{"id":102245,"date":"2020-04-21T11:33:10","date_gmt":"2020-04-21T11:33:10","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/04\/bieri-breu-05-2020fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:54:35","modified_gmt":"2023-08-23T20:54:35","slug":"wirtschaftswachstum-ist-kein-allzweckmittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/04\/wirtschaftswachstum-ist-kein-allzweckmittel\/","title":{"rendered":"Wirtschaftswachstum ist kein Allzweckmittel"},"content":{"rendered":"<p>Das Kernziel der Entwicklungszusammenarbeit ist es, die globale Armut zu reduzieren. Misst man sie an diesem Ziel, so ist der Befund eindeutig: Die Armut geht zur\u00fcck. Seit 1990 wurde die Armut um \u00fcber 50 Prozent gesenkt. Gem\u00e4ss der Weltbank lebten 1990 1,89 Milliarden Menschen in extremer Armut. Im Jahr 2015 waren es noch 735 Millionen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAber Vorsicht: Gem\u00e4ss der Definition der Weltbank z\u00e4hlt zu den extrem Armen nur, wer weniger als 1.90 Dollar pro Tag zur Verf\u00fcgung hat. Erh\u00f6ht man diese Schwelle auf 5.50 Dollar \u2013 einen Wert, der n\u00e4her bei den staatlich definierten Armutsgrenzen liegt als der Vorschlag der Weltbank \u2013, so lebt sogar die H\u00e4lfte aller Menschen weltweit \u2013 also rund 3,8 Milliarden \u2013 in Armut.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVier weitere Einschr\u00e4nkungen r\u00fccken den vermeintlichen Erfolg in ein anderes Licht: Erstens, die Reduktion ist nicht fl\u00e4chendeckend. In Subsahara-Afrika etwa sind die Ergebnisse ern\u00fcchternd: In einem Drittel der L\u00e4nder schrumpften die Einkommen der \u00e4rmsten 40 Prozent, w\u00e4hrend die Einkommensgruppe, die zwischen 1.90 und 3.20 Dollar pro Tag zur Verf\u00fcgung hat, zahlenm\u00e4ssig den gr\u00f6ssten Zuwachs verzeichnete. Zweitens verlangsamt sich der Prozess der Armutsreduktion. In Lateinamerika etwa steigen die Zahlen der Armen wieder an. Drittens geht der L\u00f6wenanteil des R\u00fcckgangs auf das Konto von China, wo zwischen 1981 und 2015 850 Millionen Menschen aus der extremen Armut fanden. Und viertens: Einkommensgest\u00fctzte Indikatoren messen nur einen Teil dessen, was Armut f\u00fcr die allermeisten Betroffenen bedeutet. Entbehrungen bei der Bildung, der Ern\u00e4hrung, der Gesundheit oder der Sicherheit werden durch ein monet\u00e4res Armutsmass nicht abgebildet \u2013 auch wenn sie h\u00e4ufig vorkommen und nachweislich sehr hartn\u00e4ckige Merkmale von Armut sind.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Zudem verweisen diese nicht monet\u00e4r messbaren Gr\u00f6ssen darauf, dass der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Armutsreduktion komplizierter ist, als g\u00e4ngige \u00f6konomische Rezepte dies suggerieren. Das zeigt etwa das Beispiel Laos.&#13;<\/p>\n<h2>Laos: Geringe Armutsreduktion<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Fr\u00fchjahr 2019 erlebten Regierungsvertreter des s\u00fcdostasiatischen Landes Laos eine b\u00f6se \u00dcberraschung. Kurz zuvor hatte der UNO-Sonderberichterstatter f\u00fcr extreme Armut und Menschenrechte dem Land einen Besuch abgestattet und dabei die laotische Regierung daf\u00fcr gelobt, dass ihr Land seit 2005 durch ein konstant hohes Wirtschaftswachstum von \u00fcber 6,5 Prozent auf dem besten Weg sei, in den Kreis der Staaten mittleren Einkommens vorzustossen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDoch nun die Ern\u00fcchterung: Der Bericht des UNO-Sonderberichterstatters, der im Anschluss an den Besuch ver\u00f6ffentlicht wurde, weist mit unverkennbarer Deutlichkeit auf die M\u00e4ngel der offiziellen Entwicklungsstrategie hin. Die Armutsreduktion liege weit unter den Erwartungen. Durch den Fokus auf Grossinvestitionen in den Bereichen Wasserkraft, Minen und industrielle Landwirtschaft habe man kaum Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr die laotische Bev\u00f6lkerung geschaffen. Zudem verschulde sich das Land auf Jahrzehnte hinaus, w\u00e4hrend die Gewinne aus den get\u00e4tigten Investitionen vornehmlich an die wohlhabende Elite und an die ausl\u00e4ndischen Investoren fl\u00f6ssen. Die steigende Staatsverschuldung wiederum habe zur Folge, dass \u00f6ffentliche Dienstleistungen im Gesundheits- und Bildungssektor vernachl\u00e4ssigt w\u00fcrden. Darunter leide insbesondere die Landbev\u00f6lkerung, die aufgrund der get\u00e4tigten Grossinvestitionen verdr\u00e4ngt, marginalisiert und zunehmend verletzlicher werde. Mangelern\u00e4hrung ist in Laos weitverbreitet, und die Gesundheits- und Umweltsch\u00e4den der grossen Infrastruktur- und Rohstoffprojekte sind verheerend. Dabei schien das Land bisher vieles richtig zu machen: Das BIP-Wachstum lag \u00fcber die letzten 15 Jahre konstant bei 6 bis 8 Prozent. Und auch die Einkommensarmut konnte substanziell reduziert werden.&#13;<\/p>\n<h2>Landbev\u00f6lkerung profitiert kaum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Fokus auf ein starkes Wirtschaftswachstum erzeugte in Laos also Widerspr\u00fcche: Anstatt zu weniger Armut f\u00fchrte das Wachstum zu immer prek\u00e4reren Lebensbedingungen eines Grossteils der laotischen Bev\u00f6lkerung \u2013 namentlich der Armen auf dem Land.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Studien des Zentrums f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE) der Universit\u00e4t Bern sowie weiterer internationaler Organisationen in Laos lassen diesen Trend seit einiger Zeit erkennen.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Denn grosse Landnahmen durch ausl\u00e4ndische Investoren, wie sie die Regierung in Laos vorantreibt, f\u00fchren kaum zur Besch\u00e4ftigung inl\u00e4ndischer Angestellter, bem\u00fchen sich wenig um die Entwicklung der lokalen Wirtschaft und missachten oftmals die Vorgaben der Regierung bez\u00fcglich Arbeitsplatzschaffung. Die Abholzung des Gebirgsregenwaldes f\u00fcr den Plantagenanbau hat unmittelbare Folgen f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t und damit die lokalen Bewohner, die den Wald wirtschaftlich vielf\u00e4ltig nutzen \u2013 dies gilt insbesondere f\u00fcr die \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerungsschichten.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Eine schlechte Regierungsf\u00fchrung tr\u00e4gt dazu bei, dass Provinzregierungen beispielsweise eigenm\u00e4chtig investitionsrelevante Entscheide treffen.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie F\u00f6rderung lokaler, kleinr\u00e4umiger Entwicklung, wie sie auch die Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Laos verfolgt, ist deutlich vielversprechender als komplexe Grossprojekte, wie sie die laotische Regierung f\u00f6rdert. So schafft etwa der Kaffeeanbau saisonal Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung und l\u00e4sst sich in Haushalten, die auf Eigenversorgung ausgerichtet sind, integrieren. Investitionen in die Kaffeequalit\u00e4t w\u00fcrden zudem den Zugang zu neuen M\u00e4rkten erm\u00f6glichen. Allerdings sieht die Realit\u00e4t anders aus: L\u00fccken in der Umsetzung f\u00fchren dazu, dass kleinb\u00e4uerliche laotische Familien dennoch h\u00e4ufig gezwungen sind, ihre Ertr\u00e4ge an vietnamesische H\u00e4ndler zu verkaufen. Diese H\u00e4ndler zahlen, im Unterschied zu den globalen Handelsketten, n\u00e4mlich sofort. Ergo zahlen sich auch die Investitionen in die Qualit\u00e4t kaum aus, und bessere Perspektiven f\u00fcr Bauernfamilien lassen weiterhin auf sich warten.<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Beispiel Laos zeigt m\u00f6gliche Fehlentwicklungen einer von oben verordneten wirtschaftlichen Wachstumsstrategie in einem sogenannten Least Developed Country \u2013 also einem der am wenigsten entwickelten L\u00e4nder. Wirtschaftswachstum ist dann sinnvoll, wenn soziale und politische Dimensionen mitber\u00fccksichtigt werden und breite Bev\u00f6lkerungsschichten davon profitieren. Mit dem Fokus auf schnelle Wachstumsgewinne besteht nachweislich die Gefahr, dass bestehende Ungleichheiten weiter versch\u00e4rft statt behoben werden. Mit anderen Worten: Die erw\u00e4hnte Entwicklungsstrategie der laotischen Regierung ist nicht zielf\u00fchrend. Schlimmer noch: Sie erzeugt irreversible Sch\u00e4den \u2013 namentlich an der Umwelt \u2013, wovon wiederum haupts\u00e4chlich die landabh\u00e4ngige b\u00e4uerliche Bev\u00f6lkerung betroffen ist.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Kaum Arbeitspl\u00e4tze geschaffen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie aktuelle Botschaft zur Strategie der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz (<a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-78145.html\">IZA-Botschaft<\/a>) setzt als eines von vier Zielen auf Wirtschaftswachstum und folgt so dem internationalen Trend der OECD-Gebernationen. Ein Hauptargument in der aktuellen IZA-Botschaft ist, dass ausl\u00e4ndische Investitionen Arbeitspl\u00e4tze schaffen. Dieser Zusammenhang ist aber oftmals nicht gegeben. Denn einheimische Arbeitskr\u00e4fte in wenig entwickelten L\u00e4ndern verf\u00fcgen nur selten \u00fcber das Profil, das ausl\u00e4ndische Unternehmen suchen. Im Fall von Laos deuten unsere Ergebnisse eher darauf hin, dass der Arbeitskr\u00e4fte\u00fcberschuss im Nachgang von grossen Landnahmen in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen ansteigt.<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a> Die hyperglobalisierte Wirtschaft erh\u00f6ht zudem das Risiko, dass weltwirtschaftliche Gefahren wie Preisschocks und Nahrungsmittelengp\u00e4sse Entwicklungsl\u00e4nder, und dort wiederum die \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerungsschichten, \u00fcberproportional treffen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSoziale Sicherheitsnetze w\u00fcrden solche Risiken abfedern. Transfers in Form von Sozialleistungen sind von vorrangiger Bedeutung f\u00fcr \u00abmenschenw\u00fcrdige Arbeitspl\u00e4tze\u00bb, wie sie die IZA-Botschaft verlangt. Zudem sind sie auch ein Kernanliegen der UNO-Agenda 2030 f\u00fcr nachhaltige Entwicklung, die gleichwertige Perspektiven schaffen und die Ungleichheit \u00fcberwinden will. Weltweit verf\u00fcgt heute nicht einmal die H\u00e4lfte der Menschen \u00fcber einen Zugriff auf soziale Transfers, wobei es regional grosse Unterschiede gibt: In westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern werden \u00fcber 15 Prozent des Bruttonationaleinkommens \u00fcber die \u00f6ffentliche soziale Sicherheit umverteilt; in Subsahara-Afrika liegt dieser Wert unter 5 Prozent. Gut 80 Prozent der Bev\u00f6lkerung Europas sind ausserdem in irgendeiner Form an soziale Transfers angeschlossen, w\u00e4hrend es in Subsahara-Afrika nur 15 Prozent sind.<a href=\"#footnote_11\" id=\"footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor\">[11]<\/a> Der indische \u00d6konomie-Nobelpreistr\u00e4ger Amartya Sen setzte Entwicklung mit der Erweiterung von Handlungsm\u00f6glichkeiten gleich. Kurz: mit einem Mehr an Freiheit. In diesem Sinne m\u00fcsste man sich folglich bei der Schaffung von menschenw\u00fcrdigen Arbeitspl\u00e4tzen als Entwicklungsaufgabe zwingend die Frage der sozialen Absicherung stellen.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaft als Entwicklungschance<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNichtsdestotrotz: Wirtschaftsentwicklung ist ein zentrales Mittel f\u00fcr eine erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit und Armutsbek\u00e4mpfung in Entwicklungsl\u00e4ndern, wenn sie nicht zum Selbstzweck verkommt. F\u00fcr die Entwicklungszusammenarbeit vor Ort bedeutet dies: Die lokale Wertsch\u00f6pfung muss im Zentrum stehen und mit kluger sozialer Abfederung kombiniert werden. Im Landwirtschaftssektor etwa bedeutet das, die Vorteile kleinb\u00e4uerlicher Produktion f\u00fcr entsprechende M\u00e4rkte herauszuarbeiten.\u00a0 Insbesondere die Resilienz von Kleinbauern und -b\u00e4uerinnen muss gest\u00e4rkt werden \u2013 etwa mittels Vorauszahlung des vereinbarten Lieferumfangs durch die Abnehmer, zeitnaher Informationsangebote \u00fcber unterschiedliche Preise der Abnehmer via soziale Medien oder innovativer Lohnmodelle, beispielsweise mit kollektiv verwalteten Sparanteilen. Bei der Definition von Qualit\u00e4tsstandards wiederum gilt es darauf zu achten, dass diese nicht zu einem Ausschluss von lokalen Produzenten, namentlich der Frauen, f\u00fchren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Herausforderung ist auch die Technologie. Technologische Neuerungen k\u00f6nnen einerseits Informationen verbessern, Kosten senken und Kommunikationswege direkter gestalten. Unkritisch eingesetzte technologische Neuerungen bringen andererseits jedoch neue, unvorhersehbare soziale Dynamiken, welche diese Vorteile wiederum vernichten. Technologieentwicklung und Technologietransfer m\u00fcssen deshalb systematisch evaluiert und durch einen Fokus auf einen gerechten Zugang und den Ausbau der Kompetenzen aller Bev\u00f6lkerungsgruppen, auch der Frauen, erg\u00e4nzt werden. Die Erweiterung der lokalen Kompetenzen ist auch n\u00f6tig, um eigenst\u00e4ndige L\u00f6sungen zu finden \u2013 etwa zur Frage, wie Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch entkoppelt werden k\u00f6nnen. Dazu ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit lokalen Bildungs- und Forschungsinitiativen grundlegend.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDen Entwicklungspartnern in der Schweiz bietet sich mit der neuen IZA-Botschaft die Chance, die Entwicklungszusammenarbeit konsequent im Sinne der UNO-Agenda 2030 f\u00fcr nachhaltige Entwicklung zu gestalten: eine Zusammenarbeit, welche die Handlungsf\u00e4higkeit in den Ziell\u00e4ndern erweitern soll und will, dass niemand auf der Strecke bleibt. Die Agenda setzt den Rahmen f\u00fcr eine systemisch ausgelegte internationale Zusammenarbeit in den Partnerl\u00e4ndern. Es geht nicht l\u00e4nger darum, einzelne Ziele isoliert zu verfolgen, sondern Wechselwirkungen und Abh\u00e4ngigkeiten zu beachten und f\u00fcr transformative Fortschritte in Wert zu setzen. So m\u00fcssen Klimaschutzprogramme etwa auf ihre Armutsdimension gepr\u00fcft und allenfalls angepasst werden. Umgekehrt wirken sich Produktionssteigerungen in der Landwirtschaft auf die Biodiversit\u00e4t aus: Solche und andere Zielkonflikte gilt es transparent auszuhandeln.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas politische Handeln soll damit aus den einzelnen Politiksektoren herausgel\u00f6st werden. Auch die Gebernationen r\u00fccken damit mit ihrer Landwirtschafts-, Handels-, Umwelt-, Forschungs- und Steuerpolitik in den Fokus: Hier braucht es Anpassungen, wenn sich die Partnerl\u00e4nder nachhaltig entwickeln sollen. Zum Beispiel in der Steuerpolitik, die den Entwicklungsl\u00e4ndern teilweise das Steuersubstrat abzieht und so den Aufbau von wichtiger Infrastruktur und Dienstleistungen verhindert. Mit dieser Strategie w\u00fcrde die Schweiz einen beispielhaften Schritt weg von der Auslagerung der sozialen und \u00f6kologischen Kosten auf die L\u00e4nder des S\u00fcdens machen \u2013 und stattdessen hin zu einer gerechteren globalen Wirtschaft und Gesellschaft.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Weltbank (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Weltbank (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Weltbank (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">OHCHR (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Siehe Ingalls (2019), Epprecht et al. (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Siehe Ingalls (2019), MAF (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Siehe Hett (2019) und Ingalls (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">FATE (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Siehe Rigg (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Siehe Hett (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_11\" class=\"footnote--item\">WSPR (2017-19).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kernziel der Entwicklungszusammenarbeit ist es, die globale Armut zu reduzieren. 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(2019).<a href=\"https:\/\/boris.unibe.ch\/120285\/7\/State%20of%20Land%20in%20the%20Mekong%20Region_new.pdf\"> State of the Land in the Mekong Region<\/a>. Centre for Development and Environment CDE, University of Bern\/Mekong Region Land Governance (MRLG). Lao PDR and Bern Open Publishing. (letzter Zugriff: 1.03.2020).<\/li>&#13;\n \t<li>MAF (2019). Securing National Sustainable Development and Conservation Goals Through Local Land Use Planning. Policy Brief No.4\/2019. Ministry of Agriculture and Forestry, The Agrobiodiversity Initiative TABI, Centre for Development and Environment, University of Bern.<\/li>&#13;\n \t<li>OHCHR (2019). <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/EN\/NewsEvents\/Pages\/DisplayNews.aspx?NewsID=24417&amp;LangID=E\">UN Office of the High Commissioner of Human Rights. Statement by Professor Philip Alston, UN Special Rapporteur on Extreme Poverty and Human Rights on His Visit to Lao PDR<\/a>, 18-28 March 2019. (letzter Zugriff: 03.02.2020).<\/li>&#13;\n \t<li>Rigg, Jonathan (2015). Challenging South-East Asian Development. The Shadows of Success. London, Routledge.<\/li>&#13;\n \t<li>Weltbank (2020). <a href=\"http:\/\/povertydata.worldbank.org\/poverty\/home\/\">Poverty Data<\/a>. <em>letzter Zugriff: 29.01.20).<\/em><\/li>&#13;\n \t<li>Weltbank (2018). <a href=\"https:\/\/www.worldbank.org\/en\/news\/press-release\/2018\/10\/17\/nearly-half-the-world-lives-on-less-than-550-a-day\">Nearly Half the World Lives on Less than $ 5.50 Dollar a Day<\/a>. Press Release, October 17, 2018. (letzter Zugriff: 29.01.20).<\/li>&#13;\n \t<li>WSPR (2017-19). <a href=\"https:\/\/www.social-protection.org\/gimi\/AggregateIndicator.action#coverage\">World Social Protection Report Data 2017-2019<\/a>. (letzter Zugriff: 28.02.20).<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":102248,"main_focus":[156016,156817],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":102252,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"93832","post_abstract":"Die vorliegende Botschaft des Bundes zur internationalen Zusammenarbeit setzt als eines von vier Zielen auf Wirtschaftswachstum. Diese Priorisierung folgt dem internationalen Trend der OECD-Gebernationen. Die Wirksamkeit von wirtschaftlichem Wachstum zur Bew\u00e4ltigung des Armutsproblems wurde bereits in den Siebzigerjahren angezweifelt. Heute best\u00e4tigt die Weltbank, dass extreme Armut nicht allein \u00fcber Wachstum bek\u00e4mpft werden k\u00f6nne. Das Beispiel von Laos illustriert, dass eine einseitig auf Wachstum ausgerichtete Entwicklungspolitik unzureichend ist und bestehende Probleme allenfalls gar versch\u00e4rft. Eine wirksame internationale Zusammenarbeit muss auch die Frage der Verteilung angehen. Entwicklung im Sinne der UNO-Agenda 2030 soll Ungleichheiten \u00fcberwinden, und es soll niemand auf der Strecke bleiben. 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