{"id":106159,"date":"2018-09-24T11:00:14","date_gmt":"2018-09-24T11:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/09\/kurz-10-2018fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:01:06","modified_gmt":"2023-08-23T21:01:06","slug":"verhaltensoekonomie-kurz-10-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/09\/verhaltensoekonomie-kurz-10-2018\/","title":{"rendered":"Der Homo oeconomicus \u2013 eine bedrohte Spezies?"},"content":{"rendered":"<p>\u00abAus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden\u00bb, schrieb Immanuel Kant (1784). Auf die Wirtschaftswissenschaft bezogen, k\u00f6nnte man sagen: W\u00e4hrend die klassische National\u00f6konomie um das krumme Holz \u2013 den realen Menschen \u2013 kreist, ist die Neoklassik hartn\u00e4ckig darum bem\u00fcht, daraus etwas ganz Gerades zu zimmern. Die Verhaltens\u00f6konomik hat das krumme Holz wiederentdeckt und erforscht mit neuen Methoden weitere Kr\u00fcmmungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Blick zur\u00fcck ergibt Folgendes: Aristoteles zufolge ist der Mensch von Natur aus ein politisches Wesen. In der geschichteten Gesellschaft des griechischen Stadtstaates kommt einem jeden Menschen \u2013 vom Herrn bis zum Sklaven \u2013 ein wohl definierter Platz zu. Die Einhaltung des Platzes ist eine Voraussetzung f\u00fcr das \u00abgute Leben\u00bb der Vollb\u00fcrger und die Reproduktion des Gemeinwesens. Die \u00abnaturgem\u00e4sse Erwerbskunst\u00bb dient diesem Zweck und hat somit ein endliches Ziel, w\u00e4hrend die \u00abunnat\u00fcrliche Erwerbskunst\u00bb danach trachtet, Reichtum und Geld \u00abbis ins Grenzenlose zu vermehren\u00bb.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Hier begegnet uns ein Ahnherr des Homo oeconomicus, wie ihn John Stuart Mill dereinst nennen sollte. Dieser wird als sozialer St\u00f6renfried ausgemacht, als pathologischer Fall, dessen Tun \u00abnicht auf die Natur gegr\u00fcndet ist\u00bb und der Gewinn von anderen zieht. Der in griechischer Philosophie bestens bewanderte Karl Marx (1867) sollte dereinst von \u00abAusbeutung\u00bb sprechen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>\u00abEine Ansammlung von Widerspr\u00fcchen\u00bb<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWas wissen Mitbegr\u00fcnder der klassischen Politischen \u00d6konomie wie David Hume und Adam Smith \u00fcber das krumme Holz zu sagen? Beide stellen ihrer \u00d6konomik eine empirisch fundierte Anthropologie voran, \u00abHume im Treatise of Human Nature\u00bb (1738\u20131740), Smith in der \u00abTheory of Moral Sentiments\u00bb (1759). Alle Wissenschaft, schreibt Hume, basiere auf Erfahrung, Beobachtung und Experiment. Als Aufkl\u00e4rer setzt er grunds\u00e4tzlich auf Vernunft und Reflexion. Diese w\u00fcrden jedoch oftmals von angeborenen Instinkten beherrscht und machten die Vernunft zur Sklavin der Leidenschaften.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWelche Motive bewegen den Menschen, sich anzustrengen? Gem\u00e4ss Hume sind es insbesondere die folgenden vier: Der Mensch muss konsumieren, um zu \u00fcberleben; er kommt nicht umhin, seinen Leidenschaften zu fr\u00f6nen; er will handeln und sich Herausforderungen stellen; und er will Gewinn machen. Die relative Bedeutung dieser Antriebe \u00e4ndert sich mit dem Entwicklungsstand der Gesellschaft. In einem fr\u00fchen Stadium dominieren die ersten beiden, sp\u00e4ter der dritte und in der entfalteten modernen Gesellschaft schliesslich der vierte. Der Homo oeconomicus steht demnach nicht am Anfang der Entwicklung \u2013 er ist vielmehr ihr Ergebnis. Dabei ist der Mensch selbst auf der vierten Stufe kein nur auf \u00f6konomische Interessen reduzierbares Wesen: Er ist kein einfacher Hedonist, sondern ein durch multiple, dimensional verschiedenartige Motive gekennzeichneter Akteur \u2013 ein \u00abmultiples Selbst\u00bb (Jon Elster). Hume weiss um die konfligierenden Motive des Menschen und nennt diesen \u00abeine Ansammlung von Widerspr\u00fcchen\u00bb, ein rastloses Wesen, das nicht immer nur zu seinem Besten agiert. Die vom im letzten Jahr verstorbenen US-\u00d6konomen Kenneth Arrow betonte Unm\u00f6glichkeit der konsistenten Aggregation von Pr\u00e4ferenzen verschiedener Akteure trifft somit bereits auf den einzelnen, in verschiedenen Rollen t\u00e4tigen Menschen zu: Der \u00abrepr\u00e4sentative Akteur\u00bb der konventionellen Makro\u00f6konomik ist reine Fiktion und mit ihm die abgeleiteten Resultate.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Selbstsucht ist nicht nachhaltig<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit Hume nicht immer einer Meinung, sucht auch Smith die Moral auf verhaltenswissenschaftlicher Grundlage zu erfassen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Das Argument kreist um die angeborene F\u00e4higkeit des Menschen zur Sympathie \u2013\u00a0zum Mitleid und zur Mitfreude mit anderen. Sie ist nicht gleichbedeutend mit Altruismus und auch nicht immer lobenswert. Die einseitige Sympathie des Menschen mit den M\u00e4chtigen und Reichen stabilisiert Herrschaft und gegebenenfalls Tyrannei und ist f\u00fcr Smith Ausdruck der \u00abKorruption\u00bb moralischer Gef\u00fchle.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSympathie \u00fcberwindet den reinen Selbstbezug und l\u00f6st moralische Lernprozesse aus. Mit welchen Motiven und Handlungsweisen w\u00fcrde ein unparteiischer Beobachter sympathisieren? Laut Smith h\u00e4ngt dies von der Handlungssituation ab: In einem Fall gilt die Sympathie des Beobachters Handlungsweisen, die von kluger Wahrnehmung des Eigeninteresses geleitet werden, in einem anderen solchen, die auf Wohlwollen beruhen, in einem dritten fordert er bedingungslos Gerechtigkeit und so weiter. Kurz: Der Versuch der Reduktion aller Handlungsprinzipien auf ein Metaprinzip muss scheitern \u2013 allzu unterschiedlich sind die fraglichen Situationen und jeweils angemessenen moralischen Gef\u00fchle. Beim \u00abNutzen\u00bb kann es sich somit nicht um das alles beherrschende Prinzip handeln. Smith wirft Hume vor, in dieser Hinsicht zu weit gegangen zu sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der \u00abkommerziellen Gesellschaft\u00bb werde ein jeder mehr oder weniger zum H\u00e4ndler, schreibt Smith im Wealth of Nations (1776). Zwar spielt darin die auf Profiterzielung ausgerichtete Marktlogik eine wachsende Rolle, aber sie ist gleichwohl nicht frei von Moral, wie Bernard Mandeville in seiner \u00abBienenfabel\u00bb (1705) f\u00e4lschlich angenommen hatte. Denn: Die r\u00fccksichtslose Verfolgung des Eigeninteresses w\u00fcrde das Vertrauen der Akteure ineinander ersch\u00fcttern, ihre Zusammenarbeit untergraben und den Wohlstand gef\u00e4hrden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNeben ehrbaren Kaufleuten gibt es gewiss auch Gauner und Spitzbuben: Wie l\u00e4sst sich der Anteil der Ersteren erh\u00f6hen? Hier kommen Smith zufolge Staat und Gesetzgeber ins Spiel: Sie definieren den Ordnungsrahmen und die Institutionen der Marktgesellschaft, haben f\u00fcr Gerechtigkeit zu sorgen, sozial sch\u00e4dliches Verhalten einzud\u00e4mmen und sozial n\u00fctzliches zu f\u00f6rdern. Das Verhalten der Akteure ist nicht unabh\u00e4ngig von der Verfasstheit der Gesellschaft und von den einge\u00fcbten Normen und Vorstellungen dar\u00fcber, was sittlich geboten ist und was nicht.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Das Adam-Smith-Problem<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEnthalten \u00abTheory of Moral Sentiments\u00bb und \u00abWealth of Nations\u00bb zwei einander widersprechende Menschenbilder \u2013 hier der wohlwollende, altruistische, pflichtbewusste und nach Gerechtigkeit strebende Mensch, dort der egoistische, kaltherzige H\u00e4ndler? Nein \u2013 das sogenannte Adam-Smith-Problem ist frei erfunden. In beiden Werken werden unterschiedliche Handlungssituationen er\u00f6rtert, die unterschiedliche Verhaltensweisen erfordern. Ein Kaufmann tut gut daran, sein Gesch\u00e4ftsziel zu verfolgen, um nicht von der Konkurrenz aus dem Markt gedr\u00e4ngt zu werden. Aber er tut auch gut daran, sich um seinen Ruf zu sorgen, um sich die Gunst seiner Kunden und Lieferanten zu erhalten. Die kluge Verfolgung des Eigeninteresses steht im \u00abWealth of Nations\u00bb zwar im Vordergrund, aber es ist nicht das einzige Motiv.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSmith zeigt ein grosses Mass an Menschenkenntnis und er\u00f6rtert zahlreiche der in der Verhaltens\u00f6konomik von Vernon Smith, Daniel Kahneman und Amos Tversky, Richard Thaler, Ernst Fehr und anderen diskutierten Ph\u00e4nomene. So sind die Akteure bei Adam Smith typischerweise von Herkunft und Milieu gepr\u00e4gt, myopisch, unterliegen kognitiven Verzerrungen verschiedener Art, neigen zur \u00dcbersch\u00e4tzung ihrer eigenen F\u00e4higkeiten und sind \u00fcbertrieben selbstsicher. Oder sie h\u00e4ngen am Besitz und leiden unter Verlustaversion, ahmen die Reichen und M\u00e4chtigen nach, die sich vom Rest der Bev\u00f6lkerung abzugrenzen versuchen, wollen gelobt werden und wetteifern um Reputation, pochen auf Fairness und Einhaltung der Regeln und vieles mehr.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSmith zufolge sind gewaltige gesellschaftliche Umbr\u00fcche zum Beispiel auf selbsts\u00fcchtiges, aber auf lange Sicht gesehen unkluges Verhalten einer ganzen Klasse von Akteuren, der Feudalaristokratie, zur\u00fcckzuf\u00fchren. Den Verlockungen neu verf\u00fcgbarer Status- und Luxusg\u00fcter erliegend, tauscht sie, ohne es zu beabsichtigen, \u00abnach und nach ihre ganze Macht und Stellung f\u00fcr die Befriedigung der kindischsten, gew\u00f6hnlichsten und niedrigsten aller Eitelkeiten ein\u00bb.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Nicht intendierte Konsequenzen menschlichen Handelns \u2013 ein zentrales Thema der schottischen Aufkl\u00e4rung \u2013 sind wichtig und in mancher Hinsicht wichtiger als intendierte. Den voll informierten, alle Handelsoptionen kennenden und rational bewertenden Homo oeconomicus gibt es bei Smith nicht. Vielmehr hat er einige Funde der Verhaltens- und der experimentellen \u00d6konomik antizipiert.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Der Homo oeconomicus \u2013 st\u00e4ndig in H\u00e4utung begriffen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Homo oeconomicus betritt die Welt der \u00d6konomik nicht als voll ausgebildetes, sondern als ein st\u00e4ndig in der Entwicklung befindliches Wesen. Der Physiokrat Fran\u00e7ois Quesnay stellt ihn uns als jemanden vor, der zugleich seinen Genuss maximieren und seinen Mitteleinsatz minimieren will \u2013 eine unl\u00f6sbare Aufgabe. Der Begr\u00fcnder des Utilitarismus, Jeremy Bentham (1789), glaubt \u00fcber ihn zu wissen:&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u00abDie Natur hat die Menschheit unter die Herrschaft zweier souver\u00e4ner Kr\u00e4fte gestellt, Schmerz und Freude. Sie lenken uns in allem, was wir tun, sagen und denken.\u00bb Die beiden Kr\u00e4fte seien miteinander vergleichbar: \u00abEine Stecknadel ist so gut wie Poesie.\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine fr\u00fche und klare Fassung des Konzepts des Grenznutzens &shy;\u2013 des zentralen Konzepts des nutzenmaximierenden Homo oeconomicus \u2013 findet sich beim Deutschen Karl Heinrich Rau (1833), f\u00fcr welchen allerdings lexikalische Pr\u00e4ferenzen eine grosse Rolle spielen, die sich gegen die Bildung einer Nutzenfunktion sperren. Hermann Heinrich Gossen (1854) h\u00e4lt sich zugute, den Sch\u00f6pfungsplan entr\u00e4tselt zu haben. Dieser verpflichte den Menschen zu Hedonismus pur \u2013 Vorbedingung f\u00fcr die Schaffung eines \u00abvollendeten Paradieses\u00bb auf Erden. Da die Genusszufuhr Zeit beansprucht, geht es um die optimale Allokation der Zeit auf alternative Aktivit\u00e4ten \u2013 ein Umstand, der in der Literatur weithin \u00fcbersehen worden ist. Ber\u00fccksichtigt man diesen Umstand, so lassen sich mehrere Aussagen der konventionellen Mikro\u00f6konomik nicht mehr halten.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Wenn Akteure zwei Beschr\u00e4nkungen unterliegen (Einkommen <em>und<\/em> Zeit) statt nur einer (Einkommen), dann m\u00fcssen Einkommens- und Substitutionseffekte neu gefasst und Ausgabefunktionen neu definiert werden, mit zum Teil \u00fcberraschenden Ergebnissen hinsichtlich der Konsumg\u00fcternachfrage und des Arbeitsangebots sowie ihrer wohlfahrtstheoretischen Implikationen. Gem\u00e4ss Gossen ist \u00fcberdies die Frage \u00abWas soll ich wollen, welche \u2039Pr\u00e4ferenzen\u203a sollen mich leiten?\u00bb der Frage \u00abWelche G\u00fcter soll ich erwerben?\u00bb vorgelagert. Sie lasse uns ein ganzes Leben lang nicht los.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Pers\u00f6nlichkeit des Homo oeconomicus liegt demnach nicht ein f\u00fcr alle Mal fest, sondern ist in st\u00e4ndiger H\u00e4utung begriffen. Es gibt ihn bereits relativ fr\u00fch, aber als nicht sonderlich gesch\u00e4tzte gesellschaftliche Randexistenz. Er\/Sie begegnet uns schliesslich als rationaler, nutzen- oder gewinnmaximierender Akteur, dessen Pr\u00e4ferenzen gewisse Axiome erf\u00fcllen (Vollst\u00e4ndigkeit, Reflexivit\u00e4t, Transitivit\u00e4t). Aber dabei bleibt es nicht \u2013 allzu schwer wiegt der Vorwurf, ein \u00abrationaler Dummkopf\u00bb (Amartya Sen) zu sein, der ein gedeihliches, auf wechselseitigem Vertrauen basierendes Spiel der Gesellschaft hintertreibt. Im Verlauf der Zeit wird er daher von seinen Anh\u00e4ngern mit immer neuen Eigenschaften versehen. Auf diese Weise soll er neuen Pr\u00fcfungen gen\u00fcgen \u2013 realen und innerwissenschaftlichen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Neoklassik \u2013 quo vadis?<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZahlreiche Verhaltens\u00f6konomen begreifen ihre Arbeiten als Korrektur und nicht als Herausforderung des neoklassischen Mainstream. Ob diese Auffassung dem in Gang gesetzten Prozess \u00absch\u00f6pferischer Zerst\u00f6rung\u00bb (Joseph Schumpeter) standhalten wird, bleibt abzuwarten: Wichtige Pfeiler der konventionellen \u00d6konomik sind infrage gestellt, so die Erwartungsnutzentheorie, die Effizienzmarkthypothese in der Finanztheorie, die generelle Abstraktion von Framing-Effekten, wonach die Formulierung einer Sache oder Frage Einfluss auf das Verhalten der Beteiligten nimmt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAnsteckung, Herdenverhalten, Endowment-Effekte<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> und dergleichen unterminieren \u00fcberlieferte Denkgewohnheiten und Effizienzpostulate. Die Wiederentdeckung des reichhaltigen Menschenbildes der \u00f6konomischen Klassik legt die Vermutung nahe, dass in ihr auch noch andere Sch\u00e4tze schlummern, die der Vergessenheit zu entreissen sich lohnt. Jedenfalls handelt es sich beim Markt f\u00fcr \u00f6konomische Ideen offenbar nicht um einen perfekt funktionierenden Selektionsmechanismus, der alles beibeh\u00e4lt, was gut ist, und alles ausmustert, was nichts taugt. Blasenbildung, so ist zu bef\u00fcrchten, ist kein auf Finanzm\u00e4rkte beschr\u00e4nktes Ph\u00e4nomen.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Aristoteles (1965): 26.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Vgl. Kurz und Sturn (2013): Teil II, Kapitel 3.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Smith, A. (1976b): III.iv.10.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Ashraf, Camerer und Loewenstein (2005).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Steedman (2001).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Treten auf, wenn der Besitz einer Sache deren Wert f\u00fcr den Besitzer steigert.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Vgl. Kurz (2016).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abAus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden\u00bb, schrieb Immanuel Kant (1784). Auf die Wirtschaftswissenschaft bezogen, k\u00f6nnte man sagen: W\u00e4hrend die klassische National\u00f6konomie um das krumme Holz \u2013 den realen Menschen \u2013 kreist, ist die Neoklassik hartn\u00e4ckig darum bem\u00fcht, daraus etwas ganz Gerades zu zimmern. 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Entwickelung der Gesetze des menschlichen Verkehrs, und der daraus fliessenden Regeln f\u00fcr menschliches Handeln, Braunschweig: Friedrich Vieweg und Sohn.<\/li>&#13;\n \t<li>Hume, D. (1738\u201340). A Treatise of Human Nature, drei Bde. London: John Noon.<\/li>&#13;\n \t<li>Kant, I. (1784). Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltb\u00fcrgerlicher Absicht. In: Berlinische Monatsschrift, November, S. 385\u2013411.<\/li>&#13;\n \t<li>Kurz, H. D. (2016). Economic Thought: A Brief History. New York: Columbia University Press.<\/li>&#13;\n \t<li>Kurz, H. D., und Sturn, R. (2013). Adam Smith f\u00fcr jedermann. Pionier der modernen \u00d6konomie. Frankfurt: Frankfurter Allgemeine Buch.<\/li>&#13;\n \t<li>Smith, A. (1976a). The Theory of Moral Sentiments, Erstver\u00f6ffentlichung 1759, hrsg. von D. D. Raphael und A. L. Macfie. In: The Glasgow Edition of the Works and Correspondence of Adam Smith. Oxford: Oxford University Press.<\/li>&#13;\n \t<li>Smith, A. (1976b). An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, zwei Bde., hrsg. Von R. H. Campbell und A. S. Skinner. In: The Glasgow Edition of the Works and Correspondence of Adam Smith. Oxford: Oxford University Press.<\/li>&#13;\n \t<li>Steedman, I. (2001). Consumption Takes Time. Implications for Economic Theory. The Graz Schumpeter Lectures. London: Routledge.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":106162,"main_focus":[156205,156952],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":106166,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"80472","post_abstract":"In der fr\u00fchen \u00d6konomik steht der reale Mensch im Zentrum des Interesses. 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