{"id":105899,"date":"2018-10-24T11:07:07","date_gmt":"2018-10-24T11:07:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/10\/hofer-11-2018fr\/"},"modified":"2024-04-02T16:27:27","modified_gmt":"2024-04-02T14:27:27","slug":"hofer-11-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/10\/hofer-11-2018\/","title":{"rendered":"Nachhaltige Investitionen vorantreiben"},"content":{"rendered":"<p>Der globale Ressourcenverbrauch ist nicht nachhaltig: Gem\u00e4ss WWF und Global Footprint Network hat der Planet bereits Anfang August mehr Ressourcen verbraucht, als er im gesamten Jahr wird regenerieren k\u00f6nnen. Gegenw\u00e4rtige Treibhausgasemissionen f\u00fchren zu einer globalen Klimaerw\u00e4rmung von 3 bis 4 Grad Celsius bis Ende des 21. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Das im Dezember 2015 von 195 L\u00e4ndern unterzeichnete Pariser Klima\u00fcbereinkommen will die Erw\u00e4rmung deshalb auf deutlich weniger als 2 Grad Celsius begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es zus\u00e4tzliche Investitionen. Insbesondere sind die Finanzfl\u00fcsse klimavertr\u00e4glich auszurichten.<\/p>\n<h2><strong>EU greift ein<\/strong><\/h2>\n<p>Alleine in den EU-Staaten sind zus\u00e4tzliche Investitionen in der H\u00f6he von 180 Milliarden Euro pro Jahr n\u00f6tig, wie die EU-Kommission am 8. M\u00e4rz 2018 in ihrem <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/info\/business-economy-euro\/banking-and-finance\/sustainable-finance_de#commission-action-plan-on-sustainable-finance\">Aktionsplan<\/a> zur Finanzierung eines nachhaltigen Wachstums schreibt. Gem\u00e4ss dem Aktionsplan sollen erstens Kapitalfl\u00fcsse auf nachhaltige Investitionen umgelenkt werden. Zweitens gilt es finanzielle Risiken zu bew\u00e4ltigen, die sich aus Klimawandel, Umweltzerst\u00f6rung, Ressourcenknappheit und sozialen Problemen ergeben, und drittens sollen Real- und Finanzwirtschaft nachhaltiger und transparenter werden.<\/p>\n<p>Der EU-Massnahmenkatalog ist umfassend. Ein einheitliches Klassifikationssystem (\u00abTaxonomie\u00bb) bildet dabei die Grundlage f\u00fcr k\u00fcnftige Regulierungen. Mit einer EU-Norm f\u00fcr \u00abgr\u00fcne\u00bb Anleihen, einem EU-Umweltlabel und der Vereinheitlichung von CO<sub>2<\/sub>-Benchmarks will die EU das Vertrauen des Marktes in nachhaltige Finanzprodukte st\u00e4rken. Nachhaltigkeitserw\u00e4gungen sollen bei der Beratung eine gr\u00f6ssere Rolle spielen, und die treuh\u00e4nderische Pflicht von institutionellen Anlegern und Verm\u00f6gensverwaltern soll um Nachhaltigkeitsaspekte erweitert werden. Auch Ratingagenturen sollen Nachhaltigkeitsfaktoren bei der Bewertung der Kreditw\u00fcrdigkeit st\u00e4rker ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Erste auf dem Aktionsplan basierende Regulierungsvorschl\u00e4ge hat die EU-Kommission bereits wenige Wochen nach der Publikation des Aktionsplans am 24. Mai 2018 erlassen. Diese betreffen die Taxonomie, die Offenlegung von Informationen \u00fcber nachhaltige Investitionen und Nachhaltigkeitsrisiken sowie CO<sub>2<\/sub>-Benchmarks.<\/p>\n<h2><strong>Positive Reaktion der Branche<\/strong><\/h2>\n<p>In der EU hat die Finanzbranche vorwiegend positiv auf den Aktionsplan reagiert. So erhofft sich beispielsweise der Bundesverband deutscher Banken davon verl\u00e4ssliche Rahmenbedingungen f\u00fcr nachhaltige Anlagen und Finanzierungen. F\u00fcr den Branchenverband sind nun bei der Umsetzung die Reihenfolge der Massnahmen, die Einbindung aller Stakeholder und die Ber\u00fccksichtigung bestehender Standards entscheidend.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich eines \u00abGreen Supporting Factor\u00bb \u2013 der positiven Bewertung gr\u00fcner Finanzierungen bei den Eigenkapitalanforderungen von Banken und Versicherungen \u2013 zeigen sich die europ\u00e4ischen Bankenverb\u00e4nde zur\u00fcckhaltender. Die Massnahme wird zuweilen kritisiert, sie k\u00f6nne die Finanzstabilit\u00e4t gef\u00e4hrden. Ein weiterer Kritikpunkt am Aktionsplan ist, das Nachhaltigkeitsthema werde auf den Klimawandel reduziert.<\/p>\n<h2><strong>Schweiz setzt auf Freiwilligkeit<\/strong><\/h2>\n<p>Auch in der Schweiz setzt sich die Erkenntnis durch, dass neben der Realwirtschaft auch die Finanzwirtschaft bei der Eind\u00e4mmung des Klimawandels und der Finanzierung einer nachhaltigen Entwicklung einbezogen werden muss. Bereits 2014 wurde der Branchenverband Swiss Sustainable Finance (SSF) gegr\u00fcndet, der die Position der Schweiz als nachhaltigen Finanzplatz st\u00e4rken will. Im Jahr 2016 ver\u00f6ffentlichte das Bundesamt f\u00fcr Umwelt (Bafu) konkrete Vorschl\u00e4ge f\u00fcr einen <a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/bafu\/de\/home\/themen\/wirtschaft-konsum\/publikationen-studien\/publikationen\/vorschlaege-fahrplan-finanzsystem-schweiz.html\">Fahrplan<\/a> zu einem nachhaltigen Finanzsystem in der Schweiz.<\/p>\n<p>In der Politik werden nachhaltige Finanzen ebenfalls vermehrt zu einem Thema, wie diverse Interpellationen von Parlamentariern zeigen. Die Antworten des Bundesrates machen deutlich, dass er die Finanzbranche in der Schweiz prim\u00e4r \u00fcber Freiwilligkeit, Transparenz und Dialog dazu ermutigen will, zu einer nachhaltigen Entwicklung und zur Eind\u00e4mmung des Klimawandels beizutragen. Ein Beispiel f\u00fcr diesen subsidi\u00e4ren Ansatz sind die vom Bafu und vom Staatssekretariat f\u00fcr Internationale Finanzfragen (SIF) 2017 initiierten, kostenlosen Klimavertr\u00e4glichkeitstests: Pensionskassen und Versicherungen k\u00f6nnen so ihre Portfolios auf die Klimavertr\u00e4glichkeit \u00fcberpr\u00fcfen. Um die Transaktionskosten von Klimavertr\u00e4glichkeitstests zu senken und die Transparenz im Markt zu steigern, setzt sich der Bund zudem f\u00fcr die Schaffung einer internationalen Norm zur Messung der Klimawirkung von Investitionen und Finanzierungen ein (ISO-Standard 14097).<\/p>\n<p>Es ist nun zu w\u00fcnschen, dass der Aktionsplan der EU die Diskussion \u00fcber Nachhaltigkeit im Finanzwesen auch in der Schweiz verst\u00e4rkt \u2013 denn a priori ist gegen das Anliegen und die Stossrichtung der EU-Kommission nichts einzuwenden. Vielmehr k\u00f6nnten sich von der EU abweichende Schweizer Regelungen und Standards negativ auf den hiesigen Finanzplatz auswirken. Will sich die Schweiz weiterhin glaubw\u00fcrdig als nachhaltiger Finanzplatz positionieren und entsprechende Chancen nutzen, muss sie eine Antwort auf den EU-Aktionsplan entwickeln.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der globale Ressourcenverbrauch ist nicht nachhaltig: Gem\u00e4ss WWF und Global Footprint Network hat der Planet bereits Anfang August mehr Ressourcen verbraucht, als er im gesamten Jahr wird regenerieren k\u00f6nnen. Gegenw\u00e4rtige Treibhausgasemissionen f\u00fchren zu einer globalen Klimaerw\u00e4rmung von 3 bis 4 Grad Celsius bis Ende des 21. Jahrhunderts. 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