{"id":104753,"date":"2019-04-23T11:00:18","date_gmt":"2019-04-23T11:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/04\/egli-05-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:58:12","modified_gmt":"2023-08-23T20:58:12","slug":"egli-05-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/04\/egli-05-2019\/","title":{"rendered":"Den Strom mit Blockchain abrechnen"},"content":{"rendered":"<p>Der Energiemarkt ist im Umbruch. Bis Ende 2017 war die Abrechnung von Strom Sache der Energieversorgungsunternehmen. Die Energieversorgung war zentral mit Grosskraftwerken und einem entsprechenden Verteilnetz organisiert. Das Anfang 2018 in Kraft getretene neue Energiegesetz hat diese Monopolstellung aufgelockert. Neu k\u00f6nnen Hauseigent\u00fcmer oder ganze Quartiere den Strom, den sie beispielsweise mit ihrer Fotovoltaikanlage selber produzieren, direkt ihren Mietern oder den Nachbarn verkaufen. \u00dcbersch\u00fcssigen Strom k\u00f6nnen sie wiederum zur\u00fcck ins schweizweite Netz einspeisen. Gleichzeitig k\u00f6nnen solche \u00abZusammenschl\u00fcsse f\u00fcr Eigengebrauch\u00bb (ZEV) bei Bedarf erg\u00e4nzend Strom aus dem Netz beziehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDurch diese Ver\u00e4nderung wird die Stromproduktion vermehrt dezentral, der Konsum gleichzeitig st\u00e4rker lokal. Konsumenten, die selber teilweise Strom produzieren, bezeichnet man als \u00abProsumers\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Dezentralisierung hat Vorteile. So sparen die ZEV-Gesellschaften beispielsweise Netzkosten, wenn sie den Strom aus ihrer Fotovoltaikanlage selber verbrauchen. Gleichzeitig ist die Verrechnung des Stroms aufwendig. Der Eigenverbrauch muss mit dem aus dem Netz bezogenen Strom verrechnet und korrekt auf jeden einzelnen Mieter heruntergebrochen werden.&#13;<\/p>\n<h2>\u00abBlockchain for Utility\u00bb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese komplexe Verrechnung bereitet vielen ZEV Kopfzerbrechen. Bei einem zu grossen administrativen Aufwand verzichten sie m\u00f6glicherweise sogar darauf, eine Fotovoltaikanlage zu installieren. Aus \u00f6konomischer Sicht muss daher die Verrechnung vereinfacht werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine L\u00f6sung bietet \u00abB4U\u00bb, ein Produkt der Post-Tochter Postfinance und des Energieversorgers Energie Wasser Bern (EWB). Das Akronym B4U steht f\u00fcr \u00abBlockchain for Utility\u00bb, zu Deutsch: Blockchain f\u00fcr Energiedienstleistungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie funktioniert das? In den Miethaushalten werden intelligente Stromz\u00e4hler installiert. Diese messen laufend die Stromverbrauchs- und gleichzeitig die Stromproduktionsdaten der ZEV. Die Z\u00e4hler sind als Internet-of-Things-Komponenten mit der Blockchain verkn\u00fcpft, wo sie gespeichert und f\u00fcr die Abrechnung genutzt werden. So entf\u00e4llt f\u00fcr den ZEV die m\u00fchsame Verrechnung zwischen dem selber produzierten und dem aus dem Netz bezogenen Strom.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAlle Daten rund um die Stromproduktion und den Verbrauch kann der ZEV-Verantwortliche jederzeit online auf der B4U-Plattform einsehen. Im \u00abCockpit\u00bb findet er, grafisch aufbereitet, alle wichtigen Kennzahlen. So beh\u00e4lt er den \u00dcberblick und kann direkt \u00fcber die Web-Plattform die Verrechnung der Kosten an die Strombez\u00fcger kontrollieren. Es ist lediglich eine einmalige Registrierung n\u00f6tig, danach l\u00e4uft die Verrechnung automatisch. Auch die Mieter erhalten Zugriff auf die Applikation. Sie k\u00f6nnen dort jederzeit die Details zu ihrem pers\u00f6nlichen Stromverbrauch einsehen, den Eigenverbrauch lenken und anpassen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Erfolgreicher Marktpilot<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Bew\u00e4hrungsprobe hat B4U bereits bestanden: In einer Wohngenossenschaft und einem privaten Mehrfamilienhaus im Kanton Bern wurde B4U im vergangenen Herbst auf Herz und Nieren getestet. Der Marktpilot best\u00e4tigte: B4U deckt ein Bed\u00fcrfnis der neuen dezentralen Energieversorgung \u00fcber die ZEV. Anhand der Erkenntnisse, die Postfinance und EWB bez\u00fcglich der Integration einer Smartmeter-Infrastruktur in die Blockchain sammeln konnten, wird B4U nun zur Marktreife weiterentwickelt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZiel von B4U ist es, dass ZEV einfach, transparent, vertrauensw\u00fcrdig und mit geringem personellem Aufwand betrieben werden k\u00f6nnen. Die Blockchain-Technologie bietet daf\u00fcr die ideale Basis. Dass Daten auf der Blockchain r\u00fcckwirkend nicht ver\u00e4ndert, sprich nicht manipuliert, und Transaktionen sicher nachgewiesen werden k\u00f6nnen, schafft Vertrauen. Dieser Aspekt ist bei der Speicherung von Finanztransaktionsdaten wie im Falle von B4U besonders wichtig.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend des Marktpilots im Herbst 2018 lief die Buchf\u00fchrung der Messdaten \u00fcber eine private Blockchain-Plattform im Netz der Schweizerischen Post. Die zugrunde liegende Technologie war Hyperledger Fabric, eine Open-Source-Software der Linux Foundation. F\u00fcr den Roll-out, der im Fr\u00fchjahr 2019 startet, wird B4U auf der neuen, gemeinsam von der Schweizerischen Post und Swisscom betriebenen Blockchain-Infrastruktur laufen. Diese ist die erste \u00abprivate Blockchain\u00bb der Schweiz, die von zwei Partnern gemeinsam betrieben wird. Sie bietet eine L\u00f6sung, die sich in wesentlichen Punkten von anderen privaten Blockchains in der Schweiz unterscheidet: Alle Daten werden vollst\u00e4ndig in der Schweiz gespeichert, und die Infrastruktur erf\u00fcllt die hohen Sicherheitsanforderungen von Banken.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Zukunftsweisende Technologie<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Gesch\u00e4ftsleitung hat das Potenzial der Blockchain-Technologie schon fr\u00fch erkannt und deshalb f\u00fcr die im Rahmen des Innovationsprozesses von Postfinance entstandene Idee zu B4U gr\u00fcnes Licht gegeben. Seit zwei Jahren arbeitet ein interdisziplin\u00e4res Team von Spezialisten von Postfinance und Energie Wasser Bern am Vorhaben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer n\u00e4chste Meilenstein f\u00fcr B4U steht bereits vor der T\u00fcr: Im Mai 2019 ist ein erster Roll-out mit sechs Partnerkunden aus der ganzen Schweiz geplant, darunter Energieversorger und Dienstleister aus der Energiebranche. Anschliessend soll B4U breitfl\u00e4chig mit weiteren Kunden ausgerollt werden \u2013 und auch f\u00fcr sie die Komplexit\u00e4t der Verrechnung von Strom aus Eigenproduktion massiv vereinfachen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Energiemarkt ist im Umbruch. Bis Ende 2017 war die Abrechnung von Strom Sache der Energieversorgungsunternehmen. Die Energieversorgung war zentral mit Grosskraftwerken und einem entsprechenden Verteilnetz organisiert. Das Anfang 2018 in Kraft getretene neue Energiegesetz hat diese Monopolstellung aufgelockert. 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