{"id":105627,"date":"2018-12-17T07:30:25","date_gmt":"2018-12-17T07:30:25","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/12\/hofstetter-1-2-2019fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:00:30","modified_gmt":"2023-08-23T21:00:30","slug":"hofstetter-1-2-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/12\/hofstetter-1-2-2019\/","title":{"rendered":"Die Stolperfallen von Social Media"},"content":{"rendered":"<p>Die H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung nutzt das Internet mittlerweile regelm\u00e4ssig.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Die Mehrheit dieser Personen verbringt von morgens bis abends mehr als ein Drittel ihrer Zeit online \u2013 davon viel auf Social Media. Mittlerweile suchen 56 Prozent der amerikanischen Bev\u00f6lkerung auf sozialen Plattformen nach Jobs, ein Drittel findet den zuk\u00fcnftigen Lebenspartner auf einer solchen Plattform, und 64 Prozent aller amerikanischen Teens finden dort neue Freunde. Global gesehen nutzen 80 Prozent der Teenager Social Media, in der Schweiz sind es \u00fcber die H\u00e4lfte. Entsprechend sagen\u00a070 Prozent aller Teenager, sie f\u00fchlten sich ihren Freunden digital n\u00e4her als physikalisch \u2013 was die Signifikanz der digitalen Transformation f\u00fcr unser pers\u00f6nliches Leben untermauert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKern der Funktionalit\u00e4t von Social Media ist das Teilen von pers\u00f6nlichen Inhalten. Wir teilen Fotos, Videos und Texte mit Freunden, Bekannten und Fremden. Pers\u00f6nliche Informationen \u00fcber Familie, Freunde oder Ferien sind unter den beliebtesten Inhalten, die geteilt werden. Alleine auf Instagram werden t\u00e4glich \u00fcber 80 Millionen Fotos geteilt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTrotz dieser hohen Relevanz gibt es bis anhin nur wenige Kenntnisse zu den Dynamiken und Konsequenzen des Teilens pers\u00f6nlicher Inhalte, weshalb wir uns im Rahmen unserer Grundlagenforschung damit besch\u00e4ftigen. Unser Fokus liegt dabei auf den \u00f6konomischen und psychologischen Auswirkungen des digitalen sozialen Verhaltens, denn beim Teilen pers\u00f6nlicher Informationen gibt es mehrere Stolperfallen zu beachten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Falle basiert auf der Erkenntnis, dass viele beim Teilen vers\u00e4umen, sich die tats\u00e4chlichen Empf\u00e4nger der Inhalte zu vergegenw\u00e4rtigen. Man l\u00e4dt die Kinderfotos auf Facebook, damit die Grosseltern diese sehen k\u00f6nnen, vergisst aber, mit wem man \u00fcber die Kernfamilie hinaus sonst noch befreundet ist. Individuen haben falsche Vorstellungen von dem tats\u00e4chlichen Publikum ihrer Selbstdarstellung auf Social Media, was sich negativ auswirken kann, wenn sensible oder sehr pers\u00f6nliche Inhalte geteilt werden. In einem Beispiel wurde eine Frau entlassen, nachdem sie \u00fcber ihren Vorgesetzten auf Facebook hergezogen hatte, ohne sich zu erinnern, dass dieser einer ihrer Facebook-Freunde ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine weitere Falle ist das sogenannt verg\u00e4ngliche Teilen via Apps wie Snapchat oder Instagram Stories. Bilder und Videos, die auf diesen Plattformen geteilt werden, sind nur f\u00fcr eine kurze Zeit verf\u00fcgbar und entziehen sich so dem l\u00e4ngerfristigen Zugriff durch andere. Es zeigt sich jedoch, dass die vermeintliche Verg\u00e4nglichkeit der Daten zu noch h\u00e4ufigerem und riskanterem Teilen animiert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch wirtschaftlich wird Social Media immer bedeutender: Dieses Jahr werden sich die Werbeausgaben auf diesen Kan\u00e4len weltweit auf 46 Milliarden Dollar belaufen. Angesichts der zunehmenden Relevanz von Social\u00a0Media besteht ein Interesse, die Chancen und Risiken bei der Nutzung besser zu verstehen. Schliesslich geh\u00f6ren der Aufbau und der Erhalt von bedeutsamen sozialen Beziehungen zu den wesentlichsten menschlichen Bed\u00fcrfnissen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Dieser Beitrag basiert auf dem SNF-Projekt Digital Lives: Understanding the Dynamics of Sharing Personal Information Online sowie auf Hofstetter, R.; R\u00fcppell, R. und John, L. K. (2017). Temporary Sharing Prompts Unrestrained Disclosures That Leave Lasting Negative Impressions,\u00a0Proceedings of the National Academy of Sciences, 201706913.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung nutzt das Internet mittlerweile regelm\u00e4ssig. Die Mehrheit dieser Personen verbringt von morgens bis abends mehr als ein Drittel ihrer Zeit online \u2013 davon viel auf Social Media. 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