{"id":106563,"date":"2018-06-25T11:00:27","date_gmt":"2018-06-25T11:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/06\/bosshard-07-2018fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:01:44","modified_gmt":"2023-08-23T21:01:44","slug":"bildung-der-schweiz-bosshard-07-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/06\/bildung-der-schweiz-bosshard-07-2018\/","title":{"rendered":"Die Berufsbildung fit f\u00fcr die Zukunft machen"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweizer Berufsbildung gilt international als Erfolgsmodell: Zwei Drittel aller Jugendlichen entscheiden sich hierzulande f\u00fcr eine berufliche Grundbildung, um sich auf ihren Eintritt in den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Der berufsbildende Weg bietet Karriereperspektiven und verschiedene M\u00f6glichkeiten zur H\u00f6herqualifizierung (siehe <em>Abbildung<\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm in Zukunft gleichermassen attraktiv zu bleiben, muss die Berufsbildung Trends im Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft aufnehmen und m\u00f6glichst optimale Rahmenbedingungen bieten. Dabei muss sie sowohl auf die aktuellen Bed\u00fcrfnisse der Wirtschaft wie auch auf die Bed\u00fcrfnisse ihrer Absolventen ausgerichtet sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVor diesem Hintergrund haben die Verbundpartner der Berufsbildung \u2013 Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt \u2013 das Leitbild \u00abBerufsbildung 2030\u00bb erarbeitet.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Es schafft die Basis f\u00fcr das gemeinsame und zielorientierte Handeln der Verbundpartner.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Das Berufsbildungssystem in der Schweiz<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-20-um-08.55.50.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-79736\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2018\/06\/Bildschirmfoto-2018-06-20-um-08.55.50.png\" alt=\"\" width=\"1988\" height=\"1312\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Die Berufsbildung ist auf der Sekundarstufe II und der Terti\u00e4rstufe angesiedelt. Sie umfasst die berufliche Grundbildung, die Berufsmaturit\u00e4t, die h\u00f6here Berufsbildung und die berufsorientierte Weiterbildung. Die Berufsbildung baut auf klar definierten Bildungsangeboten und nationalen Qualifikationsverfahren auf und ist von einer hohen Durchl\u00e4ssigkeit gepr\u00e4gt.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><strong>Vier Stossrichtungen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Umsetzung des Leitbilds stehen vier zeitlich priorisierte Stossrichtungen im Zentrum. Die erste betrifft das lebenslange Lernen: Angesichts des raschen technologischen Wandels wird eine kontinuierliche Weiterqualifizierung unabdingbar. Da die Digitalisierung Berufsinhalte ver\u00e4ndert, m\u00fcssen sich auch erfahrene Fachkr\u00e4fte gegebenenfalls zus\u00e4tzlich daf\u00fcr qualifizieren. Hinzu kommt, dass Berufskarrieren tendenziell nicht mehr linear verlaufen. Die berufliche Mobilit\u00e4t und damit die Zahl von Quereinsteigenden nimmt zu.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Berufsbildung soll Perspektiven bieten, sich beruflich lebenslang zu entwickeln und in die Gesellschaft zu integrieren. Deshalb gilt es, die Berufsbildungsangebote auf ihre Kompatibilit\u00e4t mit dem Konzept des lebenslangen Lernens zu analysieren. Um den Prozess des lebenslangen Lernens zu f\u00f6rdern, braucht es zudem Modelle zur Anrechnung von formal, nonformal wie auch informell erworbenen Kompetenzen an formale Berufsbildungsangebote. Wissen, F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten, die in einem Kurs ohne staatlich anerkannten Abschluss erworben wurden, sollen bei der Absolvierung eines formalen Berufsbildungsabschlusses angemessen ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin zweiter Schwerpunkt bei der Umsetzung des Leitbilds \u00abBerufsbildung 2030\u00bb ist die Flexibilisierung der Bildungsangebote \u2013 ausgerichtet auf ein sich \u00e4nderndes Zielpublikum. So f\u00fchren die zunehmende berufliche Mobilit\u00e4t, die Auswirkungen der Migration wie auch der demografische Wandel in der Bev\u00f6lkerung dazu, dass sich Berufsbildungsabsolventen hinsichtlich ihres Alters und ihrer Vorkenntnisse st\u00e4rker unterscheiden. Die Schweizer Bev\u00f6lkerung altert tendenziell \u2013 es scheiden mehr \u00e4ltere Arbeitskr\u00e4fte aus dem Erwerbsleben aus, als junge einsteigen. Hinzu kommt: Sp\u00e4te Berufswechsel wie auch die Zuwanderung von Erwachsenen ohne Abschluss auf der Sekundarstufe II mehren sich. Folglich gewinnt die Berufsbildung f\u00fcr eine optimale Aussch\u00f6pfung des Fachkr\u00e4ftepotenzials von erwachsenen Personen an Bedeutung. Berufsbildungsangebote m\u00fcssen somit nicht mehr nur auf Bed\u00fcrfnisse von Jugendlichen, sondern zunehmend auch auf jene von Erwachsenen zugeschnitten sein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGleichzeitig sind neue Inhalte zeitnah und einfach in Berufsbildungsangebote zu integrieren, um arbeitsmarktgerecht zu bleiben. Dazu geh\u00f6ren sowohl die Integration transversaler Kompetenzen \u2013 beispielsweise im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie, Fremdsprachen oder Career Management Skills \u2013 als auch die Integration neuer branchen- und berufsspezifischer Kenntnisse.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs gilt somit, m\u00f6glichst anpassungsf\u00e4hige Strukturen sowohl f\u00fcr die Nachfrage- wie auch f\u00fcr die Angebotsseite der Berufsbildung zu schaffen. Dabei sollen Synergien zwischen Berufen und Branchen wie auch die Chancen, welche die Digitalisierung bietet, erkannt und genutzt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie dritte Stossrichtung zielt auf die St\u00e4rkung der Information und Beratung \u00fcber die gesamte Bildungs- und Arbeitslaufbahn: Entscheidend f\u00fcr den Erfolg des Berufsbildungssystems ist, dass Jugendliche und Erwachsene die Chancen und M\u00f6glichkeiten der Berufsbildung erkennen und sich im System orientieren k\u00f6nnen. Der Zugang zu Information, Beratung und Begleitung muss sowohl f\u00fcr Absolventen wie auch f\u00fcr Unternehmen gesichert sein. Neue Trends in der Wirtschaft und der Gesellschaft stellen auch neue Anspr\u00fcche an die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung. Aspekte wie die F\u00f6rderung von geschlechtsuntypischen Berufswahlen, der rechtzeitige Einbezug von Eltern, der digitale Zugang zu Beratungsangeboten f\u00fcr Erwachsene und Jugendliche gewinnen an Bedeutung. Bestehende Angebote wie beispielsweise die vor Ort verf\u00fcgbaren kantonalen Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungsstellen und bereits digitalisierte Instrumente wie das Portal Berufsberatung.ch m\u00fcssen dahin gehend gepr\u00fcft und allenfalls weiterentwickelt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchliesslich soll als vierte Stossrichtung die Verbundpartnerschaft zwischen Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt gest\u00e4rkt werden. Mit dem Inkrafttreten des neuen Berufsbildungsgesetzes im Jahr 2004 wurde die Verbundpartnerschaft institutionalisiert. Gemeinsam setzen sich die drei Partner f\u00fcr eine qualitativ hochstehende Berufsbildung ein: Der Bund \u00fcbernimmt die strategische Steuerung und Entwicklung, die Organisationen der Arbeitswelt definieren die Bildungsinhalte und stellen Ausbildungspl\u00e4tze bereit, und die Kantone sind verantwortlich f\u00fcr den Vollzug des Berufsbildungsgesetzes.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Zusammenarbeit hat sich in verschiedenen verbundpartnerschaftlich zusammengesetzten Organen auf unterschiedlichen Ebenen etabliert. Dazu geh\u00f6rt beispielsweise das j\u00e4hrliche nationale Spitzentreffen der Berufsbildung, welches Wirtschafts- und Bildungsminister Johann Schneider-Ammann leitet. Weitere Beispiele sind die Eidgen\u00f6ssische Kommission f\u00fcr Berufsbildung (EBBK) und die berufsspezifischen Kommissionen Berufsentwicklung und Qualit\u00e4t.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNun gilt es, die Verteilung der Aufgaben, der Kompetenzen und der Verantwortung unter den einzelnen Verbundpartnern zu \u00fcberdenken und gegebenenfalls zu optimieren. Dazu geh\u00f6rt beispielsweise die \u00dcberpr\u00fcfung der bestehenden verbundpartnerschaftlichen Organe im Hinblick auf innovative Formen der Zusammenarbeit wie auch auf die Vereinfachung von Prozessen unter Nutzung neuer Technologien.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Umsetzung beginnt<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vier Stossrichtungen geben Leitplanken zur Entwicklung der Berufsbildung in den n\u00e4chsten Jahren vor. Erste Handlungsfelder sind identifiziert, und der Prozess \u00abBerufsbildung 2030\u00bb geht nun in die Umsetzungsphase. Entscheidend ist hierbei, einen guten Weg zwischen Innovation und Tradition zu finden. An Pr\u00e4missen wie der Dualit\u00e4t zwischen Praxis und Theorie, der Arbeitsmarktorientierung der Bildungsangebote, dem Berufskonzept und der gleichzeitig m\u00f6glichst ausgepr\u00e4gten Durchl\u00e4ssigkeit des Systems wird festgehalten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnd doch sollen neue Wege beschritten und L\u00f6sungen erarbeitet werden, die auf die ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen eingehen. Solche Ideen entstehen im konstruktiven Austausch der Verbundpartner auf allen Ebenen der Berufsbildung. Wie der Erarbeitungsprozess soll auch die Umsetzungsphase des Leitbilds Berufsbildung 2030 m\u00f6glichst partizipativ gestaltet werden. W\u00e4hrend es an den Akteuren auf Steuerungsebene liegt, optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, ist insbesondere die Entwicklung und Unterst\u00fctzung neuer Ideen aus der Praxis unabdingbar f\u00fcr eine zielorientierte Weiterentwicklung der Schweizer Berufsbildung.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.sbfi.admin.ch\/sbfi\/de\/home\/bildung\/berufsbildungssteuerung-und--politik\/projekte-und-initiativen\/berufsbildungsstrategie-2030.html\">www.sbfi.admin.ch\/bb2030<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizer Berufsbildung gilt international als Erfolgsmodell: Zwei Drittel aller Jugendlichen entscheiden sich hierzulande f\u00fcr eine berufliche Grundbildung, um sich auf ihren Eintritt in den Arbeitsmarkt vorzubereiten. 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