{"id":105815,"date":"2018-11-22T10:30:34","date_gmt":"2018-11-22T10:30:34","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/11\/buchmann-eberhard-hunziker-12-2018fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:00:38","modified_gmt":"2023-08-23T21:00:38","slug":"buchmann-eberhard-hunziker-12-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/11\/buchmann-eberhard-hunziker-12-2018\/","title":{"rendered":"Der Aargau beschreitet neue Wege"},"content":{"rendered":"<p>Das Ziel der Arbeitsmarktintegration ist es, stellensuchende Personen in die Gesellschaft zu (re)integrieren und finanziell eigenst\u00e4ndig zu machen. Neben der Arbeitslosenversicherung (ALV) setzen daher zunehmend weitere Akteure wie die Invalidenversicherung (IV), die Sozialdienste, private Eingliederungsinstitutionen und vermehrt auch die Migrationsbeh\u00f6rden auf die Arbeitsmarktintegration.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Anf\u00e4nge des Pilotprojekts \u00abPforte Arbeitsmarkt\u00bb liegen im Jahr 2007. Einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr das Projekt war der damals intensiv diskutierte Dreht\u00fcreffekt, also das Abschieben von Klienten in ein anderes soziales Sicherungssystem. Hinzu kamen weitere wichtige Themen wie etwa die 5. IV-Revision mit dem Fokus auf Eingliederung, der Anstieg der Sozialhilfefallzahlen in den Gemeinden und die teilweise schwierige Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Institutionen. Auch die Arbeitgeber beklagten sich damals \u00fcber einen zunehmenden Druck seitens privater und \u00f6ffentlicher Akteure, Pl\u00e4tze bereitzustellen f\u00fcr arbeitslose, gesundheitlich beeintr\u00e4chtigte oder ausgesteuerte Personen. Zudem w\u00fcnschten sie sich klarere Anlaufstellen f\u00fcr ihre Anliegen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Ruf nach einer st\u00e4rker koordinierten Arbeitsintegration zwischen den diversen Akteuren war und ist auch heute noch un\u00fcberh\u00f6rbar. Vor diesem Hintergrund entwickelte man im Aargau die Idee, die Arbeitsmarktintegration der drei gr\u00f6ssten Akteure \u2013 der ALV, der IV und der Sozialdienste der Gemeinden \u2013 unter einem Dach zusammenzufassen. Die Vision bestand aus drei Punkten: Die Stellensuchenden sollen gleichzeitig nie mehr als eine Beratungsperson haben, die Arbeitgebenden werden durch eine einzige Stelle beraten, und die Gemeinden erhalten verbesserte Leistungen f\u00fcr die Integration von Sozialhilfebeziehenden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAnfang April 2012 \u00f6ffnete das Pilotprojekt \u00abPforte Arbeitsmarkt\u00bb seine T\u00fcren; heute blickt es auf eine fast siebenj\u00e4hrige Erfolgsgeschichte zur\u00fcck. Mitarbeitende von IV und ALV sowie der zehn beteiligten Gemeinden arbeiten heute wie selbstverst\u00e4ndlich unter einem Dach zusammen und setzen die damalige Vision um. Befragte Arbeitgebende, Gemeinden, Klienten und Mitarbeitende sind mit den Leistungen des Projekts sehr zufrieden.&#13;<\/p>\n<h2>Projekt \u00abKooperation Arbeitsmarkt\u00bb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund der erfolgreichen Zusammenarbeit wurde bereits nach zwei Jahren Pilotbetrieb beschlossen, ein Projekt f\u00fcr eine gesamtkantonale Realisierung zu erarbeiten. Der Kanton Aargau steht heute kurz vor dessen Umsetzung: Aus dem Pilotprojekt \u00abPforte Arbeitsmarkt\u00bb wurde das Projekt \u00abKooperation Arbeitsmarkt\u00bb. Der neue Name steht f\u00fcr die Zusammenarbeit von Sozialversicherungsanstalt (SVA), Amt f\u00fcr Wirtschaft und Arbeit (AWA), Gemeinden und Arbeitgebenden. Das Konzept des Pilotprojektes wurde dabei so weit angepasst, dass eine grossfl\u00e4chige Umsetzung m\u00f6glich wird. Eine Zusammenf\u00fchrung unter einem gemeinsamen Dach ist dabei nicht mehr m\u00f6glich, insbesondere weil dies f\u00fcr die Institutionen und deren rechtliche Regelsysteme eine zu grosse H\u00fcrde gewesen w\u00e4re. R\u00e4umlich bleiben RAV und SVA\/IV getrennt, einzelne Mitarbeitende der IV werden zeitweise auch in den RAV arbeiten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Beratung aus einer Hand f\u00fcr Stellensuchende, Klienten und Arbeitgebende sowie die verbesserten Leistungen f\u00fcr die Gemeinden werden wie schon im Pilotprojekt aufrechterhalten. Ab dem 1. April 2019 wird die \u00abKooperation Arbeitsmarkt\u00bb an allen Standorten der RAV und der IV im Kanton Aargau umgesetzt.&#13;<\/p>\n<h2>Wissen und Kompetenzen teilen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kernkompetenzen von IV und RAV, insbesondere f\u00fcr die Integration von Menschen mit gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen bzw. mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt, werden wirksamer eingesetzt und Doppelspurigkeiten verhindert. Gewisse bundesrechtliche Aufgaben in der Arbeitsintegration werden zwischen SVA\/IV und den RAV neu verteilt. Das AWA und die IV betreiben eine gemeinsame Falltriage, welche von IV-Mitarbeitenden gef\u00fchrt wird. Diese Triage erm\u00f6glicht eine rasche und passende Fallzuteilung. So \u00fcbernimmt die IV f\u00fcr die RAV den Vollzug des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (Avig) und des Arbeitsvermittlungsgesetzes (AVG) f\u00fcr Personen, welche einen zeitgleichen Leistungsanspruch nach Avig\/AVG und bei der Invalidenversicherung haben. Hierf\u00fcr wird in der IV ein spezialisiertes Team f\u00fcr die Eingliederung geschaffen. Stellensuchende werden in Zukunft w\u00e4hrend des ganzen Integrationsprozesses durch eine spezialisierte Fachperson der SVA betreut, welche IV- und ALV-Leistungen koordiniert und zuspricht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Arbeitgeberbetreuung und die Akquisition von Stellen f\u00fcr die Klienten \u00fcbernimmt neu das AWA und entlastet so die IV. So haben Arbeitgebende mit den Arbeitgeberberatenden der \u00abKooperation Arbeitsmarkt\u00bb nur noch eine Ansprechperson auf den RAV f\u00fcr alle drei Institutionen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNicht alle Gemeinden verf\u00fcgen \u00fcber Ressourcen und Kenntnisse, um die Arbeitsintegrationsaufgaben selber zu leisten. Neu k\u00f6nnen die Gemeinden deshalb die RAV mit der Arbeitsintegration von Sozialhilfebeziehenden beauftragen (siehe <em>Kasten<\/em>). Spezialisierte Beratende der RAV \u00fcbernehmen Arbeitsintegrationsaufgaben f\u00fcr Klienten der Sozialdienste. Damit stehen den Gemeinden bei den RAV zus\u00e4tzliche Integrationsmassnahmen zur Verf\u00fcgung, die in Rechnung gestellt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit der \u00abKooperation Arbeitsmarkt\u00bb geht der Kanton Aargau in der interinstitutionellen Zusammenarbeit neue Wege, die weit \u00fcber die vom Gesetzgeber vorgesehene Koordination der Akteure hinausgehen. Die Zusammenarbeit zwischen IV, ALV und den Sozialdiensten der Gemeinden wird mit der \u00abKooperation Arbeitsmarkt\u00bb systematisiert und intensiviert. Sie legt den Fokus auf die betroffenen Menschen und Arbeitgeber statt auf institutionelle Grenzen und nutzt dabei gegenseitig Wissen, Erfahrung und Kompetenzen f\u00fcr die Arbeitsintegration und den Arbeitsplatzerhalt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie \u00abKooperation Arbeitsmarkt\u00bb mit den institutionen\u00fcbergreifenden und systematischen Prozessen erlaubt dabei auch Erweiterungen bzw. das Andocken von zus\u00e4tzlichen Aufgaben, wie sie sich z. B. aus der Integrationsagenda Schweiz ergeben. Eine intensivierte Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und den RAV dr\u00e4ngt sich auch mit der Stellenmeldepflicht auf. Stellensuchende Sozialhilfebeziehende k\u00f6nnen n\u00e4mlich nur dann von der Stellenmeldepflicht profitieren, wenn sie auf einem RAV angemeldet sind.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ziel der Arbeitsmarktintegration ist es, stellensuchende Personen in die Gesellschaft zu (re)integrieren und finanziell eigenst\u00e4ndig zu machen. Neben der Arbeitslosenversicherung (ALV) setzen daher zunehmend weitere Akteure wie die Invalidenversicherung (IV), die Sozialdienste, private Eingliederungsinstitutionen und vermehrt auch die Migrationsbeh\u00f6rden auf die Arbeitsmarktintegration.&#13; &#13; Die Anf\u00e4nge des Pilotprojekts \u00abPforte Arbeitsmarkt\u00bb liegen im Jahr 2007. 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Diese drei Phasen gestalten sich nach dem individuellen Integrationsbedarf der Klienten. Die Gemeinden erhalten vom RAV pro Phase eine Einsch\u00e4tzung f\u00fcr die Integration. Die Zusammenarbeit basiert auf verbindlichen Prozessen. F\u00fcr die Anmeldung dieser Klienten gelten definierte Minimumkriterien (z. B. Deutschkenntnisse, keine akute Suchtproblematik etc.). Das RAV kann, nach R\u00fccksprache mit dem Sozialdienst, einen Integrationsauftrag beenden, wenn die individuellen Voraussetzungen f\u00fcr eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration nicht mehr gegeben sind."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":105818,"main_focus":[156191,156942],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":105822,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"81729","post_abstract":"Das Amt f\u00fcr Wirtschaft und Arbeit, die Sozialversicherungsanstalt und zehn Aargauer Gemeinden betreiben seit 2012 das Pilotprojekt \u00abPforte Arbeitsmarkt\u00bb. Mitarbeitende von RAV, IV und Sozialdiensten arbeiten gemeinsam an der Arbeitsmarktintegration von stellensuchenden Personen. Durch die Umverteilung von Aufgaben auf nur noch eine Institution entf\u00e4llt der Koordinationsaufwand zwischen den Institutionen. Ab 2019 wird der Kanton Aargau mit dem leicht modifizierten Konzept \u00abKooperation Arbeitsmarkt\u00bb das Projekt auf den ganzen Kanton ausweiten. Diese Kooperation erm\u00f6glicht die Fokussierung auf die Kernkompetenzen der Institutionen, Stellensuchende profitieren von einem institutionen\u00fcbergreifenden, systematischen und schnellen Integrationsprozess.","magazine_issue":"12-2018","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[3988,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20181123","original_files":null,"external_release_for_author":"20181030","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5bb5cb37ab1e5"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105815"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3681"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=105815"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105815\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126113,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105815\/revisions\/126113"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3988"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4757"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4758"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3681"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156942"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156191"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21297"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=105815"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=105815"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=105815"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=105815"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=105815"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=105815"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}