{"id":105257,"date":"2019-02-25T11:00:22","date_gmt":"2019-02-25T11:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2019\/02\/mann-logatcheva-van-galen-rau-03-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:59:11","modified_gmt":"2023-08-23T20:59:11","slug":"mann-logatcheva-van-galen-rau-3-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2019\/02\/mann-logatcheva-van-galen-rau-3-2019\/","title":{"rendered":"Brot, Joghurt und Schinken: Der Mehrpreis steckt im Detailhandel"},"content":{"rendered":"<p>Kein anderes Land in Europa hat so hohe Lebensmittelpreise wie die Schweiz. Laut der Statistikbeh\u00f6rde Eurostat liegen sie um 73 Prozent \u00fcber dem EU-Durchschnitt. Bei allen anderen Warengruppen ist der Preisunterschied geringer. W\u00e4hrend Haushaltsger\u00e4te noch um etwa 20 Prozent teurer sind als in der EU, sind M\u00f6bel und Unterhaltungselektronik sogar etwas g\u00fcnstiger.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) haben wir die Lebensmittelpreise entlang der Wertsch\u00f6pfungsketten von Weissbrot, Naturjoghurt und Rohschinken untersucht.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Diese drei Lebensmittel stehen exemplarisch f\u00fcr je ein Getreide-, Milch- und Fleischprodukt. In der Studie analysierten wir die Produktions- und Handelsdaten, den Preis, die Kosten sowie den Ertrag. Dazu verglichen wir, je nach Lebensmittel, die Situation in der Schweiz mit Deutschland, Frankreich und Italien. Zus\u00e4tzlich befragten wir Sektorexperten und Marktakteure in diesen L\u00e4ndern. Als wichtigste Ursache f\u00fcr die Preisunterschiede werden oft Einfuhrz\u00f6lle auf Agrarprodukte genannt. So k\u00f6nnen viele Produkte \u2013 wie beispielsweise Weizen \u2013 nur innerhalb von beschr\u00e4nkten Zollkontingenten g\u00fcnstig in die Schweiz eingef\u00fchrt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHandel erfolgt an unterschiedlichen Stellen der Wertsch\u00f6pfungskette: Bei Weissbrot stammt beispielsweise rund die H\u00e4lfte des Getreides aus dem Ausland. Dar\u00fcber hinaus werden etwa 2 Prozent des Mehls und 5 Prozent des Brotes importiert \u2013 Tendenz steigend. Sprach fr\u00fcher die Verderblichkeit gegen Handel mit frischem Brot, haben moderne Lebensmitteltechnologien inzwischen auch Brot zu einer handelbaren Ware gemacht. Somit sind Preise und Kosten aller Stufen der Wertsch\u00f6pfungskette miteinander zu vergleichen. Sind es also die hohen Produktionskosten der Lebensmittel, die die hohen Preise in der Schweiz verursachen?&#13;<\/p>\n<h2><strong>Weissbrot ist doppelt so teuer<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Supermarkt kostet ein Kilogramm Weissbrot in der Schweiz mit durchschnittlich 6 Franken doppelt so viel wie in Deutschland. Ein Blick auf die Wertsch\u00f6pfungskette zeigt, dass die landwirtschaftliche Produktion bei den Mehrkosten eine untergeordnete Rolle spielt (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). So w\u00e4re Brot selbst dann deutlich teurer als in Deutschland, wenn die Schweizer Landwirte den M\u00fchlen ihr Getreide schenken w\u00fcrden \u2013 derzeit bekommen sie pro Kilogramm Brot 41 Rappen. Stattdessen sind die Mehrkosten auf den Stufen B\u00e4ckereien und Detailhandel (Superm\u00e4rkte) zu finden. Erstens liegen die Lohnkosten in der Schweiz deutlich h\u00f6her als in Deutschland, was sich fast proportional auf die Arbeitskosten der B\u00e4cker und Detailh\u00e4ndler niederschl\u00e4gt. Zweitens sind die Infrastrukturkosten, die unter anderem sowohl Kosten f\u00fcr Geb\u00e4ude als auch f\u00fcr Marketing umfassen, wesentlich h\u00f6her. Diese Infrastrukturkosten sind indirekt zum Teil wiederum dem h\u00f6heren Lohnkostenniveau geschuldet. Schliesslich ist die Gewinnmarge im Schweizer Detailhandel mit 6 Prozent deutlich h\u00f6her als im n\u00f6rdlichen Nachbarland, wo der harte Wettbewerb auf Detailhandelsstufe kaum Margen zul\u00e4sst.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1: Mehrkosten von einem Kilo Weissbrot entlang der Schweizer Wertsch\u00f6pfungskette im Vergleich zu Deutschland&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class='chart chart--normal' id='Mann-Rau_Abb1_DE'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Mann-Rau_Abb1_DE').highcharts({\n\n        chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    }, credits: {enabled: false},\n    \n    xAxis: {\n        categories: [\n            'Landwirtschaft',\n'M\u00fchle',\n'B\u00e4ckerei',\n'Detailhandel'],\n        crosshair: true\n    },\n    yAxis: {\n        \n        title: {\n            text: 'In Rappen',\nlabels: {format: '{value}%'}\n        }\n    },\n    tooltip: {\n      \n        pointFormat: '<td style=\"padding:0\"><b>{point.y:2f} Rappen<\/b><\/td><\/tr>',\n        footerFormat: '<\/table>',\n        shared: false,\n        useHTML: true\n    },\n    \n    series: [{\n       \n        name: 'Total',\n        data: [27, 2, 144, 134],\nshowInLegend:false,\n\n    }]\n    \n \n});\n});\n\n\n<\/script>\n<\/div>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Eurostat-Daten f\u00fcr 2013\u20132015, ohne Mehrwertsteuer. Umrechnung in Franken basierend auf durchschnittlichen j\u00e4hrlichen Eurostat-Wechselkursen. F\u00fcr Details siehe Studie.&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Experteninformation\/Interviews und Eurostat-Daten, Berechnungen Wageningen Economic Research \/ Die Volkswirtschaft&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Joghurt: Vergleich mit Frankreich <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBeim Naturjoghurt untersuchten wir die Kosten beziehungsweise den Preisunterschied zum Referenzland Frankreich. Schl\u00e4gt das Kilogramm Naturjoghurt in Frankreich mit umgerechnet 1.84 Franken zu Buche, muss in der Schweiz im Durchschnitt 2.22 Franken bezahlt werden. Der Unterschied betr\u00e4gt somit rund 40 Rappen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie beim Brot beginnen die h\u00f6heren Kosten in der Wertsch\u00f6pfungskette bei der Prim\u00e4rproduktion. So kostet die Produktion eines Liters Milch in der Schweiz zwischen 60 und 70 Rappen \u2013 das sind umgerechnet rund 20 Rappen mehr als in Frankreich. Kostentreibend sind kleinere und pro Stallplatz teurere Milchviehst\u00e4lle. Dagegen halten sich die Futterkosten pro Liter Milch in beiden L\u00e4ndern die Waage. Denn w\u00e4hrend die Kraftfutterkosten pro Tonne in der Schweiz zwar deutlich h\u00f6her sind, ist der Anteil von im Vergleich zu Kraftfutter g\u00fcnstigerem Gras, Heu und Silage in der Futterration von Schweizer Milchk\u00fchen ebenfalls deutlich h\u00f6her. Allerdings spielt es f\u00fcr die durchschnittlich h\u00f6heren Kosten in der Schweiz auch eine Rolle, dass der Anteil von kostenintensiver produzierter Bio-Milch mit 7 Prozent \u00fcber dem franz\u00f6sischen Anteil von 2 Prozent liegt und Verbraucher in der Schweiz somit Bio-Milch und deren \u00f6kologische Qualit\u00e4t tendenziell bevorzugen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf der n\u00e4chsten Stufe der Wertsch\u00f6pfungskette \u2013 bei den Molkereien \u2013 stechen die Gr\u00f6ssenunterschiede ins Auge: W\u00e4hrend Emmi als gr\u00f6sster Milchverarbeiter der Schweiz j\u00e4hrlich 3,4 Milliarden Franken umsetzt, sind es beim gr\u00f6ssten franz\u00f6sischen Milchverarbeiter Danone 28 Milliarden Franken.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Der Gr\u00f6ssennachteil \u00fcbersetzt sich in der Schweiz aber keinesfalls in h\u00f6here Verarbeitungskosten. Im Gegenteil: Die meist kleinbetrieblichen Milchverarbeiter scheinen einen gewissen komparativen Vorteil zu haben (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Zwar liegen die Arbeitskosten bei der Milchverarbeitung \u00fcber denen in Frankreich, was aber durch vergleichsweise niedrigere Infrastruktur- bzw. Allgemeinkosten kompensiert wird. Beim Joghurt d\u00fcrften diese Kosten in der Schweiz vor allem durch die vertikale Integration und Marktkonzentration in der Wertsch\u00f6pfungskette niedriger sein als in Frankreich. Zum Beispiel sind die Kosten bei der Milchverarbeitung in der Schweiz niedriger als in Frankreich, weil dort auf dieser Wertsch\u00f6pfungsstufe Marketing- und Kommunikationskosten anfallen. In der Schweiz sind diese Kosten vor allem im integrierten Detailhandel zu finden. Des Weiteren werden auf der Stufe Detailhandel in der Schweiz h\u00f6here Margen erzielt, sodass hier im Vergleich zu den anderen Stufen in der Wertsch\u00f6pfungskette die gr\u00f6ssten Mehrkosten zu verzeichnen sind.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2: Mehrkosten von einem Kilo Joghurt entlang der Schweizer Wertsch\u00f6pfungskette\u00a0im Vergleich zu Frankreich&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<pre><div class=\"legacy_chart_custom\"><div class='chart chart--normal' id='Mann-Rau_Abb2_DE'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Mann-Rau_Abb2_DE').highcharts({\n\nchart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    }, credits: {enabled: false},\n    \n    xAxis: {\n        categories: ['Landwirtschaft','Molkerei','Detailhandel'],\n        crosshair: true\n    },\n    yAxis: {\n        \n        title: {\n            text: 'In Rappen',\nlabels: {format: '{value}%'}\n        }\n    },\n    tooltip: {\n      \n        pointFormat:             '<td style=\"padding:0\">{point.y:2f}<b> Rappen<\/b><\/td><\/tr>',\n        footerFormat: '<\/table>',\n        shared: false,\n        useHTML: true\n    },\n    \n    series: [{\n       \n        name: 'Total',\n        data: [23,-15,35],\nshowInLegend:false,\n\n    }]\n    \n \n});\n});\n<\/script>\n<\/div><\/pre>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Eurostat-Daten f\u00fcr 2013\u20132015, ohne Mehrwertsteuer. Umrechnung in Franken basierend auf durchschnittlichen j\u00e4hrlichen Eurostat-Wechselkursen. F\u00fcr Details siehe Studie.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Experteninformation\/Interviews, BLW und Eurostat-Daten, Berechnungen von Wageningen Economic Research \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeiter macht die Analyse deutlich, dass eine unterschiedliche Kaufkraftstruktur auch zu unterschiedlichen Segmentierungsstrategien im Markt von Joghurt f\u00fchrt. Teilt man den Joghurtmarkt in f\u00fcnf Qualit\u00e4tssegmente auf, so finden im franz\u00f6sischen Markt 43 Prozent des Absatzes im niedrigsten Segment statt, w\u00e4hrend es in der Schweiz nur 25 Prozent sind. Umgekehrt werden in der Schweiz 12 Prozent im obersten der f\u00fcnf Segmente abgesetzt \u2013 in Frankreich sind es nur 3 Prozent. Ein weiterer Unterschied ist die Dominanz von Handelsmarken der Detailh\u00e4ndler in der Schweiz, die weit in die Milchverarbeitung und somit vertikal in die Wertsch\u00f6pfungskette integriert sind, w\u00e4hrend in Frankreich Herstellermarken, die sich im Wettbewerb um Regalpl\u00e4tze im Supermarkt behaupten m\u00fcssen, eine deutlich gr\u00f6ssere Rolle spielen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Vergleich des Joghurtmarktes zwischen der Schweiz und Frankreich wird die Auswirkung des EU-Binnenmarktes deutlich: Zwei Drittel der franz\u00f6sischen Joghurtproduktion werden in andere EU-Mitgliedsl\u00e4nder exportiert, und umgekehrt wird ein Viertel der in Frankreich abgesetzten Joghurtmenge importiert. Im Gegensatz dazu wird in der Schweiz weniger als 1 Prozent der produzierten Joghurtmenge exportiert beziehungsweise importiert. Die Hauptgr\u00fcnde sind die hohen Preise beziehungsweise die limitierten Zollkontingente. Vielleicht beeinflusst auch die resultierende Bandbreite an Produkten den unterschiedlichen Konsum: Laut Eurostat isst ein Durchschnittsfranzose j\u00e4hrlich 28 Kilogramm Joghurt, ein Durchschnittsschweizer 17 Kilogramm.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Komplexe Wertsch\u00f6pfungskette f\u00fcr Rohschinken<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVon den drei in der Studie betrachteten Wertsch\u00f6pfungsketten ist diejenige des Rohschinkens wohl die komplexeste. Schon die Aufzucht der Tiere findet gew\u00f6hnlich auf unterschiedlichen Betrieben (Ferkelproduzenten und Mastbetriebe) statt. Auch die Verarbeitung des Rohschinkens wird institutionell und r\u00e4umlich oft von der Schlachtung der Tiere getrennt. Die Verpackung des Endproduktes des Rohschinkens zum Verkauf schliesslich wird teilweise von Herstellungsbetrieben (Lufttrocknung), teilweise vom Detailhandel \u00fcbernommen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBeim Rohschinken gilt zun\u00e4chst zu beachten, dass der Kilopreis wesentlich h\u00f6her ist als beim Brot und beim Joghurt. Der Aufpreis von 10 Franken, den die Schweizer Konsumenten f\u00fcr ein Kilogramm Rohschinken bezahlen, ist deshalb in Relation zu setzen zu den umgerechnet 55 Franken, die das Kilogramm Parmaschinken in Italien kostet. Laut Studie ist dieser Preisunterschied durch verschiedene Faktoren zu erkl\u00e4ren. Auf der Stufe der landwirtschaftlichen Produktion ist beispielsweise ein grosser Unterschied bei der Bestandsgr\u00f6sse auszumachen. W\u00e4hrend in der Schweiz der gesetzlich zugelassene H\u00f6chstbestand von 1500 Masttieren nur selten ausgereizt wird, halten in Italien zahlreiche Betriebe zwischen 5000 und 10\u2019000 Tiere. Gleichzeitig ist die Schweinehaltung in der Schweiz sowie im Vergleichsland Italien, und auch in anderen L\u00e4ndern, r\u00e4umlich konzentriert. Jedes vierte Schweizer Schwein lebt im Kanton Luzern, und 85 Prozent der italienischen Schweine werden in den Regionen Lombardei, Piemont und Emilia-Romagna gehalten, wo der Weg zur Verarbeitung zu Parmaschinken nicht weit ist. In beiden L\u00e4ndern geht die Schweineproduktion in der Tendenz zur\u00fcck, da die Nachfrage nach Schweinefleisch sinkt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Marktkonzentration in der Verarbeitung ist in der Schweiz, wo sich die beiden Grossverteiler den Heimmarkt aufteilen, gr\u00f6sser als in Italien. Dagegen gibt es 138 Schlachth\u00e4user allein in der Region Parma mit einer Lizenz f\u00fcr den entsprechenden Rohschinken. Auf der Verarbeitungsstufe sind in der Schweiz vor allem die h\u00f6heren Lohnkosten preistreibend (siehe <em>Abbildung 3<\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Gegensatz zu Brot und Joghurt sind die Kosten in der Schweiz auf der Stufe des Detailhandels insgesamt geringer als in Italien. W\u00e4hrend die Arbeitskosten in der Schweiz h\u00f6her sind, sind die Kosten f\u00fcr den Verkauf verpackten Rohschinkens im Supermarkt in Italien h\u00f6her als in der Schweiz. Laut dem befragten Experten entstehen in Italien im Supermarkt vergleichsweise hohe Kosten durch den Abfall von verpackter Ware, die nicht \u00fcber das Verfallsdatum hinaus verkauft werden darf. In Italien geht Rohschinken meist als Frischprodukt in kleineren Gesch\u00e4ften \u00fcber die Theke und nicht als verpacktes Produkt im Supermarkt, was zu den h\u00f6heren Kosten des Detailhandels in Italien im Vergleich zur Schweiz beitr\u00e4gt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Schweiz haben Migros und Coop im Detailhandel einen Marktanteil von \u00fcber 80 Prozent. Demgegen\u00fcber gibt es in Italien zahlreiche unabh\u00e4ngige kleine Detailh\u00e4ndler.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGemessen am Umsatz pro Laden sind Superm\u00e4rkte in Italien allgemein kleiner und damit auch die erzielten Skalenertr\u00e4ge. Vergleicht man die Schweiz jedoch mit Deutschland, dann sind die Gr\u00f6ssenunterschiede geringer. In Frankreich, wo Hyper-March\u00e9s den Markt pr\u00e4gen, ist der Umsatz pro Laden gr\u00f6sser als in der Schweiz.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 3: Mehrkosten von einem Kilo Rohschinken\u00a0entlang\u00a0der Schweizer Wertsch\u00f6pfungskette\u00a0im Vergleich zu Italien<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class='chart chart--normal' id='Mann-Rau_Abb3_DE'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Mann-Rau_Abb3_DE').highcharts({\n\nchart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ' '\n    }, credits: {enabled: false},\n    \n    xAxis: {\n        categories: [\n            'Landwirtschaft',\n'Verarbeitung',\n'Detailhandel'],\n        crosshair: true\n    },\n    yAxis: {\n        \n        title: {\n            text: 'In Franken',\nlabels: {format: '{value}%'}\n        }\n    },\n    tooltip: {\n      \n        pointFormat:             '<td style=\"padding:0\">{point.y:2f}<b> Fr.<\/b><\/td><\/tr>',\n        footerFormat: '<\/table>',\n        shared: false,\n        useHTML: true\n    },\n    \n    series: [{\n       \n        name: 'Total',\n        data: [2.71,9.28,-1.47],\nshowInLegend:false,\n\n    }]\n    \n \n});\n});\n<\/script>\n<\/div> <span class=\"text__quelle--ground\">&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Eurostat-Daten f\u00fcr 2013\u20132015, ohne Mehrwertsteuer. Umrechnung in Franken basierend auf durchschnittlichen j\u00e4hrlichen Eurostat-Wechselkursen. F\u00fcr Details siehe Studie.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle:\u00a0Experteninformation\/Interviews und Eurostat-Daten, Berechnungen Wageningen Economic Research \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Marktkonzentration wirkt preistreibend<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInsgesamt l\u00e4sst sich sagen: Obwohl die Schweizer Agrarpolitik im Verbund mit einer kleinbetrieblichen Struktur Mehrkosten verursacht, erkl\u00e4ren diese nur einen Teil der h\u00f6heren Preise in der Schweiz. Viel st\u00e4rker ins Gewicht fallen die Verarbeitung und der Detailhandel. Beim Brot und beim Joghurt treiben die Marktkonzentration im Detailhandel durch Migros und Coop sowie das Vordringen der Detailh\u00e4ndler in die Verarbeitungsstufe die Preise in die H\u00f6he. Des Weiteren tragen die h\u00f6heren Lohnkosten massgeblich zum Preisunterschied von Lebensmitteln bei. \u00dcber die Studienergebnisse hinausgehend, l\u00e4sst sich kritisch festhalten, dass die h\u00f6heren L\u00f6hne und Preise auch auf die starke Bewertung des Frankens hinweisen: Solange die Kaufkraft hoch bleibt und die Zuflucht ausl\u00e4ndischer Anleger in den Franken anh\u00e4lt, werden auch Weissbrot, Joghurt und Rohschinken in der Schweiz mehr kosten als anderswo.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Schweiz sch\u00fctzen Handelspolitikmassnahmen die Produktion und den heimischen Markt. Somit werden die Preise bei Brot, Joghurt und Rohschinken \u2013 sowie bei den untersuchten Zwischenprodukten \u2013 k\u00fcnstlich hoch gehalten, und die Marktstruktur wird hin zu einem im europ\u00e4ischen Vergleich hohen Konzentrationsgrad beeinflusst. Beim Rohschinken und beim Brot im Supermarkt k\u00f6nnen die Importz\u00f6lle, gemessen in Franken pro Kilogramm, den ermittelten Preisunterschied nicht vollst\u00e4ndig erkl\u00e4ren. Hier spielen auch andere Faktoren, vor allem die Pr\u00e4ferenz der Schweizer Verbraucher f\u00fcr heimische Produkte aufgrund von Qualit\u00e4t und Frische und deren Zahlungsbereitschaft, eine Rolle. Dadurch reduzieren sich die Importe in die Schweiz, selbst wenn die ausl\u00e4ndischen Produkte billiger sind.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Logatcheva (2019); Naturjoghurt mit einem Milchfettgehalt von 3 bis 3,5 Prozent.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Umgerechnet mittels Eurostat-Euro-Franken-Wechselkurs f\u00fcr das Jahr 2017 = 1,1117.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kein anderes Land in Europa hat so hohe Lebensmittelpreise wie die Schweiz. Laut der Statistikbeh\u00f6rde Eurostat liegen sie um 73 Prozent \u00fcber dem EU-Durchschnitt. Bei allen anderen Warengruppen ist der Preisunterschied geringer. 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Im Supermarkt kostet Weissbrot in der Schweiz doppelt so viel wie in Deutschland; der Mehrpreis bei Joghurt gegen\u00fcber Frankreich sowie beim Rohschinken gegen\u00fcber Italien betr\u00e4gt jeweils 20 Prozent. Die Preisunterschiede in den Produktbeispielen sind jeweils durch verschiedene Faktoren \u2013 wie die Agrar- und Handelspolitik, die Lohnkosten, die Struktur des jeweiligen Sektors und dessen Wertsch\u00f6pfungskette sowie Betriebsgr\u00f6sse und Marktkonzentration \u2013 zu erkl\u00e4ren. Zus\u00e4tzlich zu h\u00f6heren Kosten in der Prim\u00e4rproduktion in der Schweiz kann f\u00fcr alle drei Wertsch\u00f6pfungsketten gezeigt werden, dass ein Grossteil der Mehrkosten auf den Stufen der Verarbeitung und im Detailhandel anf\u00e4llt.","magazine_issue":"03-2019","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20190226","original_files":null,"external_release_for_author":"20190204","external_release_for_author_time":"23:30:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5c0f6f0fa10fc"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105257"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4790"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=105257"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105257\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126063,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105257\/revisions\/126063"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4795"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4794"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4793"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4790"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156917"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156156"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20645"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=105257"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=105257"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=105257"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=105257"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=105257"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=105257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}