{"id":102989,"date":"2019-12-19T11:00:32","date_gmt":"2019-12-19T11:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/12\/decurtins-1-2-2020fr\/"},"modified":"2024-02-07T09:57:38","modified_gmt":"2024-02-07T08:57:38","slug":"effizientes-marktdesign-als-ziel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/12\/effizientes-marktdesign-als-ziel\/","title":{"rendered":"Effizientes Marktdesign als Ziel"},"content":{"rendered":"<p>Sogar dem \u00abBlick\u00bb war der Plan des Bundesrats eine Schlagzeile wert. Die Boulevardzeitung fragte sich nicht zu Unrecht, weshalb es ein Gesetz brauche, wenn die Gasversorgung doch so gut funktioniere. Was die Kundenzufriedenheit, die Versorgungssicherheit und die Preise f\u00fcr die grossen Verbraucher anbelangt, stimmt das v\u00f6llig. Das Problem besteht in der Rechtsunsicherheit beim Marktzugang: Wer unter welchen Bedingungen das Gasnetz nutzen kann, ist heute nur rudiment\u00e4r geregelt. Ausserdem ist die privatrechtliche Verb\u00e4ndevereinbarung zwischen den Gasversorgern und den industriellen Endkunden aufgrund von Klagen bei der Wettbewerbskommission an ihre Grenzen gestossen.<\/p>\n<p>Reichlich sp\u00e4t zwar, aber immerhin ist der Bundesrat nun gewillt, mit einem Gasversorgungsgesetz (GasVG) die Regeln des Netzzugangs zu definieren. Einig waren sich die Akteure stets, dass das Gesetz Rechtssicherheit schaffen, aber schlank und verh\u00e4ltnism\u00e4ssig ausfallen soll. Damit die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Energietr\u00e4gers Gas und die Versorgungssicherheit nicht beeintr\u00e4chtigt werden.<\/p>\n<h2>Durchzogene Bilanz<\/h2>\n<p>Eine erste Beurteilung des GasVG f\u00e4llt durchzogen aus. Bei Konstruktionsprinzipien \u2013 wie dem Entry-Exit-Modell sowie den Fragen der Bilanzierung und des Netzbetriebs \u2013 ist der Bund herk\u00f6mmlichen Modellen in Europa gefolgt. Das macht teilweise Sinn. Auch wenn der Gasverbrauch in der Schweiz sehr klein ist.<\/p>\n<p>Weitsichtig ist auch der Entscheid des Bundesrates f\u00fcr eine Teilmarkt\u00f6ffnung. Einen Markt vollst\u00e4ndig zu \u00f6ffnen, den man gar nicht mehr f\u00f6rdern will, und mit Regulierungskosten zu versehen, h\u00e4tte volkswirtschaftlich keinen Sinn gemacht. Angesichts der Klimaziele beginnen Bund, Kantone und Gemeinden nun die Weichen so zu stellen, dass Gas bei den Haushaltskunden mittelfristig eine abnehmende Rolle spielt. Eine Teilmarkt\u00f6ffnung erm\u00f6glicht es den St\u00e4dten und Gemeinden aber, bei der \u00d6kologisierung der Gasversorgung weiter voranzugehen. Hier sind sie weltweit Pioniere. Verschiedene St\u00e4dte weisen schon heute Anteile von 20 Prozent erneuerbarem Gas im Standardprodukt auf und wollen diesen Anteil weiter ausbauen.<\/p>\n<p>Nur: Der bei 100 Megawattstunden gew\u00e4hlte Schwellenwert macht keinen Sinn. Damit w\u00e4ren je nachdem bis zu 85 Prozent des Marktes ge\u00f6ffnet. Ebenso stimmt die Analogie zum Strom nicht, mit der der Bundesrat den Schwellenwerte legitimiert. Gas steht im Wettbewerb zu anderen Energietr\u00e4gern, weil es stets durch andere Energietr\u00e4ger ersetzt werden kann \u2013 Strom nicht. Nimmt man den Bundesrat beim Wort, m\u00fcsste die vorgesehene Grenze im Gasbereich mindestens zehn Mal h\u00f6her gesetzt werden. Denn Gas- und Strommarkt unterscheiden sich markant hinsichtlich des Verbrauchs. Das Ringen um ein effizientes Marktdesign hat erst begonnen. Die Branche wird verschiedene Varianten beim Markt\u00f6ffnungsgrad sicher noch vertieft diskutieren. Nichtsdestotrotz ist der Entscheid des Bundesrats richtig. Er nimmt seine Verantwortung wahr und lenkt eine beginnende chaotische Markt\u00f6ffnung in geordnete Bahnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sogar dem \u00abBlick\u00bb war der Plan des Bundesrats eine Schlagzeile wert. 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