{"id":103140,"date":"2019-12-13T10:51:43","date_gmt":"2019-12-13T10:51:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/12\/himmel-schmidbauer-baur1-2-2020fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:55:42","modified_gmt":"2023-08-23T20:55:42","slug":"die-schweiz-braucht-derzeit-keinen-digitalen-franken-fuer-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/12\/die-schweiz-braucht-derzeit-keinen-digitalen-franken-fuer-alle\/","title":{"rendered":"Die Schweiz braucht derzeit keinen digitalen Franken f\u00fcr alle"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Finanzkrise von 2008 kamen Zweifel an der Stabilit\u00e4t der Finanzsysteme auf. In der Folge entstanden private Kryptow\u00e4hrungen wie Bitcoin, und grosse Techunternehmen wie Google, Amazon, Facebook, Apple, Alipay, Wechat drangen in den Bereich der Zahlungsdienstleistungen vor. Mittlerweile hat Bargeld in L\u00e4ndern wie Schweden und China im Alltag an Bedeutung verloren. Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, welche Rolle Zentralbanken in einer zunehmend digitalisierten Welt einnehmen sollen.<\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re die Einf\u00fchrung von digitalem Zentralbankgeld. Der Bundesrat hat in einem Bericht die Chancen und Risiken eines solchen \u00abdigitalen Frankens\u00bb evaluiert. Er beantwortete damit ein Postulat des Aargauer SP-Nationalrats C\u00e9dric Wermuth.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<h2><strong>E-Franken existiert \u2013 beschr\u00e4nkt<\/strong><\/h2>\n<p>Als digitales Zentralbankgeld (Central Bank Digital Currency, kurz CBDC) wird dasjenige Geld bezeichnet, das eine Zentralbank in digitaler Form schaffen k\u00f6nnte, um es der breiten Bev\u00f6lkerung zug\u00e4nglich zu machen. Es w\u00fcrde die bestehenden Formen von Zentralbankgeld \u2013 also die im Umlauf befindlichen Banknoten und die von den Gesch\u00e4ftsbanken bei der Zentralbank gehaltenen Sichtguthaben \u2013 erg\u00e4nzen (siehe <em>Abbildung<\/em>). Eine Art digitales Zentralbankgeld stellen bereits heute die Sichtguthaben der Gesch\u00e4ftsbanken bei der Zentralbank dar. Allerdings sind diese nur f\u00fcr Gesch\u00e4ftsbanken und andere ausgew\u00e4hlte Finanzmarktteilnehmer zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Privatpersonen und Unternehmen k\u00f6nnen heute \u00fcber digitales Geld nur in Form von Kundeneinlagen bei den Gesch\u00e4ftsbanken verf\u00fcgen. Dieses sogenannte Bankenbuchgeld lautet zwar auf Franken, ist aber kein Zentralbankgeld und auch kein gesetzliches Zahlungsmittel. Stattdessen stellt Bankenbuchgeld ein Versprechen der Bank dar: Sie verpflichtet sich gegen\u00fcber dem Kunden, ihm auf Verlangen den Wert des Guthabens bar auszubezahlen.<\/p>\n<p>Im Unterschied zum Zentralbankgeld unterliegt Bankenbuchgeld dem Schuldnerrisiko. Das heisst, eine Gesch\u00e4ftsbank kann in finanzielle Probleme geraten und im \u00e4ussersten Fall sogar zahlungsunf\u00e4hig werden. Im Gegensatz dazu ist das digitale Zentralbankgeld keinem Schuldnerrisiko ausgesetzt.<\/p>\n<p>Auch wenn es in der \u00f6ffentlichen Diskussion oftmals vermengt wird, unterscheidet sich digitales Zentralbankgeld grundlegend von den privaten Kryptow\u00e4hrungen. Zu Letzteren z\u00e4hlen nebst Bitcoins auch Stable Coins wie die von Facebook angek\u00fcndigte Libra-W\u00e4hrung. Private Kryptow\u00e4hrungen sind keine gesetzlichen Zahlungsmittel und erf\u00fcllen die Funktionen von Geld nicht oder nur teilweise. Ihnen fehlt es an Vertrauen und Akzeptanz, sie unterliegen teils starken Wertschwankungen und sind daher als Zahlungsmittel ineffizient.<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Vier Dimensionen von Geld<\/strong><\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/12\/Bildschirmfoto-2019-11-25-um-14.56.10.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-91794\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/12\/Bildschirmfoto-2019-11-25-um-14.56.10.png\" alt=\"\" width=\"2114\" height=\"1390\" \/><\/a><\/p>\n<h2><strong>Welche Variante w\u00e4hlen?<\/strong><\/h2>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sind zwei Modelle von digitalem Zentralbankgeld denkbar. Die erste Variante ist kontenbasiert: Das breite Publikum erh\u00e4lt die M\u00f6glichkeit, Konten bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu er\u00f6ffnen. Dabei k\u00f6nnte die Aufgabe, digitale Zentralbankkonten f\u00fcr das breite Publikum zu f\u00fchren, auch an die Gesch\u00e4ftsbanken oder andere Finanzmarktteilnehmer \u00fcbertragen werden. Somit best\u00fcnde ein direkter und universeller Zugang zu \u00abdigitalem Zentralbankgeld\u00bb.<\/p>\n<p>Das zweite Modell liegt n\u00e4her am Bargeld und wird oft mit dem Begriff wertbasiertes oder tokenbasiertes digitales Zentralbankgeld umschrieben. Hier wird das digitale Zentralbankgeld in einer Art \u00abelektronischem Portemonnaie\u00bb gespeichert. Beim Bezahlen wechselt wie beim Bargeld eine digitale \u00abWertmarke\u00bb, genannt \u00abToken\u00bb, den Besitzer, ohne dass eine Kontobuchung im herk\u00f6mmlichen Sinne vorgenommen wird. Wertbasiertes Zentralbankgeld w\u00fcrde wie Bargeld einem Verlustrisiko unterliegen.<\/p>\n<h2><strong>Zinsen: Ja oder nein?<\/strong><\/h2>\n<p>Die konkrete Ausgestaltung von digitalem Zentralbankgeld h\u00e4ngt vom Zweck ab, den es erf\u00fcllen soll. Wertbasiertes digitales Zentralbankgeld k\u00f6nnte etwa so geplant werden, dass es dem heutigen Bargeld relativ \u00e4hnlich ist. Dazu m\u00fcsste es f\u00fcr alle zug\u00e4nglich sein, seine Ausgabe d\u00fcrfte nicht durch eine Obergrenze beschr\u00e4nkt und es d\u00fcrfte nicht verzinst werden. Wegen des Verlustrisikos w\u00fcrde sich wertbasiertes digitales Zentralbankgeld ebenso wenig wie Bargeld f\u00fcr die Aufbewahrung grosser Summen oder f\u00fcr die Ausf\u00fchrung grosser Zahlungen eignen.<\/p>\n<p>Beim kontenbasierten Zentralbankgeld ist die Funktionsweise und Nutzung eher mit dem heutigen Bankenbuchgeld vergleichbar \u2013 allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass das Schuldnerrisiko entf\u00e4llt. Je nach Ausgestaltung w\u00e4re kontenbasiertes Zentralbankgeld eine attraktive Anlage und Alternative zu Bankeinlagen. Eine wichtige Rolle spielt der Entscheid, ob das digitale Geld verzinst wird \u2013 und wenn ja, wie hoch der Zins ausf\u00e4llt. Um eine ungewollte Konkurrenz zu Bankenbuchgeld zu vermeiden, m\u00fcsste die Zentralbank den Zins auf dem kontenbasierten digitalen Zentralbankgeld deutlich unter demjenigen auf Bankenbuchgeld festsetzen.<\/p>\n<h2><strong>Erwartungen an digitales Zentralbankgeld<\/strong><\/h2>\n<p>Mit dem digitalen Zentralbankgeld sind eine Reihe unterschiedlicher Erwartungen verbunden. So soll digitales Zentralbankgeld beispielsweise zur <em>finanziellen Inklusion<\/em> von Menschen ohne Bankkonto beitragen. Da in einigen L\u00e4ndern die Nutzung und die Akzeptanz von Bargeld r\u00fcckl\u00e4ufig sind, wird das Zahlen ohne Kreditkarte, Debitkarte oder Bezahl-App schwieriger. Hinzu kommt, dass in gewissen Bereichen wie zum Beispiel dem Onlinehandel, der in den letzten Jahren stark zugenommen hat, praktisch nur mit digitalen Zahlungsmitteln bezahlt werden kann. Digitales Zentralbankgeld k\u00f6nnte sicherstellen, dass Privatpersonen und Firmen auch ohne Bargeld Zugang zu Zentralbankgeld haben und Personen auch ohne Bankkonto die M\u00f6glichkeit haben, digitale Zahlungen auszuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Des Weiteren wird angef\u00fchrt, dass digitales Zentralbankgeld das <em>Bed\u00fcrfnis nach \u00absicherem\u00bb digitalem Geld<\/em> ohne Schuldnerrisiko abdecken k\u00f6nnte. Heute k\u00f6nnen Private und Unternehmen \u00fcber digitales Geld nur in Form von Bankenbuchgeld verf\u00fcgen. Dieses Bankenbuchgeld unterliegt dem Risiko, dass der Schuldner insolvent wird. Seit der Finanzkrise 2008 hat das Bed\u00fcrfnis nach sicherem Geld in vielen L\u00e4ndern zugenommen, wie die zunehmende Nachfrage nach Bargeld zeigt. Digitales Zentralbankgeld w\u00fcrde erm\u00f6glichen, dass die breite Bev\u00f6lkerung von den praktischen Vorz\u00fcgen von digitalem Geld profitieren k\u00f6nnte, ohne auf ein gesetzliches Zahlungsmittel ohne Schuldnerrisiko verzichten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus erhoffen sich einige, mit digitalem Zentralbankgeld die <em>Wirksamkeit der Geldpolitik <\/em>zu erh\u00f6hen. Einzelne \u00d6konomen sagen, digitales Zentralbankgeld st\u00e4rke das Instrument der Zinssteuerung. Eine Voraussetzung daf\u00fcr w\u00e4re, dass die Zentralbank positive und negative Zinsen auf dem digitalen Zentralbankgeld erheben k\u00f6nnte. Die Bef\u00fcrworter sehen in digitalem Zentralbankgeld mit gleichzeitiger Abschaffung oder zumindest Nutzungsbeschr\u00e4nkung des Bargelds die M\u00f6glichkeit, die Zinsen deutlich unter die Nulllinie zu senken. Gerade in Zeiten wie heute, in denen die Zinsen sehr niedrig sind, erhielten die Zentralbanken zus\u00e4tzlichen Handlungsspielraum.<\/p>\n<p>Verschiedentlich wird zudem argumentiert, dass digitales Zentralbankgeld die Banken disziplinieren und auf diese Weise die <em>Stabilit\u00e4t des Finanzsystems<\/em> erh\u00f6hen k\u00f6nnte. Dahinter steht die Annahme, dass die zus\u00e4tzliche Option f\u00fcr die Kunden, ihre Bankeinlagen in digitales Zentralbankgeld umzuschichten, die Banken dazu veranlassen w\u00fcrde, ihr Gesch\u00e4ftsmodell sicherer werden zu lassen und \u00fcberm\u00e4ssige Risiken zu vermeiden. Diese Argumentation hat nach der Finanzkrise von 2008 an Bedeutung gewonnen.<\/p>\n<p>Schliesslich k\u00f6nnte digitales Zentralbankgeld die staatlichen M\u00f6glichkeiten im Kampf gegen <em>Finanzkriminalit\u00e4t<\/em> wie Steuerdelikte, Geldw\u00e4scherei oder Terrorismusfinanzierung verbessern, weil sich mit ihm kriminelle Transaktionen gut nachverfolgen und identifizieren lassen w\u00fcrden. Nach Ansicht verschiedener \u00d6konomen w\u00e4re digitales Zentralbankgeld zur Eind\u00e4mmung der Finanzkriminalit\u00e4t besonders wirkungsvoll, wenn es m\u00f6glichst umfassend das heutige Bargeld ersetzen w\u00fcrde, welches wegen seiner Anonymit\u00e4t als f\u00f6rderlich f\u00fcr kriminelle Finanztransaktionen angesehen wird.<\/p>\n<h2><strong>Bargeld weiterhin verbreitet<\/strong><\/h2>\n<p>Was ist von diesen Argumenten zu halten? Was die finanzielle Inklusion betrifft, so ist in der Schweiz die Bargeldnutzung und -akzeptanz nach wie vor hoch. Zurzeit braucht es deshalb kein digitales Zentralbankgeld, um den Zugang der Bev\u00f6lkerung zu Zahlungs- und Finanzdienstleistungen zu sichern. Eine stetige Evaluation der Bargeldnutzung und -akzeptanz ist aber in jedem Fall notwendig, da sich digitale Finanzdienstleistungen weiterentwickeln und sich auch die Zahlungsgewohnheiten der Bev\u00f6lkerung \u00e4ndern. Dar\u00fcber hinaus g\u00e4be es auch andere Massnahmen, beispielsweise regulatorische, um die finanzielle Inklusion zu gew\u00e4hrleisten. In D\u00e4nemark beispielsweise sind die Gesch\u00e4ftsbanken verpflichtet, jedem Konsumenten ein Zahlungskonto anzubieten.<\/p>\n<p>Wie ist die Forderung nach mehr Sicherheit zu beurteilen? Das Bed\u00fcrfnis nach Geld ohne Schuldnerrisiko wird in der Schweiz bereits durch Bargeld erf\u00fcllt. Dar\u00fcber hinaus sorgen die Einlagensicherung und die M\u00f6glichkeit der Geldanlage bei Finanzinstituten mit Staatsgarantie daf\u00fcr, dass auch f\u00fcr Private und Unternehmen digitales Geld mit \u00abh\u00f6herer Sicherheit\u00bb verf\u00fcgbar ist.<\/p>\n<h2><strong>Gefahr der Frankenaufwertung<\/strong><\/h2>\n<p>Ebenfalls abzuraten ist vom Vorhaben, mit digitalem Zentralbankgeld die Wirksamkeit der Geldpolitik zu erh\u00f6hen. In normalen Zeiten (mit positiven Zinsen) h\u00e4tte digitales Zentralbankgeld keine erkennbaren Vorteile f\u00fcr die Geldpolitik, da die SNB bereits heute die Zinsentwicklung f\u00fcr die Wirtschaft hinreichend steuern kann. Nachteile k\u00f6nnten dagegen entstehen, falls Bankenbuchgeld in gr\u00f6sserem Stil in digitales Zentralbankgeld umgeschichtet w\u00fcrde. Dies k\u00f6nnte die Kreditvergabe der Banken unerw\u00fcnscht beeintr\u00e4chtigen und das Wirtschaftswachstum verlangsamen. Wenn sichere H\u00e4fen gesucht sind, k\u00f6nnte digitales Zentralbankgeld die Flucht in den Franken erleichtern und den Aufwertungsdruck verst\u00e4rken. Der Spielraum f\u00fcr tiefere Negativzinsen w\u00fcrde nur dann vergr\u00f6ssert, wenn der Zugang zu Bargeld stark eingeschr\u00e4nkt oder das Bargeld ganz abgeschafft w\u00fcrde \u2013 was jedoch nicht zur Debatte steht.<\/p>\n<h2><strong>Bank-Run per Knopfdruck<\/strong><\/h2>\n<p>In Bezug auf die h\u00f6here Finanzstabilit\u00e4t gilt: Digitales Zentralbankgeld w\u00e4re f\u00fcr Bankkunden eine alternative, sichere und liquide Anlagem\u00f6glichkeit. Im besten Fall k\u00f6nnte digitales Zentralbankgeld als Anlagealternative eine disziplinierende Wirkung auf den Bankensektor haben. Allerdings stiege das Risiko von Bank-Runs. Da es wesentlich leichter ist, digitales Geld umzuschichten, als sein Verm\u00f6gen als Bargeld abzuheben, best\u00fcnde die Gefahr von Bank-Runs \u00abper Knopfdruck\u00bb. Insgesamt sind deshalb auch die Auswirkungen auf die Finanzstabilit\u00e4t als eher negativ zu beurteilen. Ferner kann die Finanzstabilit\u00e4t auch mit geeigneteren Massnahmen erh\u00f6ht werden. Im Zuge der Finanzkrise haben die Schweiz und viele andere L\u00e4nder die Bankenregulierung versch\u00e4rft. Dies hat den Anreiz f\u00fcr die Banken, zu hohe Risiken einzugehen, bereits deutlich reduziert. Sofern es die Finanzstabilit\u00e4t erfordert, k\u00f6nnte die Bankenregulierung weiter versch\u00e4rft werden.<\/p>\n<p>Bleibt das Argument, digitales Zentralbankgeld verm\u00f6ge die Finanzkriminalit\u00e4t besser einzud\u00e4mmen als Bargeld. Auch hier sind Zweifel angebracht: Internationale Studien weisen darauf hin, dass bereits heute vermehrt bargeldlose Kan\u00e4le, nicht zuletzt private Kryptow\u00e4hrungen, zur Geldw\u00e4scherei und zur Terrorismusfinanzierung verwendet werden. Die mit privaten Kryptow\u00e4hrungen einhergehenden Finanzkriminalit\u00e4tsrisiken k\u00f6nnten unter Umst\u00e4nden auch digitales Zentralbankgeld betreffen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnte digitales Zentralbankgeld ein lohnendes Ziel f\u00fcr Cyberkriminalit\u00e4t darstellen. Zur Bek\u00e4mpfung der Finanzkriminalit\u00e4t sind die bestehenden gesetzlichen Instrumente sowohl in der Schweiz als auch international zielf\u00fchrender.<\/p>\n<h2><strong>Risiken \u00fcberwiegen<\/strong><\/h2>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass in der Schweiz digitales Zentralbankgeld zurzeit weder ben\u00f6tigt wird, um die finanzielle Inklusion zu gew\u00e4hrleisten oder das Bed\u00fcrfnis nach sicherem Geld zu befriedigen, noch, um die Finanzkriminalit\u00e4t zu bek\u00e4mpfen. Aus geldpolitischer Sicht und im Hinblick auf die Finanzstabilit\u00e4t zeichnen sich tendenziell mehr Risiken als Chancen ab. Der Bundesrat und die SNB sind deshalb der Auffassung, dass allgemein zug\u00e4ngliches digitales Zentralbankgeld gegenw\u00e4rtig keinen Zusatznutzen bringt.<\/p>\n<p>Digitales Zentralbankgeld wird auch in anderen L\u00e4ndern diskutiert. Die meisten Zentralbanken besch\u00e4ftigen sich mit dem Thema und mit den m\u00f6glichen Auswirkungen. Allerdings haben nur wenige L\u00e4nder \u2013 unter anderem Schweden und China \u2013 Pl\u00e4ne, kurz- bis mittelfristig digitale W\u00e4hrungen auch auszugeben. Eine tats\u00e4chliche Umsetzung ist bis jetzt aber noch nirgends erfolgt.<\/p>\n<p>Erfolgversprechender erscheint nach heutigem Stand die Strategie, digitales Zentralbankgeld, das ausschliesslich f\u00fcr Finanzmarktakteure bestimmt ist,\u00a0weiterzuentwickeln. Dies h\u00e4tte nicht dieselben weitreichenden und grundlegenden Auswirkungen wie allgemein zug\u00e4ngliches digitales Zentralbankgeld. Ein von der SNB herausgegebener \u00abWholesale Token\u00bb k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise dazu beitragen, die Effizienz im Handel, in der Abwicklung und der Bewirtschaftung von Wertschriften zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Der Bundesrat und die SNB verfolgen das Thema digitales Zentralbankgeld weiterhin aktiv. Die rasche technologische Entwicklung, sich \u00e4ndernde Zahlungsverhalten und -bed\u00fcrfnisse und die Erfahrungen anderer L\u00e4nder k\u00f6nnen in Zukunft zu einer neuen Beurteilung von Chancen und Risiken von digitalem Zentralbankgeld f\u00fcr die breite Bev\u00f6lkerung f\u00fchren.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Bundesrat (2019) sowie Postulat 18.3159 <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20183159\">\u00abBericht zu M\u00f6glichkeiten, Chancen und Risiken der Einf\u00fchrung eines Kryptofrankens\u00bb<\/a>, vom 14.3.2018.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Finanzkrise von 2008 kamen Zweifel an der Stabilit\u00e4t der Finanzsysteme auf. In der Folge entstanden private Kryptow\u00e4hrungen wie Bitcoin, und grosse Techunternehmen wie Google, Amazon, Facebook, Apple, Alipay, Wechat drangen in den Bereich der Zahlungsdienstleistungen vor. Mittlerweile hat Bargeld in L\u00e4ndern wie Schweden und China im Alltag an Bedeutung verloren. Angesichts dieser Entwicklungen [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3326,"featured_media":18186,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[96],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3326,"seco_co_author":[2777,3085],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"\u00d6konomin, \u00d6konomische Analyse und Beratung, Eidgen\u00f6ssische Finanzverwaltung (EFV), Bern","seco_author_post_occupation_fr":"Cheffe de l\u2019unit\u00e9 Politique mon\u00e9taire et conjoncture, domaine Politique \u00e9conomique et mon\u00e9taire, Administration f\u00e9d\u00e9rale des finances (AFF), Berne\r\n","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":2777,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"\u00d6konom, Geldpolitik und Konjunktur, Eidgen\u00f6ssische Finanzverwaltung (EFV), Bern","seco_co_author_post_occupation_fr":"\u00c9conomiste, domaine Politique mon\u00e9taire et conjoncture, Administration f\u00e9d\u00e9rale des finances (AFF), Berne"},{"seco_co_author":3085,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Dr. rer. soc. oec., Leiter Wirtschafts- und Geldpolitik, Eidgen\u00f6ssische Finanzverwaltung (EFV), Bern\r\n","seco_co_author_post_occupation_fr":"Chef du domaine Politique \u00e9conomique et mon\u00e9taire, Administration f\u00e9d\u00e9rale des finances (AFF), Berne"}],"short_title":"Ein digitaler Franken f\u00fcr alle?","post_lead":"Soll die SNB einen digitalen Franken f\u00fcr die breite Bev\u00f6lkerung herausgeben? Der Bundesrat r\u00e4t wegen geld- und stabilit\u00e4tspolitischer Risiken zurzeit davon ab.","post_hero_image_description":"Bargeld hat noch lange nicht ausgedient: Die neunte Schweizer Banknotenserie.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"Keystone","post_references_literature":"<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich (2018). Central Bank Digital Currencies, M\u00e4rz 2018.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"list-style-type: none;\">\r\n<ul>\r\n \t<li>Bundesrat (2019). <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-77527.html\">Digitales Zentralbankgeld<\/a>, Bericht des Bundesrates vom 13. Dezember.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>\r\n&nbsp;","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":103143,"main_focus":"","serie_email":null,"frontpage_slider_bild":103147,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"91291","post_abstract":"Der Bundesrat hat in einem Bericht die M\u00f6glichkeiten, Chancen und Risiken der Einf\u00fchrung und Herausgabe von digitalem Zentralbankgeld gepr\u00fcft. Wie sich zeigt, sind die Erwartungen an digitales Zentralbankgeld vielf\u00e4ltig: Die Bef\u00fcrworter erhoffen sich, ein digitales gesetzliches Zahlungsmittel k\u00f6nne unter anderem das Bed\u00fcrfnis der Bev\u00f6lkerung nach sicherem Geld befriedigen, die Wirksamkeit der Geldpolitik erh\u00f6hen sowie die Finanzstabilit\u00e4t st\u00e4rken. Die Analyse zeigt jedoch, dass digitales Zentralbankgeld diese Erwartungen nicht oder nur bedingt erf\u00fcllen kann. Vielmehr entst\u00fcnden neue Risiken, insbesondere im Bereich der Finanzstabilit\u00e4t. Der Bundesrat sieht deshalb derzeit keinen Handlungsbedarf.","magazine_issue":"20230501","seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[4127],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20191220","original_files":null,"external_release_for_author":"20191201","external_release_for_author_time":"23:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5dc974f2df2e2"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103140"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3326"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103140"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103140\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":183408,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103140\/revisions\/183408"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3085"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2777"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3326"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18186"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=103140"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=103140"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=103140"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=103140"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=103140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}