{"id":104067,"date":"2019-07-18T10:30:55","date_gmt":"2019-07-18T10:30:55","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/07\/kntoh-roth-08-09-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:57:11","modified_gmt":"2023-08-23T20:57:11","slug":"knoth-roth-08-09-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/07\/knoth-roth-08-09-2019\/","title":{"rendered":"Zirkul\u00e4rer Schub in der Schweizer Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz hat aufgrund des hohen Wohlstandsniveaus einen \u00fcberdurchschnittlichen Ressourcenverbrauch.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Das stellt sie vor Herausforderungen, wenn sie negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft vermeiden und Versorgungsrisiken minimieren will. Obwohl noch Steigerungspotenzial besteht, ist die Schweiz auf gutem Weg: Bei der Ressourcenproduktivit\u00e4t, die den \u00f6konomischen Output pro Einheit verarbeitetem Material misst, geh\u00f6rt sie zu den Spitzenreiterinnen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Und es ist ihr gelungen, das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Weil die Schweiz ihren Ressourcenverbrauch allerdings teilweise auch ins Ausland verlagert, r\u00fcckt die Nachhaltigkeit der Lieferketten ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Auch beim Recycling geniesst die Schweiz international einen sehr guten Ruf<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>, und aus der urspr\u00fcnglichen Abfallentsorgung entwickelte sich ein bedeutender Wirtschaftszweig.&#13;<\/p>\n<h2>Nachhaltigkeit als Chance<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) hat ein Interesse an diesen Entwicklungen und setzt zunehmend darauf, dass Materialkreisl\u00e4ufe geschlossen und m\u00f6glichst nachhaltige Produkte entwickelt werden. Ausschuss soll intern wiederverwendet werden, und der modulare Aufbau von Maschinen soll den Unterhalt und die Reparaturen vereinfachen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr eine vernetzte und weltweit agierende Branche wie die MEM-Industrie haben solche nachhaltigen Aktivit\u00e4ten auch globale Auswirkungen. Die Schweiz ist innovationsstark<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> und gilt als Technologielieferantin, welche Verfahren und Anlagen f\u00fcr die Ressourcennutzung bereitstellt. So k\u00f6nnen Einsparungen, Effizienzfortschritte oder h\u00f6here Produktionsstandards auch bei Schwesterwerken in Drittl\u00e4ndern Realit\u00e4t werden. Beispielsweise hat der Schweizer Kabel- und Elektrotechnikspezialist Huber + Suhner in China ein Werk nach Schweizer Standard erstellt, welches die Anspr\u00fcche bez\u00fcglich Nachhaltigkeit erf\u00fcllt.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNachhaltiger Ressourcengebrauch ist darauf ausgerichtet, die Energie und den Materialeinsatz bei der Herstellung von Produkten und Dienstleistungen zu minimieren. Gleichzeitig soll die Lebensdauer der Erzeugnisse optimiert und Abf\u00e4lle m\u00f6glichst vermieden werden. Durch Sammlung, Trennung, Behandlung und Verwertung der verbleibenden Abf\u00e4lle werden Sekund\u00e4rrohstoffe hergestellt und in die Wirtschaft eingespeist. Dass diese Sekund\u00e4rmaterialien von guter Qualit\u00e4t sind, ist heute oft noch ein Knackpunkt. Ausserdem muss sich die R\u00fcckgewinnung sowohl \u00f6kologisch als auch wirtschaftlich lohnen.&#13;<\/p>\n<h2>Neue Businessmodelle erforderlich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDazu wird das Prinzip der nachhaltigen Ressourcenwirtschaft idealerweise im Businessmodell integriert. Aussichtsreiche Ansatzpunkte f\u00fcr Unternehmen sind der Ausbau des Gesch\u00e4ftes mit Reparaturen und Unterhalt sowie das Anbieten von Leasingmodellen.\u00a0Auch die Digitalisierung d\u00fcrfte ein wichtiges Element bei der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft sein.\u00a0Die digitale Vernetzung von Maschinen und deren \u00dcberwachung erlauben beispielsweise eine vorausschauende Wartung.\u00a0Damit werden unn\u00f6tiger Materialverlust und Produktionsausf\u00e4lle verhindert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAber eine Umstellung des Gesch\u00e4ftsmodells ist mit Risiken verbunden und ben\u00f6tigt zus\u00e4tzliche Investitionen. Ausserdem m\u00fcssen Fragen gekl\u00e4rt werden, wie zum Beispiel: Was sind die Bed\u00fcrfnisse der Kunden? Und welche Technologien sind \u00fcberhaupt verf\u00fcgbar? Ausserdem m\u00fcssen die Firmen eruieren, welche alternativen Materialien sich eignen, wie sie die Finanzierung sicherstellen k\u00f6nnen und wer Eigent\u00fcmer der zu vermietenden Produkte ist. Um diese H\u00fcrden zu meistern, k\u00f6nnen neue Formen der Zusammenarbeit inner- und ausserhalb der Branche sowie der Aufbau neuer Kompetenzen hilfreich sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAls Lohn f\u00fcr die M\u00fchen winkt den Unternehmen eine zunehmende Eigenst\u00e4ndigkeit: Sie sind weniger abh\u00e4ngig von der Verf\u00fcgbarkeit der Ressourcen und von den Lieferl\u00e4ndern. Ausserdem versprechen \u00d6kodesign und die Wiederverwertung der Rohstoffe Kosteneinsparungen. Das Modell der Kreislaufwirtschaft steigert die Kundenbindungen und zudem werden durch Leasing- oder Mietmodelle neue Marktsegmente erschlossen. Makro\u00f6konomisch verspricht eine ressourceneffiziente Produktion aufgrund reduzierter Materialkosten und geringerer Volatilit\u00e4t der Rohstoffpreise Vorteile.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch der Staat kann seinen Beitrag leisten, indem er liberale Rahmenbedingungen f\u00fcr ein innovationsfreundliches Umfeld gew\u00e4hrleistet. Konkrete Massnahmen m\u00fcssten wohl\u00fcberlegt und ausgewogen sein und k\u00f6nnten beispielsweise aus der Schaffung von geeigneten Anreizen und der Reduktion von regulatorischen Hindernissen bestehen.&#13;<\/p>\n<h2>Zahlreiche neue Initiativen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den letzten Jahren hat sich viel bewegt in der Schweizer Abfall- und Ressourcenwirtschaft. Der 2018 gegr\u00fcndete Verein Go for Impact etwa steht f\u00fcr eine Kooperation von Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und \u00f6ffentlicher Hand. Inhaltlich legt der Verein den Fokus auf Rohstoffe und Materialien. Die neue Initiative will die Schweizer Wirtschaft dabei unterst\u00fctzen, die negativen Umweltauswirkungen zu reduzieren und die positiven Umweltimpacts im In- und Ausland zu steigern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin weiteres Beispiel ist der sogenannte Ressourcen-Trialog. Dieser f\u00fchrte zusammen mit betroffenen Wirtschaftsverb\u00e4nden, Umweltorganisationen und staatlichen Institutionen einen Dialogprozess zur Abfall- und Ressourcenwirtschaft \u2013 unter anderem mit dem Bundesamt f\u00fcr Umwelt, dem Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und dem Verband der Schweizerischen Zementindustrie Cemsuisse. Daraus entstand der Plan \u00abRessourcenwirtschaft 2030\u00bb mit gemeinsamem Leitbild. Die darin formulierten wichtigsten Zielsetzungen sind das Vermeiden von Abf\u00e4llen und die optimale Zirkulation von Rohstoffen. Generell werden nachhaltig bewirtschaftete Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rrohstoffe in der Schweiz angestrebt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeitere Initiativen und Aktivit\u00e4ten aus der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft sind etwa die \u00abBewegung f\u00fcr eine Kreislaufwirtschaft\u00bb (Circular Economy Switzerland<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a>), die Veranstaltungsreihe \u00abFokuskreislaufwirtschaft\u00bb<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> der Verb\u00e4nde \u00d6bu und Swisscleantech oder der \u00abCircular Economy Incubator\u00bb<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a> des Impact Hub Switzerland.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaft begr\u00fcsst Schliessung der Kreisl\u00e4ufe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wirtschaftsdachverb\u00e4nde Economiesuisse und Swissmem engagieren sich f\u00fcr einen effizienten Schutz der Umwelt und f\u00fcr eine Wirtschaft, die Umweltsch\u00e4den vermeidet und nat\u00fcrliche Ressourcen schonend einsetzt. Beide Verb\u00e4nde begr\u00fcssen die St\u00e4rkung der Ressourceneffizienz, die Schliessung der Stoffkreisl\u00e4ufe, die Steigerung der Energieeffizienz und das nachhaltige Wirtschaften.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTrotz dem hohen Umweltbewusstsein von Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz liegt beim schonenden und kreislauforientierten Umgang mit unseren nat\u00fcrlichen Ressourcen und Rohstoffen noch ein grosses Potenzial brach. Um dieses zu erschliessen und den Wandel der Gesch\u00e4ftsmodelle in diese Richtung zu erm\u00f6glichen, ist ein innovationsfreundliches Umfeld unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href='https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/nachhaltige-entwicklung\/oekologischer-fussabdruck.html' target=\"_blank\">Bfs.admin.ch<\/a> und Bafu.admin.ch (Download PDF: <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/dam\/bafu\/de\/dokumente\/allgemein\/uz-umwelt-zustand\/umwelt-schweiz-2018.pdf.download.pdf\/Umweltbericht2018_D.pdf\">hier<\/a>).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href='https:\/\/www.eea.europa.eu\/airs\/2018\/resource-efficiency-and-low-carbon-economy\/resource-efficiency' target=\"_blank\">Eea.europa.eu<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe OECD (2017). OECD-Umweltpr\u00fcfbericht Schweiz 2017 (Kurzfassung), Paris.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe Swissrecycling.ch (Download PDF: <a href=\"http:\/\/www.swissrecycling.ch\/fileadmin\/rd\/pdf\/wissen\/kennzahlen\/Managing_municipal_solid_waste.pdf\">hier<\/a>).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href='https:\/\/www.globalinnovationindex.org\/analysis-indicator' target=\"_blank\">Globalinnovationindex.org<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href='https:\/\/www.hubersuhner.com\/de\/company\/news\/1690' target=\"_blank\">Hubersuhner.com<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href='https:\/\/www.circular-economy-switzerland.ch' target=\"_blank\">Circular-economy.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href='https:\/\/www.oebu.ch\/de\/service\/projekte\/fokuskreislaufwirtschaft-eine-veranstaltungsreihe-zur-kreislaufwirtschaft-2271.html' target=\"_blank\">Oebu.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.cetransition.ch\/de\/kreislaufwirtschaft-inkubator\">Cetransition.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz hat aufgrund des hohen Wohlstandsniveaus einen \u00fcberdurchschnittlichen Ressourcenverbrauch. 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