{"id":103752,"date":"2019-09-23T11:00:41","date_gmt":"2019-09-23T11:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/09\/neuhaus-10-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:56:36","modified_gmt":"2023-08-23T20:56:36","slug":"neuhaus-10-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/09\/neuhaus-10-19\/","title":{"rendered":"Messbare Erfolge in der Entwicklungszusammenarbeit"},"content":{"rendered":"<p>In Projekten der Entwicklungszusammenarbeit sind messbare Resultate sehr wichtig. Sie dienen einerseits der Rechtfertigung ihrer Massnahmen vor den Geldgebern; bei der \u00f6ffentlichen Entwicklungshilfe sind dies die Steuerzahlenden. Andererseits bieten sie strategische Entscheidungshilfen zur Frage, ob ein Projekt weitergef\u00fchrt, ausgeweitet oder abgebrochen werden soll. Im Gegensatz zu herk\u00f6mmlichen Endauswertungen von Entwicklungsmassnahmen begleiten Impakt-Evaluationen Projekte von Anfang bis zum Schluss. Da in den oftmals fragilen Kontexten der Entwicklungszusammenarbeit kaum Daten zur Auswertung verf\u00fcgbar sind, erheben speziell eingesetzte Evaluations-Teams die Daten selber, oft \u00fcber einen Zeitraum von mehreren Jahren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine <a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/deza\/de\/home\/resultate_und_wirkung\/wirkungsmessung\/impakt-evaluationen.html\">Impakt-Evaluation<\/a> vergleicht die Daten einer Zielgruppe mit denjenigen einer Kontrollgruppe, die \u00fcber denselben Zeitraum nicht von den Massnahmen eines Projekts profitieren konnte.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> So wird die Wirkung der Massnahme systematisch belegt, und externe Faktoren, die ebenfalls zu einer Ver\u00e4nderung der Situation f\u00fchrten, k\u00f6nnen ausgeschlossen werden. Dieses langwierige Verfahren der Datenerhebung verursacht zus\u00e4tzliche Kosten. Diese zahlen sich aber schnell aus, wenn aufgrund von positiven Resultaten der Impakt-Evaluation neue Akteure auf eine Massnahme aufmerksam werden und diese zuk\u00fcnftig auch in den eigenen Projekten anwenden. Die Wirkung von erfolgreichen Programmen kann sich dadurch schnell vervielfachen. Unter dem Strich sinken die Kosten der Entwicklungszusammenarbeit erheblich.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm Synergien in der Datenerhebung und der Auswertung aller Programme von Akteuren der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit zu st\u00e4rken, f\u00f6rdert die Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) die vermehrte Durchf\u00fchrung von Impakt-Evaluationen bei Schweizer Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Gemeinsam mit dem Zentrum f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit der ETH Z\u00fcrich (Nadel) zeichnet die Deza alle zwei Jahre die vielversprechendsten Programme von Schweizer NGOs mit einem \u00abImpact-Award\u00bb aus. Die Gewinner erhalten finanzielle und wissenschaftliche Unterst\u00fctzung bei der Durchf\u00fchrung einer Impakt-Evaluation. Bisher wurden vier Projekte von Schweizer NGOs mit dem Award ausgezeichnet: Die Ausgabe 2015\u20132017 gewannen <a href=\"https:\/\/www.tdh.ch\/de\/ieda\">Terre des Hommes<\/a> mit einem Projekt zur Verbesserung der Diagnostik bei Kleinkindern in Burkina Faso und <a href=\"https:\/\/www.reseau-education.ch\/de\/mitglieder\/vivamos-mejor\">Vivamos Mejor<\/a> mit einem Projekt zur kommunalen Kinderbetreuung in Kolumbien. In der Ausgabe 2017\u20132019 ging der Award an das <a href=\"https:\/\/www.redcross.ch\/de\/katastrophenbewaeltigung\/katastrophenvorsorge\/srk-gewinnt-impact-award-2017-2019\">Schweizerische Rote Kreuz<\/a> f\u00fcr ein Projekt zur Katastrophenvorsorge bei Erdrutschen in Honduras und an <a href=\"https:\/\/www.consciente.ch\/consciente-gewinnt-den-impact-evaluation-award\/\">Consciente<\/a> f\u00fcr ein Programm zu computergest\u00fctzten Lehrmitteln in Mittelamerika. Der Award ist mit jeweils 50\u2019000 Franken zur Ausf\u00fchrung einer Impakt-Evaluation der Gewinnerprojekte dotiert. Die n\u00e4chste Ausschreibung f\u00fcr Eingaben zum Impact-Award beginnt im Fr\u00fchjahr 2020.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Diagnostik von Kleinkindern<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nJ\u00fcngst abgeschlossen wurde die Impakt-Evaluation eines Terre-des-Hommes-Projekts in Burkina Faso: Obwohl das westafrikanische Land die internationalen Standards zur Diagnose bei Kleinkindern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 2003 fl\u00e4chendeckend eingef\u00fchrt hatte, blieb die Kindersterblichkeit aufgrund von Fehldiagnosen oder falsch verschriebener Medikation sehr hoch. Das Projekt der Schweizer NGO zielte auf eine systematische Verbesserung der Diagnostik von Kinderkrankheiten in den l\u00e4ndlichen Gesundheitszentren in Burkina Faso ab.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHerzst\u00fcck des Programms ist eine Software-Applikation f\u00fcr Tablet-Computer, die Hilfestellung bei der Diagnostik und der Behandlung bot und gleichzeitig die Patientendaten von Kleinkindern registrierte. Von 2014 bis 2017 wurde gleichzeitig mit der Implementierung des Projekts in acht Regionen des Landes eine Impakt-Evaluation durch die London School of Hygiene and Tropical Medicine (<a href=\"https:\/\/www.lshtm.ac.uk\/\">LSHTM<\/a>) durchgef\u00fchrt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInsgesamt zeichneten die Evaluatoren die Untersuchungen und Diagnosen von 2038 Kleinkindern auf.\u00a0Diese Zahl setzt sich aus einer Zielgruppe und einer Kontrollgruppe zusammen. Erstere umfasst 695 F\u00e4lle, bei denen die neue Software bei der Untersuchung eingesetzt wurde. In der Kontrollgruppe von 1343 F\u00e4llen erstellte das medizinische Personal die Diagnose mittels herk\u00f6mmlicher Papierfragebogen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe wurden in der Zielgruppe mithilfe der Software die klinischen Richtlinien der WHO um 25 Prozent besser eingehalten. Bei allen Krankheitsbildern konnte der Anteil an korrekten Diagnosen signifikant gesteigert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTerre des Hommes und das Gesundheitsministerium Burkina Fasos sind seither mit der weiteren Finanzierung und Ausweitung des Programms in alle Landesteile besch\u00e4ftigt. Die positiven Resultate der Impakt-Evaluation haben auch internationales Interesse geweckt: Neue Partner \u2013 unter anderen die Bill &amp; Melinda Gates Foundation und die WHO \u2013 setzen das Projekt mittlerweile auch in den Nachbarstaaten Mali und Niger um.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Zweite Chance auf Bildung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch von der Deza finanzierte Projekte werden mittels Impakt-Evaluationen ausgewertet. Das Center for Evaluation and Development (<a href=\"http:\/\/c4ed.org\/?lang=de\">C4ED<\/a>) und das Institute for Empirical Research in Political Economy (<a href=\"http:\/\/ireep.org\/\">IREEP<\/a>) evaluieren momentan ein Projekt in Benin, welches im Auftrag der Deza von der Entwicklungsorganisation <a href=\"https:\/\/www.helvetas.org\/de\/schweiz\/was-wir-tun\/wie-wir-arbeiten\/unsere-projekte\/afrika\/benin\/benin-ausbildung-kinder\">Helvetas<\/a> durchgef\u00fchrt wird. Die Resultate dieser ersten Impakt-Evaluation eines Deza-Programms erscheinen im Herbst.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nObwohl der s\u00fcd\u00f6stliche Nachbarstaat von Burkina Faso das Grundrecht auf Bildung anerkennt, besuchen \u00fcber 45 Prozent der Kinder und Jugendlichen des Landes keine Schule. Seit 2011 unterst\u00fctzt die Schweiz in Benin ein Programm zur F\u00f6rderung der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen ohne Zugang zum Bildungssystem.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Das Programm ist an die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen vor Ort angepasst und richtet sich speziell an Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 15 Jahren, die zu alt sind f\u00fcr die Primarschule, aber zu jung, um direkt einen Beruf zu erlernen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn einer quantitativen Grundstudie wurden 2017 und 2018 gesamthaft 2564 betroffene Kinder und Jugendliche in Benin zu ihrer Situation befragt:\u00a0748 von ihnen nahmen am Programm teil. Die Kontrollgruppe umfasste 1816 Kinder und Jugendliche, die keinen Zugang zum Programm hatten. In einem zweiten Schritt wurde im Sommer 2019 eine qualitative Befragung bei den Absolventen des Abschlusssemesters bez\u00fcglich ihrer beruflichen Eingliederung durchgef\u00fchrt.\u00a0Gleichzeitig befragte man die 2564 Teilnehmenden der Grundstudie erneut zu ihrer Situation. Indem man nun die Resultate vergleicht, kann man die praktische Auswirkung des Programms auf die schulischen F\u00e4higkeiten und auf die berufliche Eingliederung der Teilnehmenden belegen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch hier gilt: Ein positiver Befund f\u00fchrt im Idealfall dazu, dass die \u00f6ffentliche Verwaltung Benins alternative Schulen nach Vorbild des Deza-Programms landesweit implementiert. Eine Ausweitung des Programms in andere L\u00e4nder durch neue Partner ist danach nicht ausgeschlossen. In Zukunft werden f\u00fcr weitere Projekte der Deza und ihrer Partner Evaluationen vorliegen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Zu Methoden siehe <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch?p=103882\">Beitrag<\/a> von Dina Pomeranz, ETH Z\u00fcrich, in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\"><a href=\"https:\/\/eda.media-flow.ch\/impakt-eval-ieda\">Integrated e-Diagnostic Approach (IeDA)<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\"><a href=\"https:\/\/eda.media-flow.ch\/impakt-eval-paefe\">Programme d\u2019Appui \u00e0 l\u2019\u00c9ducation et \u00e0 la Formation des Enfants exclus du syst\u00e8me \u00e9ducatif (PAEFE)<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Projekten der Entwicklungszusammenarbeit sind messbare Resultate sehr wichtig. 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