{"id":103024,"date":"2019-12-19T10:30:52","date_gmt":"2019-12-19T10:30:52","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/12\/ruepp-1-2-2020fr\/"},"modified":"2024-02-07T10:13:58","modified_gmt":"2024-02-07T09:13:58","slug":"liberalisieren-ohne-mehrkosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/12\/liberalisieren-ohne-mehrkosten\/","title":{"rendered":"Liberalisieren ohne Mehrkosten"},"content":{"rendered":"<p>Bei der anstehenden Gasmarkt\u00f6ffnung, die der Bundesrat j\u00fcngst mit der Vernehmlassung zum Gasversorgungsgesetz (GasVG) lanciert hat, denken viele an die Strommarkt\u00f6ffnung f\u00fcr Grossverbraucher im Jahr 2009. Diese ist den Industriekunden noch gut \u2013 aber leider negativ \u2013 in Erinnerung. Obwohl National- und St\u00e4nderat damals eine klare Meinung vertraten und die Gesetzestexte entsprechend formuliert waren, wurden die Verordnungen von den Stromversorgern anders ausgelegt. Deshalb mussten zwei Unternehmen \u2013 stellvertretend f\u00fcr die energieintensiven Industrien \u2013 bis vor Bundesgericht gehen und so die Wahlfreiheit zwischen dem Marktzugang oder dem Verbleib im Monopol, also in der Grundversorgung, erk\u00e4mpfen. Erst dann lenkte die Strombranche ein und gew\u00e4hrte den Grossverbrauchern eine wirkliche \u00d6ffnung.<\/p>\n<p>Seitdem es den Grosskunden im Strommarkt m\u00f6glich ist, die Energie am freien Markt \u2013 sprich an der Strommarktb\u00f6rse \u2013 zu beschaffen, scheinen die Stromversorger bem\u00fcht darum zu sein, die verlorenen Margen des Energiehandels neu mit ihrem nat\u00fcrlichen Monopol im Netzbereich zu kompensieren. Die Folge davon sind h\u00f6here Netznutzungsentgelte f\u00fcr die Stromkunden. Bei der anstehenden Gasmarkt\u00f6ffnung sollte der Gesetzgeber daher die Lehren daraus ziehen, den Marktzugang klar regeln und nicht dieselben Fehler wiederholen.<\/p>\n<h2>Messwesen muss ge\u00f6ffnet werden<\/h2>\n<p>Im Gegensatz zu den Stromversorgern haben die Gasversorger (VSG) mit der seit 2012 abgeschlossenen und seither weiterentwickelten Verb\u00e4ndevereinbarung diesbez\u00fcglich viele Erfahrungen gesammelt. Diese Vereinbarung regelt die Bedingungen f\u00fcr den Netzzugang der industriellen Grossverbraucher, welche das Gas prim\u00e4r f\u00fcr Prozessw\u00e4rme nutzen. Obwohl eine erneute Weiterentwicklung der Verb\u00e4ndevereinbarung k\u00fcrzlich gescheitert ist, sind doch wesentliche Teile daraus erfolgreich umgesetzt und neue, k\u00fcnftige Verbesserungen angedacht worden. Diese Erfahrungen gilt es nun sinnvollerweise auch in das neue GasVG einfliessen zu lassen.<\/p>\n<p>So unterst\u00fctzt die Interessengemeinschaft Energieintensive Branchen (IGEB) etwa die vom Bundesrat vorgeschlagene buchhalterische Entflechtung von Energie und Rohrleitungsnetz, die Schaffung einer einzigen Bilanzzone Schweiz und das Entry-Exit-Modell. Grunds\u00e4tzlich w\u00fcrden wir allerdings eine vollst\u00e4ndige Markt\u00f6ffnung bef\u00fcrworten \u2013 eine eventuell sp\u00e4tere Ausweitung auf Kleinkunden mit einem Verbrauch von unter 100 Megawattstunden darf allerdings nicht zu Mehrkosten f\u00fcr die Basisindustrien und den Werkplatz Schweiz f\u00fchren. Dasselbe gilt f\u00fcr die Umsetzung des GasVG.<\/p>\n<p>Beim Messwesen, wo es darum geht, wer den Gasverbrauch in Zukunft messen soll, vertreten wir einen klaren Standpunkt: Das Messwesen muss f\u00fcr die Marktberechtigten vollst\u00e4ndig liberalisiert werden. Es darf nicht l\u00e4nger dem Netzbetreiber vorbehalten sein.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der anstehenden Gasmarkt\u00f6ffnung, die der Bundesrat j\u00fcngst mit der Vernehmlassung zum Gasversorgungsgesetz (GasVG) lanciert hat, denken viele an die Strommarkt\u00f6ffnung f\u00fcr Grossverbraucher im Jahr 2009. Diese ist den Industriekunden noch gut \u2013 aber leider negativ \u2013 in Erinnerung. 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