{"id":103856,"date":"2019-09-23T10:30:14","date_gmt":"2019-09-23T10:30:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/09\/bovet-meier-10-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:57:03","modified_gmt":"2023-08-23T20:57:03","slug":"bovet-meier-10-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/09\/bovet-meier-10-2019\/","title":{"rendered":"Leitfaden will Menschenrechte im Rohstoffhandel gew\u00e4hrleisten"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz ist seit dem 19. Jahrhundert eine Drehscheibe f\u00fcr den globalen Rohstoffhandel. Der Rohstoffsektor steuert mittlerweile 3,8\u00a0Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei. Das ist deutlich mehr als beispielsweise die Uhrenindustrie. Sch\u00e4tzungsweise \u00fcber die H\u00e4lfte des Palm\u00f6ls und des Kaffees sowie ein Drittel des Kakaos weltweit werden von Unternehmen mit Sitz in der Schweiz gehandelt (siehe <em>Abbildung<\/em>). Beim Gold ist die Schweiz global gesehen gar die gr\u00f6sste Importeurin und Exporteurin: Zwei Drittel\u00a0des Edelmetalls werden hierzulande raffiniert oder gelagert. Gr\u00fcnde f\u00fcr die Bedeutung der Schweiz im Rohstoffhandel sind wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen sowie das Angebot an handelsbezogenen Dienstleistungen wie Bankfinanzierungen, Versicherungen, Zertifizierungen und professionelle Beratung. Die wichtigsten Rohstoffhandelscluster finden sich in den Kantonen Genf und Zug.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><b><span lang=\"DE-CH\">Rohstoffhandel in der Schweiz (in&nbsp;% des weltweiten Handels)<\/span><\/b><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/09\/meier_de_10_19.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-88486 size-medium\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/09\/meier_de_10_19-236x600.png\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"600\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Mit abrupt ansteigenden Rohstoffpreisen ab dem Jahr 2000 und der Aufnahme von Gold in die Handelsstatistik im Jahr 2013 r\u00fcckte der Rohstoffhandel in den Fokus der Schweizer \u00d6ffentlichkeit. Kritisiert wurden die in der Rohstoffproduktion und im Rohstoffhandel t\u00e4tigen Unternehmen f\u00fcr ihr Risikomanagement in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen, schlechte Arbeitsbedingungen sowie Gef\u00e4hrdung von Gesundheit und Umwelt. Kommt hinzu: Vielen rohstoffreichen Entwicklungsl\u00e4ndern gelingt es nicht \u2013 insbesondere aufgrund politischer Instabilit\u00e4t und Korruption \u2013, ihren Reichtum f\u00fcr einen wirtschaftlichen Aufschwung zu nutzen (sogenannter Rohstoff-Fluch). Ausdruck eines steigenden Bewusstseins der Schweizer Bev\u00f6lkerung f\u00fcr diese Problematik ist auch die Volksinitiative \u00abF\u00fcr verantwortungsvolle Unternehmen \u2013 zum Schutz von Mensch und Umwelt\u00bb, die derzeit im Parlament behandelt wird.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Bundesrat reagierte im Jahr 2013 mit dem \u00abGrundlagenbericht Rohstoffe\u00bb.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Darin skizziert er Ans\u00e4tze f\u00fcr ein verantwortungsvolles Wirtschaften des Rohstoffsektors in der Schweiz und in den Produktionsl\u00e4ndern. Die Empfehlungen wurden 2018 aktualisiert und verfolgen drei Hauptziele. So gilt es erstens die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Schweizer Handelsplatzes sowie zweitens dessen Integrit\u00e4t und Nachhaltigkeit zu st\u00e4rken. Drittens sollen die faktischen Kenntnisse zum Beitrag der Branche zur Schweizer Wirtschaft vertieft werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Umsetzung der Empfehlungen ist eine interdepartementale Plattform bestehend aus dem Staatssekretariat des Eidgen\u00f6ssischen Departements f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten (EDA), dem Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) und dem Staatssekretariat f\u00fcr internationale Finanzfragen (SIF) zust\u00e4ndig.&#13;<\/p>\n<h2><strong>UNO und OECD liefern die Basis<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Entwicklungen in der Schweiz sind eng mit den internationalen Bestrebungen zur verantwortungsvollen Unternehmensf\u00fchrung verkn\u00fcpft. Wichtig sind insbesondere die Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen sowie die Leits\u00e4tze f\u00fcr multinationale Unternehmen der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBeide Dokumente enthalten Empfehlungen zur Sorgfaltspr\u00fcfung von Unternehmen bez\u00fcglich ihrer eigenen Aktivit\u00e4ten und Lieferketten. F\u00fcr Unternehmen, die Rohstoffe aus Risikogebieten abbauen, handeln und nutzen, hat die OECD ebenfalls einen spezifischen Leitfaden erstellt.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Eine entsprechende Anleitung stellt die Organisation auch f\u00fcr Firmen zur Verf\u00fcgung, die in der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelproduktion t\u00e4tig sind.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Schweizer Leitfaden zu Rohstoffhandel<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz ver\u00f6ffentlichte 2018 weltweit als erstes Land einen Leitfaden zur menschenrechtlichen Sorgfaltspr\u00fcfung speziell f\u00fcr den Rohstoffhandel.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Damit setzte der Bundesrat eine zentrale Empfehlung des Grundlagenberichts um. Der Leitfaden ist das Resultat eines Multistakeholder-Prozesses. Er basiert auf zahlreichen Treffen zwischen Vertretern des EDA, des Seco, des Privatsektors, von Nichtregierungsorganisationen sowie des Kantons Genf.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Dank diesem Vorgehen entstand ein praxisorientiertes Instrument gest\u00fctzt auf die Expertise der interessierten Gruppen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBasierend auf den oben erw\u00e4hnten Instrumenten der OECD und der UNO, vermittelt der Leitfaden praktische Ans\u00e4tze f\u00fcr ein Sorgfaltspr\u00fcfungsverfahren von Rohstoffhandelsunternehmen im Bereich der Menschenrechte. Die Sorgfaltspr\u00fcfung soll in Bezug auf die eigenen Aktivit\u00e4ten des Unternehmens und jene seiner Lieferkette (Produktion, Transport, Verkauf etc.) durchgef\u00fchrt werden. In einem ersten Schritt verpflichten sich die Unternehmen in internen Leitlinien und Managementsystemen, die Menschenrechte zu respektieren \u2013 beispielsweise indem sie sich zum Handel von nachhaltig abgebauten Rohstoffen bekennen. In einem zweiten Schritt sollen festgestellte negative Auswirkungen eigener T\u00e4tigkeiten und\/oder jener von Lieferanten wie etwa der Rohstoffabbau unter schlechten Arbeitsbedingungen verhindert oder vermindert werden. Dabei sollen die Unternehmen die getroffenen Massnahmen und erzielten Resultate regelm\u00e4ssig pr\u00fcfen und \u00f6ffentlich dar\u00fcber berichten. Schliesslich sollen Opfer von Menschenrechtsverletzungen ein unternehmenseigenes oder -externes Verfahren zur Wiedergutmachung in Anspruch nehmen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Bund f\u00f6rdert Umsetzung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Leitfaden ist rechtlich kein verbindliches Instrument: Er dient dem global t\u00e4tigen Rohstoffsektor dazu, gemeinsame und auf internationale Standards abgest\u00fctzte Praktiken f\u00fcr eine verantwortungsvolle Unternehmensf\u00fchrung zu entwickeln. Der Bundesrat legt darin seine Erwartungen an die Schweizer Rohstoffhandelsunternehmen dar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit der Ver\u00f6ffentlichung des Leitfadens Ende 2018 f\u00f6rdert die Bundesverwaltung dessen Verbreitung und Umsetzung. Dazu werden Pr\u00e4sentationen an nationalen und internationalen Foren gehalten und Schulungen zu verschiedenen Arten von Rohstoffen durchgef\u00fchrt. Zudem wird der Leitfaden in die Lehrpl\u00e4ne verschiedener Kurse aufgenommen, die von \u00f6ffentlichen Institutionen wie der Universit\u00e4t Genf gemeinsam mit dem Dachverband der Rohstoffhandelsunternehmen, der Swiss Trading and Shipping Association, abgehalten werden. Dar\u00fcber hinaus ist geplant, den vertieften Austausch zwischen den Unternehmen zu f\u00f6rdern, um Erkenntnisse zur Umsetzung des Leitfadens zu gewinnen. Schliesslich wird die Bundesverwaltung das Netzwerk der Schweizer Vertretungen im Ausland nutzen, um den Leitfaden bei Rohstoffhandelsunternehmen bekannt zu machen, die in wichtigen ausl\u00e4ndischen Handelszentren wie London und Singapur t\u00e4tig sind.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">EDA et al. (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Deutsches Global Compact Netzwerk (2014) sowie OECD (2011 und 2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">OECD (2016a).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">OECD (2016b).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">EDA und Seco (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Cargill, Glencore, Swiss Trading and Shipping Association, Brot f\u00fcr alle, Public Eye und Swissaid.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz ist seit dem 19. 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(2018). <a href=\"http:\/\/esu-services.ch\/de\/projekte\/handel\/\">Pilot-Study for the Analysis of the Environmental Impacts of<\/a><a href=\"http:\/\/esu-services.ch\/de\/projekte\/handel\/\">\u00a0C<\/a>ommodities Traded in Switzerland.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2011). <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Aussenwirtschaftspolitik_Wirtschaftliche_Zusammenarbeit\/Wirtschaftsbeziehungen\/OECD-Guidelines.html\">OECD-Leits\u00e4tze f\u00fcr multinationale Unternehmen<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2016a). <a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/corporate\/mne\/mining.htm\">OECD Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains of Minerals from Conflict-Affected and High-Risk Areas<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2016b). <a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/daf\/inv\/investment-policy\/rbc-agriculture-supply-chains.htm\">OECD-FAO Guidance for Responsible Agricultural Supply Chains<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>OECD (2018). <a href=\"http:\/\/mneguidelines.oecd.org\/due-diligence-guidance-for-responsible-business-conduct.htm\">OECD Due Diligence Guidance on Responsible Business Conduct.<\/a><\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":103859,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":103863,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"88457","post_abstract":"Ein grosser Teil des weltweiten Rohstoffhandels erfolgt in der Schweiz. 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