{"id":105723,"date":"2018-11-22T11:00:09","date_gmt":"2018-11-22T11:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/11\/duemmler-12-2018fr\/"},"modified":"2024-04-02T16:21:34","modified_gmt":"2024-04-02T14:21:34","slug":"duemmler-12-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/11\/duemmler-12-2018\/","title":{"rendered":"Eine \u00fcberf\u00e4llige Markt\u00f6ffnung"},"content":{"rendered":"<p>Seit 2014 \u2013 f\u00fcnf Jahre nach der Strommarkt\u00f6ffnung f\u00fcr Grossbez\u00fcger \u2013 sollten auch die privaten Haushalte und Kleinunternehmen ihren Stromanbieter selbst w\u00e4hlen k\u00f6nnen. Doch das vor \u00fcber zehn Jahren abgegebene politische Versprechen des Bundesrates wurde bisher nicht eingel\u00f6st: Nach wie vor wird rund die H\u00e4lfte der Strommenge monopolistisch abgesetzt, das heisst, die Kleinbez\u00fcger sind an ihren lokalen Versorger gebunden.<\/p>\n<p>Eine der Erkl\u00e4rungen ist, dass die europ\u00e4ischen Strompreise \u2013 und damit auch die Preise in der Schweiz \u2013 aufgrund des Wirtschaftsabschwungs im Zuge der Finanzkrise stark unter Druck kamen. In dieser Situation waren die Schweizer Produzenten froh, zumindest die H\u00e4lfte der Strommenge nicht nur kostendeckend, sondern auch mit einem Gewinnaufschlag verkaufen zu k\u00f6nnen. Die Leidtragenden sind Millionen von Haushalten und Kleinunternehmern in der Schweiz.<\/p>\n<p>Die Zweiteilung des Strommarktes \u00abverf\u00fchrt\u00bb die Versorger zu kreativen Ans\u00e4tzen: G\u00fcnstig eingekaufter Strom wird oft nur an Grosskunden weitergegeben, da im Wettbewerb um diese gek\u00e4mpft werden muss. Demgegen\u00fcber wird der bislang oft teurere, selbst produzierte Strom den im Monopol bedienten Kleinkunden verkauft. Zwar hat das Bundesgericht vor einigen Jahren derartiges Verhalten sanktioniert, doch politisch sind Bestrebungen im Gange, f\u00fcr diese Gesch\u00e4ftspraxis die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.<\/p>\n<h2><strong>Doppelrolle der Kantone<\/strong><\/h2>\n<p>Analysiert man die Besitzverh\u00e4ltnisse der massgebenden Schweizer Stromproduzenten, f\u00e4llt auf, dass beinahe alle im Besitz von Kantonen oder Gemeinden sind. Aus Sicht des Stromkonsumenten wird man deshalb den Verdacht nicht los, dass die politische Doppelrolle der Kantone als Eigent\u00fcmer und Gesetzgeber die vollst\u00e4ndige Markt\u00f6ffnung wohl eher verz\u00f6gert denn beschleunigt hat.<\/p>\n<p>Die seit 2014 \u00abverlorenen Jahre\u00bb d\u00fcrften auch einen weiteren, volkswirtschaftlich negativen Effekt zur Folge gehabt haben: Im Gegensatz zum europ\u00e4ischen Ausland, dessen Stromm\u00e4rkte seit Jahren allen Konsumenten offenstehen, entwickelten Schweizer Versorger bisher nur vereinzelt neue, kundenorientierte L\u00f6sungen. Die M\u00f6glichkeiten der Digitalisierung kommen so bei den kleinen Stromkunden nicht an, und der fehlende Wettbewerb macht entsprechende Investitionen der Anbieter betriebswirtschaftlich unattraktiv.<\/p>\n<p>Diese Situation ist nicht nur f\u00fcr souver\u00e4ne Stromkonsumenten unbefriedigend, sondern letztlich auch f\u00fcr die Stromanbieter selbst. Die ausbleibende Produktentwicklung f\u00fchrt zu einem Innovationsr\u00fcckstand gegen\u00fcber ausl\u00e4ndischen Versorgern, die bereits \u00fcber jahrelange Erfahrungen im Kleinkundensegment verf\u00fcgen. Je l\u00e4nger die Markt\u00f6ffnung in der Schweiz hinausgez\u00f6gert wird, desto gr\u00f6sser f\u00e4llt der Wettbewerbsvorteil der ausl\u00e4ndischen Konkurrenz aus.<\/p>\n<p>Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die vollst\u00e4ndige Liberalisierung des Strommarktes ein Gebot der Stunde und sollte notfalls auch unabh\u00e4ngig von weiteren Reformen im Strommarkt rasch angegangen werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2014 \u2013 f\u00fcnf Jahre nach der Strommarkt\u00f6ffnung f\u00fcr Grossbez\u00fcger \u2013 sollten auch die privaten Haushalte und Kleinunternehmen ihren Stromanbieter selbst w\u00e4hlen k\u00f6nnen. 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