{"id":106810,"date":"2018-05-24T10:57:12","date_gmt":"2018-05-24T10:57:12","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/05\/kollbrunner-06-2018fra\/"},"modified":"2023-08-23T23:02:17","modified_gmt":"2023-08-23T21:02:17","slug":"foederalismus-kollbrunner-06-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/05\/foederalismus-kollbrunner-06-2018\/","title":{"rendered":"Bund f\u00f6rdert Wirtschaft in \u00abfunktionalen R\u00e4umen\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr Arbeit, Ausbildung und Freizeitaktivit\u00e4ten bewegen wir uns in immer gr\u00f6sseren R\u00e4umen. Dazu beigetragen haben verbesserte Verkehrsangebote, die Digitalisierung und der gesellschaftliche Wandel. Dank Telearbeit ist es beispielsweise m\u00f6glich, f\u00fcr eine weiter entfernte Firma t\u00e4tig zu sein. Demgegen\u00fcber haben sich die institutionellen Grenzen in den letzten Jahren wenig weiterentwickelt. So haben sich Kantonsfusionen bisher als nicht mehrheitsf\u00e4hig erwiesen, und Gemeindefusionen wurden nur in einzelnen Kantonen \u2013 wie beispielsweise im Kanton Glarus \u2013 grossfl\u00e4chig vorgenommen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn politische R\u00e4ume und Beziehungsr\u00e4ume nicht mehr \u00fcbereinstimmen, entstehen \u00abfunktionale R\u00e4ume\u00bb, die Grenzen \u00fcberschreiten. Sie umfassen jeweils ein oder mehrere Zentren und deren Peripherie. Je nach Themenfeld \u00e4ndert sich die Raumgr\u00f6sse. So sind Einzugsgebiete von Universit\u00e4ten und Spit\u00e4lern zum Beispiel nicht deckungsgleich.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn funktionalen R\u00e4umen erg\u00e4nzen sich Zentren und l\u00e4ndliche R\u00e4ume. St\u00e4dtische R\u00e4ume bringen Dichtevorteile: Sie sind oft Innovationshubs und Sitz von Unternehmenszentralen, haben aber auch entsprechende Nachteile wie etwa Verkehrs\u00fcberlastungen oder Platzmangel. Demgegen\u00fcber k\u00f6nnen sich l\u00e4ndliche R\u00e4ume f\u00fcr spezialisierte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eignen und spielen eine wichtige Rolle f\u00fcr die Naherholung, den Tourismus, die Nahrungsproduktion und den Landschaftsschutz. Sie sind jedoch oft schlechter erreichbar und wirtschaftlich insgesamt weniger attraktiv. Da Stadt und Land heute nicht mehr klar getrennt sind, gehen l\u00e4ndliche und st\u00e4dtische R\u00e4ume ineinander \u00fcber.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Ein \u00abRaumkonzept\u00bb f\u00fcr die Schweiz&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBund, Kantone, St\u00e4dte und Gemeinden sind sich einig: Funktionale R\u00e4ume stellen eine wichtige Erg\u00e4nzung unseres f\u00f6deralistischen Staatssystems dar. Viele Aufgaben erfolgen sinnvoller und effizienter in funktionalen R\u00e4umen als beschr\u00e4nkt auf eine Gemeinde oder einen Kanton. Entsprechend empfiehlt das \u00abRaumkonzept Schweiz\u00bb, welches im Jahr 2012 von den drei Staatsebenen und den St\u00e4dten verabschiedet wurde, vermehrt in funktionalen R\u00e4umen zu handeln.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie verschiedenen Ebenen nutzen das Raumkonzept heute in der Planung ihrer raumrelevanten Sektoralpolitiken. Vielerorts entstanden regionale Raumkonzepte auf kleinerer Massstabsebene. Etliche Kantone organisieren Standortpromotionsaktivit\u00e4ten in funktionalen R\u00e4umen, wie etwa die Greater Zurich Area. Beim Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) ist das Raumkonzept insbesondere f\u00fcr die Regionalpolitik eine wichtige Orientierungshilfe.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch verwaltungsexterne Akteure sehen die Wichtigkeit der funktionalen R\u00e4ume. So empfahl die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Territorialexamen Schweiz bereits im Jahr 2011, vermehrt in funktionalen R\u00e4umen zu denken, und der liberale Thinktank Avenir Suisse macht in seinem letztj\u00e4hrigen Bericht zum Strukturwandel in Berggebieten auf die funktionalen R\u00e4ume der einzelnen Talschaften aufmerksam.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nFunktionale R\u00e4ume haben diverse Vorteile: Durch Zusammenarbeiten \u00fcber Grenzen hinweg werden Synergien genutzt, und es k\u00f6nnen oft effizientere Gesamtl\u00f6sungen gefunden werden. Dank der Zusammenarbeit mit Nachbarn kann jede Region ihre eigenen St\u00e4rken ausspielen und von Leistungen der Nachbarn profitieren. Oft wird erst dank R\u00e4umen, die politische Grenzen \u00fcberschreiten, eine kritische Gr\u00f6sse erreicht, die Massnahmen in Wirtschaft, Bildung oder Verkehr umsetzbar machen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDenken und Handeln in funktionalen R\u00e4umen ist jedoch auch mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. So verf\u00fcgen funktionale R\u00e4ume normalerweise weder \u00fcber eine administrative Struktur noch \u00fcber Ressourcen, was ihre Handlungsm\u00f6glichkeiten beschr\u00e4nkt. Auch besteht bei Entscheiden in funktionalen R\u00e4umen ein gewisses \u00abDemokratiedefizit\u00bb, da diese R\u00e4ume keine eigene Parlamentsstufe haben. Zum Teil existieren grenz\u00fcberschreitende parlamentarische Kommissionen. Demgegen\u00fcber ist es h\u00e4ufig einfacher, eine gemeinde- oder kantonsweite L\u00f6sung umzusetzen, weil die staatlichen Entscheidungstr\u00e4ger in institutionellen R\u00e4umen verankert sind.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Effiziente Wirtschaftsentwicklung<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Wirtschaftsentwicklung sind funktionale R\u00e4ume zentral. Wachstums- und Innovationsmotoren sind dabei oft die Zentren: In einem kleinen funktionalen Raum wie in einer Talschaft kann dies ein Dorf oder eine kleinere Stadt sein, in einem grossen funktionalen Raum ist es meist eine gr\u00f6ssere Stadt. Da die Potenziale der verschiedenen Akteure sich erg\u00e4nzen und so optimal genutzt werden k\u00f6nnen, ist die Wirtschaftsentwicklung in funktionalen R\u00e4umen effizient. Sie hat aber auch viele H\u00fcrden vor sich, stehen doch die einzelnen Regionen auch in gegenseitiger Konkurrenz und haben aufgrund der Steuereinnahmen Interesse daran, Wirtschaftswachstum vor allem innerhalb der eigenen Gemeinde- oder Kantonsgrenze zu erwirtschaften.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDamit wirtschaftliche Entwicklung vermehrt in funktionalen R\u00e4umen erfolgt, setzt die Standortf\u00f6rderung des Seco unter anderem auf staatliche Anreize: Mit der Neuen Regionalpolitik (NRP) unterst\u00fctzen Bund und Kantone kantons\u00fcbergreifende und Landesgrenzen \u00fcberschreitende Programme und Projekte.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Ein Beispiel ist die Innovationsf\u00f6rderung, welche vom Bund prim\u00e4r in funktionalen R\u00e4umen, in sogenannten Regionalen Innovationssystemen (RIS), unterst\u00fctzt wird. RIS sind Wirtschaftsr\u00e4ume, in welchen Unternehmen, Hochschulen und Innovationsf\u00f6rderung vernetzt sind und sich so innovativ und effizient weiterentwickeln k\u00f6nnen. Bund und Kantone verst\u00e4rken etwa mit Vernetzungsanl\u00e4ssen oder Coachings die Dynamik der innovativen Wirtschaftsentwicklung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Tourismus f\u00f6rdert das Seco mit dem \u00abInnotour\u00bb-Programm die Innovation, die Zusammenarbeit und den Wissensaufbau auch \u00fcber die Kantonsgrenzen hinweg (siehe <em>Kasten<\/em>)<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>. Die Steuererleichterungen der Regionalpolitik des Bundes wiederum fokussieren auf regionale Zentren und sind somit ebenfalls auf funktionale R\u00e4ume ausgerichtet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nViele Impulse setzt das Seco gemeinsam mit anderen Bundesstellen. So f\u00f6rdert der Bund mit den \u00abModellvorhaben nachhaltige Raumentwicklung\u00bb innovative, themen\u00fcbergreifende Ans\u00e4tze \u2013 einige davon spezifisch zur Wirtschaftsentwicklung in funktionalen R\u00e4umen. Eine weitere \u00e4mter\u00fcbergreifende Massnahme ist das Pilotprogramm \u00abHandlungsr\u00e4ume Wirtschaft\u00bb. Es basiert auf dem eingangs erw\u00e4hnten Raumkonzept Schweiz.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAbschliessend l\u00e4sst sich sagen: Die effiziente Wirtschaftsentwicklung in funktionalen R\u00e4umen erg\u00e4nzt die Entwicklung innerhalb institutioneller R\u00e4ume. Damit die administrativen Grenzen \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen, wird das Seco gemeinsam mit den Kantonen auch k\u00fcnftig entsprechende Projekte besonders f\u00f6rdern.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Bundesrat et al. (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">OECD (2011) und Avenir Suisse (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/regiosuisse.ch\/\">www.regiosuisse.ch<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Standortfoerderung\/Tourismuspolitik\/Innotour.html\">www.seco.admin.ch\/innotour<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Arbeit, Ausbildung und Freizeitaktivit\u00e4ten bewegen wir uns in immer gr\u00f6sseren R\u00e4umen. 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OECD Territorialexamen: Schweiz 2011.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Vom Seco unterst\u00fctzte Projekte: Drei Beispiele","kasten_box":"Im Modellvorhaben <a href=\"https:\/\/www.are.admin.ch\/are\/de\/home\/raumentwicklung-und-raumplanung\/programme-und-projekte\/modellvorhaben-nachhaltige-raumentwicklung\/modellvorhaben-nachhaltige-raumentwicklung-2014-2018\/wirtschaft-in-funktionalen-raeumen-foerdern\/inwertsetzung-der-natur--und-kulturlandschaften-im-mattertal.html\">Nachhaltige Geotourismusregion Mattertal<\/a> haben die Gemeinden des Mattertals neue touristische Angebote wie etwa Alpaufz\u00fcge oder Besichtigungen von Suonen lanciert, um Touristen zum Verweilen im Zugangstal nach Zermatt zu ermuntern.&#13;\n&#13;\nDank der \u00fcber Innotour unterst\u00fctzten kantons\u00fcbergreifenden Destinationsentwicklung <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Standortfoerderung\/Tourismuspolitik\/Innotour\/Gefoerderte_Projekte\/2016-bis-2019\/aufbauarbeiten-und-betrieb-einer-entwicklungsplattform-luzern-vi.html\">Entwicklungsplattform Luzern-Vierwaldst\u00e4dtersee<\/a> kann sich die Zentralschweizer Tourismusregion international besser positionieren und Kr\u00e4fte b\u00fcndeln: Luzern und das B\u00fcrgenstock-Resort dienen dabei als Tourismusmagnete.&#13;\n&#13;\nMit dem Projekt <a href=\"https:\/\/regiosuisse.ch\/projects\/ext\/846\/jurabogen-praesenzwirtschaft\">Pr\u00e4senzwirtschaft im Jurabogen<\/a> (\u00abEconomie r\u00e9sidentielle\u00bb) des Pilotprogramms \u00abHandlungsr\u00e4ume Wirtschaft\u00bb soll die Wirtschaftsleistung vermehrt in der Region gehalten werden \u2013 beispielsweise \u00fcber Dienstleistungen, die f\u00fcr die Personen, die in der Region leben und arbeiten, angeboten werden (\u00abPr\u00e4senzwirtschaft\u00bb), oder \u00fcber regionale Produkte und Co-Working-Spaces."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":106813,"main_focus":[156240,156977],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":106817,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"77967","post_abstract":"\u00d6konomische und gesellschaftliche Beziehungen spielen sich oft in \u00abfunktionalen R\u00e4umen\u00bb ab, welche \u00fcber die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinausgehen. 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