{"id":104990,"date":"2019-03-25T11:00:27","date_gmt":"2019-03-25T11:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/03\/cirigliano-04-2019fr\/"},"modified":"2024-04-02T16:10:40","modified_gmt":"2024-04-02T14:10:40","slug":"cirigliano-04-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/03\/cirigliano-04-2019\/","title":{"rendered":"Die ILO ist zentral f\u00fcr die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Das 100-Jahr-Jubil\u00e4um der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bietet die Gelegenheit, die Bedeutung dieser f\u00fcr die Arbeitnehmenden einzigartigen UNO-Organisation aufzuzeigen. Zentral sind insbesondere die von der ILO geschaffenen und st\u00e4ndig weiterentwickelten Normen: Diese wirken sowohl in der Schweiz \u2013 bei der Auslegung der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention \u2013 als auch auf internationaler Ebene bei der Entwicklung der UNO-Agenda 2030 f\u00fcr nachhaltige Entwicklung.<\/p>\n<p>Gerade in der Schweiz, wo das aktuelle K\u00fcndigungsrecht nicht den ILO-Konventionen entspricht (wie nach einer Beschwerde des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes festgestellt wurde), soll das 100-Jahr-Jubil\u00e4um dazu dienen, gesetzliche Verbesserungen f\u00fcr den Schutz von gewerkschaftlich und betrieblich engagierten Arbeitnehmenden einzuf\u00fchren: f\u00fcr Vertrauensleute in den Betrieben, Mitglieder von Personalkommissionen oder Stiftungsr\u00e4te von Pensionskassen. Es darf nicht sein, dass sich das ILO-Gastland um verbindliches V\u00f6lkerrecht foutiert. Hier hat das Bundesgericht im Dezember 2018 mit einem Leitentscheid (144 I 50) zur direkten Anwendbarkeit von ILO-Standards den Weg geebnet f\u00fcr eine l\u00e4ngst f\u00e4llige grundrechtskonforme Auslegung des Schweizer K\u00fcndigungsrechts, sollten Bundesrat und Gesetzgeber weiterhin passiv bleiben.<\/p>\n<h2><strong>Arbeit ist keine Ware<\/strong><\/h2>\n<p>In Zeiten der Globalisierung, der Digitalisierung und der Herausforderungen durch reaktion\u00e4re Politik gewinnt eines der Leitprinzipien der ILO immer mehr an Aktualit\u00e4t: Arbeit ist und bleibt keine Ware. Dies wurde erstmals von der ILO 1944 in der wegweisenden Deklaration von Philadelphia festgehalten \u2013 einem der ersten Menschenrechtswerke der UNO-Familie.<\/p>\n<p>Um dieses fundamentale Prinzip gerade im Warenverkehr zwischen Staaten sicherzustellen, muss jedes neue Freihandelsabkommen, welches die Schweiz abschliesst, Mindestbestimmungen in Bezug auf Menschen- und Arbeitsrechte beinhalten. Daf\u00fcr sind die entsprechenden ILO-Standards einzubauen. Denn es gibt keine nachhaltige, breit abgest\u00fctzte Globalisierung ohne soziale Gerechtigkeit. Dies gilt besonders f\u00fcr eine offene, vernetzte Wirtschaft wie die der Schweiz.<\/p>\n<p>Die UNO will menschenw\u00fcrdige und gute Arbeit f\u00fcr alle erm\u00f6glichen. Daf\u00fcr sind die 17 Ziele f\u00fcr nachhaltige Entwicklung mit ihren 169 Unterzielen in der Agenda 2030 festgelegt worden. Sie tragen der wirtschaftlichen, sozialen und \u00f6kologischen Dimension der nachhaltigen Entwicklung in ausgewogener Weise Rechnung und f\u00fchren zum ersten Mal Armutsbek\u00e4mpfung und nachhaltige Entwicklung in einer Agenda zusammen. Im Kapitel 8 geht es um die Umsetzung unter anderem der ILO-Standards in allen Mitgliedsl\u00e4ndern. Hier bleibt immer noch viel zu tun f\u00fcr die Schweiz: Denn auch in der Schweiz geniessen l\u00e4ngst nicht alle Arbeitnehmenden die von der ILO garantierten Rechte. So beispielsweise den bereits erw\u00e4hnten effektiven Schutz gegen missbr\u00e4uchliche, antigewerkschaftliche K\u00fcndigungen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das 100-Jahr-Jubil\u00e4um der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bietet die Gelegenheit, die Bedeutung dieser f\u00fcr die Arbeitnehmenden einzigartigen UNO-Organisation aufzuzeigen. 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