{"id":106318,"date":"2018-09-17T10:30:02","date_gmt":"2018-09-17T10:30:02","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/09\/priester-10-2018fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:01:29","modified_gmt":"2023-08-23T21:01:29","slug":"priester-guggisberg-10-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/09\/priester-guggisberg-10-2018\/","title":{"rendered":"Armutsmessung in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) verwendet verschiedene Kennzahlen zur Messung der Armut in der Schweiz: die nationale Armutsquote, die international g\u00e4ngige Armutsgef\u00e4hrdungsquote und den europ\u00e4ischen Indikator zur materiellen Entbehrung (siehe <em>Kasten<\/em>). Die nationale Armutsquote beruht auf einer Armutsgrenze in H\u00f6he des sozialen Existenzminimums und orientiert sich an den Richtlinien f\u00fcr den Sozialhilfebezug in der Schweiz, die von der Schweizerischen Konferenz f\u00fcr Sozialhilfe (Skos) definiert werden. Damit bildet die Armutsquote eine Grundlage f\u00fcr die Sozialpolitik und eignet sich als sozialpolitische Zielgr\u00f6sse, da sich die finanzielle Unterst\u00fctzung armer Haushalte in einer messbaren Reduktion der Armut niederschl\u00e4gt.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Jahr 2016 lag das verf\u00fcgbare Haushaltseinkommen bei 7,5 Prozent der Bev\u00f6lkerung unterhalb der Armutsgrenze. Jede 13. Person in der Schweiz war somit von Einkommensarmut betroffen. F\u00fcr eine Einzelperson lag die Armutsgrenze bei durchschnittlich 2247 Franken pro Monat. F\u00fcr zwei Erwachsene mit zwei Kindern lag sie bei 3981 Franken. Von diesem Betrag m\u00fcssen der allgemeine Lebensunterhalt und die Wohnkosten bezahlt werden.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Zwischen 2007 und 2013 sank die Armutsquote der Gesamtbev\u00f6lkerung von 9,3 Prozent auf 5,9 Prozent (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Seit 2014 steigt sie in der Tendenz wieder,\u00a0der Anstieg ist statistisch allerdings nicht signifikant. Dasselbe gilt f\u00fcr die Armutsquote der Erwerbst\u00e4tigen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Entwicklung der Armutsquote, in Prozent der Bev\u00f6lkerung (2007\u20132016)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='Priester_Guggisberg_Abb1_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Priester_Guggisberg_Abb1_de').highcharts({\n   chart: {\n        zoomType: 'xy'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: [{\n               categories: ['2007','2008','2009','2010','2011','2012','2013','2014','2015','2016']}],\n   yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        labels: {\n            format: '{value}%',\n            \n        },\n    },\n    tooltip: {  \n        shared: true, valueSuffix: '%'\n    },\n plotOptions: {\n        bar: {\n            grouping: false,\n            shadow: false,\n            borderWidth: 0\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Armutsquote Gesamtbev\u00f6lkerung (+95-Prozent-Vertrauensintervall)',\n                        type: 'line',\n\n       data: [9.3,8.2,8.1,7.9,7.4,7.7,5.9,6.7,7.0,7.5],\n       zoneAxis: 'x',\n      zones: [{\n            value: 6,\n                    dashStyle: 'line'\n\n\n        }, {\n            value: 7,\n                    dashStyle: 'dot',\n                                       \n\n\n        }]\n    }, {\n        name: 'Armutsquote Erwerbst\u00e4tige (+95-Prozent-Vertrauensintervall)',\n                type: 'line',\n        data: [4.8,4.7,3.8,3.5,3.6,3.5,2.7,3.3,3.9,3.8],\n  \n          zoneAxis: 'x',\n        zones: [{\n            value: 6,\n                    dashStyle: 'line'\n\n\n        }, {\n            value: 7,\n                    dashStyle: 'dot',\n                                     \n\n        }]\n       \n    },{\n        name: 'Vertrauensintervalle (95%)',\n        type: 'errorbar',\n        data: [[8.5,10.1],[7.5,9],[7.4,8.8],[7.2,8.6],[6.7,8.2],[6.9,8.4],[5.2,6.5],[6.1,7.2],[6.5,7.6],[6.9,8.1]], color: '#0074be', enableMouseTracking: false, \n        showInLegend: false\n        \n    },\n    {\n        name: 'Vertrauensintervall Erwerbst\u00e4tige (95%)',\n        type: 'errorbar',\n        data: [[4.1,5.4],[4,5.4],[3.3,4.3],[3,4],[3.1,4.2],[3,4],[2.1,3.2],[2.9,3.8],[3.3,4.5],[3.2,4.4]], color: '#e84066', enableMouseTracking: false,\n        showInLegend: false\n        \n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Infolge methodischer Anpassungen der Datenbasis Silc k\u00f6nnen die Werte ab Silc\u00a02014 nicht mehr direkt mit den Vorjahren verglichen werden.&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: BFS, Erhebung \u00fcber die Einkommen und Lebensbedingungen (Silc) \/ Die Volkswirtschaft&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Bildung und Erwerbsarbeit sch\u00fctzen vor Armut<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBesonders h\u00e4ufig von Armut betroffen sind Personen in Haushalten ohne Erwerbst\u00e4tige, allein lebende Erwachsene im Erwerbsalter sowie Personen in Ein-Eltern-Haushalten mit Kindern unter 18 Jahren (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Auch die Armutsquote von Ausl\u00e4ndern war deutlich h\u00f6her als die der Gesamtbev\u00f6lkerung. Als zentral erweist sich weiter die h\u00f6chste abgeschlossene Ausbildung: Personen ohne nachobligatorische Schulbildung sind fast doppelt so h\u00e4ufig arm wie jene mit einem h\u00f6heren Bildungsstand. Personen mit einem Universit\u00e4ts- oder einem\u00a0Fachhochschulabschluss zeigen die geringste Armutsbetroffenheit. Personen ab 65 Jahren weisen ebenfalls eine hohe Armutsquote auf. Sie k\u00f6nnen jedoch h\u00e4ufig auf Verm\u00f6gen zur\u00fcckgreifen, um ihre laufenden Ausgaben zu bestreiten.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Diese Verm\u00f6gen werden bei der Berechnung der Armutsquote nicht ber\u00fccksichtigt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Wahrscheinlichkeit, ob jemand von Armut betroffen ist oder nicht, h\u00e4ngt wesentlich von der Arbeitsmarktteilnahme ab. Erwerbst\u00e4tigkeit gilt als wichtigstes Mittel zur Reduktion des Armutsrisikos. Das best\u00e4tigt die Statistik: Die Armutsquote der erwerbst\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung lag markant tiefer als die der nicht erwerbst\u00e4tigen Personen ab 18 Jahren. Obwohl die Integration in den Arbeitsmarkt einen wirksamen Schutz vor Armut darstellt, waren 2016 3,8 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen arm. Das entspricht rund 140\u2019000 Personen. Trotz Erwerbst\u00e4tigkeit besonders betroffen sind Personen mit eindeutig oder tendenziell unsicheren Arbeitsbedingungen. Hierzu z\u00e4hlen Erwerbsunterbr\u00fcche, befristete Vertr\u00e4ge, Besch\u00e4ftigung in kleinen Unternehmen und Solo-Selbstst\u00e4ndigkeit. Innerhalb dieser Gruppen steigt die Armutsquote auf bis zu 9 Prozent an.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEbenfalls relevant bei der Untersuchung von Armut sind die Regionen. Sie unterscheiden sich bez\u00fcglich der wirtschaftlichen Potenziale und der damit verbundenen Arbeitsmarktchancen. Am h\u00f6chsten ist die Armutsquote im Tessin. Die geringste Quote weist die Zentralschweiz auf. Generell zeigt sich, dass dicht besiedelte Gebiete eher mit Armut konfrontiert sind als l\u00e4ndliche, d\u00fcnn besiedelte Regionen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Armutsquoten vor und nach Sozialtransfers, in Prozent der Bev\u00f6lkerung (2016)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='Priester_Guggisberg_Abb2_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Priester_Guggisberg_Abb2_de').highcharts({\n    chart: {\n        zoomType: 'xy'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: [{\n        categories: ['Gesamtbev\u00f6lkerung', '0-17 Jahre', '18-64 Jahre', 'ab 65 Jahren', 'Frauen', 'M\u00e4nner', 'Schweizer', 'Nord- und Westeurop\u00e4er', 'S\u00fcdeurop\u00e4er', 'Personen aus \u00fcbrigen L\u00e4ndern', 'obligatorische Schule', 'Sekundarstufe II', 'Terti\u00e4rstufe', 'Einzelperson unter 65 Jahren', 'Paar unter 65 Jahren', 'Einelternhaushalt mit Kind(ern) unter 18 Jahren', 'Paar mit Kind(ern) unter 18 Jahren', 'Paar mit 1 Kind', 'Paar mit 2 Kindern', 'Paar mit 3 oder mehr Kindern', 'deutsches\/r\u00e4toromanisches Sprachgebiet', 'franz\u00f6sisches Sprachgebiet', 'italienisches Sprachgebiet', 'Erwerbst\u00e4tige', 'Nichterwerbst\u00e4tige', 'kein Erwerbst\u00e4tiger im Haushalt', '1 Erwerbst\u00e4tiger im Haushalt', '2 Erwerbst\u00e4tige im Haushalt']\n    }],\n    yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n        labels: {\n            format: '{value}%',\n           \n        },\n        title: {\n            text: '',\n           \n        }\n    }, ],\n\n   \n       tooltip: {shared: true, valueSuffix: '%'},\n    \n plotOptions: {\n        bar: {\n            grouping: false,\n            shadow: false,\n            borderWidth: 0\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Quote vor Transfers (+95-Prozent-Vertrauensintervall)',\n        type: 'bar',\n        data: [16,18.3,15,17.1,16.8,15.1,13.3,13.8,21.1,34.2,28.9,14.9,8.8,25.2,7.7,43.3,14.1,11.6,10.5,19.6,13.4,21.4,27.2,8.5,27.1,33.5,15.4,6.4],\n        \n    }, {\n        name: '95%-Vertrauensintervalle vor Sozialtransfer',\n        type: 'errorbar',\n        data: [[15.13, 16.80],[16.64, 20.03],[14.10, 15.92],[15.44, 18.74],[15.88, 17.81],[14.12, 16.04],[12.47, 14.09],[11.11, 16.41],[16.57, 25.67],[29.66, 38.78],[26.06, 31.81],[13.98, 15.88],[7.97, 9.68],[23.27, 27.23],[6.34, 9.06],[36.16, 50.35],[12.50, 15.73],[8.80, 14.50],[8.39, 12.58],[15.79, 23.38],[12.42, 14.29],[19.11, 23.63],[19.97, 34.39],[7.75, 9.29],[25.56, 28.61],[31.45, 35.58],[13.89, 16.91],[5.03, 7.86]], color: '#0074be',\n        showInLegend: false, enableMouseTracking: false\n        \n       \n    }, {\n        name: 'Quote nach Transfers (+95-Prozent-Vertrauensintervall)',\n        type: 'bar',\n        data: [7.5,7.2,5.7,14.7,8.5,6.5,6.9,8.3,9,10.4,12,7.8,4.8,12.8,3.2,19.7,5.1,2,3.7,8.3,6.5,8.8,15.8,3.8,14.4,18.1,6.4,2.4],\n        \n    }, {\n        name: '95%-Vertrauensintervalle nach Sozialtransfer',\n        type: 'errorbar',\n        data: [[6.91, 8.12],[5.91, 8.59], [5.10, 6.21],[13.19, 16.29], [7.70, 9.25],[5.90, 7.16],[6.33, 7.49],[6.02, 10.51],[5.39, 12.56],[7.74, 13.10],[10.11, 13.94],[7.05, 8.46],[4.20, 5.48],[11.21, 14.31],[2.32, 4.02],[13.35, 25.97],[3.91, 6.35],[0.91, 3.13],[2.17, 5.30],[5.67, 10.99],[5.90, 7.15],[7.49, 10.19],[9.37, 22.16],[3.19, 4.37],[13.32, 15.57],[16.57, 19.72],[5.43, 7.37],[1.56, 3.16]], color: '#e84066', enableMouseTracking: false,\n        showInLegend: false\n        \n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Beide Armutsquoten basieren auf dem Einkommen ohne Ber\u00fccksichtigung allf\u00e4lliger Verm\u00f6gensbest\u00e4nde. Bei der Armutsquote vor Sozialtransfers werden z. B. Familienzulagen, Invalidit\u00e4tsrenten, Verbilligungen der Krankenkassenpr\u00e4mie, Sozialhilfe oder Taggelder der Arbeitslosenversicherung vom Einkommen abgezogen, die Alters- und Hinterbliebenenleistungen (inkl. EL) hingegen weiterhin zum Haushaltseinkommen gez\u00e4hlt.&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: BFS, Erhebung \u00fcber die Einkommen und Lebensbedingungen (Silc) 2016 \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<\/p>\n<h2>Armut ist meist von kurzer Dauer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAnhand der Statistik l\u00e4sst sich auch aufzeigen, wie lange sich Personen in einer Armutssituation befinden. Zwischen 2013 und 2016 rutschten 12,3 Prozent der Schweizer Wohnbev\u00f6lkerung oder jede 8. Person mindestens einmal unter die Armutsgrenze (siehe <em>Abbildung 3<\/em>). Im Lauf von vier Jahren waren somit deutlich mehr Personen arm, als die j\u00e4hrlichen Armutsquoten aufzeigen. F\u00fcr die meisten von ihnen war Armut aber eine vor\u00fcbergehende Erfahrung: 7,7 Prozent der Bev\u00f6lkerung waren nur w\u00e4hrend eines der vier Jahre armutsbetroffen, 2,5 Prozent w\u00e4hrend zweier Jahre, 1,2 Prozent w\u00e4hrend dreier Jahre und 0,9 Prozent w\u00e4hrend aller vier Jahre. Der gr\u00f6sste Teil der Armutsbetroffenen verf\u00fcgte somit relativ rasch wieder \u00fcber ein Einkommen \u00fcber der Armutsgrenze. Rund jede 5. Person mit Armutserfahrung war hingegen w\u00e4hrend mindestens dreier Jahre in dieser Situation und damit einem besonders grossen Risiko der sozialen Ausgrenzung ausgesetzt.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 3: Armutsbetroffene Personen im Zeitraum von vier Jahren (2013\u20132016), in Prozent der Bev\u00f6lkerung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='Priester_Guggisberg_Abb3_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Priester_Guggisberg_Abb3_de').highcharts({\n      chart: {\n        zoomType: 'xy'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: [{\n        categories: ['1 Jahr', '2 Jahre', '3 Jahre', '4 Jahre', 'in mindestens einem der 4 Jahre arm']\n    }],\n    yAxis: [{ \/\/ Primary yAxis\n        labels: {\n            format: '{value}%',\n           \n        },\n        title: {\n            text: '',\n            \n        }\n    }],\n\n    tooltip: {\n        shared: true, valueSuffix: '%'}\n    ,\n\n    series: [{\n        name: 'Armutsbetroffene Personen (+95-Prozent-Vertrauensintervall)',\n        type: 'column',\n        data: [7.7,2.5,1.2,0.9,12.3],\n        showInLegend: true\n       \n    }, {\n        name: '95%-Vertrauensintervalle',\n        type: 'errorbar',\n        data: [[5.88,9.43], [1.51,3.47], [0.59,1.86], [0.22,1.67], [10.14,14.49]],\n               color: '#0074be',\n        showInLegend: false, enableMouseTracking: false\n\n\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Lesebeispiel: 7,7 Prozent der Bev\u00f6lkerung waren in genau einem der vier betrachteten Jahre armutsbetroffen und 0,9 Prozent in allen vier Jahren.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: BFS, Erhebung \u00fcber die Einkommen und Lebensbedingungen (Silc) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInteressant in diesem Zusammenhang ist auch die Armutsquote vor Sozialtransfers (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Sie misst, welcher Anteil der Schweizer Bev\u00f6lkerung von Armut betroffen w\u00e4re, wenn keine Sozialtransfers wie Familienzulagen, Invalidit\u00e4tsrenten, Verbilligungen der Krankenkassenpr\u00e4mie, Sozialhilfe oder Taggelder der Arbeitslosenversicherung ausgerichtet w\u00fcrden. Es zeigt sich, dass diese Leistungen in der Schweiz wesentlich zur Verhinderung von Einkommensarmut beitragen. Ohne Sozialtransfers w\u00e4ren 16 Prozent der Bev\u00f6lkerung oder 1,3 Millionen Personen als arm eingestuft worden. Die regul\u00e4re Armutsquote, welche alle Sozialtransfers im Einkommen einschliesst, liegt mit 7,5 Prozent weniger als halb so hoch. Durch die Sozialtransfers konnten die Haushaltseinkommen somit in mehr als der H\u00e4lfte der F\u00e4lle \u00fcber die Armutsgrenze angehoben werden. In vielen F\u00e4llen liegen die Einkommen durch die Sozialtransfers allerdings nur wenig \u00fcber der Armutsgrenze, wodurch die finanzielle Situation oft angespannt bleiben d\u00fcrfte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei Haushalten mit Kindern \u2013 insbesondere in Ein-Eltern-Haushalten \u2013, bei Erwerbslosen und bei Ausl\u00e4ndern aussereurop\u00e4ischer Herkunft wird die Armutsquote durch die Sozialtransfers stark reduziert. Diese Gruppen sind jedoch auch nach den Transfers deutlich h\u00e4ufiger arm als die Gesamtbev\u00f6lkerung. Die Struktur der armen Bev\u00f6lkerung wird somit durch die Sozialtransfers kaum ver\u00e4ndert. Die wichtigsten Risikofaktoren f\u00fcr Armut in der Schweiz bleiben auch nach den Sozialtransfers eine geringe Schulbildung sowie eine ungen\u00fcgende Integration in den Arbeitsmarkt.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Entsprechend sind diese Kennzahlen auch Teil des Statistischen Sozialberichts Schweiz des BFS und liefern eine Grundlage f\u00fcr das Nationale Programm zur Pr\u00e4vention und Bek\u00e4mpfung von Armut.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Die Pr\u00e4mien f\u00fcr die obligatorische Krankenversicherung werden bereits beim verf\u00fcgbaren Einkommen abgezogen. Allf\u00e4llige Verm\u00f6gensbest\u00e4nde werden in der Armutsquote nicht ber\u00fccksichtigt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">BFS (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) verwendet verschiedene Kennzahlen zur Messung der Armut in der Schweiz: die nationale Armutsquote, die international g\u00e4ngige Armutsgef\u00e4hrdungsquote und den europ\u00e4ischen Indikator zur materiellen Entbehrung (siehe Kasten). 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