{"id":104123,"date":"2019-07-18T10:30:26","date_gmt":"2019-07-18T10:30:26","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/07\/fasko-08-09-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:57:22","modified_gmt":"2023-08-23T20:57:22","slug":"fasko-08-09-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/07\/fasko-08-09-2019\/","title":{"rendered":"Profitable Gesch\u00e4ftsmodelle f\u00fcr die Kreislaufwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>In einer linearen Wirtschaft basiert der Umsatz eines Unternehmens darauf, m\u00f6glichst viele Produkte zu verkaufen. Langlebige Produkte sind da f\u00fcr die Herstellerin oft nachteilig. Ebenso ist es bei Produkten mit einer hohen Rezyklier- oder Reparierbarkeit: Sie haben f\u00fcr die Produzentinnen nur wenig direkte \u00f6konomische Vorteile. Die Rohstoffkreisl\u00e4ufe zu schliessen, ist f\u00fcr viele Unternehmer wenig attraktiv oder sogar mit negativen Folgen verbunden. Deshalb finden viele noch verwertbare Restwerte ihr vorzeitiges Ende in der Abfallwirtschaft. Dabei ist eine Kreislaufwirtschaft durchaus m\u00f6glich und auch wirtschaftlich interessant.&#13;<\/p>\n<h2>Weit mehr als nur Recycling<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnter Kreislaufwirtschaft verstehen viele ein ausgebautes Recyclingsystem. Doch das greift zu kurz. Denn das Recycling deckt nur den Materialkreislauf ab und beinhaltet nur einen Bruchteil der M\u00f6glichkeiten, die eine Kreislaufwirtschaft bietet. In einer Kreislaufwirtschaft werden n\u00e4mlich bereits bei der Produktion Materialien verwendet, die ohne Qualit\u00e4tsverlust wiederverwertet werden k\u00f6nnen. Das heisst, es wird kein sogenanntes Downcycling betrieben, bei dem die Qualit\u00e4t der wiederverwerteten Materialien stetig abnimmt. Stattdessen m\u00fcssen in der Kreislaufwirtschaft die Produkte zerlegbar sein und die Materialien trennbar aufgebaut werden. Zudem sollte bereits zu Beginn des Produktionsprozesses eine Logistik angedacht sein, wie die Materialien wiederverwertet werden k\u00f6nnten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schliessung der Produktkreisl\u00e4ufe ist bei der Kreislaufwirtschaft ein zentraler Pfeiler mit hohem Wertsch\u00f6pfungspotenzial. Denn durch die verl\u00e4ngerte Nutzung der Produkte wird auch die Ressourceneffizienz gesteigert. Dazu braucht es aber ein Produktdesign f\u00fcr eine lange Lebensdauer sowie eine modulare Bauweise, welche Upgrades und das Aufbereiten (Remanufacturing) der Produkte und Komponenten erlaubt. So k\u00f6nnen zum Beispiel Motorbl\u00f6cke von Caterpillar-Baumaschinen aufbereitet und f\u00fcr mindestens zwei weitere Nutzungsdauern eingesetzt werden. Zudem sollten die Wartung und die Reparierbarkeit einfach sein. Diese Designprinzipien sind zwar schon seit Jahrzehnten als \u00d6kodesign bekannt. Aber wie l\u00e4sst sich damit jenseits der \u00ab\u00d6ko-Nische\u00bb Geld verdienen? Wie f\u00f6rdert man geschlossene Produktkreisl\u00e4ufe? Daf\u00fcr gibt es viele Ansatzpunkte, und die gehen weit \u00fcber das Recycling hinaus.&#13;<\/p>\n<h2>Teppich zu vermieten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nOhne das richtige Gesch\u00e4ftsmodell geht nichts. Investiert eine Herstellerin nur in Kreislaufdesign, wird ein Mehrwert geschaffen, der meist erst sp\u00e4ter in der Wertsch\u00f6pfungskette anf\u00e4llt. Die Herstellerin selber kann durch den Produktverkauf nicht direkt davon profitieren, sondern erst ein sp\u00e4terer Recycler. Auch \u00fcber die einfache Reparierbarkeit eines Produktes freuen sich nur die Besitzer und die Servicetechniker, nicht aber die Produzentin selber. Das hat Folgen: Weil Herstellende, welche auf ein Verkaufsmodell setzen, nicht \u00fcber direkte Preissignale von ihrem Kreislaufdesign profitieren, lassen sich entsprechende Investitionen \u00f6konomisch nur schwer rechtfertigen. F\u00fcr den wirtschaftlichen Erfolg von Kreislaufprodukten braucht es deshalb \u00f6konomische Anreize und eine neue Denkweise. Kreislaufgesch\u00e4ftsmodelle k\u00f6nnen beides bieten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas niederl\u00e4ndische Unternehmen Desso\/Tarkett macht es vor. Die Firma hat die in seinen Teppichen verwendeten Materialien kreislauff\u00e4hig und trennbar aufgebaut und den Recyclingprozess vorausschauend mitentwickelt. So k\u00f6nnen die Materialien f\u00fcr die Produktion des n\u00e4chsten Teppichs wieder eingesetzt werden. Die Firma setzt zudem auf ein Mietmodell (siehe <em>Abbildung<\/em>). Das heisst, die Teppiche werden nicht verkauft, sondern vermietet und nach einem f\u00fcnf- bis siebenj\u00e4hrigen Vertrag zur\u00fcckgeholt und recycelt. Desso gibt also das Eigentum am Teppich nicht ab und verf\u00fcgt damit \u00fcber ein st\u00e4ndiges Rohstofflager beim Kunden. Durch die Wiederaufbereitung der eigenen Teppiche kann das Unternehmen zudem Rohstoffkosten sparen, ist unabh\u00e4ngiger von volatilen Rohstoffpreisen und profitiert von besser planbaren Materialkosten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin anderes Beispiel ist Signify. Das Unternehmen, das unter dem Namen Philips Lighting urspr\u00fcnglich eine Sparte des Elektronikherstellers Philips war, bietet ein Dienstleistungsmodell namens \u00abCircular Lighting\u00bb an (siehe <em>Abbildung<\/em>). Dabei w\u00e4hlt die Kundin die ben\u00f6tigte Helligkeit und die zu beleuchtenden Quadratmeter. Die Leuchte, ihre Anordnung, die Montage, die Wartung sowie die anfallenden Stromkosten werden von Signify \u00fcbernommen. Durch eine optimale Beleuchtungsplanung, die Wahl eines effizienten Leuchtmittels und den Einbau von Pr\u00e4senzsensoren kann Signify den Stromverbrauch um bis zu 70 Prozent reduzieren. Diese Optimierung kommt Signify direkt und der Kundin indirekt zugute. Denn f\u00fcr die Kundin ist das Angebot im Vollkostenvergleich g\u00fcnstiger, als wenn sie die Leuchten selber kaufen und betreiben w\u00fcrde.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Direkte Wertsch\u00f6pfungsm\u00f6glichkeiten in einem Kreislaufgesch\u00e4ftsmodell<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/07\/Fasko_de.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-88710\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/07\/Fasko_de.png\" alt=\"\" width=\"2070\" height=\"1456\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie beiden Beispiele zeigen: Kreislauff\u00e4hige Produkte sind f\u00fcr die Hersteller vor allem dann wirtschaftlich interessant, wenn das Gesch\u00e4ftsmodell auf die Kreislaufeigenschaften und Restwerte ausgerichtet wird. Wer zum Beispiel ein Produkt vermietet, ist zwingend an dessen Langlebigkeit und Reparierbarkeit interessiert. Die Hersteller investieren also aus der unternehmerischen Logik heraus in Kreislaufdesign. Und folglich kommen neue, ressourceneffizientere Produkte auf den Markt. Das stimuliert den weiteren Einsatz von Kreislaufdesign und die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft als Ganzes. Warum? Der Grund ist ganz einfach: weil Miet- und Dienstleistungsmodelle den wirtschaftlichen Erfolg mit dem Kreislaufdesign verkn\u00fcpfen. Aus diesem Grund bietet auch das vom Bund finanzierte Beratungsangebot Reffnet Schweizer Unternehmen eine kostenlose Potenzialanalyse zu Kreislaufgesch\u00e4ftsmodellen an.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Mehr Informationen auf <a href=\"https:\/\/www.reffnet.ch\/de\/home\">Reffnet.ch<\/a> oder bei den <a href=\"http:\/\/www.rytec.com\/rytec\/mitarbeiter\">Reffnet-Experten der Rytec<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer linearen Wirtschaft basiert der Umsatz eines Unternehmens darauf, m\u00f6glichst viele Produkte zu verkaufen. Langlebige Produkte sind da f\u00fcr die Herstellerin oft nachteilig. 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Beispiele aus den Niederlanden zeigen, dass Unternehmen erfolgreich sein k\u00f6nnen, welche auf das Vermieten von Teppichen setzen oder ganze Beleuchtungskonzepte vermieten. Der Grund: Mit solchen Modellen k\u00f6nnen die Unternehmen auch von den Wertsch\u00f6pfungsschritten profitieren, die dem Verkauf nachgelagert sind: der Reparatur, der Wiederaufbereitung, dem Recycling und den Secondhand-M\u00e4rkten.","magazine_issue":"20190809","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[3988,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20190719","original_files":null,"external_release_for_author":"20190701","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5cf7715d1243b"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104123"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4893"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=104123"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104123\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":125963,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104123\/revisions\/125963"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3988"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4898"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4893"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156877"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156100"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19325"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104123"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=104123"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=104123"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=104123"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=104123"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=104123"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}