{"id":102280,"date":"2020-04-21T11:00:38","date_gmt":"2020-04-21T11:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/04\/comment-fonctionne-le-marche-financier\/"},"modified":"2023-08-23T22:54:04","modified_gmt":"2023-08-23T20:54:04","slug":"wie-funktioniert-der-finanzmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/04\/wie-funktioniert-der-finanzmarkt\/","title":{"rendered":"Wie funktioniert der Finanzmarkt?"},"content":{"rendered":"<p>An den Finanzm\u00e4rkten treffen Angebot und Nachfrage aufeinander. Auf der Angebotsseite wird Kapital angelegt \u2013 auf der Nachfrageseite Kapital aufgenommen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nFinanzm\u00e4rkte stellen f\u00fcnf gesamtwirtschaftlich wichtige Funktionen sicher. Erstens werden \u00fcber den Finanzmarkt die Angebots- und Nachfragevolumina geb\u00fcndelt. Man spricht hier von einer sogenannten Losgr\u00f6ssentransformation. So fassen Banken beispielsweise viele kleine Sparguthaben zusammen und vergeben gr\u00f6ssere Kredite. Zweitens findet eine \u00abFristentransformation\u00bb statt: Banken k\u00f6nnen kurzfristige Kundengelder als Kredite mit l\u00e4ngerer Laufzeit ausleihen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDrittens bewirken Finanzm\u00e4rkte eine Risikotransformation. W\u00e4hrend eine Bank die Sicherheit der Spareinlagen garantiert, leiht sie diese gegen einen Risikozuschlag an Kreditnehmer aus. Wichtig ist: Die Sparer selber w\u00e4ren nicht bereit, das entsprechende Risiko selber zu tragen. Viertens erf\u00fcllen Finanzm\u00e4rkte eine Informationsfunktion, indem sie eine Vielzahl an Informationen wie Kurse und Zinss\u00e4tze generieren. Und f\u00fcnftens schliesslich sorgen Finanzm\u00e4rkte f\u00fcr eine effiziente Mittelallokation.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Finanzmarkt besteht unter anderem aus den monet\u00e4ren Teilm\u00e4rkten Kreditmarkt, Geldmarkt und Kapitalmarkt. Auf dem <em>Kreditmarkt<\/em> betreiben die Banken als wichtigste Schweizer Finanzintermedi\u00e4re das Kreditgesch\u00e4ft. Bei der Kreditfinanzierung nimmt eine Bank auf der einen Seite Passivgelder entgegen oder schafft dieses Geld sozusagen selber und leiht die Gelder auf der Aktivseite der Bilanz in der gew\u00fcnschten Form als Kredite wieder an Unternehmen, den Staat oder private Haushalte aus. Die Kapitalvermittlung auf dem Kreditmarkt erfolgt in Form von individualisierten Transaktionen. Die Bank tritt gegen\u00fcber den Einlegern und auch gegen\u00fcber den Kreditnehmern als Vertragspartei in eigenem Namen und auf eigene Rechnung auf. Gem\u00e4ss der Schweizerischen Nationalbank (SNB) beliefen sich die von Banken in der Schweiz vergebenen Kredite an inl\u00e4ndische Schuldner Ende 2019 auf 1,2 Billionen Franken. Dies entspricht beinahe dem doppelten Bruttoinlandprodukt (BIP).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Kreditvolumen der von Banken in der Schweiz vergebenen Kredite an inl\u00e4ndische Schuldner nahm im Jahr 2019 netto um rund 38 Milliarden Franken zu. Dies entspricht einem Plus von 3,3 Prozent gegen\u00fcber Ende 2018. Das gr\u00f6sste Wachstum verzeichneten die Hypothekarkredite (+32 Milliarden Franken), w\u00e4hrenddem das Kreditvolumen in den Jahren 2008 bis 2019 um 367 Milliarden Franken anstieg.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Geld- oder Kapitalmarkt?<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKredit- und kapitalsuchende Marktteilnehmer sind jedoch nicht ausschliesslich auf den Kreditmarkt angewiesen. Es finden auch Transaktionen auf \u00f6ffentlichen Finanzm\u00e4rkten statt. Dort erfolgt die Vermittlung jedoch in Form grosser, uniform gestalteter Tranchen. Diese Tranchen werden wiederum in einzeln handelbare Wertpapiere wie Aktien oder Obligationen zerst\u00fcckelt. Je nach Laufzeit eines Finanzinstruments sprechen wir beim \u00f6ffentlichen Finanzmarkt von Geld- oder Kapitalmarkt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf dem <em>Geldmarkt <\/em>werden kurzfristige Finanzinstrumente mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr gehandelt. Der Geldmarkt umfasst den Handel mit Zentralbankgeld und kurzfristigen Geldmarktpapieren. Auf diesem \u00abklassischen\u00bb Interbankenmarkt gleichen Banken ihre kurzfristigen Spitzen im Zahlungsverkehr aus und beschaffen sich kurzfristige Liquidit\u00e4t. Der Interbankenmarkt spielte bis zur Finanzkrise im Jahr 2008 eine wichtige Rolle. Inzwischen wurde er jedoch weitgehend durch den Repomarkt abgel\u00f6st, auf welchem Geld gegen Sicherheiten gew\u00e4hrt wird. Diese Verschiebung geht einher mit dem \u00dcbergang vom ungesicherten Referenzzinssatz Libor zum gesicherten, auf Repogesch\u00e4ften basierenden Refernzzinssatz Saron.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZum Geldmarkt im weiteren Sinne z\u00e4hlen neben den Transaktionen von Banken auch die Transaktionen von kommerziellen Unternehmen, Versicherungen, Pensionskassen, \u00f6ffentlichen Institutionen und Privatanlegern. \u00dcblicherweise handelt es sich dabei um kurzfristige Transaktionen bei Gesch\u00e4ftsbanken, um Geldmarktpapiere sowie Geldmarktbuchforderungen ab einem Mindestbetrag von 100\u2019000 Franken.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Handel mit Wertpapieren<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf dem <em>Kapitalmarkt <\/em>wiederum handeln die Marktakteure mittel- und langfristige Finanzinstrumente mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr. Dabei finden insbesondere Transaktionen zwischen Unternehmen und einem breiten Anlegerpublikum statt. Auf dem Kapitalmarkt werden Wertpapiere wie Aktien, Obligationen und Anlagefonds gehandelt, die \u00fcber einen langfristigen Charakter verf\u00fcgen. Dabei bestehen ein Markt f\u00fcr Beteiligungsrechte (zum Beispiel Aktien) und ein Markt f\u00fcr Forderungsrechte (beispielsweise Anleihen). Auch wenn ein Investor lediglich kurzfristigen Handel mit Aktien, Obligationen oder Fonds betreibt, ist er trotzdem am Kapitalmarkt und nicht am Geldmarkt t\u00e4tig.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Kapitalgeber erwartet in der Regel vom Kapitalnehmer f\u00fcr die \u00dcberlassung des Kapitals einen gewissen Ertrag in Form von Zins- oder Dividendenzahlungen. Akteure sind private Investoren sowie institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Fonds und Versicherungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDem Staat kommt die Aufgabe zu, einerseits mit Gesetzen und Verordnungen die Funktionsf\u00e4higkeit des freien Marktes und der B\u00f6rsen sicherzustellen und andererseits den Anlegerschutz zu gew\u00e4hrleisten.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Prim\u00e4r- oder Sekund\u00e4rmarkt?<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Kapitalmarkt kann wiederum in einen Prim\u00e4r- und einen Sekund\u00e4rmarkt unterteilt werden. Der Prim\u00e4rmarkt dient Unternehmen vor allem zur Kapitalbeschaffung. Er wird auch als Emissionsmarkt bezeichnet, da er die Erstausgabe von Wertpapieren umfasst. Mit der Ausgabe von Wertpapieren kann beispielsweise ein hoher Kapitalbedarf in kleine Betragseinheiten aufgespalten werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn ein Unternehmen einen Kapitalbedarf decken will und sich entschliesst, ein Wertpapier auszugeben, tritt es als Emittent auf dem Geld- oder dem Kapitalmarkt auf. Unternehmen k\u00f6nnen verschiedene Arten von Wertpapieren ausgeben \u2013 am h\u00e4ufigsten werden jedoch Aktien und Obligationen emittiert. Die Aktien oder Anleihen werden direkt bei Investoren oder indirekt via Banken am Markt platziert. Im Rahmen der Platzierung werden mit einer eingehenden Pr\u00fcfung (sogenannte Due Diligence) die Vollst\u00e4ndigkeit und die Richtigkeit des Emissionsprospekts sichergestellt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Jahr 2019 wurden auf dem Prim\u00e4rmarkt Anleihen in der H\u00f6he von 62 Milliarden Franken emittiert. Ber\u00fccksichtigt man die R\u00fcckzahlungen von 52 Milliarden Franken, resultiert eine Nettokapitalaufnahme von 10 Milliarden Franken (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Ein Jahr zuvor war die Nettokapitalaufnahme mit \u20133 Milliarden Franken noch negativ gewesen. Zwischen 2008 und 2019 sind die netto emittierten Anleihen um insgesamt 31 Milliarden Franken gewachsen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1: Schweizer Sekund\u00e4rmarkt: Emissionen und R\u00fcckzahlungen von Anleihen (2008\u20132019)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"birrer-luetolf-abb1-de\"><\/div>\n<script>\n\n$(function () {\n    $('#birrer-luetolf-abb1-de').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n        categories: ['2008',\t'2009',\t'2010',\t'2011',\t'2012',\t'2013',\t'2014',\t'2015',\t'2016',\t'2017',\t'2018',\t'2019']\n    },\n    \n    yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n        labels: {\n            format: '{value}',\n           \n        },\n        title: {\n            text: 'in Mrd. 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Schweizer Gesellschaften sch\u00fctten ihren Aktion\u00e4ren rund 50 Milliarden an Dividenden aus, hinzu kommen bei manchen Gesellschaften Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Die ausgesch\u00fctteten Mittel stammen aus operativen Unternehmensgewinnen oder aus Desinvestitionserl\u00f6sen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Handel an der B\u00f6rse<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Sekund\u00e4rmarkt bezeichnet man den Markt f\u00fcr den Handel mit Wertpapieren an der B\u00f6rse. Im Unterschied zum Prim\u00e4rmarkt sind nicht mehr die Unternehmen auf der Suche nach Kapital, sondern es finden Transaktionen zwischen Investoren statt. Dieser Markt bildet den eigentlichen B\u00f6rsenhandel, in dessen Rahmen ausschliesslich Wertpapiere gehandelt werden, die \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDamit Wertpapiere an der B\u00f6rse gehandelt werden k\u00f6nnen, m\u00fcssen Emittenten die Anforderungen des jeweiligen Kotierungsreglements erf\u00fcllen. Dazu z\u00e4hlen zum Beispiel die Publikation kursrelevanter Informationen, die Anwendung von vorgegebenen Rechnungslegungsstandards oder die Meldung von Aktientransaktionen von Management und Verwaltungsr\u00e4ten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Jahr 2019 beliefen sich die Transaktionen von Aktien, Obligationen, Anlagefonds sowie strukturierten Produkten und Optionen auf rund 1,5 Billionen Franken (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Die gesamte Marktkapitalisierung der an der B\u00f6rse SIX Swiss Exchange kotierten Aktien von schweizerischen und liechtensteinischen Unternehmen belief sich per Ende 2019 auf 1,8 Billionen Franken.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: Sekund\u00e4rmarkt: Wertschriftenums\u00e4tze an der Schweizer B\u00f6rse (2008\u20132019)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='birrer-luetolf-abb2-de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#birrer-luetolf-abb2-de').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n        categories: ['2008', '2009', '2010', '2011', '2012', '2013', '2014', '2015', '2016', '2017', '2018', '2019']\n    },\n    yAxis: {\n        min: 0,\n        title: {\n            text: 'in Mrd. 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Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit einem Emissionsvolumen von weniger als 50 bis 100 Millionen Franken sind am Kapitalmarkt nur sporadisch pr\u00e4sent. Bremsend wirken auch die steuerlichen Rahmenbedingungen wie die Stempelsteuer.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">In Anlehnung an Angaben der SIX Group: <a href=\"https:\/\/www.six-group.com\/exchanges\/knowhow\/exchange\/financial_market\/monetary_market\/capital_market_de.html\">Geld- und Kapitalmarkt<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Sch\u00e4tzungen der Autoren basierend auf diversen Quellen (Vontobel, ZKB, FuW). Ohne Secondary Offerings und Wandelanleihen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Helvetische Bank, zitiert in NZZ vom 15. Januar 2020: \u00abVon den vielen Vorteilen der Dividendenzahlung\u00bb.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An den Finanzm\u00e4rkten treffen Angebot und Nachfrage aufeinander. Auf der Angebotsseite wird Kapital angelegt \u2013 auf der Nachfrageseite Kapital aufgenommen.&#13; &#13; Finanzm\u00e4rkte stellen f\u00fcnf gesamtwirtschaftlich wichtige Funktionen sicher. Erstens werden \u00fcber den Finanzmarkt die Angebots- und Nachfragevolumina geb\u00fcndelt. Man spricht hier von einer sogenannten Losgr\u00f6ssentransformation. 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