effizienzsteigerungen, striktes Kostenmanagement sowie Arbeitszeitmassnahmen. Bei einem Nachfrageeinbruch \u2013 wie bei der Corona-Krise \u2013 steht das Instrument der Kurzarbeit im Vordergrund. Bei einem W\u00e4hrungsschock werden mit einer tempor\u00e4ren Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit die Lohnst\u00fcckkosten gesenkt.<\/p>\n<p>Mittelfristig hilft \u00abnatural hedging\u00bb f\u00fcr eine gewisse \u00abImmunisierung\u00bb gegen\u00fcber W\u00e4hrungsschocks. Zudem wird die Automatisierung einzelner Produktionsschritte vorangetrieben; sollte dies nicht m\u00f6glich sein, erfolgt eine Auslagerung ins Ausland. Als langfristig wirkende Massnahme setzen die Firmen auf Produkt- und Prozessinnovationen, zunehmend auch in die Digitalisierung.<\/p>\n<p>Der mit strukturellen \u00c4nderungen verbundene schmerzhafte Abbau von Arbeitspl\u00e4tzen dient letztlich dazu, die verbleibenden Arbeitspl\u00e4tze am Standort Schweiz wettbewerbsf\u00e4hig zu halten und mittelfristig sogar wieder auszubauen. Im Jahr 2019 betrug die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze in der MEM-Industrie 325\u2019000. 2004 waren es 310\u2019000.<\/p>\n<h2><strong>Sorge tragen<\/strong><\/h2>\n<p>Insgesamt hat die MEM-Industrie die verschiedenen j\u00fcngsten exogenen Schocks einigermassen gut absorbieren k\u00f6nnen. Welche wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sind hierzu hilfreich?<\/p>\n<p>Den Firmen ist der n\u00f6tige Handlungsspielraum einzur\u00e4umen. Im Zentrum steht dabei der relativ liberale Arbeitsmarkt, der eine flexible Anpassung der betrieblichen Strukturen zul\u00e4sst. Dar\u00fcber hinaus braucht es ein stabiles makro\u00f6konomisches Umfeld, und hierbei sind zwei Institutionen matchentscheidend, die nicht aufgeweicht werden d\u00fcrfen: erstens Preisstabilit\u00e4t. Das bedingt eine unabh\u00e4ngige Notenbank. Und zweitens solide Staatsfinanzen. Das hat die Schweiz mit der Schuldenbremse erreicht. Tragen wir Sorge zu diesen Institutionen!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sind die Voraussetzung daf\u00fcr, dass die exportorientierte Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) exogene Schocks erfolgreich bew\u00e4ltigen kann. In den letzten zw\u00f6lf Jahren durchlebten wir vier solche Krisen: Zun\u00e4chst f\u00fchrte die Finanzkrise im Jahr 2009 zu einem weltweiten Nachfrageeinbruch. 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