{"id":103523,"date":"2019-10-23T10:30:46","date_gmt":"2019-10-23T10:30:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/10\/lenregistrement-simplifie-du-temps-de-travail-doit-etre-mieux-encadre\/"},"modified":"2023-08-23T22:56:14","modified_gmt":"2023-08-23T20:56:14","slug":"vereinfachte-arbeitszeiterfassung-besser-umsetzen-und-kontrollieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/10\/vereinfachte-arbeitszeiterfassung-besser-umsetzen-und-kontrollieren\/","title":{"rendered":"Vereinfachte Arbeitszeiterfassung besser umsetzen und kontrollieren"},"content":{"rendered":"<p>Seit 2016 besteht ein flexiblerer gesetzlicher Rahmen f\u00fcr die Arbeitszeiterfassung. Bei der Revision der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1) hat der Bundesrat im Einvernehmen mit den Sozialpartnern beschlossen, eine Ausnahmeregelung mit zwei neuen Bestimmungen einzuf\u00fchren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZum einen ist in <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/20000832\/index.html#a73a\">Artikel\u00a073a<\/a> nun die M\u00f6glichkeit vorgesehen, auf die Arbeitszeiterfassung zu verzichten, sofern die betroffenen Arbeitnehmenden ein Bruttojahreseinkommen von mehr als 120\u2019000 Franken beziehen und bei ihrer Arbeit \u00fcber grosse Autonomie verf\u00fcgen, einschliesslich bei der Festlegung ihrer Arbeitszeiten. Zum anderen kann gem\u00e4ss <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/20000832\/index.html#a73b\">Artikel\u00a073b<\/a> f\u00fcr Arbeitnehmende, die ihre Arbeitszeiten zu einem erheblichen Teil selber festlegen k\u00f6nnen, ausschliesslich die geleistete t\u00e4gliche Arbeitszeit erfasst werden. Dabei gilt jedoch: Der Gesundheitsschutz der Besch\u00e4ftigten muss dem Sinn und Geist des <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/19640049\/index.html\">Arbeitsgesetzes <\/a>(ArG) Rechnung tragen.&#13;<\/p>\n<h2>Tendenziell mehr Arbeitsstunden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit einer Umfrage<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> bei rund 3900 Erwerbst\u00e4tigen wurden diese neuen Bestimmungen nun erstmals untersucht (zur Methodik siehe <em>Kasten<\/em>). Fazit: Die Zahl der \u00fcblicherweise geleisteten Wochenarbeitsstunden h\u00e4ngt stark von der Art der Arbeitszeiterfassung ab. Ber\u00fccksichtigt man nur die Vollzeitstellen, betr\u00e4gt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei Arbeitnehmenden, die ihre Arbeitszeit nicht erfassen (Art.\u00a073a), 46,5\u00a0Stunden. Bei Besch\u00e4ftigten, die nur die gesamte t\u00e4gliche Arbeitszeit registrieren (Art.\u00a073b), sind es 43,9 Stunden und bei systematischer Arbeitszeiterfassung 42,3\u00a0Stunden. Betrachtet man auch die Teilzeitstellen, arbeiten die Befragten, die unter die Regelung von Artikel 73a fallen, durchschnittlich 3,9\u00a0Stunden mehr pro Woche als diejenigen, die alle ihre Arbeitsstunden erfassen. Die Befragten, f\u00fcr welche die Regelung in Artikel 73b gilt, arbeiten 1,9 Stunden mehr.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEinige Befragte haben angegeben, dass sie auch schon mehr als 55 Stunden pro Woche gearbeitet haben, was sie einem erheblichen Gesundheitsrisiko aussetzt.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Bei den Arbeitnehmenden, die ihre Arbeitszeit gar nicht erfassen, ist dieser Anteil h\u00f6her (11,7%) als bei Besch\u00e4ftigten, die nur ihre gesamte t\u00e4gliche Arbeitszeit festhalten (3,4%). Von den Besch\u00e4ftigten, die alle Arbeitsstunden erfassen, haben hingegen nur 1,3\u00a0Prozent schon mehr als 55 Stunden pro Woche gearbeitet.&#13;<\/p>\n<h2>Mehr un\u00fcbliche Arbeitszeiten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVon un\u00fcblichen Arbeitszeiten sind vor allem Arbeitnehmende betroffen, die ihre Arbeitszeit nicht erfassen. 60\u00a0Prozent dieser Angestellten leisten mindestens einmal pro Monat zwei Stunden Abendarbeit zwischen 20 und 23 Uhr. Zum Vergleich: Im Durchschnitt aller Besch\u00e4ftigten sind es nur 35,2\u00a0Prozent. \u00c4hnlich ist es bei der Wochenendarbeit: 80\u00a0Prozent der Befragten ohne Arbeitszeiterfassung m\u00fcssen mindestens einmal j\u00e4hrlich Samstagsarbeit leisten, der Durchschnitt aller Besch\u00e4ftigten liegt bei 59. Ausserdem arbeiten 60\u00a0Prozent der Erwerbst\u00e4tigen ohne Arbeitszeiterfassung mindestens einmal pro Jahr auch sonntags. Der Gesamtdurchschnitt aller Besch\u00e4ftigten liegt bei 38,9 Prozent.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHingegen weichen die betreffenden Werte nicht wesentlich von den Durchschnittswerten ab, wenn Arbeitnehmende alle Arbeitsstunden oder nur die gesamte t\u00e4gliche Arbeitszeit erfassen. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung sind der Druck und die Produktivit\u00e4tsziele, die Angestellten ohne Arbeitszeiterfassung auferlegt werden: Diese haben n\u00e4mlich h\u00e4ufiger angegeben, ihre Arbeitszeit h\u00e4nge sehr stark von ihren Aufgaben oder von den zu erreichenden Zielen ab (47,5\u00a0% gegen\u00fcber durchschnittlich 31,3\u00a0%).&#13;<\/p>\n<h2>Begleitmassnahmen reduzieren Stressrisiko<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Anteil der Arbeitnehmenden, die einem hohen Stressrisiko ausgesetzt sind, h\u00e4ngt nicht wesentlich von der Art der Arbeitszeiterfassung ab. Doch beim Stressrisiko von Besch\u00e4ftigten, die unter die Ausnahmeregelung fallen (Art. 73a und 73b), spielen zwei andere Faktoren eine Rolle: Zum einen sind das Begleitmassnahmen wie Information, Sensibilisierung, Massnahmen zum Gesundheitsschutz und zur Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeiten und zum anderen die Tatsache, dass f\u00fcr Angestellte, die lieber alle Arbeitsstunden erfassen w\u00fcrden, eine Ausnahmeregelung gilt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBestehen keine solchen Begleitmassnahmen, ist das Risiko von grossem Stress doppelt so hoch (15,6% gegen\u00fcber durchschnittlich 7,4%).<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Auch f\u00fcr den subjektiv empfundenen Stress ist dieser Faktor bedeutend. Denn ohne Begleitmassnahmen f\u00fchlt sich jeder F\u00fcnfte sehr oft gestresst, w\u00e4hrend dieser Anteil mit Begleitmassnahmen bei 7,1\u00a0Prozent liegt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWas den zweiten Faktor betrifft, empfinden Besch\u00e4ftigte subjektiv h\u00e4ufiger Stress, wenn f\u00fcr sie eine Ausnahmeregelung gilt, obwohl sie eigentlich alle ihre Arbeitsstunden erfassen m\u00f6chten (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Sie f\u00fchlen sich h\u00e4ufiger gestresst als der Durchschnitt der Angestellten. Konkret empfinden 15,5\u00a0Prozent dieser Arbeitnehmenden sehr oft Stress, und 30,7\u00a0Prozent sind oft gestresst. \u00dcber alle Besch\u00e4ftigten hinweg sind es durchschnittlich 11,6\u00a0 bzw. 25,3\u00a0Prozent. F\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen gibt es zwei m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungen: Zum einen m\u00f6chten Erwerbst\u00e4tige m\u00f6glicherweise alle ihre Arbeitsstunden erfassen, weil sie in Stresssituationen tendenziell l\u00e4nger arbeiten; zum anderen l\u00f6st die Tatsache, dass sie entgegen ihren Vorstellungen nicht alle ihre Arbeitsstunden erfassen k\u00f6nnen, bei ihnen gegebenenfalls eine Stressreaktion aus.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Stress und Zufriedenheit mit der Art der Arbeitszeiterfassung (AZE)<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><div class='chart chart--normal' id='11_2019_bonvin_2_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#11_2019_bonvin_2_de').highcharts({\n   chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n \n\n tooltip: {\n            valueSuffix: ' %'\n        },\n\n    xAxis: {\n        categories: [\n            'Zufrieden: gut angepasste AZE*','Unzufrieden: Ausnahmeregelung gew\u00fcnscht**','Unzufrieden: R\u00fcckkehr zu einer systematischen AZE gew\u00fcnscht***','Unzufrieden: andere Ausnahmeregelung gew\u00fcnscht****'\n        ],\n        crosshair: true,\n         title: {\n            text: 'H\u00e4ufigkeit von Stress in den letzten 12 Monaten'\n        }\n    },\n    yAxis: {\n        min: 0,\n        valueSuffix:'%',\n        title: {\n            text: ''\n        },\n         labels: {\n            format: '{value}%'\n        },\n    },\n   \n   \n    series: [{\n        name: 'Nie (\u00d8 = 7,2 %)',\n        data: [7.6,7.5 ,4.9,8.9]\n\n    }, {\n        name: 'Manchmal (\u00d8 = 55,8 %)',\n        data: [57.1,56.1,49,58.6]\n\n    }, {\n        name: 'Oft (\u00d8 = 25,3 %)',\n        data: [23.8,24.8,30.7,24.9]\n\n    }, {\n        name: 'Sehr oft (\u00d8 = 11,6 %)',\n        data: [11.5,11.7,15.5,7.6]\n\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n<\/pre>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">* Die Arbeitnehmenden sind mit der Art der Arbeitszeiterfassung bzw. mit der Nichterfassung der Arbeitszeit zufrieden.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">** Die Arbeitnehmenden erfassen alle Arbeitsstunden, doch sie w\u00fcrden eine Ausnahmeregelung bevorzugen.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">*** F\u00fcr die Arbeitnehmenden gilt eine Ausnahmeregelung, doch sie m\u00f6chten lieber alle ihre Arbeitsstunden erfassen.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">**** F\u00fcr die Arbeitnehmenden gilt nicht die von ihnen gew\u00fcnschte Ausnahmeregelung. Sie unterstehen beispielsweise der Regelung in Artikel 73a, doch sie w\u00fcrden die Regelung in Artikel 73b bevorzugen oder umgekehrt.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Bonvin, Cianferoni und Kempeneers (2019) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Work-Life-Balance teilweise schwierig<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWas die Work-Life-Balance betrifft, haben rund 90\u00a0Prozent der befragten Besch\u00e4ftigten angegeben, dass sich ihre Arbeitszeiten gut oder sehr gut mit ihren ausserberuflichen sozialen und famili\u00e4ren Verpflichtungen in Einklang bringen lassen. Da sie bei der Festlegung ihrer Arbeitszeiten \u00fcber eine gewisse Autonomie verf\u00fcgen, haben sie gen\u00fcgend Spielraum, um die Bed\u00fcrfnisse der Familie zu ber\u00fccksichtigen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nParadoxerweise ist es f\u00fcr mehr als ein Drittel der Befragten schwierig, Beruf und Privatleben zu vereinbaren. Etwa die H\u00e4lfte von ihnen kann sich nur schwer von der Arbeit l\u00f6sen. Eine Mehrheit der befragten Besch\u00e4ftigten verzichtet zuweilen wegen arbeitsbedingter \u00dcberm\u00fcdung auf Freizeitaktivit\u00e4ten oder macht sich w\u00e4hrend der Freizeit Sorgen wegen ihrer beruflichen T\u00e4tigkeit. So wird die Work-Life-Balance anscheinend uneinheitlich beurteilt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWird ein zusammengesetzter Index verwendet, der diese verschiedenen Parameter ber\u00fccksichtigt, zeigt sich, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wesentlich durch die Art der Arbeitszeiterfassung beeinflusst wird (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Der Index zeigt: Personen mit systematischer Arbeitszeiterfassung sind in den Kategorien, die eine gute Vereinbarkeit signalisieren (0 bis 2), proportional am st\u00e4rksten vertreten. Personen, die ihre Arbeitszeit nicht erfassen, finden sich hingegen \u00f6fter in den Kategorien, welche auf eine problematischere Vereinbarkeit hindeuten (4 und 5). Aus der statistischen Analyse dieser Ergebnisse geht hervor, dass eine sehr gute Vereinbarkeit (Index\u00a0=\u00a00) eher bei Arbeitnehmenden mit systematischer Arbeitszeiterfassung (18,4%) als bei Besch\u00e4ftigten besteht, die nur die gesamte t\u00e4gliche Arbeitszeit festhalten (12,6%) oder ganz auf die Arbeitszeiterfassung verzichten (7,9%). Problematisch (Index ab 5) ist die Vereinbarkeit umgekehrt in erster Linie f\u00fcr Angestellte, die ihre Arbeitsstunden nicht erfassen (21,8%), und in geringerem Masse f\u00fcr Erwerbst\u00e4tige mit vereinfachter Arbeitszeiterfassung (15,8%).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAus den \u00f6konometrischen Analysen ist ersichtlich, dass die Vereinbarkeit auch f\u00fcr die Befragten schwieriger ist, die mit der systematischen Arbeitszeiterfassung unzufrieden sind und der Ausnahmeregelung unterstellt werden m\u00f6chten.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Zusammengesetzter Index zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach Art der Arbeitszeiterfassung<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><div class='chart chart--normal' id='11_2019_bonvin_1_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#11_2019_bonvin_1_de').highcharts({\n    chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n\n  tooltip: {\n            valueSuffix: ' %'\n        },\n\n    xAxis: {\n        categories: [\n            '0','1','2','3','4','5','6','7','8'\n        ],\n        crosshair: true,\n         title: {\n            text: 'Index'\n        }\n    },\n    yAxis: {\n        min: 0,\n        valueSuffix:'%',\n        title: {            text: 'Antwortrate'\n        },\n         labels: {\n            format: '{value}%'\n        },\n    },\n   \n   \n    series: [{\n        name: 'Systematische Arbeitszeiterfassung',\n        data: [8.89, 9.04, 8.05, 5.91, 6.51, 5.71, 2.19, 0.94, 0.2]\n\n    }, {\n        name: 'Vereinfachte Arbeitszeiterfassung (Art. 73b)',\n        data: [4.42, 5.37, 5.41, 5.66, 4.07, 5.32, 2.83, 0.55, 0.15]\n\n    }, {\n        name: 'Keine Arbeitszeiterfassung (Art. 73a)',\n        data: [1.54, 3.03, 1.99, 2.33, 3.03, 3.87, 1.69, 0.35, 0.05]\n\n    }, {\n        name: 'Weiss nicht',\n        data: [0.25, 0.15, 0.1, 0.1, 0.1, 0.15, 0.05, 0, 0]\n\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;\n<\/pre>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Ein Indexwert von 0 bedeutet eine sehr gute Vereinbarkeit, ein Wert von 8 eine sehr schlechte Vereinbarkeit. F\u00fcr den zusammengesetzten Index wurden 2013 Befragte ber\u00fccksichtigt. Das Total der Balken entspricht 100 Prozent der Befragten.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Bonvin, Cianferoni und Kempeneers (2019) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Langfristige Gesundheitsfolgen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie verschiedenen Arten der Arbeitszeiterfassung scheinen auch einen Einfluss auf die Gesundheit der Arbeitnehmenden zu haben. 80\u00a0Prozent der Befragten haben ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut beurteilt. Wird der Fokus indessen auf den Anteil der Angestellten gerichtet, die ihren Gesundheitszustand als durchschnittlich, schlecht oder sehr schlecht einsch\u00e4tzen, ergibt sich ein Zusammenhang mit der Art der Arbeitszeiterfassung: 20,1\u00a0Prozent der Arbeitnehmenden mit systematischer Arbeitszeiterfassung beschreiben ihren Gesundheitszustand als durchschnittlich bis schlecht. Dieser Anteil ist bei den Besch\u00e4ftigten mit vereinfachter Arbeitszeiterfassung (17,6%) und den Angestellten ohne Arbeitszeiterfassung (12%) tiefer.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Analysen zeigen jedoch, dass dieser Unterschied nicht mit der Art der Arbeitszeiterfassung zusammenh\u00e4ngt. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Selektionseffekt, der in Verbindung mit dem h\u00f6heren Bildungsstand der Arbeitnehmenden steht, f\u00fcr welche die flexiblere Regelung gilt. Denn die Ausnahmeregelung richtet sich haupts\u00e4chlich an F\u00fchrungskr\u00e4fte und hoch qualifizierte Mitarbeitende. Der positive Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit ist empirisch dokumentiert.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Die Tatsache, dass diese Unterschiede nicht signifikant sind, bedeutet allerdings nicht, dass kein Zusammenhang zwischen der Art der Arbeitszeiterfassung und der Gesundheit besteht. Da sich die Erwerbst\u00e4tigkeit langfristig auf die Gesundheit auswirkt, w\u00e4re eine mehrj\u00e4hrige L\u00e4ngsschnittstudie erforderlich, um die Auswirkungen zu beobachten. Da die Gesetzes\u00e4nderungen und ihre Umsetzung noch zu wenig weit zur\u00fcckliegen, konnte f\u00fcr diese Analyse noch keine solche Studie durchgef\u00fchrt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Besch\u00e4ftigte gut informieren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie unsere Studie zeigte, sind Arbeitnehmende, die der Ausnahmeregelung unterstehen, h\u00e4ufiger von langen und un\u00fcblichen Arbeitszeiten betroffen. Auch haben sie \u00f6fter Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Begleitmassnahmen k\u00f6nnten wesentlich dazu beitragen, die Risiken f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten zu mindern. Die Sozialpartner stehen in der Verantwortung, solche Massnahmen umzusetzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJe nach Art der Arbeitszeiterfassung resultieren zudem unterschiedlich lange Arbeitszeiten. Deshalb stellt sich die Frage, ob es Mechanismen zur Kontrolle der \u00fcblichen Arbeitszeit braucht, um Situationen mit \u00fcberm\u00e4ssiger Belastung (ab 55 Arbeitsstunden pro Woche) zu vermeiden. Schliesslich sollen die von den Artikeln 73a (keine Arbeitszeiterfassung) und\u00a073b (vereinfachte Arbeitszeiterfassung) betroffenen Arbeitnehmenden diesen Zeiterfassungsmethoden ausdr\u00fccklich zustimmen k\u00f6nnen. Und sie sollten auch dar\u00fcber informiert werden, dass sie ihre Arbeitszeit systematisch erfassen k\u00f6nnen, ohne dass sie mit negativen Konsequenzen rechnen m\u00fcssen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nArtikel 73b k\u00f6nnte sogar \u00fcberarbeitet werden, um das Erfordernis einer ausdr\u00fccklichen Zustimmung der Besch\u00e4ftigten einzuf\u00fchren \u2013\u00a0statt nur der M\u00f6glichkeit, die Ausnahmeregelung auf Wunsch abzulehnen. Denn die Unzufriedenheit der Arbeitnehmenden mit der Art der Arbeitszeiterfassung scheint ein wesentlicher Stressfaktor zu sein, der mehr Beachtung verdient.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Bonvin, Cianferoni und Kempeneers (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Kivim\u00e4ki et al. (2015).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Mit einer Fehlermarge von 5 Prozent wird dieses Ergebnis vom \u00f6konometrischen Modell nicht best\u00e4tigt, hingegen mit einer Fehlermarge von 10 Prozent.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Marmot et al. (1991).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2016 besteht ein flexiblerer gesetzlicher Rahmen f\u00fcr die Arbeitszeiterfassung. 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Eine Studie zeigt, dass solche Besch\u00e4ftigte oftmals l\u00e4ngere und un\u00fcbliche Arbeitszeiten haben. Das erschwert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.","post_hero_image_description":"F\u00fcr Personen, die ihre Arbeitszeit nicht registrieren, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie \u00f6fter problematisch als f\u00fcr Arbeitnehmende mit systematischer Zeiterfassung.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"Keystone","post_references_literature":"<ul>&#13;\n \t<li>Bonvin, Jean-Michel; Cianferoni, Nicola; Kempeneers, Pierre (2019). <a href=\"http:\/\/seco.admin.ch\/studie-arbeitszeiterfassung\">Evaluation der Auswirkungen der am 1.1.2016 in Kraft getretenen \u00c4nderungen der Vorschriften zur Arbeitszeiterfassung (Art. 73a und 73b ArGV 1)<\/a>. Institut de d\u00e9mographie et de socio\u00e9conomie, Facult\u00e9 des sciences de la soci\u00e9t\u00e9, Universit\u00e9 de Gen\u00e8ve.<\/li>&#13;\n \t<li>Kivim\u00e4ki M. et al. (2015). Long Working Hours and Risk of Coronary Heart Disease and Stroke: a Systematic Review and Meta-analysis of Published and Unpublished Data for 603 838 Individuals. In: The Lancet, 386(10005), 1739\u20131746.<\/li>&#13;\n \t<li>Marmot M. G.; Smith G. D.; Stansfeld S.; Patel C.; North F.; Head J.; White I.; Brunner E. und Feeney A. (1991). Health Inequalities Among British Civil Servants: The Whitehall II study. In: The Lancet, 337(8754), 1387\u20131393.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Methodik der Befragung","kasten_box":"F\u00fcr die Umfrage wurde ein elektronischer Fragebogen in deutscher und franz\u00f6sischer Sprache an Mitarbeitende von acht Unternehmen verteilt aus der Versicherungsbranche, der Telekommunikation, der Industrie und dem Detailhandel. Die meisten Fragen stammen aus der Europ\u00e4ischen Erhebung \u00fcber die Arbeitsbedingungen (EWCS). Der Fragebogen wurde zwischen September\u00a02018 und Januar\u00a02019 an 3907 zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlte Arbeitnehmende verteilt. Die Analysen beruhen auf einer Stichprobe von 2013\u00a0ausgef\u00fcllten Frageb\u00f6gen, was einer R\u00fccklaufquote von 51,5\u00a0Prozent entspricht. Bei 47,9\u00a0Prozent der 2013 ber\u00fccksichtigten Befragten wird die Arbeitszeit systematisch erfasst. Bei 34,1\u00a0Prozent gilt die vereinfachte Arbeitszeiterfassung (Art.\u00a073b), und bei 18\u00a0Prozent wird die Arbeitszeit nicht erfasst (Art.\u00a073a). 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Begleitmassnahmen und die Zufriedenheit von Angestellten mit dem angewandten Zeiterfassungssystem scheinen eine wesentliche Rolle zu spielen, insbesondere bei der Stresspr\u00e4vention. Mechanismen zur Kontrolle der \u00fcblichen Arbeitszeiten k\u00f6nnten helfen. Ausserdem sollte sichergestellt werden, dass die Besch\u00e4ftigten gut informiert werden und mit dem eingesetzten Zeiterfassungssystem einverstanden sind. 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