{"id":102687,"date":"2020-03-18T09:30:41","date_gmt":"2020-03-18T09:30:41","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/03\/thalmann-veille-04-2020fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:54:52","modified_gmt":"2023-08-23T20:54:52","slug":"co2-reduktionen-verkehr-nicht-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/03\/co2-reduktionen-verkehr-nicht-vergessen\/","title":{"rendered":"CO<sub>2<\/sub>-Reduktionen: Verkehr nicht vergessen"},"content":{"rendered":"<p>2017 verursachte der Verkehr 41\u00a0Prozent der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen der Schweiz. Unter Ber\u00fccksichtigung der derzeit geltenden und der auf politischer Ebene geplanten Massnahmen wird dieser Wert bis 2050 voraussichtlich auf 54\u00a0Prozent ansteigen. Die Pl\u00e4ne der Schweiz hinsichtlich ihrer CO<sub>2<\/sub>-Emissionen im Verkehrsbereich wirken im Vergleich zu den Vorhaben der Europ\u00e4ischen Union sehr bescheiden. Bis im Jahr 2012, als sich die Schweiz an den europ\u00e4ischen Vorschriften ausgerichtet hat, konnte die Automobilbranche ihre Ziele bei der Verbesserung der Energieeffizienz im Wesentlichen selbst festlegen. Von der 2008 eingef\u00fchrten CO<sub>2<\/sub>-Abgabe sind Treibstoffe nach wie vor ausgenommen, und die Revision des CO<sub>2<\/sub>-Gesetzes, das im Parlament beraten wurde, ging vor der Fr\u00fchjahrssession 2020 noch in die gleiche Richtung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss dem offiziellen Referenzszenario ist davon auszugehen, dass der Personenverkehr in der Schweiz zwischen 2010 und 2040 um 25\u00a0Prozent und der G\u00fcterverkehr gar um 37\u00a0Prozent zunehmen wird.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Die Verteilung auf die verschiedenen Verkehrstr\u00e4ger wird sich dabei wahrscheinlich nicht wesentlich \u00e4ndern. Der Strassenverkehr wird daher voraussichtlich im gleichen Ausmass zunehmen. Deshalb sind rigorose politische Massnahmen erforderlich, um die gesamten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen des Verkehrssektors zu reduzieren. Ohne Einbezug des Verkehrs in die Klimamassnahmen des Bundes ist eine weitgehende Dekarbonisierung \u2013 also: eine kohlenstoffarme Wirtschaft \u2013 nicht realistisch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Rahmen einer Studie<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> der Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) wurden die Wohlfahrtskosten der Vorzugsbehandlung des Verkehrsbereichs analysiert. Grundlage daf\u00fcr war die erwartete Entwicklung der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen in diesem Sektor. F\u00fcr diese Studie wurden Simulationen einer weitgehenden Dekarbonisierung genutzt, die im Rahmen der Swiss Energy Modelling Platform realisiert wurden.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Zu diesem Zweck haben wir mittels eines berechenbaren allgemeinen Gleichgewichtsmodells<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> die Dekarbonisierung der gesamten Schweizer Wirtschaft simuliert \u2013 mit und ohne Vorzugsbehandlung der Treibstoffe. Auf diese Weise liess sich der Beitrag des Verkehrssektors zu den allgemeinen Dekarbonisierungsanstrengungen beurteilen.&#13;<\/p>\n<h2>Drei politische Szenarien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAusgangspunkt unserer Simulationen war eine Projektion der technischen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ohne wesentliche \u00c4nderungen der heutigen Situation. In diesem Referenzszenario gehen wir davon aus, dass die 2020 eingef\u00fchrte Emissionsvorschrift f\u00fcr neue Personenwagen von 95\u00a0Gramm CO<sub>2<\/sub> pro Kilometer bis 2050 beibehalten wird. Die CO<sub>2<\/sub>-Abgabe ist weiterhin auf Brennstoffe beschr\u00e4nkt und betr\u00e4gt 120 Franken pro Tonne CO<sub>2<\/sub>. Der Erd\u00f6lsektor (haupts\u00e4chlich Raffinerien), die energieintensiven Industrien (Papierfabriken, Glasproduzenten, Zementhersteller usw.) und die Elektrizit\u00e4tsbranche nehmen an einem nationalen Emissionshandelssystem (EHS) teil. Der Preis der Emissionszertifikate steigt abh\u00e4ngig von Nachfrage und Angebot, wobei Letzteres jedes Jahr um 1,74\u00a0Prozent verknappt wird.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Insgesamt geht das Angebot an Emissionszertifikaten so zwischen 2013 und 2050 um 48\u00a0Prozent zur\u00fcck. Die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen werden sich also entsprechend den politischen Massnahmen und dem Wirtschafts- und Bev\u00f6lkerungswachstum entwickeln.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieser Artikel stellt drei einfache politische Dekarbonisierungsszenarien vor (siehe <em>Tabelle<\/em>). Sie alle zielen darauf ab, die Treibhausgasemissionen der Schweiz bis 2050 auf eine Tonne CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente pro Einwohner zu reduzieren. Diese Reduktion entspricht dem ehrgeizigsten Ziel, das der Bundesrat in der langen Frist angepeilt hatte, bevor er 2019 das Netto-null-Emissionen-Ziel f\u00fcr 2050 bekannt gab.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas erste Szenario geht davon aus, dass die gegenw\u00e4rtigen Massnahmen, welche den CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss verteuern, durch eine einheitliche CO<sub>2<\/sub>-Abgabe auf alle fossilen Energietr\u00e4ger ersetzt werden. Das zweite Szenario sieht eine Ausweitung der CO<sub>2<\/sub>-Abgabe auch auf Treibstoffe vor, beh\u00e4lt aber das EHS f\u00fcr energieintensive Unternehmen bei. Beim dritten Szenario wird eine CO<sub>2<\/sub>-Abgabe auf Treibstoffe vorgeschlagen, die einem Viertel der auf Brennstoffe erhobenen CO<sub>2<\/sub>-Abgabe entspricht \u2013 am EHS w\u00fcrde sich in diesem Szenario nichts \u00e4ndern.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">3 Szenarien und ihre Instrumente<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<table style=\"height: 181px;\" width=\"916\">&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><strong>CO<sub>2<\/sub>-Abgabe auf Brennstoffe<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><strong>CO<sub>2<\/sub>-Abgabe auf Treibstoffe<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td><strong>Emissionshandelssystem (EHS) f\u00fcr energieintensive Unternehmen<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td><strong>Referenzszenario<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>120 Franken pro Tonne CO<sub>2<\/sub><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Vollst\u00e4ndige Befreiung<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Der CO<sub>2<\/sub>-Preis reagiert auf die sinkende Emissionsobergrenze<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td><strong>Szenario 1<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Kontinuierliche Erh\u00f6hung zur Erreichung des Emissionsziels<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Wie die CO<sub>2<\/sub>-Abgabe auf Brennstoffe<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>EHS wird aufgehoben und durch CO<sub>2<\/sub>-Abgabe ersetzt<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td><strong>Szenario 2<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Kontinuierliche Erh\u00f6hung zur Erreichung des Emissionsziels<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Wie die CO<sub>2<\/sub>-Abgabe auf Brennstoffe<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Der CO<sub>2<\/sub>-Preis reagiert auf die sinkende Emissionsobergrenze<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td><strong>Szenario 3<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Kontinuierliche Erh\u00f6hung zur Erreichung des Emissionsziels<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>\u00bc der CO<sub>2<\/sub>-Abgabe auf Brennstoffe<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td>Der CO<sub>2<\/sub>-Preis reagiert auf die sinkende Emissionsobergrenze<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Thalmann und Vielle (2019)<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Zahl der Elektrofahrzeuge nimmt zu<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSollen die Emissionen in den Sektoren, die dem EHS unterstellt sind, unter der Obergrenze bleiben, muss der Preis der Emissionszertifikate beim Referenzszenario bis 2050 auf 252\u00a0Franken pro Tonne CO<sub>2<\/sub> steigen (siehe <em>Abbildung<\/em>). Mit einer auf Brennstoffe beschr\u00e4nkten CO<sub>2<\/sub>-Abgabe von 120 Franken pro Tonne sinken die gesamten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen durchschnittlich nur um 0,9\u00a0Prozent pro Jahr. Folglich w\u00fcrde der CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss pro Einwohner im Jahr 2050 immer noch 2,6 Tonnen betragen. Dank einer Verkehrsverlagerung auf die Schiene<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a>, einer h\u00f6heren Energieeffizienz der Fahrzeuge und der Verbreitung von Biotreibstoffen und Elektrofahrzeugen wird es beim Strassenverkehr voraussichtlich zu einer \u00e4hnlichen Abnahme kommen. Bei Personenwagen, Lieferwagen, Lastwagen, Bussen und Cars dominieren Treibstoffe auf Erd\u00f6lbasis zwar nach wie vor, doch es kommen zunehmend Elektroautos f\u00fcr den privaten Gebrauch auf den Markt. Im Jahr 2050 werden sie 22\u00a0Prozent der Privatautos ausmachen. Bei den \u00fcbrigen Kategorien betr\u00e4gt der Anteil der Elektrofahrzeuge 7\u00a0Prozent. Insgesamt werden 8\u00a0Prozent des Fahrzeugbestands mit Biotreibstoffen betrieben.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">CO<sub>2<\/sub>-Preis und Wohlfahrtskosten im Jahr 2050, nach verschiedenen Szenarien<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><div class='chart chart--normal' id='04_2020_Thalmann_Vielle_Abb1_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#04_2020_Thalmann_Vielle_Abb1_de').highcharts({\n     chart: {\n            zoomType: ''\n        },\ntitle: {\n            text: ''\n        },\n       \n        subtitle: {\n            text: ''\n        },\n        xAxis: [{\n            categories: ['Szenario 1', 'Szenario 2', 'Szenario 3', 'Referenzszenario'],\n            crosshair: true\n        }],\n\/\/-------->\n Es braucht eine prim\u00e4re und Sekund\u00e4re Achse <--------\/\/\n        yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n            labels: {\n                format: '{value} ',\n                \n            },\nmin: 0,\n            title: {\n                text: 'Franken\/Tonne CO<sub>2<\/sub>',\n               \n            }\n        },\n\n\/\/-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------\/\/\n\n { \/\/ Secondary yAxis\n            title: {\n                text: 'Wohlfahrtsverlust',\n                \n            },\n            labels: {\n                format: '{value} %',\n                \n            },\n\/\/------->\n opposite: true  wir die zweite Achse nach rechts verschoben. 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Bei diesen Wohlfahrtskosten sind die Vorteile nicht ber\u00fccksichtigt, die aus der geringeren Luftverschmutzung und den tieferen Unfallzahlen resultieren. Die Einzelheiten der verschiedenen Szenarien sind in der Tabelle dargestellt.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Thalmann und Vielle (2019) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWill man das Ziel von einer Tonne CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente pro Einwohner erreichen, muss der CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss im Jahr 2050 um 70 Prozent tiefer liegen als im Referenzszenario. Eine solche Reduktion erfordert hohe CO<sub>2<\/sub>-Preise, wenn die CO<sub>2<\/sub>-Abgabe das einzige Instrument ist, um die Energieeffizienz zu erh\u00f6hen und um CO<sub>2<\/sub>-arme Energietr\u00e4ger und Ver\u00e4nderungen bei Produktion und Verbrauch zu f\u00f6rdern. Ausserdem m\u00fcssen die CO<sub>2<\/sub>-Preise in der Schweiz h\u00f6her sein als in L\u00e4ndern mit einer bedeutenden Schwerindustrie und einer auf fossilen Brennstoffen beruhenden Stromerzeugung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBeim Szenario 1 betr\u00e4gt der CO<sub>2<\/sub>-Preis im Jahr 2050 1089 Franken pro Tonne. Dieses Ergebnis ist mit den Resultaten anderer Modelle vergleichbar, wo der CO<sub>2<\/sub>-Preis zwischen 970 und 1140 Franken liegt.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Dieser hohe Preis, der schrittweise eingef\u00fchrt w\u00fcrde, drosselt das Wirtschaftswachstum kaum und hat verh\u00e4ltnism\u00e4ssig geringe Wohlfahrtskosten zur Folge: Im Vergleich zum Referenzszenario w\u00fcrde der private Konsum um h\u00f6chstens 1,88\u00a0Prozent sinken. Auch dieses Ergebnis ist mit den Resultaten anderer Studien vergleichbar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit einer einheitlichen Abgabe auf alle CO<sub>2<\/sub>-Emittenten wie in Szenario\u00a01 kann das Ziel zu den geringstm\u00f6glichen Kosten erreicht werden. Im Vergleich zum Referenzszenario liegen die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen von Autos im Jahr 2050 um 80\u00a0Prozent tiefer. Ein Drittel dieses R\u00fcckgangs ist auf eine geringere Benutzung des Autos zur\u00fcckzuf\u00fchren, die teilweise durch mehr Bahnreisen kompensiert wird. Insgesamt nimmt so die Mobilit\u00e4t der Haushalte ab. Die restlichen zwei Drittel dieses R\u00fcckgangs h\u00e4ngen haupts\u00e4chlich mit der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen und Biotreibstoffen zusammen. Hingegen tragen effizientere Motoren von Benzin- und Dieselautos nur wenig zu diesem Emissionsr\u00fcckgang bei. Die Verbesserungen resultieren daher in erster Linie aus einem Wechsel des Energietr\u00e4gers. Eine niedrigere CO<sub>2<\/sub>-Abgabe wie in Szenario\u00a03 begrenzt diesen Wechsel und damit auch den Beitrag des Strassenverkehrs zur CO<sub>2<\/sub>-Reduktion.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn Grossemittenten die CO<sub>2<\/sub>-Abgabe mit der Teilnahme an einem Emissionshandelssystem umgehen k\u00f6nnen wie in Szenario\u00a02, steigen die Kosten f\u00fcr die Haushalte. Dasselbe gilt bei einer Vorzugsbehandlung von Treibstoffen wie in Szenario 3. Denn eine solche Bevorzugung erfordert wiederum viel h\u00f6here CO<sub>2<\/sub>-Abgaben f\u00fcr die anderen Sektoren (Geb\u00e4ude, nicht befreite Unternehmen usw.).&#13;<\/p>\n<h2>Ohne Abgaben keine Zielerreichung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie unsere Simulationen zeigen, kann die Schweiz ihre energiebedingten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen bis 2050 also auf eine Tonne pro Einwohner reduzieren. Das gelingt zum einen mit einer Ausweitung der bestehenden CO<sub>2<\/sub>-Abgabe auf alle fossilen Energietr\u00e4ger und zum anderen mit einer schrittweisen Erh\u00f6hung dieser Abgabe bis 2050: und zwar von 96 auf 1089\u00a0Franken pro Tonne CO<sub>2<\/sub>. Dies entspricht einer Erh\u00f6hung der Treibstoffpreise um 2.54\u00a0Franken pro Liter Benzin und um 3.01 Franken pro Liter Diesel. Diese H\u00f6chstbetr\u00e4ge w\u00fcrden indessen erst 2050 erreicht, wenn Benzin und Diesel nur noch von etwa 14\u00a0Prozent des Autoverkehrs verwendet werden \u2013 w\u00e4hrend heute beinahe 100\u00a0Prozent fossile Treibstoffe verwenden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nOhne eine solche Erh\u00f6hung der Treibstoffpreise wird es sehr schwierig, bei der Reduktion der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen ein so ambiti\u00f6ses Ziel zu erreichen. Insbesondere dann, wenn die Energieeffizienznormen bis 2050 nicht deutlich versch\u00e4rft und auf alle Autos (nicht nur auf Neufahrzeuge) ausgeweitet werden. Wenn die energieintensiven Unternehmen \u00fcberdies weiterhin eine Vorzugsbehandlung geniessen, m\u00fcssen die anderen Emittenten (Geb\u00e4ude, nicht befreite Unternehmen) eine bis zu dreimal h\u00f6here CO<sub>2<\/sub>-Abgabe entrichten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Dekarbonisierung erfordert daher eine starke Verbreitung von Elektroautos und von mit Biotreibstoffen betriebenen Fahrzeugen. Diese muss mit politischen Massnahmen zur F\u00f6rderung von Bioraffinerien und Ladeinfrastrukturen unterst\u00fctzt werden. Sofern eine neue Mobilit\u00e4ts- und Innovationspolitik umgesetzt wird, k\u00f6nnte das Reduktionsziel auch mit tieferen Treibstoffpreisen und Wohlfahrtskosten erreicht werden, als sie in dieser Studie vorgesehen sind.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">ARE (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe Thalmann und Vielle (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Landis et al. (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">F\u00fcr weitere Einzelheiten zur Methodik siehe Thalmann und Vielle (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Gem\u00e4ss der Abnahmerate der europ\u00e4ischen EHS-Obergrenze im Zeitraum 2013\u20132020.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Gem\u00e4ss Prognos (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Siehe insbesondere Landis et al. (2019), Bretschger et al. (2011) und Ecoplan (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2017 verursachte der Verkehr 41\u00a0Prozent der CO2-Emissionen der Schweiz. Unter Ber\u00fccksichtigung der derzeit geltenden und der auf politischer Ebene geplanten Massnahmen wird dieser Wert bis 2050 voraussichtlich auf 54\u00a0Prozent ansteigen. Die Pl\u00e4ne der Schweiz hinsichtlich ihrer CO2-Emissionen im Verkehrsbereich wirken im Vergleich zu den Vorhaben der Europ\u00e4ischen Union sehr bescheiden. 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In: Resource and Energy Economics, 33(4), 963\u2013980.<\/li>&#13;\n \t<li>Ecoplan (2012). <a href=\"https:\/\/www.bfe.admin.ch\/bfe\/de\/home\/politik\/energiestrategie-2050\/dokumentation\/energieperspektiven-2050.html\"><u>Energiestrategie\u00a02050 \u2013\u00a0volkswirtschaftliche Auswirkungen.<\/u><\/a><a href=\"https:\/\/www.bfe.admin.ch\/bfe\/de\/home\/politik\/energiestrategie-2050\/dokumentation\/energieperspektiven-2050.html\"><u> Analyse mit einem berechenbaren Gleichgewichtsmodell f\u00fcr die Schweiz<\/u><\/a>. Bericht im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Energie. Bern.<\/li>&#13;\n \t<li>Landis Florian, Marcucci Ardriana, Rausch Sebastian, Kannan Ramachandran und Bretschger Lucas (2019). <a href=\"https:\/\/sjes.springeropen.com\/articles\/10.1186\/s41937-019-0040-8\">Multi-Model Comparison of Swiss Decarbonization Scenarios. In: Swiss Journal of Economics and Statistics<\/a>, 155(1), Dezember.<\/li>&#13;\n \t<li>Prognos (2012). <a href=\"https:\/\/www.bfe.admin.ch\/bfe\/de\/home\/politik\/energiestrategie-2050\/dokumentation\/energieperspektiven-2050.html\"><u>Die Energieperspektiven f\u00fcr die Schweiz bis\u00a02050.<\/u><\/a><a href=\"https:\/\/www.bfe.admin.ch\/bfe\/de\/home\/politik\/energiestrategie-2050\/dokumentation\/energieperspektiven-2050.html\"><u> Energienachfrage und Elektrizit\u00e4tsangebot in der Schweiz 2000\u20132050<\/u><\/a>. Technischer Bericht im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Energie, Basel.<\/li>&#13;\n \t<li>Thalmann Philippe und Vielle Marc (2019). <a href=\"https:\/\/sjes.springeropen.com\/articles\/10.1186\/s41937-019-0037-3\">Lowering CO<sub>2<\/sub> Emissions in the Swiss Transport Sector<\/a>. 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Zum Vergleich: Im Jahr\u00a02017 waren es noch 41 Prozent. Wie eine Studie der Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschule Lausanne zeigt, ist ein signifikanter Beitrag des Verkehrsbereichs erforderlich, um die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf eine Tonne CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente pro Einwohner und Jahr zu senken. Dies entspricht dem ehrgeizigsten Ziel des Bundesrats bei der Begrenzung der Klimaerw\u00e4rmung auf 2 \u00b0C. Daher m\u00fcssen eine schrittweise Erh\u00f6hung der CO<sub>2<\/sub>-Abgabe und ihre Ausweitung auf Treibstoffe in Betracht gezogen werden. 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