{"id":103011,"date":"2019-12-19T11:00:00","date_gmt":"2019-12-19T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/12\/pustisek-karasz-1-2-2020fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:55:42","modified_gmt":"2023-08-23T20:55:42","slug":"erdgas-der-rohstoff-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/12\/erdgas-der-rohstoff-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Erdgas: Der Rohstoff der Zukunft?"},"content":{"rendered":"<p>Wie wichtig Gas weltweit ist, wird h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt. Ein knappes Viertel der weltweiten Prim\u00e4renergie wird in Form von Erdgas verbraucht. Aufgrund der relativ geringen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen bei der Verbrennung ist es wahrscheinlich, dass dieser Anteil in den n\u00e4chsten Jahren zumindest konstant bleibt. Der erwartete Anstieg des Anteils erneuerbarer Energietr\u00e4ger wird vermutlich in erster Linie zulasten des Energietr\u00e4gers Kohle stattfinden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAbsolut betrachtet ist der weltweite Erdgasverbrauch seit dem Jahr 2000 \u2013 mit Ausnahme der Jahre der Weltwirtschaftskrise \u2013 kontinuierlich gestiegen. Und zwar von rund 27,8\u00a0im Jahre 2000 auf heute rund 44,6\u00a0Petawattstunden pro Jahr.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Der Anstieg ist jedoch regional unterschiedlich: W\u00e4hrend der Erdgasverbrauch in Europa stagniert oder gar leicht sinkt, verzeichnen insbesondere der asiatisch-pazifische Raum, der Nahe Osten sowie Afrika hohe Wachstumsraten (siehe <em>Abbildung 1<\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs wird erwartet, dass sich der Trend in den n\u00e4chsten Jahren fortsetzt. Denn f\u00fcr diese Regionen wird ein hohes Wirtschafts- und Bev\u00f6lkerungswachstum erwartet, was vermutlich einen zunehmenden Einsatz von Erdgas, beispielsweise in der Industrie, zur Folge hat. Zus\u00e4tzlich w\u00e4chst der Erdgaseinsatz wohl auch in der Elektrizit\u00e4tserzeugung \u2013 und das nicht zuletzt auch aus Umwelt- und Klimaschutzgr\u00fcnden.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Regionale Entwicklung des Erdgasverbrauchs weltweit, in Petawattstunden\/Jahr (2000\u20132018)<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><div class='chart chart--normal' id='Pustisek_Karasz_Abb1_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Pustisek_Karasz_Abb1_de').highcharts({\n        chart: {\n        zoomType: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    },\n    \n    xAxis: [{\n        categories: ['2000','2001','2002','2003','2004','2005','2006','2007','2008','2009','2010','2011','2012','2013','2014','2015','2016','2017','2018'],\n        crosshair: false\n    }],\n    yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n        labels: {\n            format: '{value} ',\n           \n        },\n        title: {\n            text: ' ',\n           \n        }\n    }, { \/\/ Secondary yAxis\n        title: {\n            text: '',\n            \n        },\n        labels: {\n            format: '{value} ',\n           \n        },\n        opposite: true\n    }],\n    tooltip: {\n            shared: false,\nvalueDecimals: 2,\n                          \n    },\n    \n    \n    \n     plotOptions: {\n        series: {\n            label: {\n            enabled: true, \n                connectorAllowed: false\n            },\n             marker: {\n            enabled: false, \n                connectorAllowed: false\n            }\n        }\n    },\n\n    \n    \n    \n    series: [{\n        name: 'Nordamerika',\n        type: 'line',\n\ndata: [8.741, 8.362, 8.684, 8.543, 8.589, 8.520, 8.469, 8.956, 9.027, 8.925, 9.309, 9.588, 9.964, 10.313, 10.564, 10.836, 10.881, 10.852, 11.859],\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ' PWh\/Jahr'\n        }\n\n    }, {\n        name: 'S\u00fcdamerika',\n        type: 'line',\n\ndata:[1.133, 1.193, 1.204, 1.255, 1.402, 1.456, 1.554, 1.601, 1.602, 1.541, 1.667, 1.725, 1.830, 1.897, 1.954, 2.026, 1.990, 2.002, 1.953],\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ' '\n        }\n\n    },{\n        name: 'Europa (ohne Russland)',\n        type: 'line',\n\ndata:  [6.476, 6.604, 6.625, 6.924, 7.092, 7.277, 7.222, 7.159, 7.257, 6.695, 7.222, 6.730, 6.558, 6.431, 5.800, 5.902, 6.236, 6.501, 6.368],\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ' PWh\/Jahr'\n        }\n\n    },{\n        name: 'Naher Osten',\n        type: 'line',\n\ndata:[2.126, 2.260, 2.490, 2.614, 2.879, 3.089, 3.270, 3.549, 3.910, 4.028, 4.409, 4.618, 4.765, 4.911, 5.191, 5.549, 5.811, 6.114, 6.416],\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ' PWh\/Jahr'\n        }\n\n    },{\n        name: 'GUS-Staaten',\n        type: 'line',\n\ndata:  [5.246, 5.380, 5.418, 5.516, 5.705, 5.809, 6.037, 6.166, 6.047, 5.799, 6.163, 6.374, 6.325, 6.233, 6.263, 6.148, 6.238, 6.372, 6.737],\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ' PWh\/Jahr'\n        }\n\n    },{\n        name: 'Afrika',\n        type: 'line',\n\ndata: [0.646, 0.745, 0.790, 0.840, 0.914, 0.948, 0.989, 1.053, 1.099, 1.109, 1.147, 1.244, 1.335, 1.353, 1.390, 1.485, 1.566, 1.633, 1.740],\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ' PWh\/Jahr'\n        }\n\n    },{\n        name: 'asiatisch-pazifischer Raum',\n        type: 'line',\n\ndata: [3.462, 3.673, 3.843, 4.162, 4.410, 4.738, 5.098, 5.491, 5.843, 5.981, 6.700, 7.228, 7.705, 7.952, 8.192, 8.265, 8.460, 8.913, 9.574],\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ' PWh\/Jahr'\n        }\n\n    },{ dashStyle: 'ShortDash',\n        name: 'Welt (rechte Achse)',\n        type: 'line',\n         yAxis: 1,\n        data: [27.830, 28.218, 29.053, 29.853, 30.992, 31.837, 32.639, 33.976, 34.786, 34.078, 36.618, 37.506, 38.483, 39.089, 39.355, 40.211, 41.182, 42.387, 44.647], color: '#000000',\n        tooltip: {\n            valueSuffix: ' PWh\/Jahr'\n        }\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n<\/pre>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: BP (2019). Statistical Review of World Energy \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Europa bleibt Nettoimporteur<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNicht nur der Erdgasverbrauch, sondern auch die Reserven und die Produktion des Erdgases sind weltweit ungleich verteilt. Europa und der asiatisch-pazifische Raum produzieren traditionell im Vergleich zu ihrem Verbrauch nur wenig und sind damit Nettoimporteure. Umgekehrt produzieren der Nahe Osten, die GUS-Staaten sowie Afrika mehr, als sie selbst verbrauchen. Einen Sonderfall stellt Nordamerika, insbesondere die USA, dar. Hier fand ein Wandel vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur statt. Der Grund daf\u00fcr ist die Schiefergas-Revolution, die unter anderem durch die sogenannte Fracking-F\u00f6rdermethode erm\u00f6glicht wurde. Seit 2005 konnte damit sehr viel zus\u00e4tzliches Erdgas aus bis anhin unerschlossenen Gesteinsschichten gewonnen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch wenn dadurch die Reserven und die Produktion von Erdgas massiv erh\u00f6ht wurden, steht Fracking unter anderem wegen m\u00f6glicher Grundwasserkontaminationen in der Kritik von Umweltschutzverb\u00e4nden. Tats\u00e4chlich wird es aber bereits seit den F\u00fcnfzigerjahren erfolgreich eingesetzt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDurch die verst\u00e4rkte F\u00f6rderung in den USA haben sich in den letzten Jahren die weltweiten Handelsstr\u00f6me f\u00fcr Erdgas verschoben. Zudem werden beispielsweise Australien und k\u00fcnftig Mo\u00e7ambique ihre Produktion stark erh\u00f6hen und Erdgas exportieren. Da ihre Absatzm\u00e4rkte auf anderen Kontinenten liegen, wird es zu einem weiteren Anstieg des Handels von Fl\u00fcssiggas (Liquified Natural Gas, LNG) kommen. Bei LNG wird Erdgas auf unter \u2013161,5 Grad abgek\u00fchlt, sodass es in fl\u00fcssigem Zustand transportiert werden kann. Relativ dazu hat das Handelsvolumen von Erdgas, das per Pipelines transportiert wird, bereits abgenommen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie EU wird Nettoimporteur f\u00fcr Erdgas bleiben. Denn die Produktion der Reserven, die insbesondere auf die Niederlande und das Vereinigte K\u00f6nigreich konzentriert sind, sinken noch st\u00e4rker als der ebenfalls abnehmende Verbrauch. Neben der Eigenproduktion und einer noch sehr geringen Biogasproduktion wird die EU \u2013 und damit indirekt auch die Schweiz \u2013 vor allem durch Pipelineimporte aus Russland, Norwegen und Algerien versorgt. Zus\u00e4tzlich wird LNG beispielsweise aus Katar, Afrika (z. B. Nigeria) und in den letzten Jahren verst\u00e4rkt auch aus den USA importiert. Im Jahre 2018 wurden insgesamt knapp \u00fcber 4,5 PWh Gas und LNG nach Europa importiert. Das entspricht rund 400 Mrd. m<sup>3<\/sup>. Zus\u00e4tzlich zu den Importen stammt knapp ein Viertel des Gesamtverbrauchs aus europ\u00e4ischer Produktion (siehe <em>Abbildung 2<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Die Gasversorgung der EU nach Herkunft<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/12\/PUSTISEK_Abb2_DE.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-92120\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/12\/PUSTISEK_Abb2_DE.png\" alt=\"\" width=\"2492\" height=\"1060\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Acer (2019). Acer Market Monitoring Report 2018 \u2013 Gas Wholesale Markets Volume \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Nord Stream II: Ein politisches Projekt?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kapazit\u00e4ten f\u00fcr den Import von Erdgas \u2013 sprich Pipelines und LNG-Regasifizierungsterminals \u2013 nach Europa sind mehr als ausreichend vorhanden. Es kommt immer wieder zu ausgepr\u00e4gten Phasen physischer Unterauslastung der bestehenden Kapazit\u00e4ten. Dennoch befinden sich weitere Projekte im Bau. Diese dienen unter anderem der Diversifizierung, haben aber auch nationale und politische Gr\u00fcnde. Zu den bekanntesten Beispielen geh\u00f6rt die Trans-Adria-Pipeline (TAP). Sie soll ab 2020 aserbaidschanisches Erdgas \u00fcber die T\u00fcrkei, Griechenland und Albanien nach Italien und somit nach Europa leiten. Zudem treibt das russische Erdgasunternehmen Gazprom die Pipeline-Projekte Turkstream (von der russischen Schwarzmeerk\u00fcste in die T\u00fcrkei) und gemeinsam mit westeurop\u00e4ischen Gesellschaften die politisch umstrittene Leitung Nord Stream II (von St. Petersburg an die deutsche Ostseek\u00fcste) voran.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDerzeit wird intensiv dar\u00fcber diskutiert, ob und allenfalls inwieweit insbesondere die Projekte von Gazprom politisch oder kommerziell motiviert sind. So wird h\u00e4ufig unterstellt, dass Russland damit den Transit von russischem Gas durch die Ukraine verhindern wolle. Dies k\u00f6nnte westlichen politischen Interessen, insbesondere denen der USA, widersprechen. Ein Grund f\u00fcr diese Haltung der USA k\u00f6nnten allerdings auch eigene wirtschaftliche Absichten sein, die darauf abzielen, selber LNG nach Europa zu exportieren. Auch die Frage, ob in Zukunft Erdgas aus dem Iran nach Europa exportiert wird, ist in erster Linie politisch bestimmt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Konsumenten sind die Projekte jedenfalls gute Nachrichten. Denn jede Investition in die Infrastruktur kommt ihnen zugute, da der Wettbewerb zwischen den Anbietern zunimmt und sich die Versorgungssicherheit erh\u00f6ht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWas f\u00fcr die Mitgliedsstaaten der EU gilt, gilt auch f\u00fcr die Schweiz: Beide sind von Importen abh\u00e4ngig. Neben einer geringen inl\u00e4ndischen Biogaseigenproduktion muss der Rest des in der Schweiz verbrauchten Erdgases eingef\u00fchrt werden.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Dazu stehen Pipelineimportkapazit\u00e4ten an der deutschen, der franz\u00f6sischen und der italienischen Grenze zur Verf\u00fcgung. Die weitere Diversifikation der Lieferl\u00e4nder und -wege, die mit Nord Stream II und neuen LNG-Terminals angestrebt wird, erh\u00f6ht somit die Versorgungssicherheit der Schweiz.&#13;<\/p>\n<h2>Preise stabilisieren sich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Grosshandelspreise an Erdgasb\u00f6rsen sind starken Schwankungen unterworfen. Diese Schwankungen haben sich in den letzten Jahren tendenziell verringert. Ein Grund daf\u00fcr d\u00fcrften auch die Exporte aus den USA sein. Zudem gleichen sich auch die an den verschiedenen nationalen B\u00f6rsen notierten Preise an. Das gilt allerdings nicht f\u00fcr die Endverbraucherpreise, die regional stark unterschiedlich sind und vor allem von Marktpreisen und politischen, teilweise fiskalischen \u00dcberlegungen beeinflusst werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSind die Gaspreise auch abh\u00e4ngig vom Erd\u00f6lpreis? Eine direkte Abh\u00e4ngigkeit, wie sie fr\u00fcher typisch war, existiert heute in Westeuropa nahezu nicht mehr. Trotzdem entwickeln sich Gas- und Erd\u00f6lpreise in der langen Frist \u00e4hnlich. Wie unser Prognosemodell zeigt, ist f\u00fcr die kommenden zehn Jahre tendenziell mit konstanten Erdgaspreisen im Grosshandel zu rechnen. Ob und allenfalls inwieweit diese Preise an die Verbraucher weitergegeben werden, h\u00e4ngt allerdings nicht zuletzt von den regulatorischen und politischen Vorgaben der jeweiligen regionalen Regierungen ab. Und wie sich diese entwickeln, bleibt abzuwarten.&#13;<\/p>\n<h2>Dem Erdgas droht Gegenwind<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer europ\u00e4ische Erdgasmarkt wurde seit den Sechzigerjahren auf- und ausgebaut. Die Ausgangslage ist heute viel kontroverser. Denn w\u00e4hrend die Bef\u00fcrworter dieses fossilen Energietr\u00e4gers betonen, dass die Verbrennung von Erdgas nur rund halb so viel CO<sub>2<\/sub> wie Kohle verursacht, lehnen andere den Erdgaseinsatz ab. Ihr Argument: Auch Gas ist nicht g\u00e4nzlich CO<sub>2<\/sub>-neutral. K\u00fcnftig soll der Energiebedarf durch erneuerbare Energietr\u00e4ger gedeckt werden, insbesondere durch Wind- und Solarenergie. Das Problem: Diese beiden Energietr\u00e4ger sind nicht durchg\u00e4ngig und zuverl\u00e4ssig verf\u00fcgbar. Um eine gewisse Planbarkeit zu gew\u00e4hrleisten, ist es deshalb wichtig, dass der erneuerbare Strom gespeichert werden kann. Doch die dazu notwendige effiziente Technologie ist derzeit noch nicht verf\u00fcgbar. Die Kompensation mithilfe von erdgasbetriebenen Kraftwerken erscheint daher als umweltvertr\u00e4glichste, technisch und wirtschaftlich sinnvollste Alternative. Denn Erdgaskraftwerke k\u00f6nnen innerhalb k\u00fcrzester Zeiten an- und abgeschaltet werden. Ausserdem kann man sie sowohl zur Deckung der Grundlast in einem Elektrizit\u00e4tsnetz als auch zur Kompensation von Verbrauchsspitzen oder Produktionseinschr\u00e4nkungen anderer \u2013 z. B. erneuerbarer \u2013 Energietr\u00e4ger einsetzen. Erdgas k\u00f6nnte deshalb eine bedeutende Rolle bei der Energiewende spielen. Aber genau dies ist umstritten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUngeachtet dieser Diskussion ist die Erdgasversorgung in Europa und der Schweiz heute und k\u00fcnftig gesichert. Sollten die hohen Erwartungen an die Fortschritte der Batterietechnologie nicht erf\u00fcllt werden, steht noch immer Erdgas als flexibel einsetzbarer Energietr\u00e4ger zur Verf\u00fcgung, um Einschr\u00e4nkungen der Elektrizit\u00e4tsproduktion durch erneuerbare Energietr\u00e4ger zu kompensieren. Zum Beispiel an windstillen oder bew\u00f6lkten Tagen. Denn Erdgas ist (relativ) CO<sub>2<\/sub>-arm, preiswert sowie stets und sicher verf\u00fcgbar \u2013 auch weil es sich speichern l\u00e4sst.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Voraussetzung daf\u00fcr ist aber, dass die Erdgasinfrastruktur und die Lieferbeziehungen aufrechterhalten und nicht reduziert oder gar eingestellt werden. Hinzu kommt, dass die bestehende Infrastruktur \u2013 mit Einschr\u00e4nkungen \u2013 auch zum Transport und zur Speicherung von gr\u00fcnem Wasserstoff genutzt werden k\u00f6nnte, der durch erneuerbare Energietr\u00e4ger erzeugt wurde. Der intelligente Einsatz des fossilen Energietr\u00e4gers Erdgas sowie der bereits vorhandenen Infrastruktur kann somit \u00f6kologischer sein als deren vollkommene Einstellung.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Alle Verbrauchs- bzw. Produktionsdaten gem\u00e4ss BP (2019) Statistical Review of World Energy. Umrechnungen auf Petawattstunden mit einem Brennwert von 11,6 kWh\/m<sup>3<\/sup>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Die Importe in die Schweiz stammen aus (2017; insgesamt 38,9 TWh): EU (35%); Russland (33%); Norwegen (22%); sonstige (10%), s. Verband der Schweizer Gasindustrie, Jahresbericht 2017.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wichtig Gas weltweit ist, wird h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt. Ein knappes Viertel der weltweiten Prim\u00e4renergie wird in Form von Erdgas verbraucht. Aufgrund der relativ geringen CO2-Emissionen bei der Verbrennung ist es wahrscheinlich, dass dieser Anteil in den n\u00e4chsten Jahren zumindest konstant bleibt. Der erwartete Anstieg des Anteils erneuerbarer Energietr\u00e4ger wird vermutlich in erster Linie zulasten des [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":4956,"featured_media":12967,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[69,66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[],"post_content_subject":[230],"acf":{"seco_author":4956,"seco_co_author":[4957,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Dr. rer. nat., Dr. rer. pol., Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, 2Pi-Energy, Stuttgart","seco_author_post_occupation_fr":"Fondateur et directeur de 2Pi-Energy, Stuttgart (Allemagne)","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":4957,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, The Energy House, Leipzig","seco_co_author_post_occupation_fr":"Fondateur et directeur de The Energy House, Leipzig (Allemagne)"}],"short_title":"Erdgas: Rohstoff der Zukunft?","post_lead":"Der weltweite Erdgasverbrauch steigt kontinuierlich. Einzig in Europa stagniert er, weil hier Erdgas umstritten ist. Dabei k\u00f6nnte Gas eine Zukunft mit erneuerbaren Energien sogar vorantreiben.","post_hero_image_description":"Die Gasinfrastruktur wird ausgebaut: An Bord eines Verlegeschiffes in der Ostsee werden Rohre f\u00fcr die Gaspipeline Nord Stream II verschweisst.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"Keystone","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":103014,"main_focus":[156044,156837],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":103018,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"90809","post_abstract":"W\u00e4hrend der Erdgasverbrauch in Europa stagniert, gibt es insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum ein starkes Wachstum. Zudem zeigte sich in den letzten Jahren eine Verlagerung der weltweiten Handelsstr\u00f6me. Dies ist insbesondere auf den Transport in Form von Fl\u00fcssiggas (LNG) und die erh\u00f6hte Produktion in den USA zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die EU und die Schweiz sind beim Erdgasbezug in hohem Masse importabh\u00e4ngig und werden dies auch bleiben. Die hierzu notwendige Infrastruktur ist in ausreichendem Masse vorhanden und wird weiter ausgebaut. Erdgas bleibt daher \u00abthe fuel of choice\u00bb \u2013 auch bei der Energiewende. Denn bei der Verbrennung von Erdgas wird weniger CO<sub>2<\/sub> emittiert als beispielsweise bei der Verbrennung von Kohle. Zudem ist Erdgas in Kraftwerken flexibel einsetzbar und daher ideal zum Ausgleich von Schwankungen der Elektrizit\u00e4tsproduktion aus erneuerbaren Energien geeignet.","magazine_issue":"2020-01\/02","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[3988,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20191220","original_files":null,"external_release_for_author":"20191127","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5dad711e0659f"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103011"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4956"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103011"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103011\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":125869,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103011\/revisions\/125869"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3988"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4957"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4956"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156837"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156044"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12967"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103011"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=103011"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=103011"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=103011"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=103011"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=103011"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}