{"id":104640,"date":"2019-05-17T08:30:08","date_gmt":"2019-05-17T08:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/05\/kalt-06-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:58:09","modified_gmt":"2023-08-23T20:58:09","slug":"kalt-06-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/05\/kalt-06-2019\/","title":{"rendered":"Verkehrte Zinswelt \u2013 wie lange noch?"},"content":{"rendered":"<p>Kaum ein Thema besch\u00e4ftigt Anlegerinnen und Anleger derzeit mehr als die seit Jahren anhaltende Ausnahmesituation bei den Zinsen. Und was den Investoren \u2013 seien es private oder institutionelle \u2013 Sorgen bereitet, besch\u00e4ftigt auch mich als Chef\u00f6konom einer Grossbank. Denn schliesslich interessieren sich Anleger zu Recht daf\u00fcr, wie lange die Phase negativer Zinsen noch anh\u00e4lt und was sinnvolle Alternativen zu festverzinslichen Anlagen sein k\u00f6nnten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGut vier Jahre ist es her, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar 2015 in einem \u00fcberraschenden Schritt die Untergrenze von 1.20 zum Euro freigab und fortan mit Negativzinsen und opportunistischen Interventionen gegen die Frankenst\u00e4rke ank\u00e4mpfte. Damals war die Hoffnung gross, man m\u00fcsse diese unorthodoxen geldpolitischen Massnahmen nur kurzfristig einsetzen und w\u00fcrde schon bald wieder davon wegkommen. Vier Jahre sp\u00e4ter weicht die Hoffnung der b\u00f6sen Ahnung, dass wir wom\u00f6glich f\u00fcr lange Zeit mit negativen Zinsen leben m\u00fcssen. Weil die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) die Zinsen im besten Fall im ersten Quartal des n\u00e4chsten Jahres ein erstes Mal anheben wird und die SNB wohl kaum vor der EZB einen Zinsschritt vornehmen kann, d\u00fcrfte es Ende 2020 werden, bis die Leitzinsen schon nur die Nulllinie erreichen. Um die Zinsen in der Schweiz nachhaltig zu normalisieren, m\u00fcsste daher der heute bereits zehn Jahre anhaltende Wirtschaftsaufschwung nochmals mindestens drei Jahre fortbestehen. Ob dies gelingt, ist angesichts der geopolitischen Risiken zumindest fraglich.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Negativzinsen als Belastung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDerweil nehmen die Kosten der Negativzinsen laufend zu. Sie f\u00fchren beispielsweise im Immobilienmarkt zu einer Fehlallokation von Kapital. So erstellen Investoren weiterhin Renditeliegenschaften, wodurch die Leerst\u00e4nde vor allem in periphereren Lagen bereits markant angestiegen sind. Ausserdem bringen die tiefen Kapitalmarktzinsen unsere Vorsorgewerke in Schwierigkeiten. Viele Pensionskassen k\u00f6nnen die Renditen, die zur Finanzierung der Renten n\u00f6tig sind, nicht mehr erzielen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Abw\u00e4gung von Nutzen und Kosten der Negativzinsen scheint sich zunehmend zuungunsten dieses Instrumentariums zu neigen. Ungl\u00fccklicherweise verpasste die EZB vor gut einem Jahr, als auch in Europa die Konjunktur auf Hochtouren lief, das damals offene Zeitfenster f\u00fcr den Start zu behutsamen Zinserh\u00f6hungen. Weil seit Ende des letzten Jahres die Sorgen um die Verfassung der Weltwirtschaft wieder zugenommen haben, scheut die SNB im aktuellen Umfeld verst\u00e4ndlicherweise das Risiko, die Zinsen vor der EZB aus dem negativen Bereich zu hieven. Denn der Franken k\u00f6nnte dadurch heftig aufwerten. Im ung\u00fcnstigsten Fall einer baldigen globalen Rezession drohen in Europa japanische Verh\u00e4ltnisse mit Zinsen bei null oder gar darunter auf weitere, lange Jahre hinaus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInsofern m\u00fcssen sich auf Rendite und Sicherheit fokussierte Anleger auf schwierige Zeiten einstellen. Aufzuzeigen, wie mit alternativen Anlageklassen wie beispielsweise Private Equity und intelligent strukturierten Anlagel\u00f6sungen dennoch vern\u00fcnftige Renditen bei \u00fcberschaubaren Risiken zu erzielen sind, bleibt somit ein bedeutender Teil meiner Aufgaben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Thema besch\u00e4ftigt Anlegerinnen und Anleger derzeit mehr als die seit Jahren anhaltende Ausnahmesituation bei den Zinsen. Und was den Investoren \u2013 seien es private oder institutionelle \u2013 Sorgen bereitet, besch\u00e4ftigt auch mich als Chef\u00f6konom einer Grossbank. 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