{"id":104932,"date":"2019-04-16T09:30:36","date_gmt":"2019-04-16T09:30:36","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/04\/barman-sonderegger-05-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:58:43","modified_gmt":"2023-08-23T20:58:43","slug":"barman-sonderegger-05-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/04\/barman-sonderegger-05-2019\/","title":{"rendered":"Werbeanrufe: Filter der Provider zeigen Wirkung"},"content":{"rendered":"<p>Nicht alle respektieren den Sterneintrag im Telefonbuch: Im vergangenen Jahr gingen beim Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) 11\u2019369 Beschwerden wegen Werbeanrufen trotz Sterneintrags ein. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Beschwerden damit um ein F\u00fcnftel zur\u00fcck (siehe <em>Abbildung<\/em>). Gegen\u00fcber 2015, als fast 28\u2019000 Beschwerden beim Seco eintrafen, betr\u00e4gt der R\u00fcckgang fast 60 Prozent.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Grund f\u00fcr die r\u00fcckl\u00e4ufige Entwicklung sind technische Massnahmen der Telefonanbieter: Seit zwei Jahren bietet namentlich die Swisscom ihren Festnetz- und Mobilnetzkunden einen Callfilter an, der Anrufe von unseri\u00f6sen Anbietern blockiert. Zudem gibt es Smartphone-Apps, die Werbeanrufe hinausfiltern. Und nicht zuletzt scheinen die Selbstregulierungsbem\u00fchungen der Krankenversicherer ebenfalls etwas dazu beizutragen: Seit 2016 verpflichten sich die Mitglieder der Branchenverb\u00e4nde Sant\u00e9suisse und Curafutura, keine Kunden durch Werbeanrufe zu akquirieren.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Beschwerden wegen Werbeanrufen trotz Sterneintrags (2012 bis 2018)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='Barman-Sonderegger_19_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Barman-Sonderegger_19_de').highcharts({\n       chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    },\n legend: {enabled: false\n\n},\n    xAxis: {\n        categories: ['2012','2013','2014','2015','2016','2017','2018']\n    },\n    credits: {\n        enabled: false\n    }, yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        },\n          labels: {\n            formatter: function () {\n                return this.value + ' ';\n            }\n        }\n    },\n    tooltip: {\n            valueSuffix: ' '\n        },\n    series: [{\n        name: 'Anzahl Beschwerden',\n        data: [2107,4228,11502,27908,23927,14348,11369]\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Seco \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs bleibt zu hoffen, dass der Abw\u00e4rtstrend in Zukunft weitergeht: Im vergangenen M\u00e4rz hat das Parlament beschlossen, den Werbeanrufen einen Riegel zu schieben. Gem\u00e4ss der Motion der st\u00e4nder\u00e4tlichen Kommission f\u00fcr soziale Sicherheit und Gesundheit kann der Bundesrat die Branchenvereinbarung von Sant\u00e9suisse und Curafutura f\u00fcr allgemeinverbindlich erkl\u00e4ren. Er erarbeitet nun einen entsprechenden Gesetzesentwurf.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn die gleiche Richtung zielt die ebenfalls im M\u00e4rz verabschiedete Revision des Fernmeldegesetzes: Die Telefonanbieter m\u00fcssen unlautere Werbeanrufe auf Wunsch der Konsumenten blockieren. Forschungsinstitute sind davon ausgenommen. K\u00fcnftig k\u00f6nnen Strafbeh\u00f6rden zudem Telefonnummern von Unternehmen sperren, die den Sterneintrag missachten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin \u00c4rgernis f\u00fcr viele Telefonkunden bleibt das sogenannte Spoofing. Davon spricht man, wenn auf dem Display der angerufenen Person eine falsche Nummer erscheint. So wird die wahre Identit\u00e4t des Anrufers verschleiert und gegebenenfalls eine falsche Identit\u00e4t vorget\u00e4uscht.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ticket-Wiederverkauf sorgt f\u00fcr Emp\u00f6rung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWerden auch die Beschwerden von Personen, die \u00fcber keinen Sterneintrag verf\u00fcgen, zu den 11\u2019369 Beschwerden gez\u00e4hlt, erh\u00e4lt man 12&#8217;675 Meldungen wegen unerw\u00fcnschter Werbeanrufe. Insgesamt gingen 2018 beim Seco 14&#8217;775 Beschwerden wegen unlauterer Gesch\u00e4ftspraktiken ein.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Die entspricht einem R\u00fcckgang um 17 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZahlenm\u00e4ssig hinter den Werbeanrufen rangierten Meldungen wegen Irref\u00fchrung: Hier gelangten 1312 Meldungen ans Seco. Fast die H\u00e4lfte der Beschwerden in dieser Rubrik betrafen die Gesch\u00e4ftspraktiken der Ticket-Wiederverkaufsplattform Viagogo \u2013 wobei viele Meldungen aus dem Ausland stammten. Bereits im Jahr 2017 hatte das Seco eine Zivilklage gegen das Unternehmen mit Sitz in Genf initiiert, um f\u00fcr mehr Transparenz auf den Websites von Viagogo zu sorgen. Das Verfahren vor dem Handelsgericht Z\u00fcrich ist immer noch h\u00e4ngig. Aus Sicht des Seco muss f\u00fcr den Kunden beispielsweise klar sein, dass er ein Konzertticket im Wiederverkauf erwirbt. Ferner muss von Anfang an der Endpreis beziehungsweise der tats\u00e4chlich zu bezahlende Preis der Tickets angegeben werden. Die weltweit t\u00e4tige Firma bestreitet, unlauter zu handeln.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Vergleich im Kosmetikbereich<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn einem weiteren Fall von mutmasslicher Irref\u00fchrung konnte das Seco im vergangenen Jahr einen gerichtlichen Vergleich erzielen. Das nun abgeschlossene Zivilverfahren richtete sich gegen den d\u00e4nischen Onlineh\u00e4ndler Lux International Sales ApS (Stylelux), der Kosmetikprodukte vertrieb. Beim Seco hatten sich zahlreiche Personen beschwert, sie h\u00e4tten nach dem Besuch auf der Website Stylelux.ch Waren erhalten, ohne eine Bestellung ausgel\u00f6st zu haben. Auch w\u00fcrden bei der Lieferung Geb\u00fchren und Zollkosten verrechnet, die nicht erw\u00e4hnt worden seien.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Unternehmen hat sich verpflichtet, potenzielle Nutzer nicht mehr mit der Schweizer Internetdomain (www.stylelux.ch) sowie via Facebook und Instragram \u00fcber den tats\u00e4chlich zu bezahlenden Preis sowie \u00fcber das Zustandekommen eines Vertrags zu t\u00e4uschen. Stylelux bestreitet weiterhin die gegen sie erhobenen Vorw\u00fcrfe.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNebst Werbeanrufen und Irref\u00fchrung waren Adressbuchschwindel (223), Vorauszahlbetr\u00fcgereien (107) und Spamming (63) oft genannte Beschwerdegr\u00fcnde.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInsgesamt hat das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft im vergangenen Jahr 49 Unternehmen abgemahnt. Bei den zust\u00e4ndigen kantonalen Staatsanwaltschaften hat das Seco 18 Strafklagen eingereicht. Im Jahre 2018 ergingen 20 Strafbefehle, Entscheide sowie Urteile kantonaler Staatsanwaltschaften bzw. Gerichte aufgrund vom Seco eingeleiteter Verfahren. Ferner ist es in 7 F\u00e4llen zu Nichtanhandnahme-, Einstellungs- und Sistierungsverf\u00fcgungen gekommen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWer von Werbeanrufen oder anderen unlauteren Gesch\u00e4ftspraktiken betroffen ist, kann sich \u00fcber ein <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Werbe_Geschaeftsmethoden\/Unlauterer_Wettbewerb\/Beschwerde_melden\/beschwerde_werbeanruf.html\">Formular<\/a> auf der Website des Seco beschweren. Dies hat den Vorteil, dass Meldungen geb\u00fcndelt zur Anzeige gebracht werden k\u00f6nnen. Dabei sind genaue Angaben wichtig. Gerade bei Werbeanrufen ist es oft schwierig, die Identit\u00e4t des Anrufers zu ermitteln.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Zahlen finden sich unter dem Stichwort <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Werbe_Geschaeftsmethoden\/Unlauterer_Wettbewerb\/statistische_angaben.html\">\u00abUnlauterer Wettbewerb\u00bb<\/a> auf www.seco.admin.ch.\u00a0&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht alle respektieren den Sterneintrag im Telefonbuch: Im vergangenen Jahr gingen beim Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) 11\u2019369 Beschwerden wegen Werbeanrufen trotz Sterneintrags ein. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Beschwerden damit um ein F\u00fcnftel zur\u00fcck (siehe Abbildung). 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