{"id":105943,"date":"2018-10-24T11:07:06","date_gmt":"2018-10-24T11:07:06","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/10\/denzler-ischer-11-2018fr\/"},"modified":"2025-06-16T13:31:29","modified_gmt":"2025-06-16T11:31:29","slug":"mit-investitionen-und-preismechanismen-gegen-den-klimawandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/10\/mit-investitionen-und-preismechanismen-gegen-den-klimawandel\/","title":{"rendered":"Mit Investitionen und Preismechanismen gegen den Klimawandel"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz unterst\u00fctzt Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder beim Kampf gegen den Klimawandel. Mit der wirtschaftlichen Zusammenarbeit bezweckt das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) unter anderem, dass sich die lokale Bev\u00f6lkerung und die Wirtschaft in den Partnerstaaten an die Folgen der Klimaerw\u00e4rmung anpassen k\u00f6nnen. Damit will die Schweiz zu einem nachhaltigen und inklusiven Wirtschaftswachstum beitragen, welches allen Bev\u00f6lkerungsgruppen zugutekommt und nicht zulasten zuk\u00fcnftiger Generationen geht.<\/p>\n<p>An der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen haben die Industriel\u00e4nder zugesagt, ab 2020 j\u00e4hrlich 100 Milliarden Dollar f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung des Klimawandels in Entwicklungsl\u00e4ndern aufzubringen. Der Bundesrat schl\u00e4gt in seinem Bericht \u00abInternationale Klimafinanzierung\u00bb vom Mai 2017 vor, dass sich die Schweiz mit 450 bis 600 Millionen pro Jahr beteiligt \u2013 basierend auf dem Schweizer Anteil von 0,3 Prozent an den Treibhausgasemissionen der Industriel\u00e4nder sowie 0,9 Prozent an deren BIP. Der Bundesrat gewichtet das Verursacherprinzip also st\u00e4rker als die Kaufkraft.<\/p>\n<p>In den Jahren 2013 bis 2016 betrugen die \u00f6ffentlichen und die vom Bund mobilisierten privaten Mittel f\u00fcr den globalen Klimaschutz durchschnittlich etwa 400 Millionen Dollar pro Jahr. Rund die H\u00e4lfte davon steuerte die bilaterale Zusammenarbeit des Seco und der Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) bei. Etwa ein Viertel machten Beitr\u00e4ge an multilaterale Organisationen wie die International Development Association (IDA) sowie Gelder an Regionalbankenfonds und Umweltfonds wie die Globale Umweltfazilit\u00e4t (GEF) und den Gr\u00fcnen Klimafonds GCF) aus. Ein weiteres Viertel betrifft von Entwicklungsbanken mobilisierte private Mittel.<\/p>\n<h2><strong>Investitionen ankurbeln<\/strong><\/h2>\n<p>Da die \u00f6ffentlichen Entwicklungshilfemittel der Schweiz stagnieren und neue Finanzierungsquellen f\u00fcr den globalen Klimaschutz wie zweckgebundene Abgaben derzeit politisch wenig Chancen haben, muss nach M\u00f6glichkeiten gesucht werden, das Finanzierungsziel zu erreichen. Ein Weg f\u00fchrt \u00fcber die Klimaaktionspl\u00e4ne der multilateralen Entwicklungsbanken, in deren Aufsichtsgremien die Schweiz sich f\u00fcr eine ambitionierte Klimapolitik starkmacht. Die Klimaaktionspl\u00e4ne umfassen Einschr\u00e4nkungen von Kohlekraft, die F\u00f6rderung erneuerbarer Energien \u2013 viele Entwicklungsl\u00e4nder haben hervorragendes Potenzial f\u00fcr Wasser, Wind und Sonne \u2013 und des Energiesparens, nachhaltiges Ressourcen- und Waldmanagement, aber auch Zielvorgaben zum Klimaanteil im Portfolio jeder Entwicklungsbank. Diese Strategievorgaben beginnen nun zu greifen: 2017 bewilligten die multilateralen Banken 33 Milliarden Dollar an klimarelevanten Beitr\u00e4gen \u2013 gegen\u00fcber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von 29 Prozent.<\/p>\n<p>Ebenfalls noch nicht ausgesch\u00f6pft ist das Potenzial bei den privaten Investitionen. Entwicklungsgelder m\u00fcssen im Idealfall so eingesetzt werden, dass sie private Investitionen mobilisieren und M\u00e4rkte schaffen \u2013 \u00abfrom billions to trillions\u00bb. Die Schweiz unterst\u00fctzt deshalb Bem\u00fchungen, weltweit g\u00fcnstige Rahmenbedingungen f\u00fcr Klimainvestitionen zu schaffen. So gilt es, Marktverzerrungen im Energiesektor abzuschaffen. Hilfreich sind auch \u00abGreen Bonds\u00bb und ressourcen- und klimaschonende Standards in globalen Wertsch\u00f6pfungsketten. Gemeinsam mit dem Bundesamt f\u00fcr Umwelt (Bafu) und der Deza erstellt das Seco gegenw\u00e4rtig ein Konzept, welches neue potenzielle Instrumente und Partnerschaften mit dem Privatsektor im Klimaschutz aufzeigen soll.<\/p>\n<h2><strong>Preismechanismen st\u00e4rken<\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr eine nachhaltige und kosteneffiziente Reduktion von Treibhausgasen sind aus \u00f6konomischer Sicht Preismechanismen sinnvoll. Indem man die negativen Folgen der Verwendung von fossilen Energietr\u00e4gern einpreist, wird ein Anreiz geschaffen, auf emissionsarme Produktionsweisen umzusteigen. Die Palette von Preismechanismen ist breit: Die CO<sub>2<\/sub>-Preise k\u00f6nnen beispielsweise \u00fcber Steuern, \u00fcber ein Emissionshandelssystem, \u00fcber Kompensationsgesch\u00e4fte oder \u00fcber einen internationalen Markt gesteuert werden. Die Konzipierung und die Implementierung von Preismechanismen sind komplex \u2013 was insbesondere Entwicklungsl\u00e4nder vor grosse Herausforderungen stellt.<\/p>\n<p>Ein internationaler CO<sub>2<\/sub>-Markt hilft den Staaten, ihre nationalen Emissionsreduktionsziele (Nationally Determined Contribution; oder NDC) kosteng\u00fcnstiger zu erreichen. Nach Berechnungen der Weltbank w\u00fcrden sich die Kosten mit einem internationalen CO<sub>2<\/sub>-Markt bis 2030 um ein Drittel und bis 2050 gar um die H\u00e4lfte reduzieren.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Die Schweiz ist auf einen effizienten und gut funktionierenden internationalen CO<sub>2<\/sub>-Markt angewiesen, um ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen. So will der Bundesrat die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen bis ins Jahr 2030 im Vergleich zum Basisjahr 1990 um die H\u00e4lfte senken \u2013 wobei 20 Prozentpunkte mit Senkungen im Ausland erzielt werden sollen.<\/p>\n<h2><strong>Schweiz unterst\u00fctzt Weltbank-Initiativen<\/strong><\/h2>\n<p>Das Seco unterst\u00fctzt Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder bereits seit L\u00e4ngerem beim Aufbau von CO<sub>2<\/sub>-Preismechanismen. Zu diesem Zweck engagiert sich die Schweiz zusammen mit weiteren Geberl\u00e4ndern in mehreren Weltbank-Initiativen. So hat die Partnership for Market Readiness (PMR) zum Ziel, Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder bei der anspruchsvollen Aufgabe zu unterst\u00fctzen, CO<sub>2<\/sub>-Preismechanismen zu konzipieren und zu implementieren. Dazu stellt sie Grundlagenwissen bereit und erstellt Studien, die den L\u00e4ndern als Wissensbasis f\u00fcr ihren eigenen Entscheidungsprozess dienen. Des Weiteren werden die Konzipierung sowie die Implementierung technischer Grundbausteine gef\u00f6rdert, die f\u00fcr das Funktionieren von CO<sub>2<\/sub>-Preismechanismen relevant sind. Beispiele sind Monitoring, Reporting und Verifikationssysteme, Emissionsinventare oder Emissionshandelsregister.<\/p>\n<p>Zusammen mit der Schweizerischen Stiftung Klimarappen engagiert sich das Seco zudem in der Weltbank-Initiative Transformative Carbon Asset Facility (TCAF). Diese strebt die Umsetzung konkreter CO<sub>2<\/sub>-Emissionsminderungsmassnahmen in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern sowie den internationalen Transfer von Bescheinigungen von Emissionsminderungen an. Bei der Erzeugung der Bescheinigungen sollen innovative Ans\u00e4tze getestet werden, die die neue Realit\u00e4t des 2016 in Kraft getretenen Pariser Klimaabkommens reflektieren. Dabei gilt es, sowohl die Doppelz\u00e4hlungen von international gehandelten Bescheinigungen von Emissionsminderungen zu verhindern und deren Umweltintegrit\u00e4t zu sichern als auch einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gastl\u00e4nder zu leisten. Gerade bei diesen technischen Fragen k\u00f6nnen die Pilotaktivit\u00e4ten im Rahmen von TCAF wichtige Hinweise f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Ausgestaltung der Marktmechanismen im Rahmen des Pariser Abkommens liefern.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Aspekt bei TCAF betrifft die konkrete Zusammenarbeit von TCAF-Experten mit potenziellen Gastl\u00e4ndern. Dabei geht es neben der Sichtung von Klimaprojekten um die Erarbeitung eines vertieften Verst\u00e4ndnisses der mit den nationalen Emissionsreduktionszielen einhergehenden Implikationen. Viele Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder befinden sich aktuell in einer Phase, in der die bereits eingereichten Ziele mit Massnahmenpl\u00e4nen unterlegt werden, die Emissionsreduktion in spezifische Sektoren vorsehen. Diese Staaten m\u00fcssen sich nun \u00fcberlegen, ob sie an einem internationalen Transfer von Emissionsminderungsbescheinigungen interessiert sind. Wenn ja, m\u00fcssen sie sich fragen, in welchen Sektoren Projekte umgesetzt werden sollen. Des Weiteren stellt sich rasch die Preisfrage: Zu welchem Betrag sollen Bescheinigungen verkauft werden? Aus der Optik eines Entwicklungslandes mit Emissionszielen wird dabei rasch klar, dass nicht die kosteng\u00fcnstigsten Massnahmen f\u00fcr den internationalen Verkauf vorgesehen sein werden \u2013 denn diese wird das Land selber umsetzen wollen. Deshalb werden Kooperationen im Rahmen eines internationalen CO<sub>2<\/sub>-Marktes wohl eher in verh\u00e4ltnism\u00e4ssig teuren Sektoren \u2013 oder dort, wo ein sozialer Zusatznutzen anf\u00e4llt \u2013 zum Zuge kommen.<\/p>\n<h2><strong>Internationales Regelwerk ist n\u00f6tig<\/strong><\/h2>\n<p>Mit seinem Engagement bei den genannten Weltbank-Initiativen leistet das Seco nicht nur einen wichtigen Beitrag beim Aufbau von CO<sub>2<\/sub>-Preismechanismen in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern, sondern f\u00f6rdert auch die Entstehung eines internationalen CO<sub>2<\/sub>-Marktes. Dennoch bleiben die Herausforderungen auf dem Weg in Richtung internationaler Handel von Emissionsminderungsbescheinigungen gross. Am offensichtlichsten ist das beim nach wie vor fehlenden internationalen Regelwerk, \u00fcber das im Rahmen der Verhandlungen zur konkreten Ausgestaltung des Pariser Abkommens noch debattiert wird. Hinzu kommen spezifische technische und konzeptionelle Herausforderungen. Dies betrifft zum Beispiel Aspekte wie die Verhinderung von Doppelz\u00e4hlungen, das Setzen von Baselines oder die St\u00e4rkung der Umweltintegrit\u00e4t. Grunds\u00e4tzlich besteht im Zusammenhang mit Klimaprojekten speziell aufseiten potenzieller Gastl\u00e4nder noch viel Kl\u00e4rungsbedarf. Bevor Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder von einem internationalen CO<sub>2<\/sub>-Markt profitieren k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie Klarheit dar\u00fcber haben, wie sie ihre eigenen Klimaziele erreichen wollen. Dazu m\u00fcssen sie beispielsweise festlegen, wie viele Bescheinigungen von Emissionsminderungen pro Periode und aus welchen Sektoren ver\u00e4ussert werden sollen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Weltbank (2016), State and Trends of Carbon Pricing, S. 80.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz unterst\u00fctzt Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder beim Kampf gegen den Klimawandel. Mit der wirtschaftlichen Zusammenarbeit bezweckt das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) unter anderem, dass sich die lokale Bev\u00f6lkerung und die Wirtschaft in den Partnerstaaten an die Folgen der Klimaerw\u00e4rmung anpassen k\u00f6nnen. 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Ein m\u00f6glichst kosteneffizientes Erf\u00fcllen der Klimaziele setzt zudem einen funktionierenden CO<sub>2<\/sub>-Markt und Preismechanismen voraus. Diese erlauben das Einpreisen der negativen Folgen, die bei der Verwendung von fossilen Energietr\u00e4gern entstehen, und setzen Anreize zur Verwendung von emissions\u00e4rmeren Technologien und Produktionsformen. 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