{"id":102940,"date":"2020-02-19T09:20:04","date_gmt":"2020-02-19T09:20:04","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/02\/jann-hupkafr\/"},"modified":"2023-08-23T22:55:27","modified_gmt":"2023-08-23T20:55:27","slug":"falsche-selbsteinschaetzung-haelt-frauen-von-technischen-berufen-fern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/02\/falsche-selbsteinschaetzung-haelt-frauen-von-technischen-berufen-fern\/","title":{"rendered":"Falsche Selbsteinsch\u00e4tzung h\u00e4lt Frauen von technischen Berufen fern"},"content":{"rendered":"<p>Fachkr\u00e4fte in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik \u2013 kurz: Mint \u2013 sind gesucht. Aufgrund der ver\u00e4nderten Struktur des Schweizer Arbeitsmarktes ist seit etlichen Jahren ein erh\u00f6hter Bedarf an gut qualifizierten Arbeitnehmenden in diesem Bereich feststellbar. Bund und Kantone sind deshalb sehr bem\u00fcht, dem Mangel mit Massnahmen im Bildungsbereich entgegenzuwirken. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den \u00e4usserst hartn\u00e4ckigen Geschlechterunterschieden bei der Wahl von Lehrstellen und Studienf\u00e4chern. In einer Studie<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> der Universit\u00e4t Bern haben wir nun untersucht, inwieweit eine durch Geschlechterstereotype gef\u00e4rbte Selbsteinsch\u00e4tzung der eigenen mathematischen Kompetenzen dazu beitr\u00e4gt, dass Frauen verglichen mit M\u00e4nnern ihre berufliche Zukunft sehr viel seltener als Mint-Fachkraft sehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDazu haben wir anhand der Daten der \u00dcGK (\u00dcberpr\u00fcfung des Erreichens der Grundkompetenzen) 2016 analysiert, ob sich Jugendliche am Ende der obligatorischen Schulzeit vorstellen k\u00f6nnen, mit 30 Jahren in einem Mint-Beruf als Fachkraft zu arbeiten, und wie diese Vorstellungen mit den fachlichen Selbstkonzepten der Jugendlichen sowie ihren Mathematikkompetenzen zusammenh\u00e4ngen. Im vorliegenden Beitrag wird zudem anhand der Daten einer zweiten Studie namens TREE (Transitionen von der Erstausbildung ins Erwerbsleben) gepr\u00fcft, inwieweit sich die gefundenen Zusammenh\u00e4nge auch in der Wahl entsprechender Ausbildungswege widerspiegeln (siehe <em>Kasten<\/em>).&#13;<\/p>\n<h2>Falsche Selbsteinsch\u00e4tzung bei F\u00e4cherwahl?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz erfolgt eine wichtige berufliche Weichenstellung am Ende der obligatorischen Schulzeit, wenn sich Jugendliche zwischen verschiedenen Ausbildungsoptionen entscheiden m\u00fcssen. In diesem Prozess versuchen die Jugendlichen, ihre individuellen Kompetenzen, Interessen und Bildungsaspirationen mit den verf\u00fcgbaren Ausbildungsangeboten in Einklang zu bringen. Allerdings streben nicht alle Jugendlichen, die \u00fcber entsprechende Kompetenzen verf\u00fcgen w\u00fcrden, eine berufliche Zukunft in Mint-Berufen an. Das gilt vor allem f\u00fcr junge Frauen. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung daf\u00fcr sind die Erfolgserwartungen, die Personen hinsichtlich verschiedener Ausbildungsoptionen haben, und der Wert, der diesen Optionen zugeschrieben wird. Die Erfolgserwartungen werden dabei nicht nur von den vorhandenen Kompetenzen beeinflusst, sondern auch von den bisherigen (Lern-)Erfahrungen, den gesellschaftlichen Normen und den fachlichen Selbstkonzepten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGerade hinsichtlich der fachlichen Selbstkonzepte scheinen sich die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bereits fr\u00fch zu manifestieren. Dies, obwohl die Kompetenzunterschiede zu Beginn der Bildungslaufbahn eher gering sind und erst im Laufe der Zeit zunehmen. Entscheidungen f\u00fcr eine Ausbildung oder eine Berufslehre im Mint-Bereich werden jedoch zumeist erst gegen Ende der obligatorischen Schule gef\u00e4llt. Sie erfolgen also zu einem Zeitpunkt, zu dem geschlechtsspezifische Unterschiede in Kompetenzen und Selbstkonzepten ausgepr\u00e4gt sind. Insofern ist zu vermuten, dass sich zumindest ein Teil des Frauenmangels bei den Mint-Fachkr\u00e4ften darauf zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst, dass Frauen ihre eigenen mathematischen Kompetenzen schlechter einsch\u00e4tzen als M\u00e4nner.&#13;<\/p>\n<h2>Frauen tr\u00e4umen nicht von Mint-Berufen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWo sehen sich Jugendliche, wenn man sie am Ende der obligatorischen Schulzeit fragt, welchen Beruf sie mit 30 Jahren aus\u00fcben werden? Insgesamt streben 19 Prozent der M\u00e4nner am Ende der obligatorischen Schule einen Beruf als Mint-Fachkraft<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> an (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Bei den Frauen sind es nur gerade 2,7 Prozent. Der Geschlechterunterschied hinsichtlich der Pr\u00e4ferenz f\u00fcr einen Mint-Beruf ist also \u00e4usserst ausgepr\u00e4gt und betr\u00e4gt gut 16 Prozentpunkte.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Anteil Jugendliche, die sich im Alter von 30 Jahren als Mint-Fachkraft sehen, nach Geschlecht<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='Jann_Hupka_Abb_1'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Jann_Hupka_Abb_1').highcharts({\n chart: {\n        zoomType: 'xy'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: [{\n        categories: ['Anteil M\u00e4nner', 'Anteil Frauen']\n    }],\n    yAxis: [{ \n        labels: {\n            format: '{value}%',\n                      \n        },\n        title: {\n            text: '',\n           \n        }\n    }],\n\n    tooltip: {\n        shared: true\n    },\n\n    series: [{\n        name: 'Anteil M\u00e4nner',\n        type: 'bar',\n        data: [18.971179, 2.6847919],\n        showInLegend:false,\n        tooltip: {\n            pointFormat: '<span style=\"font-weight: bold; color: {series.color}\"><b>{point.y:.1f}%<\/b> '\n        }\n    }, {\n        name: 'Anteil Frauen',\n        type: 'errorbar',\n        data: [[17.902426,20.088125], [2.2556726,3.1928802]],\n        tooltip: {\n            pointFormat: '(Konfidenzintervall: {point.low}-{point.high})<br\/>'\n        }\n    }, ]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: \u00dcGK (2016), eigene Berechnungen der Autoren \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie l\u00e4sst sich diese Diskrepanz erkl\u00e4ren? Dazu analysieren wir die mathematischen Kompetenzen sowie die entsprechenden Selbstkonzepte beider Geschlechter. Was die Kompetenzen angeht, haben die jungen Frauen in den Mathematiktests der \u00dcGK 2016 zwar tats\u00e4chlich etwas schlechter abgeschnitten als die M\u00e4nner. Uns geht es bei der Analyse aber vielmehr darum, zu pr\u00fcfen, ob und allenfalls inwieweit eine Geschlechterdifferenz bei der <em>Einsch\u00e4tzung<\/em> der eigenen Kompetenzen besteht. Dazu vergleichen wir die relative Position, die eine Person in der Verteilung der Testergebnisse einnimmt, mit der relativen Position gem\u00e4ss Selbsteinsch\u00e4tzung. Eine negative Rangdifferenz zwischen Selbsteinsch\u00e4tzung und Leistungstest bedeutet, dass sich die Person im Vergleich zu den anderen Jugendlichen eher untersch\u00e4tzt; eine positive Differenz weist auf eine \u00dcbersch\u00e4tzung der eigenen Kompetenzen hin.&#13;<\/p>\n<h2>Frauen untersch\u00e4tzen sich oft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDass bei der Einsch\u00e4tzung der eigenen Kompetenzen tats\u00e4chlich eine Geschlechterdifferenz besteht, zeigt die Einteilung der Frauen gem\u00e4ss der Rangverteilung in drei Terzilgruppen. W\u00fcrden zwischen den Geschlechtern keine Unterschiede bestehen, w\u00e4re in jeder Gruppe je ein Drittel der Frauen zu finden. Die empirischen Ergebnisse weichen allerdings deutlich von diesem Ideal ab: Frauen befinden sich \u00fcberproportional h\u00e4ufig in der Gruppe der Personen, die ihre Kompetenzen deutlich untersch\u00e4tzen, und entsprechend selten in der Gruppe der Personen mit unrealistisch positivem Selbstbild (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Bei den M\u00e4nnern sind die Verh\u00e4ltnisse konstruktionsbedingt ungef\u00e4hr spiegelbildlich. Die Frauen sch\u00e4tzen ihre mathematischen Kompetenzen also auch bei gleichem Leistungsniveau systematisch schlechter ein als die M\u00e4nner. Dies gilt sowohl f\u00fcr das allgemeine \u00abSelbstkonzept\u00bb, mit dem die Selbsteinsch\u00e4tzung der mathematischen F\u00e4higkeiten auf genereller Ebene gemessen wird, wie auch f\u00fcr die spezifische \u00abSelbstwirksamkeit\u00bb, welche das Selbstvertrauen und die Zuversicht in die eigenen Kompetenzen anhand von konkreten Aufgabenstellungen misst (zur Definition der beiden Begriffe siehe <em>Kasten<\/em>). Bei der Selbstwirksamkeit ist der Geschlechterunterschied allerdings etwas weniger stark ausgepr\u00e4gt.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Verteilung von Frauen \u00fcber die Terzilgruppen der Rangdifferenz zwischen Selbsteinsch\u00e4tzung und Kompetenzmessung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2020\/02\/JANN_HUPKA_ABB2_DE.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-93203\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2020\/02\/JANN_HUPKA_ABB2_DE.png\" alt=\"\" width=\"2216\" height=\"1330\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: \u00dcGK (2016), eigene Berechnungen der Autoren \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Selbsteinsch\u00e4tzung erkl\u00e4rt einiges<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDoch sind diese geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Selbsteinsch\u00e4tzung f\u00fcr die Berufswahl relevant? Teilweise schon, wie unsere Analysen zeigen (siehe <em>Abbildung <\/em>3). Die Differenzen zwischen Selbsteinsch\u00e4tzung und Kompetenzmessung spielen f\u00fcr die beruflichen Aspirationen wie auch f\u00fcr die konkrete Ausbildungswahl eine Rolle. F\u00fcr die Analyse der Ausbildungswahl haben wir zus\u00e4tzlich die TREE-Studie hinzugezogen. Diese beinhaltet f\u00fcr einen Teil der Personen, die an der \u00dcGK 2016 teilgenommen haben, auch Informationen zur Situation ein Jahr nach Abschluss der obligatorischen Schule. Wir nutzen diese Informationen, um zu bestimmen, ob sich eine Person in einer Ausbildung befindet, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Beruf als Mint-Fachkraft f\u00fchrt. Dazu geh\u00f6ren etwa der Besuch eines Gymnasiums mit Mint-Ausrichtung, die Berufsmatur I mit technischer Ausrichtung sowie einige technische Lehrberufe mit hohem Terti\u00e4rausbildungsanteil (beispielsweise Automatiker, Informatiker oder Konstrukteur).<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Aus Gr\u00fcnden der Vergleichbarkeit berechnen wir den Beitrag, den die Leistungstests und die Abweichungen der Selbsteinsch\u00e4tzungen zur Erkl\u00e4rung der Geschlechterdifferenz in den Mint-Aspirationen leisten, in zwei Varianten: einmal f\u00fcr alle Personen (\u00dcGK) und einmal nur f\u00fcr diejenigen Personen, f\u00fcr die Informationen zur Ausbildungssituation vorhanden sind (TREE).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 3: Erkl\u00e4rungsgehalt von Leistung und Selbsteinsch\u00e4tzung bei der Geschlechterdifferenz von Mint-Berufen, nach Studien<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2020\/02\/JANN_HUPKA_ABB3_DE.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-93200\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2020\/02\/JANN_HUPKA_ABB3_DE.png\" alt=\"\" width=\"2252\" height=\"1428\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Lesebeispiel: Der blaue Balken beim Leistungstest zeigt, dass etwa 12 Prozent der Geschlechterdifferenz des Mint-Anteils beim Beruf mit 30 Jahren darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, dass Frauen gem\u00e4ss den Leistungstests im Durchschnitt ein etwas tieferes Kompetenzniveau aufweisen als M\u00e4nner.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: \u00dcGK (2016) und TREE, eigene Berechnungen der Autoren \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Resultate zeigen: Etwa 12 Prozent des Geschlechterunterschieds beim Mint-Anteil im Beruf mit 30 Jahren k\u00f6nnen auf Unterschiede in den mathematischen Kompetenzen zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Weitere 14 Prozent (\u00dcGK) bis 20 Prozent (TREE) werden dadurch erkl\u00e4rt, dass Frauen ihre Kompetenzen im Vergleich zu den M\u00e4nnern tendenziell untersch\u00e4tzen (wobei der Zusammenhang vor allem \u00fcber das Selbstkonzept vermittelt ist und weniger \u00fcber die Selbstwirksamkeit).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei den realisierten Ausbildungsentscheidungen sind die Ergebnisse vergleichbar: Auch hier tragen die unterschiedlichen Selbsteinsch\u00e4tzungen massgeblich dazu bei, dass Frauen weniger h\u00e4ufig im Mint-Bereich zu finden sind als M\u00e4nner. Im Vergleich zu den Resultaten beim Beruf mit 30 Jahren f\u00e4llt jedoch etwas auf: Die Erkl\u00e4rungskraft der Leistungstests und der Selbstwirksamkeit ist deutlich h\u00f6her. Insgesamt kann fast die H\u00e4lfte des Mint-Geschlechterunterschieds in den Ausbildungswegen auf die drei ber\u00fccksichtigten Faktoren zur\u00fcckgef\u00fchrt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Kaum familienfreundliche Bedingungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Resultate verdeutlichen, dass der Geschlechterunterschied bei der Einsch\u00e4tzung der eigenen mathematischen Kompetenzen nicht nur die langfristigen beruflichen Vorstellungen beeinflusst, sondern sich auch in den konkreten Bildungsentscheidungen der jungen Erwachsenen manifestiert. Unsere Ergebnisse liefern Hinweise auf einen m\u00f6glichen Mechanismus, der zumindest f\u00fcr einen Teil der geschlechtsspezifischen Berufswahl verantwortlich ist. Kann der Geschlechterunterschied in der Bewertung der eigenen Mathematikkompetenzen abgebaut werden, w\u00fcrden wir aufgrund unserer Ergebnisse erwarten, dass sich die Pr\u00e4ferenzen von jungen Frauen und M\u00e4nnern f\u00fcr einen Mint-Beruf etwas angleichen. Zudem ist ein sogenannter Feedback-Mechanismus wahrscheinlich. Dieser besagt, dass sich Geschlechterstereotype hinsichtlich der \u00abBegabung\u00bb von Frauen und M\u00e4nnern f\u00fcr Mathematik auch auf den Kompetenzerwerb auswirken. Durch eine Reduktion der Geschlechterstereotype sollten sich also auch die tats\u00e4chlichen Leistungen der Geschlechter angleichen, was die Unterschiede in den Mint-Pr\u00e4ferenzen der Geschlechter weiter verringern w\u00fcrde.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer tiefe Anteil Frauen, die eine Mint-Ausbildung w\u00e4hlen, ist allerdings nicht der einzige Grund, warum Frauen im Mint-Arbeitsmarkt untervertreten sind. Hinzu kommt, dass junge Frauen h\u00e4ufiger aus Mint-Berufen aussteigen als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen. Das mag auch mit Mint-spezifischen, wenig familienfreundlichen Arbeitsbedingungen zusammenh\u00e4ngen, die Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschweren (zumindest solange die traditionell orientierten Familienmodelle ihre Vormachtstellung nicht einb\u00fcssen). M\u00f6chte man vermehrt junge Frauen als Fachkr\u00e4fte im Mint-Bereich gewinnen, sollten neben der Bildungspolitik deshalb auch arbeitsmarktpolitische Massnahmen in den Blick genommen werden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Jann und Hupka-Brunner (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">F\u00fcr die Klassifikation in Mint-Berufe orientieren wir uns an Gehrig et al. (2010). Hier verwenden wir die \u00abenge\u00bb Definition, siehe Jann und Hupka-Brunner (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Der Geschlechterunterschied in diesen Berufen und Lehrg\u00e4ngen ist bei der Ausbildungswahl mit etwa 15 Prozentpunkten \u00e4hnlich gross wie bei den Vorstellungen zum Beruf mit 30 Jahren.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fachkr\u00e4fte in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik \u2013 kurz: Mint \u2013 sind gesucht. Aufgrund der ver\u00e4nderten Struktur des Schweizer Arbeitsmarktes ist seit etlichen Jahren ein erh\u00f6hter Bedarf an gut qualifizierten Arbeitnehmenden in diesem Bereich feststellbar. 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Ausmass, Prognose, konjunkturelle Abh\u00e4ngigkeit, Ursachen und Auswirkungen des Fachkr\u00e4ftemangels in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik. Bern: Staatssekretariat f\u00fcr Bildung und Forschung SBF.<\/li>&#13;\n \t<li>Hofer, S. I. (2015). Studying Gender Bias in Physics Grading: the Role of Teaching Experience and Country. In: International Journal of Science Education 37(17): 2879\u20132905.<\/li>&#13;\n \t<li>Jann, B. (2008). The Blinder-Oaxaca Decomposition for Linear Regression Models. In: The Stata Journal 8(4): 453\u2013479.<\/li>&#13;\n \t<li>Jann, B. und Hupka-Brunner, S. (2020). Warum werden Frauen so selten MINT-Fachkr\u00e4fte? Zur Bedeutung der Differenz zwischen mathematischen Kompetenzen und Selbstkonzept. In: Schweizerische Zeitschrift f\u00fcr Bildungswissenschaften.<\/li>&#13;\n \t<li>Kahn, S. und Ginther, D. (2018). Women and Science, Technology, Engineering, and Mathematics (STEM): Are Differences in Education and Careers Due to Stereotypes, Interests, or Family? In: S. L. Averett, L. M. Argys, &amp; S. D. Hoffman (Eds.), The Oxford Handbook of Women and the Economy. Oxford University Press.<\/li>&#13;\n \t<li>Kriesi, I. und Imdorf, C. (2019). Gender Segregation in Education. In: R. Becker (Ed.), Research Handbook on Sociology of Education. Cheltenham: Edward Elgar Publishing.<\/li>&#13;\n \t<li>\u00dcGK (2016). Competencies of Swiss Pupils in Mathematics (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.23662\/FORS-DS-1004-1\">Dataset<\/a>). Distributed by FORS, Lausanne, 2019.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"20\u2019000 Jugendliche befragt","kasten_box":"Im Jahr 2016 hat die Schweiz erstmals \u00fcberpr\u00fcft, ob die Grundkompetenzen in Mathematik erreicht werden. Daf\u00fcr wurden gut 20\u2019000 Jugendliche am Ende der obligatorischen Schulzeit getestet.<sup>a <\/sup>\u00a0In einem Kontextfragebogen wurde unter anderem die Selbstwahrnehmung im Bereich Mathematik mit verschiedenen Fragen erhoben: Einerseits wurde das mathematische \u00abSelbstkonzept\u00bb gemessen, indem die Jugendlichen angeben mussten, wie sehr verschiedene Aussagen wie beispielsweise \u00abIm Fach Mathematik bekomme ich gute Noten\u00bb auf sie zutreffen. Andererseits wurde mittels einer Skala zur mathematischen \u00abSelbstwirksamkeit\u00bb erhoben, wie sicher sich die befragte Person ist, gegebene mathematische Aufgaben l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Zudem wurde gefragt, was die Jugendlichen glauben, in welchem Beruf sie mit 30 Jahren arbeiten werden. F\u00fcr die vorliegenden Analysen wurden Personen, f\u00fcr die keine g\u00fcltige Angabe f\u00fcr den Beruf im Alter von 30 Jahren vorliegt (beispielsweise \u00abweiss nicht\u00bb), ausgeschlossen. Das betrifft gut ein Viertel der Stichprobe.&#13;\n&#13;\nEin Teil der Jugendlichen, die an der \u00dcGK 2016 teilgenommen haben, wird im Rahmen der TREE-Panelstudie (Transitionen von der Erstausbildung ins Erwerbsleben) j\u00e4hrlich befragt zum \u00dcbergang von der Schule ins Erwerbsleben.<sup>b<\/sup> Diese Daten zeigen die Ausbildungswege, welche die Jugendlichen nach Abschluss der obligatorischen Schule tats\u00e4chlich einschlagen. Unsere Studie st\u00fctzt sich auf die Informationen zur Ausbildungssituation ein Jahr nach der \u00dcGK-Erhebung, das heisst auf die erste Nachbefragungswelle im Jahr 2017.&#13;\n&#13;\n<sup>a<\/sup> \u00dcGK (2016).&#13;\n&#13;\n<sup>b<\/sup> Mehr <a href=\"http:\/\/www.tree.unibe.ch\/\">Informationen<\/a> auf Tree.unibe.ch."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":102943,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":102947,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"92427","post_abstract":"Eine Studie der Universit\u00e4t Bern hat analysiert, inwieweit sich Jugendliche am Ende der obligatorischen Schulzeit eine berufliche Zukunft als Fachkraft in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (Mint) vorstellen k\u00f6nnen und einen entsprechenden Ausbildungsweg einschlagen. 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