{"id":107023,"date":"2018-05-15T08:50:40","date_gmt":"2018-05-15T08:50:40","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/05\/heri-06-2018fra\/"},"modified":"2023-08-23T23:02:58","modified_gmt":"2023-08-23T21:02:58","slug":"dossier-heri-06-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/05\/dossier-heri-06-2018\/","title":{"rendered":"Vorboten einer neuen Rezession?"},"content":{"rendered":"<p>Das Zusammenspiel von Geld-, Kredit- und Aktienm\u00e4rkten mit der realen Wirtschaft und dem Konjunkturverlauf hat tonnenweise Wirtschaftsliteratur produziert. Zahlreiche Modelle \u00e4lteren und j\u00fcngeren Datums haben in diesem Kontext Kenntnisse zutage gef\u00f6rdert, die sich leider oft nur schwer empirisch \u00fcberpr\u00fcfen, geschweige denn nachweisen lassen. Die entsprechenden Zusammenh\u00e4nge und Wirkungsmechanismen sind schlicht zu komplex und in ihrer zeitlichen Abfolge zu instabil, um sie empirisch vern\u00fcnftig analysieren zu k\u00f6nnen. Denn tats\u00e4chlich gleicht eine Volkswirtschaft eher einem wilden Bienenstock und verf\u00fcgt \u00fcber wenig wohldefinierte und sich wiederholende Prozesse, die vern\u00fcnftig modellierbar und empirisch analysierbar w\u00e4ren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTrotzdem werden gewisse Wirkungsmechanismen immer wieder hervorgehoben, und einige davon scheinen sich zumindest einer visuellen Interpretation der Daten nicht v\u00f6llig zu verschliessen. So scheint es geradezu erwiesen, dass eine Inversion der Zinsstrukturkurve auf zu erwartende konjunkturelle Probleme hinweist. Bei einer solchen Zinsinversion liegen die kurzfristigen Zinsen in einem Land oberhalb der langfristigen Ertragsraten.&#13;<\/p>\n<h2>Regelm\u00e4ssiger Vorl\u00e4ufer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs gibt viele m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungen f\u00fcr den Zusammenhang zwischen einer Rezession und einer Zinsinversion. Eine lautet, dass es bei einer Zinsinversion f\u00fcr das Bankensystem unattraktiv wird, Kredite zu sprechen. Denn der kurzfristige Einlagenzins, der eine wichtige Finanzierungsquelle f\u00fcr langfristige Ausleihungen ist, kostet die Banken mehr, als sie aus dem Kreditzins einnehmen. Warum sollte man in einer solchen Situation noch Kredite vergeben? Und weil Kredite im Normalfall als \u00abSchmier\u00f6l\u00bb des Wirtschaftsmotors gelten, kommt in einem solchen Fall der Wirtschaftsmotor ins Stottern. Zu simpel? Zu theoretisch? Nat\u00fcrlich.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nFakt ist aber, dass allen sechs Rezessionen der US-Wirtschaft in den letzten 45 Jahren regelm\u00e4ssig eine Zinsinversion vorausgegangen ist (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Vor jeder US-Rezession befanden sich die kurzfristigen Zinsen oberhalb oder gleichauf mit dem Niveau der langfristigen Zinsen. Direkt nach Ausbruch der Wirtschaftskrise dr\u00fcckte die Zentralbank die kurzfristigen Zinsen jeweils wieder nach unten und produzierte so ein \u00abnormales\u00bb Zinsumfeld.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Rezessionen und Zinsstruktur in den USA (1972\u20132018)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2018\/05\/Heri_Abb_1_DE_1.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-78346 size-full\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2018\/05\/Heri_Abb_1_DE_1.png\" alt=\"\" width=\"2002\" height=\"1282\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Reuters, Datastream \/ Die Volkswirtschaft&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNat\u00fcrlich ist jede Rezession der Wirtschaftsaktivit\u00e4t ein Einzelfall, und es gibt f\u00fcr jeden dieser Einzelf\u00e4lle ein ausgesprochen komplexes \u00f6konomisches Narrativ, das den wirtschaftlichen Abschwung erkl\u00e4ren soll. Im Falle der Zinsinversion ist aber immerhin das Argument interessant, dass der Anstieg des kurzfristigen Zinses (auch \u00fcber das Niveau des langfristigen Zinses hinaus) eine bewusste Politik der Zentralbank darstellt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDenn letztlich ist ja der kurzfristige Zins ein Politikinstrument der Zentralbank. Und so ist es auch kein Zufall, dass den meisten solchen Zinskonstellationen ein Anstieg der Inflationsraten vorausgeht. Schliesslich ist es die Hauptaufgabe der Zentralbank, f\u00fcr eine stabile Kaufkraft der W\u00e4hrung zu sorgen und damit Inflationstendenzen wenn m\u00f6glich im Keime zu ersticken \u2013 eben beispielsweise mit der Zinspolitik. Die Zinsinversion l\u00f6st sich sofort wieder auf, wenn der Wirtschaftsabschwung einsetzt und der Inflations\u00fcberdruck aus dem System entweicht (siehe <em>Abbildung 1<\/em>).&#13;<\/p>\n<h2>Fallende Aktienkurse als Reaktion<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nErhellend ist ein Blick auf die Aktienb\u00f6rsen. Denn dort wird die Zukunft fundamentaler Unternehmensdaten gehandelt. N\u00e4mlich die Erwartungen bez\u00fcglich Ums\u00e4tzen, Gewinnen und Renditen. Bei positiven oder negativen Anzeichen, welche die gegenw\u00e4rtigen Einsch\u00e4tzungen relativieren, werden die Bewertungen sofort angepasst. Eine pl\u00f6tzliche Inversion der Zinsstrukturkurve k\u00f6nnte ein solches Anzeichen sein. Wenn sich aufgrund einer neuen Zinskonstellation der Konjunkturhimmel verdunkelt, werden die Aktienbewertungen sofort nach unten angepasst.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese Hypothese w\u00e4re dann best\u00e4tigt, wenn bei noch immer vern\u00fcnftiger Konjunktur und einer zeitgleichen Zinsinversion die Aktienm\u00e4rkte pl\u00f6tzlich nach unten drehten. Und tats\u00e4chlich: In den letzten 45 Jahren liess sich dieses Ph\u00e4nomen in den USA regelm\u00e4ssig beobachten (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Es scheint also, dass die Aktienkurse kurz vor dem Eintritt in eine rezessive Wirtschaftsphase \u2013 in etwa zeitgleich mit der Zinsinversion \u2013 zu einem Abschwung ansetzen. Entsprechend ist es denn auch kein Zufall, dass in verschiedenen L\u00e4ndern die Aktienkurse zu den vorauslaufenden Indikatoren der Konjunkturentwicklung geh\u00f6ren.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Rezessionen und Aktienkurse in den USA (1972\u20132018)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\"><a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2018\/05\/Heri_Abb_2_DE_1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-78345 size-full\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2018\/05\/Heri_Abb_2_DE_1.png\" alt=\"\" width=\"1988\" height=\"1240\" \/><\/a>Quelle: Reuters, Datastream \/ Die Volkswirtschaft&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHeute herrscht eitel Sonnenschein an der Konjunkturfront. Es ist die beste Situation, die man sich vorstellen kann: tiefe Inflationsraten, gutes Wachstum, erfreuliche Unternehmensgewinne, Optimismus \u00fcberall. Doch wie wird sich die Zinskurve entwickeln? Die Zentralbanken werden \u00fcber kurz oder lang die in der Finanzkrise geschaffene Liquidit\u00e4t absch\u00f6pfen m\u00fcssen. Das wird kaum ohne Zinssteigerungen vonstattengehen. In der Tat bewegt sich die Zinsstruktur in den USA bereits auf eine Zinsinversion zu, wie die sich angleichenden Kurven in Abbildung 1 zeigen. Deswegen lohnt es sich, in den n\u00e4chsten Monaten die US-Zinsstruktur sehr genau zu beobachten. Sollten wir weiter in Richtung einer Zinsinversion gehen, sind Probleme an der Konjunkturfront vorprogrammiert.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Zusammenspiel von Geld-, Kredit- und Aktienm\u00e4rkten mit der realen Wirtschaft und dem Konjunkturverlauf hat tonnenweise Wirtschaftsliteratur produziert. 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Dieser Artikel vertritt die Auffassung, dass die Aktienm\u00e4rkte die Zinsinversion als Vorzeichen deuten und die Zukunft schlechter bewerten. Der Zusammenhang zwischen Zinsinversion und Konjunktur scheint auch jetzt wieder bedeutsam. Denn die aktuellen Zinsdaten zeigen auff\u00e4llige Bewegungen am Rand.","magazine_issue":"20180601","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[3988,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20180525","original_files":null,"external_release_for_author":"20180430","external_release_for_author_time":"15:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5abb324adad71"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107023"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4667"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=107023"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107023\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126221,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107023\/revisions\/126221"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3988"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4667"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156982"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156247"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22701"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107023"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=107023"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=107023"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=107023"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=107023"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=107023"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}