{"id":103957,"date":"2019-09-13T07:57:03","date_gmt":"2019-09-13T07:57:03","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/09\/haegeli-10-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:57:16","modified_gmt":"2023-08-23T20:57:16","slug":"haegeli-2019_einblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/09\/haegeli-2019_einblick\/","title":{"rendered":"Versicherungen st\u00e4rken \u00f6konomische Widerstandsf\u00e4higkeit"},"content":{"rendered":"<p>Ist die Weltwirtschaft seit der Finanzkrise schockresistenter geworden? Leider nicht. Im Gegenteil: Die f\u00fchrenden Volkswirtschaften sind heute weniger gewappnet, Schocks zu absorbieren, als vor zehn Jahren. Es besteht Handlungsbedarf.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit Schockresistenz ist die F\u00e4higkeit eines Systems gemeint, sich nach einem bedeutenden Schock zu erholen. Leider haben sich viele quantitative und qualitative Faktoren, die die \u00f6konomische Belastbarkeit st\u00e4rken, in den letzten Jahren abgeschw\u00e4cht. Das globale Konjunkturwachstum ist signifikant gesunken, von rund 5 Prozent in 2006 auf etwas mehr als 3 Prozent in 2018. Die absoluten globalen Schuldenraten sind deutlich h\u00f6her als noch vor zehn Jahren. Im ersten Quartal 2018 beliefen sie sich auf 319 Prozent des globalen BIP, verglichen mit 283 Prozent im 1. Quartal 2008. Inzwischen sind die Hauptakteure an den Finanzm\u00e4rkten nicht mehr private Investoren, sondern Zentralbanken. Damit sinkt die Funktion der M\u00e4rkte, \u00fcber ihre Kurse Risiken zu signalisieren. Einige der ehemals offensten M\u00e4rkte sind heute zudem protektionistischer als noch vor ein paar Jahren, dies vor allem in den Bereichen Handel und Personenfreiz\u00fcgigkeit.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeshalb k\u00fcmmert dies den Chef\u00f6konomen einer R\u00fcckversicherung? Versicherungen sind ein zentraler Bestandteil eines ausgeglichenen \u00f6konomischen Systems. Sie sind ein Stabilisator und machen Wirtschaftssysteme schockresistenter. Daf\u00fcr verantwortlich sind drei Gr\u00fcnde: Erstens profitieren Unternehmertum, Handel und Investitionen dank einer effizienteren Ressourcenallokation von einem bewussten Umgang mit Risiken. Dadurch k\u00f6nnen Risiken vermieden werden. Zweitens helfen Versicherungen der Gesellschaft, sich nach einem Schock dank finanziellem Schutz schneller zu erholen. Und drittens agieren Versicherungen als Intermedi\u00e4re. Sie leiten Sparguthaben und Pr\u00e4mien zur\u00fcck in die Realwirtschaft, f\u00f6rdern so das Wachstum und sorgen f\u00fcr eine gewisse Stabilit\u00e4t an den Finanzm\u00e4rkten.&#13;<\/p>\n<h2><strong>30\u2019000 Milliarden Dollar <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Versicherer verwalten rund 40 Prozent oder rund 30\u2019000 Milliarden Dollar aller langfristigen, institutionellen Gelder. Sinnvolle regulatorische und politische Rahmenbedingungen k\u00f6nnten daf\u00fcr sorgen, dass dieses Kapital in Projekte wie beispielsweise Infrastrukturinvestitionen fliesst, die ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum f\u00f6rdern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWirtschaftsr\u00e4ume mit hoher Versicherungsdurchdringung erholen sich viel schneller nach einer Naturkatastrophe als solche, die ausschliesslich auf die Regierung angewiesen sind. Allerdings gibt es \u00fcber alle Gesellschaftsschichten hinweg nach wie vor grosse Versicherungsl\u00fccken. Wir m\u00fcssen verstehen, weshalb es diese L\u00fccken gibt und welche Barrieren \u2013 auf der Angebots- und der Nachfrageseite \u2013 eine bessere Versicherungsabdeckung verhindern. Das Risikobewusstsein sowohl in den entwickelten als auch in den aufstrebenden M\u00e4rkten zu sch\u00e4rfen oder mithilfe neuer Technologien f\u00fcr mehr Menschen erschwingliche Versicherungen zu entwickeln, sind nur zwei Ansatzpunkte, um die Situation zu verbessern. Die Versicherungsl\u00fccken ganz zu schliessen, ist wohl Wunschdenken. Aber es muss unser Ziel sein, sie m\u00f6glichst zu verringern \u2013 nicht nur zum Wohle der einzelnen Menschen, Unternehmen oder Staaten, sondern auch, um damit die Schockresistenz f\u00fcr die globale Wirtschaft zu erh\u00f6hen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist die Weltwirtschaft seit der Finanzkrise schockresistenter geworden? Leider nicht. Im Gegenteil: Die f\u00fchrenden Volkswirtschaften sind heute weniger gewappnet, Schocks zu absorbieren, als vor zehn Jahren. Es besteht Handlungsbedarf.&#13; &#13; Mit Schockresistenz ist die F\u00e4higkeit eines Systems gemeint, sich nach einem bedeutenden Schock zu erholen. 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