{"id":106234,"date":"2018-09-24T10:30:18","date_gmt":"2018-09-24T10:30:18","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/09\/miani-10-2018fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:01:24","modified_gmt":"2023-08-23T21:01:24","slug":"armut-miani-10-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/09\/armut-miani-10-2018\/","title":{"rendered":"Arbeit ist der beste Schutz"},"content":{"rendered":"<p>Armut ist kein Zufall. Die Wahrscheinlichkeit, ob jemand arm ist oder nicht, h\u00e4ngt von verschiedenen Faktoren ab. Ein ganz zentraler Faktor ist die Arbeit. Wer einer Erwerbsarbeit nachgeht, ist einem geringeren Armutsrisiko ausgesetzt. W\u00e4hrend 7 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung in Armut leben, trifft es bei den Erwerbst\u00e4tigen \u00abnur\u00bb 3,9 Prozent. Der Zugang zu Arbeit ist demnach ein sehr wichtiges Element im Kampf gegen die Armut. Insbesondere die nachhaltige und erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt spielt deshalb eine grundlegende Rolle.&#13;<\/p>\n<h2>Finanzielle und soziale Konsequenzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nArbeit bedeutet in der Schweiz nicht nur Existenzsicherung, sondern stellt auch die Grundlage f\u00fcr die soziale Integration dar. Was es bedeutet, nicht arbeiten zu k\u00f6nnen, zeigt der Bericht zur Langzeitarbeitslosigkeit, welchen das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) 2018 ver\u00f6ffentlicht hat. Aus finanzieller Sicht bedeutet Arbeitslosigkeit f\u00fcr die betroffenen Personen in der Regel, dass ihnen die Existenzgrundlage wegbricht. F\u00fcr die Gesellschaft f\u00fchrt ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu einer st\u00e4rkeren Belastung der sozialen Institutionen und der \u00f6ffentlichen Hand. Gleichzeitig hat sie auch Mindereinnahmen bei den Steuern und den Sozialversicherungen zur Folge.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNeben den finanziellen Konsequenzen hat die Arbeitslosigkeit auch Folgen f\u00fcr das soziale Leben. Arbeitslosigkeit bedeutet f\u00fcr die Betroffenen und ihre Angeh\u00f6rigen oftmals den R\u00fcckzug aus dem sozialen Leben, gesundheitliche Probleme, famili\u00e4re Spannungen und Konflikte sowie den Verlust des Selbstwertgef\u00fchls. Hinzu kommt, dass mit fortschreitender Arbeitslosigkeit auch die erworbenen Qualifikationen an Wert verlieren. Auf gesellschaftlicher Ebene kann ein Anstieg der Arbeitslosigkeit den sozialen Frieden und die Solidarit\u00e4t gef\u00e4hrden. Insbesondere dann, wenn die Kriminalit\u00e4t aufgrund fehlender Perspektiven zunimmt oder sich die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit verst\u00e4rkt, weil ausl\u00e4ndische Arbeitnehmende als Bedrohung f\u00fcr den eigenen Arbeitsplatz wahrgenommen werden. Deshalb ist es sowohl im Interesse des Individuums wie auch der Gesellschaft, m\u00f6glichst viele Personen in den Arbeitsmarkt zu (re)integrieren.&#13;<\/p>\n<h2>Gr\u00fcnde f\u00fcr Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Risiken, den Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht erfolgreich zu bew\u00e4ltigen oder aus diesem wieder herauszufallen, sind vielf\u00e4ltig. Neben strukturellen Gr\u00fcnden gibt es verschiedene individuelle Merkmale. Dazu geh\u00f6ren mangelnde Qualifikationen, Alter \u00fcber 50 Jahre, gesundheitliche Einschr\u00e4nkungen, die Nationalit\u00e4t sowie die angestammte Berufsgruppe. Auch wenn jemand bereits fr\u00fcher arbeitslos war, ist das Risiko f\u00fcr eine erneute Arbeitslosigkeit gr\u00f6sser.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVerliert jemand seine Arbeit, gibt es unterschiedliche Institutionen, welche Betroffene bei der R\u00fcckkehr in den Arbeitsmarkt unterst\u00fctzen. Dazu geh\u00f6ren in erster Linie die Arbeitslosen-, die Invaliden- und die Unfallversicherung sowie die Sozialhilfe. \u00c4hnliches gibt es auch im Bereich der Migration. Diese Institutionen vermitteln den arbeitsuchenden Personen bei Bedarf einen Platz in einem Angebot einer Organisation der Arbeitsintegration. Ein solches Angebot kann eine individuelle Beratung oder ein Arbeitstraining, beispielsweise in einer organisationsinternen Velowerkstatt oder in externen Partnerfirmen, umfassen. Das Arbeitstraining kann auch um zus\u00e4tzliche Bildungsangebote wie Sprach- oder Computerkurse erg\u00e4nzt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Individuelle L\u00f6sungen sind zentral<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Angebote dieser Organisationen erm\u00f6glichen es den Personen auf Arbeitssuche, an ihren allf\u00e4lligen Defiziten zu arbeiten. Das Ziel ist es, die Chancen auf eine l\u00e4ngerfristige berufliche und soziale Integration zu erh\u00f6hen. Die Integrationsmassnahmen st\u00e4rken und mobilisieren gezielt die pers\u00f6nlichen Ressourcen und unterst\u00fctzen die Betroffenen auf dem Weg aus der Abh\u00e4ngigkeit hin zu mehr Eigenverantwortung. Doch wie genau kann dies gelingen?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn einer Studie im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Sozialversicherung (BSV) hat ein Forscherteam der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) und der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) Hypothesen zu den Wirkungszusammenh\u00e4ngen erarbeitet.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Eine der Hypothesen lautet, dass das Leistungspotenzial der Klienten, welches von der pers\u00f6nlichen Motivation und den individuellen Integrationshemmnissen beeinflusst wird, das zentrale Element f\u00fcr den Prozess der Arbeitsintegration darstellt (siehe <em>Abbildung<\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Ziel des Arbeitsintegrationsangebots ist es, dieses Leistungspotenzial in Leistungsf\u00e4higkeit zu wandeln. Dazu dienen sowohl die konkrete Arbeitst\u00e4tigkeit der Klienten als auch Begleitprozesse wie Beratung, Coaching oder Bildungsangebote. Sie sind nicht nur f\u00fcr die Kompetenzerweiterung f\u00f6rderlich, sondern helfen den Betroffenen auch auf psychosozialer Ebene, die Leistungsf\u00e4higkeit zu erreichen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nOrganisationen der Arbeitsintegration k\u00f6nnen dann zur arbeitsmarktlichen Integration beitragen, wenn sie die Ausgangslage und das Leistungspotenzial im Einzelfall genau erfassen. Zudem m\u00fcssen sie zur individuellen Ausgangslage passende, geeignete Produktions- und Begleitprozesse anbieten, um die notwendigen beruflichen und pers\u00f6nlichen Kompetenzen der Teilnehmer zu entwickeln. Mit anderen Worten: Damit die Integrationsangebote die geforderte Wirkung erzielen k\u00f6nnen, ist das ideale Matching von Klient und Angebot zentral. Es braucht also verschiedene Angebote f\u00fcr verschiedene Zielgruppen, damit individuell am jeweiligen Leistungspotenzial gearbeitet werden kann.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Vermutete Zusammenh\u00e4nge in der Arbeitsintegration<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2018\/09\/Miani_Abb_DE.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-80660\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2018\/09\/Miani_Abb_DE.png\" alt=\"\" width=\"2348\" height=\"1172\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nQuelle: Adam et al. (2016), S. 57.&#13;<\/p>\n<h2>Qualit\u00e4t sichern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDamit Arbeitsintegration die erw\u00fcnschte Wirkung erzielen kann, ist es zentral, dass die Organisationen der Arbeitsintegration gewisse Qualit\u00e4tsanforderungen erf\u00fcllen. Der Dachverband Arbeitsintegration Schweiz (AIS), der rund 220 Mitgliederorganisationen z\u00e4hlt, setzt sich f\u00fcr die Professionalisierung und die Qualit\u00e4tssicherung und -entwicklung in der Arbeitsintegration ein.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Zu diesem Zweck ist der Verband seit mehr als zehn Jahren Tr\u00e4ger der einzigen akkreditierten Fachnorm f\u00fcr die Arbeitsintegration. Dank dieser Fachnorm<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> k\u00f6nnen Organisationen ein professionelles Qualit\u00e4tsmanagement zur stetigen internen Pr\u00fcfung und Verbesserung aufbauen. Gegen\u00fcber den Auftraggebern von Arbeitsintegrationsangeboten und der breiten \u00d6ffentlichkeit kann mittels Zertifizierung ein entsprechender Ausweis erbracht werden. Bisher sind bereits rund die H\u00e4lfte der Mitglieder sowie weitere Nicht-Mitglieder zertifiziert.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Crivelli et al. (2016, S. 57).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">AIS setzt sich insbesondere f\u00fcr eine erfolgreiche und nachhaltige berufliche und soziale Integration ein und vertritt die Anliegen der Mitglieder gegen\u00fcber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Weitere Informationen auf <a href=\"http:\/\/www.arbeitsintegrationschweiz.ch\/\">Arbeitsintegrationschweiz.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Nach einer umfassenden Revision heisst die Fachnorm zuk\u00fcnftig \u00abIN-Qualis\u00bb. Die \u00c4nderung wird im Fr\u00fchjahr 2019 in Kraft treten.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Armut ist kein Zufall. Die Wahrscheinlichkeit, ob jemand arm ist oder nicht, h\u00e4ngt von verschiedenen Faktoren ab. Ein ganz zentraler Faktor ist die Arbeit. Wer einer Erwerbsarbeit nachgeht, ist einem geringeren Armutsrisiko ausgesetzt. W\u00e4hrend 7 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung in Armut leben, trifft es bei den Erwerbst\u00e4tigen \u00abnur\u00bb 3,9 Prozent. 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Bern: BFH<\/li>&#13;\n \t<li>Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (2018). Bericht Langzeitarbeitslosigkeit. Bern<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":106237,"main_focus":[156212,156957],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":106241,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"79828","post_abstract":"Arbeitst\u00e4tigkeit ist einer der zentralen Faktoren zur Armutspr\u00e4vention. Doch nicht allen Personen gelingt der Zugang zum Arbeitsmarkt, was zahlreiche negative Konsequenzen mit sich bringt. 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