{"id":105653,"date":"2018-11-22T11:28:15","date_gmt":"2018-11-22T11:28:15","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/11\/kaelin-12-2018fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:00:14","modified_gmt":"2023-08-23T21:00:14","slug":"kaelin-12-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/11\/kaelin-12-2018\/","title":{"rendered":"Gute Absprache verbessert Wiedereingliederung"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Jahrtausendwende zeigte sich: Die arbeitsmarktliche Integration von Menschen mit komplexeren Problemlagen machte eine systematischere Zusammenarbeit zwischen den sozialen Sicherungssystemen notwendig. Damals gab es zwischen Beratungsfachleuten teilweise Uneinigkeiten \u00fcber die Bewerbungsstrategie von stellensuchenden Personen. Und mittels administrativer Auflagen wurde gar verhindert, dass L\u00fccken aufgearbeitet wurden. Aus dieser Erkenntnis ist die Interinstitutionelle Zusammenarbeit (IIZ) geboren. Sie ist ein Kooperationsprozess zwischen der Arbeitslosenversicherung (ALV), der Invalidenversicherung (IV), der Berufsbildung und der Sozialhilfe. Das Ziel einer IIZ ist es, die Fallf\u00fchrung abzusprechen und so Doppelspurigkeiten zu vermeiden. Die stellensuchenden Personen und nicht die Formulare sollen im Zentrum der Integrationsanstrengungen stehen. Konkret bedeutet dies, dass die Abkl\u00e4rung \u00fcber eine R\u00fcckkehr in den Erwerbsprozess sowie unterst\u00fctzende Massnahmen wie zum Beispiel Kurse in Absprache mit allen involvierten Stellen erfolgt. Nach einigen Jahren Erfahrung wurde diese operationelle Zusammenarbeit auf Fallebene auch bei der Ausgestaltung der Systeme und der entsprechenden Abstimmung der Strategien und der F\u00fchrungsprinzipien ber\u00fccksichtigt. So entstand in den Kantonen eine IIZ, bei der sich die Leitung der Arbeitsmarktintegration (ALV und RAV), der IV und der Sozialhilfe \u00fcber ihre Ziele und Mittel zur Reintegration der anspruchsvolleren Klienten abstimmen. Es zeigte sich, dass ein fr\u00fches und koordiniertes Vorgehen Ressourcen b\u00fcndelt und f\u00fcr die betroffenen Personen wie auch f\u00fcr die Beratungsfachleute zielf\u00fchrender und befriedigender ist.&#13;<\/p>\n<h2>Zusammenarbeit auf Bundesebene notwendig<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Zeit r\u00fcckten auch Migrationsfragen ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Im Jahr 2011 wurde die IIZ auf Bundesebene um die Akteure der Migration erweitert. Personen, welche im Ausland aufgewachsen sind oder in die Schweiz gefl\u00fcchtet sind und auf absehbare Zeit nicht mehr in ihr Heimatland zur\u00fcckkehren, sollen mit passenden Massnahmen die notwendigen Kompetenzen erwerben, um im hiesigen Arbeitsmarkt bestehen zu k\u00f6nnen. Entsprechend kann sogar ein Abschluss auf Sekundarstufe II anvisiert werden \u2013 wie beispielsweise eine zweij\u00e4hrige berufliche Grundbildung mit Eidgen\u00f6ssischem Berufsattest oder ein Nachholen des Berufsabschlusses f\u00fcr Erwachsene. Dies erforderte jedoch eine Abstimmung der Instrumente der Integrationssysteme in der Schweiz, da die Fachleute in den bestehenden Regelstrukturen ihre Kompetenzen auch f\u00fcr diese neue Klientel ausspielen sollen. Deshalb wurde die 2010 geschaffene nationale IIZ \u00fcberpr\u00fcft und in der Folge best\u00e4tigt (siehe <em>Kasten<\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie 2016 vorgenommene externe Evaluation<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> kam in ihrer Beurteilung zu positiven Schl\u00fcssen und identifizierte punktuellen Optimierungsbedarf. Darauf basierend, haben das Departement des Innern (EDI), das Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) und das Departement f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) die Zusammenarbeit der Partner best\u00e4rkt und drei Schwerpunkte f\u00fcr die nationale IIZ definiert:&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErstens wird die Koordination und Zusammenarbeit an den Schnittstellen der Integrationsmassnahmen vertieft. Namentlich betrifft dies die ALV und die \u00f6ffentliche Arbeitsvermittlung, die Sozialhilfe, die Invalidenversicherung sowie den Migrationsbereich und die Berufsbildung. Dieses Ziel soll auch mit dem Aufzeigen von guten Beispielen eines wirkungsvollen Massnahmeneinsatzes erreicht werden. Da die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) nur jene Personen erfolgreich vermitteln k\u00f6nnen, welche die Erfordernisse des Arbeitsmarktes erf\u00fcllen, haben sich Sozialhilfe und ALV \u00fcber eine Definition der Arbeitsmarktf\u00e4higkeit verst\u00e4ndigt und so ein Hilfsmittel erarbeitet, mit dem sich Kompetenzl\u00fccken benennen lassen. Das f\u00fchrt letztlich zu einer effektiveren Beratung und zu einem zielgerichteteren Massnahmeneinsatz.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZweitens wird die Bildungs- und Arbeitsmarktintegration bei den gef\u00e4hrdeten Zielgruppen verst\u00e4rkt. Davon betroffen sind Sozialhilfebeziehende, Personen mit gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen, gering qualifizierte Erwachsene sowie sp\u00e4t eingereiste Jugendliche, junge Erwachsene, vorl\u00e4ufig Aufgenommene und Fl\u00fcchtlinge. Im Fokus stehen dabei die Vervollst\u00e4ndigung der Grundkompetenzen und das Erreichen eines Berufsabschlusses. Die arbeitsmarktliche Integration von gering qualifizierten, gefl\u00fcchteten Menschen, welche l\u00e4ngere Zeit in der Schweiz bleiben, ist eine grosse Herausforderung. Die Abkl\u00e4rung der mitgebrachten Erfahrungen und F\u00e4higkeiten und das Definieren von n\u00f6tigen Bildungs- und weiteren Unterst\u00fctzungsmassnahmen werden deshalb neu durch ein Instrument erleichtert, welches zurzeit vom Staatssekretariat f\u00fcr Migration (SEM) und einer Expertengruppe entwickelt wird. Momentan wird es mit einer Anzahl Kantone in einer Testphase auf die Praxistauglichkeit gepr\u00fcft.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnd drittens soll die Zusammenarbeit mit zentralen Akteuren im Bereich der Gesundheit und der sozialen Sicherheit angeregt und verst\u00e4rkt werden. Wenn es gelingt, gesundheitliche und psychische Probleme fr\u00fchzeitig zu erkennen und Schwierigkeiten koordiniert anzugehen, k\u00f6nnen gr\u00f6ssere und teurere Folgen vermieden werden. Hierzu wurde unter Federf\u00fchrung des BSV unl\u00e4ngst ein IIZ-Projekt erarbeitet. Die Studie \u00abAngebote am \u00dcbergang I f\u00fcr Jugendliche mit gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen\u00bb liefert eine \u00dcbersicht zu guten Beispielen in den Kantonen und St\u00e4dten, welche junge Menschen erfolgreich integrieren. So tr\u00e4gt die IIZ mit dazu bei, dass Jugendliche trotz gesundheitlichen Schwierigkeiten eine Ausbildung aufnehmen und ein Leben in W\u00fcrde f\u00fchren k\u00f6nnen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn die Sozialhilfe, die IV und die RAV enger zusammenarbeiten, k\u00f6nnen sie ihre jeweiligen Kompetenzen einfacher koordinieren und beispielsweise die Integrationsbem\u00fchungen mit dem Arbeitgeber abstimmen. Dabei werden zwangsl\u00e4ufig sensible Informationen \u00fcber die Klienten mit mehrfachen Schwierigkeiten ausgetauscht. Hierf\u00fcr muss der Rahmen abgesteckt sowie die Art und Weise der Einwilligung geregelt werden. Im Kanton Aargau wurde \u00fcber zehn Jahre der Betrieb eines gemeinsamen Zentrums zur arbeitsmarktlichen Integration getestet. Nun soll das erprobte Modell in weiteren Regionen umgesetzt werden.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Seco \u00fcbernimmt Vorsitz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Arbeitsmarkt wandelt sich rasch. Die Beratungspersonen der Integrationssysteme m\u00fcssen die Anforderungen der Arbeitgeber f\u00fcr die Besetzung der Stellen kennen. Und sie m\u00fcssen auch die Problematiken der mehrfach angemeldeten Personen erkennen und verstehen. Mit aufeinander abgestimmten Unterst\u00fctzungsleistungen sollen die Klienten selbst bei namhaften Schwierigkeiten nach einer begleiteten \u00dcberbr\u00fcckungszeit in eine bezahlte Erwerbst\u00e4tigkeit zur\u00fcckfinden k\u00f6nnen. An dieser Zielvorgabe arbeiten die Partner der sozialen Sicherungssysteme auf Ebene des Bundes und in den Kantonen systematisch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Partner der IIZ passen ihre Beratungsleistungen dynamisch an die Anforderungen des Arbeitsmarktes an. Insbesondere die enge Zusammenarbeit zwischen der Sozialhilfe, der IV und den RAV soll das Potenzial der inl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4fte weiter aussch\u00f6pfen. Mittels koordinierter Kommunikation gegen\u00fcber den Arbeitgebern soll die Wirtschaft dabei unterst\u00fctzt werden, entsprechende Br\u00fccken in die Arbeitswelt zu nutzen und auch weiterhin Stellen f\u00fcr Menschen mit Schwierigkeiten bereitzustellen. Dazu steht die nationale IIZ im Austausch mit den Kantonen. J\u00e4hrlich werden an einer Tagung gute Beispiele ausgetauscht und aktuelle Projekte zur Zusammenarbeit pr\u00e4sentiert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die kommende zweij\u00e4hrige Phase, in der das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) den Vorsitz in der nationalen IIZ hat, wird die Zusammenarbeit der Partner weiter vertieft. Zurzeit werden die Schnittstellen mit der Arbeitsmarktintegration der ALV analysiert.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Auch so soll die Wirkung des Systems erh\u00f6ht, die Kundenzufriedenheit verbessert und langfristige Folgekosten vermieden werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie IIZ hat weiter den Anspruch, die gemeinsame Plattform f\u00fcr die Lancierung und Pr\u00fcfung von Innovationen im Bereich der sozialen Sicherheit in der Schweiz zu sein. Dies soll allen Stellensuchenden mit Schwierigkeiten zugutekommen und die Beratungsarbeit der involvierten Beratungspersonen erleichtern.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Die Evaluation ist <a href=\"http:\/\/www.iiz.ch\/dynasite.cfm?dsmid=120743\">online<\/a> unter www.iiz.ch abrufbar.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe den <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch?p=105802\">Artikel<\/a> von Mich\u00e8le Laubscher in diesem Dossier.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Weitere Informationen finden Sie <a href=\"https:\/\/www.aramis.admin.ch\/Texte\/?projectid=37241&Sprache=de-CH#Table1\">online<\/a> unter www.aramis.admin.ch.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe den <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch?p=105815\">Artikel<\/a> von Thomas Buchmann, Peter Eberhard und Karin Hunziker in diesem Dossier.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Siehe den <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch?p=105784\">Artikel<\/a> von Michael Mattmann, Michael Marti, Ramin Mohagheghi und Svenja Strahm in diesem Dossier.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Jahrtausendwende zeigte sich: Die arbeitsmarktliche Integration von Menschen mit komplexeren Problemlagen machte eine systematischere Zusammenarbeit zwischen den sozialen Sicherungssystemen notwendig. 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Es koordiniert die berufliche Eingliederung in der Schweiz und wirkt im Rahmen dieses politisch-strategischen Organs auf eine Optimierung der IIZ hin. Das Entwicklungs- und Koordinationsgremium mit den Vertretern der Fachverb\u00e4nde sorgt f\u00fcr die Weiterentwicklung sowie die koordinierte Umsetzung der IIZ in der Praxis. Die Fachstelle besteht aus vier Fachpersonen der betroffenen Bundes\u00e4mter sowie aus der Sozialhilfe. 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