{"id":106580,"date":"2018-06-25T11:00:20","date_gmt":"2018-06-25T11:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/06\/dillenbourg-07-2018fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:02:06","modified_gmt":"2023-08-23T21:02:06","slug":"bildung-der-schweiz-dillenbourg-07-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/06\/bildung-der-schweiz-dillenbourg-07-2018\/","title":{"rendered":"Neue Technologien f\u00fcr die Bildung in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Bildung ist ein zentraler Bestandteil der Schweizer Wirtschaft, sowohl im \u00f6ffentlichen als auch im privaten Sektor. Der Markt f\u00fcr Technologien im Bildungsbereich \u2013 Educational Technologies (Edtech) \u2013 beinhaltet in erster Linie digitale Lerntools und Services. Auffallend ist das breite Spektrum an Produkten und Leistungen. Beispiele sind eine App, mit der Lehrpersonen administrative Aufgaben schneller erledigen, eine Lernsoftware f\u00fcr Kinder mit Dyslexie, ein Roboter zum Erwerb von Programmierkenntnissen, eine App f\u00fcr Eltern, die Nachhilfestunden f\u00fcr ihre Kinder organisieren wollen, ein Kit, das Jugendlichen die Sonnenenergie erkl\u00e4rt, eine Plattform f\u00fcr Onlinekurse in einer Firma oder ein Tool zur Rekrutierung von Hochschulstudierenden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDa es unz\u00e4hlige Edtech-Anbieter gibt und kein Produktkatalog besteht, ist es f\u00fcr Bildungsverantwortliche schwierig, sich einen \u00dcberblick zu verschaffen. Bevor sie ein Tool beschaffen k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie mehrere Anbieter konsultieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Markt ist in zahllose Start-ups zersplittert, von denen die meisten zwischen zwei und zehn Mitarbeitenden besch\u00e4ftigen. Diese Kleinunternehmen wenden sich zudem oft an heterogene Zielgruppen: Entscheidungstr\u00e4ger im Bildungssystem \u2013 Lehrkr\u00e4fte, insbesondere Schulleitungen und kantonale Verantwortliche \u2013, Eltern, Personalverantwortliche und Lernende. Ein Lernender ist beispielsweise jemand, der sich f\u00fcr einen \u00abMassive Open Online Course\u00bb (Mooc) anmeldet. Als Mooc werden Lehreinheiten in der Erwachsenenbildung bezeichnet, die online auch Nichtstudenten zur Verf\u00fcgung stehen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Langsames Wachstum<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEdtech-Start-ups wachsen relativ langsam \u2013 vor allem wenn sie auf die \u00f6ffentliche Bildung ausgerichtet sind.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Teilweise liegt dies daran, dass Schulleitungen ein Budget in der Regel mehr als ein Jahr im Voraus beantragen m\u00fcssen. Die meisten Jungunternehmen expandieren zudem organisch, das heisst eher durch neue Kunden als durch Investoren. Wobei: Grosskunden sind manchmal durchaus bereit, auch die Rolle eines Investors zu \u00fcbernehmen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie meisten Start-ups ben\u00f6tigen keine astronomischen Summen. Bei einem Investorentreffen reichten k\u00fcrzlich die W\u00fcnsche von 200\u2019000 bis 2 Millionen Franken, haupts\u00e4chlich zur Kundenakquisition und zur Erweiterung der bereitgestellten Inhalte. Interessant ist auch, dass ein Teil der Jungunternehmen nicht gewinnorientiert arbeitet: Sie tr\u00e4umen nicht davon, in drei Jahren von einer grossen Schwester aufgekauft zu werden, sondern wollen sich weiterentwickeln, Arbeitspl\u00e4tze schaffen und vor allem einen positiven Beitrag zur Bildung leisten. Ein solcher Fall ist Mobsya, ein Spin-off der ETH Lausanne (EPFL), das bereits mehr als 35\u2019000 Roboter an Familien und Schulen verkauft hat.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Innovation am Swiss Edtech Collider<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie ETH Lausanne hat sich in Europa einen Ruf als Zentrum f\u00fcr digitale Bildung geschaffen. F\u00fcr die von ihr bereitgestellten 80 Mooc-Onlinekurse haben sich weltweit bisher \u00fcber 2 Millionen Personen eingeschrieben. Mit dem Online-Weiterbildungsangebot \u00abExtension School\u00bb engagiert sie sich an vorderster Front in der Vermittlung des Computational Thinking mit oder ohne Roboter. Ausserdem forschen mehrere EPFL-Labors zu Bildungstechnologien, insbesondere zur dualen Berufsbildung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf diesem fruchtbaren Boden gedeihen seit vergangenem Jahr 70 Schweizer Start-ups im Umfeld des Inkubators \u00abSwiss Edtech Collider\u00bb am Innovationspark der ETH Lausanne. Sie profitieren von einem \u00d6kosystem, das Studierende zu H\u00f6chstleistungen motiviert und in dem Gastdozenten aus der Hochschul- und der Unternehmenswelt regelm\u00e4ssig Konferenzen abhalten. Der Technologietransfer zwischen den EPFL-Labors und den Jungunternehmen findet dabei in beide Richtungen statt.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Lerntool f\u00fcr Schreiner<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Beispiel f\u00fcr ein in unserem Labor entwickeltes Edtech-Werkzeug ist das Augmented-Reality-Lerntool, welches der Ausbildung von Logistik- und Schreinereilernenden dient. Um die Wirkung des Tools zu messen, vergleichen wir die Lernfortschritte von zwei Klassen, von denen die eine das Tool und die andere die herk\u00f6mmliche Methode verwendet hat. Ausschlaggebend ist dabei der Wissensstand nach einer Lektion: Wenn die Lernfortschritte in der Gruppe, die mit dem Tool arbeitet, deutlich h\u00f6her sind als in der Gruppe mit der traditionellen Lernmethode, hat sich der Einsatz des Augmented-Reality-Tools gelohnt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAllerdings muss man aufpassen mit Verallgemeinerungen. So kann man nicht sagen, dass alle Augmented-Reality-Tools grunds\u00e4tzlich von Nutzen sind. Wir haben beispielsweise gezeigt, dass unsere Mooc die Erfolgschancen von Studierenden am Ende unseres sehr selektiven Prop\u00e4deutikjahres steigern. Dies bedeutet aber nicht, dass alle Mooc effizient sind, sondern gilt nur f\u00fcr die analysierten Tools.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDass die Ergebnisse mit Zur\u00fcckhaltung verallgemeinert werden sollten, d\u00fcrfte keine \u00dcberraschung sein \u2013 schliesslich w\u00fcrde auch niemand behaupten, dass B\u00fccher Lerninhalte effizient vermitteln, sondern wir alle wissen, dass die Wirkung von der Qualit\u00e4t eines bestimmten Buches abh\u00e4ngt. Trotzdem kommt es h\u00e4ufig vor, dass Medienschaffende allgemeine Fragen \u00fcber die Effizienz von Mooc oder Robotern stellen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nViele politische Entscheidungen beruhen ebenfalls auf Verallgemeinerungen und dem festen Glauben, dass eine bestimmte Technologie an sich ein bestimmtes Ergebnis gew\u00e4hrleistet. Aus diesem Grund liefern die EPFL-Labors keine \u00abschl\u00fcsselfertigen\u00bb Lernl\u00f6sungen, sondern setzen auf einen regelm\u00e4ssigen Austausch zwischen Forschungslabor und Start-up, um den Transfer von Forschungsergebnissen zu maximieren.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Eine Ausnahme ist die Coorp Academy, ein vom Innovationspark der ETH Lausanne gef\u00f6rdertes Start-up.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bildung ist ein zentraler Bestandteil der Schweizer Wirtschaft, sowohl im \u00f6ffentlichen als auch im privaten Sektor. Der Markt f\u00fcr Technologien im Bildungsbereich \u2013 Educational Technologies (Edtech) \u2013 beinhaltet in erster Linie digitale Lerntools und Services. Auffallend ist das breite Spektrum an Produkten und Leistungen. 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Ihr Finanzbedarf ist relativ bescheiden, das Zielpublikum jedoch heterogen und h\u00e4ufig an Budgetvorgaben gebunden. Die ETH Lausanne hat sich in Europa als ein Zentrum f\u00fcr digitale Bildung etabliert und den Innovationsinkubator Swiss Edtech Collider gegr\u00fcndet, der Jungunternehmen in dieser Sparte f\u00f6rdert. Ein Jahr nach dessen Gr\u00fcndung br\u00fcten dort bereits 70 Start-ups Ideen aus. Die EPFL unterst\u00fctzt diese, indem sie Treffen mit Investoren organisiert und neue Produkte testet.","magazine_issue":"20180701","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20180626","original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5af00489b16f9"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106580"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4689"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=106580"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106580\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126182,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106580\/revisions\/126182"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4689"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156972"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156233"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22186"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=106580"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=106580"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=106580"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=106580"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=106580"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=106580"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}