{"id":105850,"date":"2018-11-22T10:05:38","date_gmt":"2018-11-22T10:05:38","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/11\/frank-12-2018fr\/"},"modified":"2024-04-02T16:26:01","modified_gmt":"2024-04-02T14:26:01","slug":"frank-12-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/11\/frank-12-2018\/","title":{"rendered":"Braucht es einen offenen Strommarkt?"},"content":{"rendered":"<p>Die EU findet klare Worte: kein Stromabkommen ohne vollst\u00e4ndige Markt\u00f6ffnung. Ob und allenfalls wann dieses Abkommen kommt, steht allerdings in den Sternen. Eine m\u00f6gliche Liberalisierung in der Schweiz nur davon abh\u00e4ngig zu machen, greift also zu kurz. Von den einen wird sie herbeigesehnt, von den andern verteufelt. Fakt ist: Die Totalliberalisierung wurde bereits 2009 vom Bundesrat proklamiert, aber bis heute nur st\u00fcckweise vollzogen und bleibt damit eine halbe Sache. Nun soll im Rahmen der Revision des Stromversorgungsgesetzes entschieden werden, ob halb f\u00fcr die Schweiz das Richtige ist oder ob aus halb doch ganz werden soll.<\/p>\n<p>Betrachtet man die Realit\u00e4t in den umliegenden L\u00e4ndern, stellt man fest: Trotz freien M\u00e4rkten wurden \u00fcberall St\u00fctz- und Lenkungsmechanismen eingef\u00fchrt \u2013 auch in Deutschland. Der \u00abEnergy only\u00bb-Markt scheint zwar oberfl\u00e4chlich betrachtet in der EU zu funktionieren, schafft aber auch dort keine Preissignale und damit auch keine Investitionsanreize.<\/p>\n<p>Was heisst das f\u00fcr die Schweiz? Eine Markt\u00f6ffnung darf nicht reiner Selbstzweck sein. Wesentlich ist, dass eine Grundlage definiert wird, die Investitionsanreize schafft, und man die Markt\u00f6ffnung in diesem Rahmen diskutiert. Es braucht funktionierende Preissignale, wozu auch die Bepreisung von Versorgungssicherheit geh\u00f6ren k\u00f6nnte \u2013 der Kunde k\u00f6nnte dann w\u00e4hlen, wie viel ihm eine l\u00fcckenlose Versorgung wert ist.<\/p>\n<p>Dass er kein Recht hat, zu w\u00e4hlen, ist dem Konsumenten grunds\u00e4tzlich schwer erkl\u00e4rbar. W\u00fcrde ich mir vorschreiben lassen, nur noch Erdbeer- oder Himbeerjoghurt bei dem oder jenem Detailh\u00e4ndler einzukaufen? Das eben entdeckte Ananas-Pfefferminz-Joghurt aus der neuen Molkerei k\u00f6nnte ich gleich wieder von der Einkaufsliste streichen. Staatliche Vorgaben, wo man seine Grundnahrungsmittel einzukaufen hat, w\u00e4ren undenkbar. Ist das beim Strom anders? Ein offener Markt f\u00f6rdert Innovation. Er f\u00f6rdert die Anstrengungen, f\u00fcr den Konsumenten die beste Adresse zu sein und zu bleiben.<\/p>\n<h2><strong>Zukunft ist digital und dezentral<\/strong><\/h2>\n<p>Innovation wird in der Branche zuk\u00fcnftig gefragt sein wie noch nie. Die Energiewelt von morgen ist dezentraler und digitaler. Technologische Entwicklung und Digitalisierung werden uns fordern. Sie finden statt \u2013 mit oder ohne uns \u2013, und sie werden Wege finden, den nur teilliberalisierten Markt zu umgehen und auszuh\u00f6hlen. Themen wie Eigenverbrauch, Cybersecurity oder Blockchain werden den noch nicht liberalisierten Teil des Marktes br\u00f6ckeln lassen und umgehen seine Mechanismen schon heute wirksam. Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit eines Anbieters wird sich darin zeigen, wie er mit diesen Herausforderungen umgeht.<\/p>\n<p>In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob eine vollst\u00e4ndige Markt\u00f6ffnung wirklich die grosse Herausforderung und damit die entscheidende Frage ist. Oder ob sie letztlich eine Folge von viel gr\u00f6sseren Ver\u00e4nderungen ist, die so oder so auf uns zukommen. Ver\u00e4nderungen, die andere F\u00e4higkeiten und Anstrengungen brauchen werden und auf die wir Antworten finden m\u00fcssen, ob es uns gef\u00e4llt oder nicht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU findet klare Worte: kein Stromabkommen ohne vollst\u00e4ndige Markt\u00f6ffnung. Ob und allenfalls wann dieses Abkommen kommt, steht allerdings in den Sternen. Eine m\u00f6gliche Liberalisierung in der Schweiz nur davon abh\u00e4ngig zu machen, greift also zu kurz. Von den einen wird sie herbeigesehnt, von den andern verteufelt. 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