{"id":103580,"date":"2019-10-23T10:30:25","date_gmt":"2019-10-23T10:30:25","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/10\/luetzelschwab-11-2019fr-2\/"},"modified":"2023-08-23T22:56:37","modified_gmt":"2023-08-23T20:56:37","slug":"es-braucht-einen-weiteren-schritt_de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/10\/es-braucht-einen-weiteren-schritt_de\/","title":{"rendered":"Es braucht einen weiteren Schritt"},"content":{"rendered":"<p>Das digitale Zeitalter und eine global vernetzte Weltwirtschaft erm\u00f6glichen flexiblere Arbeitsformen. Dieser neuen Realit\u00e4t muss sich auch der Schweizer Arbeitsmarkt stellen. Doch nicht allein die unter Wettbewerbsdruck stehende Wirtschaft gibt den Takt und die Art der Arbeitserbringung vor. Auch die Arbeitnehmer informieren sich \u00fcber individuelle L\u00f6sungen in anderen Unternehmen. Unternehmer machen ihrerseits diesen Vergleich und k\u00f6nnen sich durch moderne Anstellungsbedingungen als attraktive Arbeitgeber positionieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Digitalisierung und Vernetzung ver\u00e4ndert allerdings auch die Besch\u00e4ftigungsstruktur. Vor allem wissensintensive T\u00e4tigkeiten des Dienstleistungssektors werden mobil erbracht, sei es im Aussendienst, im Homeoffice oder in Co-Working-Spaces. Das Arbeiten an bestimmten Orten und zu fixen Zeiten wandelt sich zum eigenverantwortlichen Arbeiten, bei dem sich Arbeit und Freizeit in Intervallen abwechseln. L\u00e4ngst hat deswegen in vielen Branchen und Unternehmen eine von Vertrauen gepr\u00e4gte Arbeitskultur die detaillierte Zeiterfassung abgel\u00f6st, wie sie urspr\u00fcnglich f\u00fcr die Fabrikarbeit eingef\u00fchrt worden war.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZur Wahrung des Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmer setzen die gesetzlichen Bestimmungen \u00fcber die Arbeits- und Ruhezeiten den Flexibilisierungsw\u00fcnschen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern wichtige Grenzen: Die Arbeitszeiten der Angestellten sind so zu organisieren, dass keine qualitative und quantitative \u00dcberbeanspruchung der Mitarbeiter resultiert. Dies gilt unabh\u00e4ngig von der Frage, ob die Arbeitszeit erfasst wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInteressanterweise zeigen Studien eine starke Verbindung von selbstbestimmter Arbeitszeit \u2013 die oft mit dem Wegfall der Arbeitszeiterfassung verbunden ist \u2013 und der Motivation und der Produktivit\u00e4t der Mitarbeiter. Es wird geltend gemacht, dass die Arbeitszeit effizienter genutzt werden kann und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichterf\u00e4llt. Entscheidend ist auch, dass es keine eindeutigen Hinweise gibt, dass Vertrauensarbeitszeit die Gesundheit der Mitarbeiter beeintr\u00e4chtigt.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Kein GAV und keine Lohngrenze<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEinzelne Bestimmungen des aus dem Jahr 1964 stammenden Arbeitsgesetzes werden den Erfordernissen der modernen Arbeitswelt nicht mehr gerecht. Deshalb wurde Anfang 2016 auf Empfehlung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Dachorganisationen die Pflicht zur minuti\u00f6sen Arbeitszeiterfassung in einer <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Arbeit\/Arbeitsbedingungen\/Arbeitnehmerschutz\/Arbeits-und-Ruhezeiten\/Arbeitszeiterfassung.html\">Verordnung<\/a> gelockert. Seither d\u00fcrfen Arbeitnehmer auf eine Erfassung verzichten, wenn sie ein Bruttojahreseinkommen inklusive Boni von mindestens 120\u2019000 Franken erzielen und weitgehend selbst \u00fcber ihre Zeiteinteilung entscheiden. Diese Befreiung muss aber in einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) vorgesehen sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Verordnung hat Rechtssicherheit gebracht und die Unternehmen administrativ entlastet. Inzwischen ist aber deutlich geworden, dass nicht \u00fcberall repr\u00e4sentative Arbeitnehmerverb\u00e4nde bestehen. Ausserdem ist die Lohngrenze \u2013 besonders in Branchen mit geringer Wertsch\u00f6pfung \u2013 sogar f\u00fcr das oberste Kader zu hoch angesetzt. Diesem ersten breit abgest\u00fctzten Schritt zur Lockerung der Pflicht zur detaillierten Arbeitszeiterfassung muss ein zweiter Schritt mit Augenmass folgen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Schweizerische Arbeitgeberverband bef\u00fcrwortete deshalb den vom St\u00e4nderat im September abrupt abgeschriebenen Vorentwurf zur <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20160423\">parlamentarischen Initiative<\/a> der heutigen Bundesr\u00e4tin Karin Keller-Sutter. Mit dieser h\u00e4tte die L\u00fccke bei der Arbeitszeiterfassung geschlossen werden k\u00f6nnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das digitale Zeitalter und eine global vernetzte Weltwirtschaft erm\u00f6glichen flexiblere Arbeitsformen. Dieser neuen Realit\u00e4t muss sich auch der Schweizer Arbeitsmarkt stellen. Doch nicht allein die unter Wettbewerbsdruck stehende Wirtschaft gibt den Takt und die Art der Arbeitserbringung vor. 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