{"id":104857,"date":"2019-04-23T10:30:34","date_gmt":"2019-04-23T10:30:34","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/04\/konrad-05-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:58:21","modified_gmt":"2023-08-23T20:58:21","slug":"konrad-05-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/04\/konrad-05-2019\/","title":{"rendered":"Geoblocking: Die Grenzen des Internets"},"content":{"rendered":"<p>Wer kennt es nicht: Da will man in den Ferien im Ausland die neuste Episode der Lieblingsserie oder die Live\u00fcbertragung eines Fussballmatches auf dem Tablet schauen und erlebt eine unsch\u00f6ne \u00dcberraschung \u2013 anstelle des erwarteten Films oder Spiels erscheint eine Anzeige auf dem Bildschirm: \u00abDieser Titel steht in Ihrer Gegend nicht zum Ansehen zur Verf\u00fcgung.\u00bb Wenn Abonnenten von Streamingdiensten w\u00e4hrend Auslandreisen den abonnierten Dienst nutzen wollen, sind Entt\u00e4uschungen nicht ausgeschlossen. Das gew\u00fcnschte Programm kann zum Teil gar nicht oder nur mit Versp\u00e4tung angeschaut werden. In einigen F\u00e4llen leitet der Dienst den Abonnenten auch auf das lokale, fremdsprachige Angebot um.&#13;<\/p>\n<h2>Nationale Nutzungslizenzen schr\u00e4nken ein<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSolche Sperren nennt man auch Geoblocking. Technisch bedeuten sie, dass der Zugang zu Onlineangeboten regional begrenzt ist. Das System des Diensteanbieters erkennt, von welchem Land aus der Abonnent auf den Dienst zugreifen will, und ist dies nicht das Land, in welchem er gew\u00f6hnlich seinen Aufenthalt hat, wird der Zugriff auf den Dienst blockiert. Doch warum sollte ein Anbieter Geoblocking \u00fcberhaupt einsetzen?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Grund f\u00fcr die Sperren liegt beim Erwerb der Nutzungslizenzen f\u00fcr die Inhalte. Denn die Rechte an Filmen, Songs und Sportveranstaltungen werden meist nicht weltweit vertrieben, sondern mittels Gebietslizenzen in jedem Land einzeln verkauft. F\u00fcr einen Anbieter macht es deshalb wenig Sinn, eine Lizenz f\u00fcr einen Film \u00fcber Homosexuellenrechte in L\u00e4ndern zu erwerben, wo Homosexualit\u00e4t strafbar ist. Solche Lizenzen f\u00fcr Gebiete, in denen keine sinnvolle Verwertung stattfindet, f\u00fchren zu vermeidbaren Mehrkosten und verteuern unn\u00f6tig das Angebot f\u00fcr die Abonnenten. Um gleichzeitig aber Vertragsverletzungen zu vermeiden, m\u00fcssen die Diensteanbieter sicherstellen, dass die lizenzierten Inhalte nur im vereinbarten Gebiet zug\u00e4nglich sind. Dazu dient das Geoblocking. Dahinter k\u00f6nnen also auch relevante Interessen der Rechteinhaber und Diensteanbieter stehen. Doch was ist mit den Abonnenten? Auch sie haben Interessen. N\u00e4mlich: dass sie das bezahlte Angebot m\u00f6glichst uneingeschr\u00e4nkt nutzen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Die EU bek\u00e4mpft L\u00e4ndersperren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Interessenkonflikt, der mit Geoblocking verbunden ist, zeigte sich beispielsweise in der EU. Denn obwohl die EU in vielen Bereichen bereits einen gemeinsamen Markt hat, war das Angebot einiger Onlinedienste bis vor Kurzem noch immer auf den Wohnsitzstaat beschr\u00e4nkt. Um auch hier einen gemeinsamen Markt zu schaffen und das Geoblocking zwischen den Einzelstaaten zu vermeiden, hat die EU die sogenannte Portabilit\u00e4tsverordnung eingef\u00fchrt. Sie ist seit dem 1. April 2018 in Kraft. Die Verordnung erm\u00f6glicht es, dass Abonnenten von bezahlten Onlinediensten auch bei tempor\u00e4ren Aufenthalten im EU-Ausland auf den Dienst zugreifen k\u00f6nnen. Und um dies zu erm\u00f6glichen, bedient sich die Verordnung einer Fiktion. Diese besagt, dass der Zugriff auf den Dienst w\u00e4hrend eines vor\u00fcbergehenden EU-Auslandaufenthaltes rechtlich so behandelt wird, als ob er im Wohnsitzmitgliedsstaat erfolgt w\u00e4re.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDoch die Portabilit\u00e4tsverordnung gilt nur im europ\u00e4ischen Binnenmarkt und nur f\u00fcr Abonnenten mit Wohnsitz in der EU. Weil die Schweiz nicht Teil des EU-Binnenmarktes ist, k\u00f6nnen sich Schweizer Abonnenten nicht auf diese Fiktion berufen. Zwar gibt es die M\u00f6glichkeit, die Sperren durch das Errichten eines virtuellen Privaten Netzwerks (VPN) zu umgehen, doch eine solche Umgehung k\u00f6nnte ein strafrechtlich relevantes Verhalten darstellen.&#13;<\/p>\n<h2>Schweiz sucht nach L\u00f6sungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAktuell analysiert die Beobachtungsstelle f\u00fcr technische Massnahmen (BTM), welche Aspekte f\u00fcr Schweizer Abonnenten beim Thema Geoblocking relevant sind. Die seit 2018 ins Eidgen\u00f6ssische Institut f\u00fcr Geistiges Eigentum (IGE) integrierte Fachstelle untersucht den Einsatz technischer Massnahmen wie Kopiersperren oder Geoblocking und inwiefern diese mit dem Urheberrecht kompatibel sind. Konkret geht es bei der aktuellen Untersuchung der BTM um die Portabilit\u00e4t von Onlineinhalten w\u00e4hrend vor\u00fcbergehender Auslandaufenthalte. Nicht untersucht werden verwandte Themen wie beispielsweise Geoblocking beim Onlineshopping oder Roaminggeb\u00fchren beim Telefonieren und Nutzen von Daten im Ausland.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm die Frage nach der Portabilit\u00e4t zu kl\u00e4ren, hat die BTM mit verschiedenen Konsumentenorganisationen, Verwertungsgesellschaften, Produzenten und Diensteanbietern Kontakt aufgenommen. Erste Abkl\u00e4rungen weisen darauf hin, dass die Portabilit\u00e4tsfrage in der Schweiz durchaus interessiert. So informieren sich Abonnenten in diversen Internetforen, wie sie aktiv Blockingmassnahmen umgehen k\u00f6nnen. Viele scheinen hingegen zu akzeptieren, dass sie w\u00e4hrend ihrer Auslandferien nicht ihr gewohntes Programm schauen k\u00f6nnen. Doch auch die Anbieter sind nicht unt\u00e4tig. Sie versuchen ihr Angebot zu optimieren, um die Erwartungen der Konsumenten zu erf\u00fcllen: Sie stellen Downloads von einzelnen Filmen oder Songs zur Verf\u00fcgung, welche die Abonnenten auch ortsunabh\u00e4ngig konsumieren k\u00f6nnen. So sind Fernsehsendungen zwar oftmals nicht live, jedoch zumindest zeitverz\u00f6gert verf\u00fcgbar. Die Untersuchung der BTM ist zurzeit noch nicht abgeschlossen. Ein Bericht wird voraussichtlich noch in diesem Jahr vorliegen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer kennt es nicht: Da will man in den Ferien im Ausland die neuste Episode der Lieblingsserie oder die Live\u00fcbertragung eines Fussballmatches auf dem Tablet schauen und erlebt eine unsch\u00f6ne \u00dcberraschung \u2013 anstelle des erwarteten Films oder Spiels erscheint eine Anzeige auf dem Bildschirm: \u00abDieser Titel steht in Ihrer Gegend nicht zum Ansehen zur Verf\u00fcgung.\u00bb [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":4850,"featured_media":20179,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[69,66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[],"post_content_subject":[230],"acf":{"seco_author":4850,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Leiterin Beobachtungsstelle f\u00fcr technische Massnahmen (BTM), Eidgen\u00f6ssisches Institut f\u00fcr Geistiges Eigentum (IGE), Bern","seco_author_post_occupation_fr":"Cheffe de l\u2019Observatoire des mesures techniques (Omet), Institut f\u00e9d\u00e9ral de la propri\u00e9t\u00e9 intellectuelle (IPI), Berne","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"Geoblocking im Internet","post_lead":"Das Internet scheint grenzenlos zu sein. Doch der Schein tr\u00fcgt. Gerade bei digitalen Inhalten wie Filmen und Livesendungen sind L\u00e4ndergrenzen noch ganz konkret: Wer ins Ausland reist, hat oft keinen Zugriff mehr auf gewisse Inhalte.","post_hero_image_description":"Kann in den Ferien zu Entt\u00e4uschungen f\u00fchren: Der Zugriff auf Streamingdienste ist nur im Inland gew\u00e4hrleistet.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"Keystone","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":104860,"main_focus":[156135,156902],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":104864,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"85626","post_abstract":"Abonnenten von Onlinediensten m\u00f6chten auch in den Ferien oder auf Auslandgesch\u00e4ftsreisen auf ihr gewohntes Programm zugreifen. Mobile Ger\u00e4te wie Laptops, Smartphones oder Tablets erm\u00f6glichen rein technisch heutzutage den Zugriff auf Onlinedienste \u2013 unabh\u00e4ngig vom Standort der Abonnenten. Trotzdem gelingt dies nicht immer. Der Grund daf\u00fcr ist das sogenannte Geoblocking, das je nach Standort den Zugang zu Inhalten blockiert. Die EU hat mit der Portabilit\u00e4tsverordnung auf das Geoblocking reagiert. Und wie sieht die Situation in der Schweiz aus? Dieser Frage geht aktuell die Beobachtungsstelle f\u00fcr technische Massnahmen nach.","magazine_issue":"20190501","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[3988,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20190424","original_files":null,"external_release_for_author":"20190328","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5c8f761af41c9"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104857"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4850"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=104857"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104857\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126025,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104857\/revisions\/126025"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3988"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4850"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156902"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156135"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=104857"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=104857"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=104857"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=104857"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=104857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}