{"id":104995,"date":"2019-03-25T11:00:02","date_gmt":"2019-03-25T11:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/03\/grimshaw-04-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:58:30","modified_gmt":"2023-08-23T20:58:30","slug":"grimshaw-04-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/03\/grimshaw-04-2019\/","title":{"rendered":"Mehr soziale Gerechtigkeit am Arbeitsplatz: Eine Roadmap"},"content":{"rendered":"<p>Gerechtigkeit und Weltfrieden: Nach keinem geringeren Ziel strebt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) seit 1919, indem sie die Rechte und den Schutz der Arbeitnehmer st\u00e4rkt und versucht, Ungleichheiten in der Arbeitswelt abzubauen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Hundert Jahre sp\u00e4ter hat sich die Arbeitswelt tiefgreifend gewandelt, und es stellt sich die Frage, ob das ILO-Mandat noch zeitgem\u00e4ss ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer technologische Fortschritt bringt Ver\u00e4nderungen mit sich, die faszinierend und be\u00e4ngstigend zugleich sind. Wir h\u00f6ren von neuen Robotern f\u00fcr die Altenpflege in Japan. K\u00fcnstliche Intelligenz erm\u00f6glicht Echtzeit\u00fcbersetzungen und damit den internationalen Austausch von Informationen und Daten. Hier in der Schweiz wiederum produzieren \u00abCobots\u00bb (Roboter, die mit Menschen zusammenarbeiten) Qualit\u00e4tsm\u00f6bel zu g\u00fcnstigeren Preisen, womit hoch qualifizierte Arbeitspl\u00e4tze erhalten bleiben. Gleichzeitig zeigt ein aktueller ILO-Bericht, dass ein unsichtbares Heer von \u00abMicrotask\u00bb-Arbeitern entsteht.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Diese erledigen simple, repetitive Arbeiten, die von Unternehmen ausgelagert und auf digitalen Online-Plattformen wie Amazon, Mechanical Turk und Microworkers angeboten werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn wir die Vielzahl technologischer Ver\u00e4nderungen aus der Vogelperspektive betrachten, sehen wir, dass Arbeitspl\u00e4tze ersetzt, neue geschaffen und viele ver\u00e4ndert werden. Dabei dr\u00e4ngt sich jedoch das Gef\u00fchl auf, dass diese Ver\u00e4nderungen nicht vom Menschen gesteuert sind und soziale Gerechtigkeit kaum von Bedeutung ist. Eine h\u00e4ufige Frage von Regierungen an die ILO lautet daher: Wie kann man eine Zukunft mit menschenw\u00fcrdiger Arbeit planen \u2013 welche F\u00e4higkeiten, welche Bildung, welche Rechte braucht es? Leider gibt es keine klare Antwort, denn wir wissen noch zu wenig, und der Wandel vollzieht sich mit atemberaubender Geschwindigkeit.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Klimawandel verst\u00e4rkt Ungleichheiten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine weitere Herausforderung f\u00fcr die Arbeitswelt sind der Klimawandel und die Bestrebungen, diesen durch eine \u00abgr\u00fcnere\u00bb Wirtschaft zu verlangsamen. Bereits haben viele Staaten und St\u00e4dte den \u00abKlimanotstand\u00bb erkl\u00e4rt. Erschwerend kommt hinzu: Die negativen Folgen menschlichen Handelns sind global sp\u00fcrbar. Besonders ungerecht ist, dass die Auswirkungen einer nicht nachhaltigen Produktion in den reichen L\u00e4ndern haupts\u00e4chlich die Bev\u00f6lkerung in \u00e4rmeren L\u00e4ndern treffen. Gem\u00e4ss dem Weltklimarat (IPCC) sind beispielsweise bei einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter 7 Prozent der Landwirtschaftsfl\u00e4che Vietnams bedroht \u2013 dadurch werden Arbeitspl\u00e4tze vernichtet, die seit Generationen die Lebensgrundlage der Bev\u00f6lkerung sichern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIndem in den letzten Jahrzehnten umweltbelastende Branchen \u2013 oft dank Direktinvestitionen und Handelsabkommen \u2013 in Niedriglohnl\u00e4nder ausgelagert wurden, hat sich das Nord-S\u00fcd-Gef\u00e4lle versch\u00e4rft. Diese \u00abMigration der schmutzigen Industrie\u00bb schuf eine Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften, die mit schmutziger, sch\u00e4dlicher und gef\u00e4hrlicher Arbeit Waren f\u00fcr den wohlhabenden Norden produzieren. Solche Missst\u00e4nde erfordern ein rasches, international koordiniertes Handeln.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Unterschiedliche Bev\u00f6lkerungspyramiden<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine entscheidende Rolle f\u00fcr die Zukunft der Arbeit spielt die Bev\u00f6lkerungsentwicklung: Global betrachtet nimmt der Anteil der \u00e4lteren Menschen zu. Allerdings unterscheidet sich die demografische Zusammensetzung je nach Land stark. In Brasilien etwa altert die Bev\u00f6lkerung \u00abvon unten\u00bb, das heisst, in den n\u00e4chsten Jahren wird eine riesige Jugendkohorte nach oben in die Kernkategorie der Erwerbst\u00e4tigen aufr\u00fccken. Zentral f\u00fcr die k\u00fcnftige Erwerbsbev\u00f6lkerung Brasiliens sind deshalb gelungene \u00dcberg\u00e4nge zwischen Schule und Arbeitswelt sowie eine Belebung der Gesamtnachfrage nach menschenw\u00fcrdiger Arbeit.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDeutschland und Japan hingegen \u00abaltern von oben\u00bb: In diesen L\u00e4ndern steigt die Lebenserwartung signifikant, und viele Arbeitst\u00e4tige erreichen das Pensionsalter. Hier dreht sich die Debatte um das zahlenm\u00e4ssige Verh\u00e4ltnis zwischen Rentnern und Erwerbst\u00e4tigen. In diesen Staaten braucht es nachhaltige Rentengelder und bei Bedarf menschenw\u00fcrdige Erwerbsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr \u00e4ltere Menschen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInteressant ist der Fall der USA, deren Bev\u00f6lkerungsstruktur eher mit Brasilien als mit Deutschland vergleichbar ist. Das Land weist in erster Linie dank der Immigration eine der j\u00fcngsten Bev\u00f6lkerungen der Industriestaaten auf. Die USA haben deshalb anders als Deutschland oder Japan keine inverse Bev\u00f6lkerungspyramide.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Grosse Einkommensunterschiede<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWeiteres Konfliktpotenzial f\u00fcr den Arbeitsmarkt birgt die zunehmende Kluft zwischen den Reichsten und den \u00c4rmsten, denn ausgepr\u00e4gte Einkommensunterschiede k\u00f6nnen die Marktsignale verzerren und dysfunktionale R\u00fcckkopplungseffekte schaffen. Beispielsweise nehmen Menschen in L\u00e4ndern mit hohen Armutsquoten aufgrund von mangelhafter sozialer Absicherung eher Jobs an, welche die Mindestanforderungen an menschenw\u00fcrdige Arbeit nicht erf\u00fcllen. So entsteht ein Teufelskreis: Da den Unternehmen gen\u00fcgend niedrig qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung stehen, fehlen Anreize zur Schaffung qualifizierter Stellen. F\u00fcr die Regierungen wiederum wird es schwierig, Besch\u00e4ftigungssektoren mit hoher Wertsch\u00f6pfung zu f\u00f6rdern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Reformen zur Beseitigung extremer Armut waren in gewissen L\u00e4ndern erfolgreich, was zu einem Abbau der Ungleichheiten zwischen einzelnen L\u00e4ndern beigetragen hat. So hat der h\u00f6here Lebensstandard in einem einzigen Land \u2013 China \u2013 die globalen Ungleichheiten entscheidend ver\u00e4ndert. Allerdings konnten die Menschen in den \u00e4rmsten Teilen der Welt ihre Einkommenssituation in den vergangenen Jahrzehnten am wenigsten verbessern, w\u00e4hrend der Trend beim reichsten Prozent steil nach oben zeigt (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Obwohl der Anteil der Menschen in extremer Armut gesunken ist, leben nach wie vor Hunderte von Millionen Arbeitende in Armut und sind weit von einem menschenw\u00fcrdigen Lebensstandard entfernt.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1: Wachstum der globalen Einkommen nach Perzentilen (1980\u20132016)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/03\/Grimshaw__1_DE.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-85558\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/03\/Grimshaw__1_DE.png\" alt=\"\" width=\"2394\" height=\"740\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>#MeToo als Weckruf<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine anhaltende Ungleichheit betrifft die Frauen. Ohne Geschlechtergleichheit im Arbeitsmarkt wird es auch keine Gleichberechtigung im Privatleben und bei den B\u00fcrgerrechten geben \u2013 und umgekehrt. Frauen sind im Arbeitsmarkt unterrepr\u00e4sentiert, sie belegen auf der Karriereleiter tiefere Stufen und verdienen im Durchschnitt ein F\u00fcnftel weniger als M\u00e4nner.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Ein Hindernis f\u00fcr die Gleichberechtigung ist insbesondere die Diskriminierung von M\u00fcttern, die nach der Geburt wieder arbeiten. Und sexuelle Bel\u00e4stigung am Arbeitsplatz ist ein weltweites Problem, wie #MeToo zeigt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine letzte Herausforderung betrifft die Notwendigkeit, dass L\u00e4nder und Unternehmen langfristige Investitionen t\u00e4tigen, die den Bed\u00fcrfnissen vielf\u00e4ltiger Anspruchsgruppen gerecht werden. Allzu h\u00e4ufig \u00fcben Aktion\u00e4re Druck auf Unternehmen aus, Entscheidungen zugunsten einer kurzfristigen Gewinnmaximierung zu treffen. Dies kann in Widerspruch zu den UNO-Nachhaltigkeitszielen stehen, wonach die generations\u00fcbergreifenden Auswirkungen von unternehmerischen und staatlichen Entscheiden f\u00fcr die Gesellschaft von morgen zu ber\u00fccksichtigen sind. Nur wer langfristig denkt, baut Kompetenzen auf, st\u00e4rkt nachhaltige Produktionsmethoden und f\u00f6rdert die Innovation.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZusammengefasst l\u00e4sst sich sagen: Die globalen Umw\u00e4lzungen in der Arbeitswelt sind besorgniserregend. Wir gef\u00e4hrden Werte wie Demokratie, Gleichheit und Solidarit\u00e4t, wenn wir nicht handeln. Da in allen Weltregionen das Bewusstsein daf\u00fcr w\u00e4chst, will die ILO alle Akteure zusammenbringen, um nach L\u00f6sungen zu suchen. Entsprechend hat die Global Commission on the Future of Work im Januar eine Roadmap vorgeschlagen.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Die Kommission ruft in ihrem Bericht dazu auf, mit einem neu formulierten Gesellschaftsvertrag f\u00fcr soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Diesen will die Kommission als Instrument einsetzen, um die Interessen der Erwerbst\u00e4tigen ins Zentrum zu stellen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDazu sollen alle Parteien der Arbeitswelt zusammenkommen. Als Gegenleistung f\u00fcr ihren wirtschaftlichen Beitrag m\u00fcssen die Erwerbst\u00e4tigen einen fairen Anteil des wirtschaftlichen Fortschritts erhalten, wobei ihre Rechte respektiert und sie vor Risiken gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen. Doch wie lassen sich diese Ziele erreichen?&#13;<\/p>\n<h2><strong>Informell Arbeitende sch\u00fctzen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kommission ruft in drei Bereichen zu dringlichen Massnahmen auf. Erstens braucht es neue Arbeitsmarktinstitutionen, um eine weitere Vermarktung der Arbeit als Ware zu verhindern. Kernpunkt ist eine universelle Garantie von Grundrechten und von menschenw\u00fcrdigen Bedingungen am Arbeitsplatz f\u00fcr alle Formen von Arbeit. Dies beinhaltet angemessene L\u00f6hne, Arbeitszeitbegrenzungen und sichere Arbeitsbedingungen. Damit w\u00e4ren auch Arbeitende in informellen Arbeitsverh\u00e4ltnissen besser gesch\u00fctzt. Weltweit betrifft dies immerhin drei von f\u00fcnf Erwerbst\u00e4tigen, mit Anteilen von \u00fcber 90 Prozent in vielen afrikanischen L\u00e4ndern (siehe <em>Abbildung 2<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: <\/strong>Anteil informeller Arbeit an Gesamtbesch\u00e4ftigung (2016)<strong>&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/03\/Grimshaw__2_DE.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-85560\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2019\/03\/Grimshaw__2_DE.png\" alt=\"\" width=\"2003\" height=\"1258\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIndem man die Institutionen der Arbeitswelt erneuert, bekommt die Sozialpartnerschaft neuen Schwung. Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen m\u00fcssen versuchen, den Nutzen des sozialen Dialogs zu maximieren und seinen Anwendungsbereich auszudehnen. Die Regierungen wiederum k\u00f6nnen den Dialog der Sozialpartner unterst\u00fctzen, indem sie das Recht auf Vereinigungsfreiheit auch auf Selbstst\u00e4ndigerwerbende und die informelle Wirtschaft ausdehnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZweitens braucht es neue Regeln, um die Ver\u00e4nderungen auf einen \u00abmenschenzentrierten\u00bb Entwicklungspfad zu lenken. L\u00e4nder sollten nicht mehr l\u00e4nger nur ein hohes BIP-Wachstum anpeilen. Wenn das Ziel soziale Gerechtigkeit ist, brauchen wir neue Messlatten f\u00fcr den Erfolg \u2013 unter anderem solche, die auch die gesellschaftlichen (etwa gesundheitliche) und die \u00f6kologischen Folgekosten der Wirtschaftst\u00e4tigkeit ber\u00fccksichtigen. Zudem braucht es eine Messgr\u00f6sse, die die Verteilung des Wirtschaftswachstums abbildet. Weiter m\u00fcssen die Regierungen progressive und nachhaltige Steuersysteme einf\u00fchren, die ein solides Steuersubstrat schaffen und die Investitionen in \u00f6ffentliche Dienstleistungen und in die Infrastruktur erm\u00f6glichen. Dies bedingt, dass der Trend zu einem versch\u00e4rften Steuerwettbewerb f\u00fcr Unternehmen aufgehalten wird und die globalen Konzerne dort besteuert werden, wo sie t\u00e4tig sind. Ausserdem braucht es gem\u00e4ss dem Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) kreative L\u00f6sungen, um die Milliarden an unproduktivem Verm\u00f6gen ausfindig zu machen, das offshore oder in \u00ableeren Firmenh\u00fcllen\u00bb versteckt ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDrittens muss schliesslich mehr in die Entwicklung der menschlichen F\u00e4higkeiten investiert werden. Da Frauen hier gegen\u00fcber M\u00e4nnern benachteiligt sind, braucht es eine Transformationsagenda f\u00fcr Geschlechtergleichheit. Wichtige Punkte sind hier nicht zuletzt gleiche Betreuungsaufgaben, transparente Lohnstrukturen, fortschrittliche Unterst\u00fctzungsmassnahmen f\u00fcr Familien und ein Ende der Gewalt und der Bel\u00e4stigung am Arbeitsplatz.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ein Recht auf lebenslanges Lernen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nJeder Mensch soll die M\u00f6glichkeit haben, seine Ausbildung und seine F\u00e4higkeiten den Erfordernissen des Arbeitsmarkts im 21. Jahrhundert anzupassen. Die Kommission spricht sich f\u00fcr ein universelles Recht auf lebenslanges Lernen mit gleichzeitigem universellem sozialem Schutz aus. Indem die Erwerbst\u00e4tigen eine gewisse Einkommenssicherheit und die M\u00f6glichkeit zur Weiterentwicklung ihrer pers\u00f6nlichen F\u00e4higkeiten haben, k\u00f6nnen sie selber entscheiden, wie sie den Wandel zu neuen und umweltfreundlichen Technologien anpacken. Welche Art von institutioneller Unterst\u00fctzung erforderlich ist, h\u00e4ngt davon ab, in welchem Lebensabschnitt sich die Erwerbst\u00e4tigen befinden. So macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob jemand nach einer Geburt an den Arbeitsplatz zur\u00fcckkehrt, den Job wechselt oder kurz vor der Pensionierung steht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Antwort auf die eingangs gestellte Frage f\u00e4llt klar aus: Der Auftrag der ILO, die soziale Gerechtigkeit zu f\u00f6rdern, ist heute genauso aktuell und relevant wie in der Vergangenheit. Die Herausforderung besteht darin, dass alle Akteure der Arbeitswelt dieses \u00fcbergeordnete Ziel anerkennen und einen geeigneten normativen Rahmen f\u00fcr den sozialen Dialog und alle Besch\u00e4ftigungsformen schaffen. Diese reichen von informeller Heimarbeit \u00fcber den Strassenverkauf und den Unterricht bis hin zu freien Medienschaffenden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Ziel werden wir jedoch nur erreichen, wenn alle Akteure daf\u00fcr sorgen, dass menschenw\u00fcrdige Arbeit im Zentrum der k\u00fcnftigen Wirtschaftspolitik und der Unternehmenspraxis steht.<strong>&#13;<br \/>\n<\/strong>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Die vom Autor in diesem Artikel ge\u00e4usserten Ansichten entsprechen nicht zwingend den Ansichten der ILO.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Berg et al. (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">ILO (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Global Commission on the Future of Work (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerechtigkeit und Weltfrieden: Nach keinem geringeren Ziel strebt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) seit 1919, indem sie die Rechte und den Schutz der Arbeitnehmer st\u00e4rkt und versucht, Ungleichheiten in der Arbeitswelt abzubauen. 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