{"id":107137,"date":"2018-04-24T10:30:29","date_gmt":"2018-04-24T10:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/04\/le-partenariat-social-en-dangera\/"},"modified":"2023-08-23T23:03:16","modified_gmt":"2023-08-23T21:03:16","slug":"zuercher-bless-05-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/04\/zuercher-bless-05-2018\/","title":{"rendered":"Sozialpartnerschaft in Gefahr?"},"content":{"rendered":"<p>Die in Genf beheimatete Internationale Arbeitsorganisation (ILO) feiert n\u00e4chstes Jahr ihr hundertj\u00e4hriges Bestehen. Damit ist sie die \u00e4lteste Organisation innerhalb des UNO-Systems. Die ILO, die 187 Mitgliedsstaaten z\u00e4hlt, will in erster Linie auf der Basis von internationalen Normen und Standards die soziale Gerechtigkeit in der Arbeitswelt f\u00f6rdern: \u00dcber 180 solcher rechtlichen Instrumente geben die Spielregeln f\u00fcr die Arbeitsbedingungen in einer zunehmend globalisierten und sich rasch ver\u00e4ndernden Wirtschaft vor.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGleich lange Spiesse und Mindeststandards f\u00fcr alle Beteiligten im globalen Wettbewerb lautet das Credo. Dazu tragen namentlich die acht Kern\u00fcbereinkommen zur Abschaffung der Kinderarbeit, zur Beseitigung der Diskriminierung in Besch\u00e4ftigung und Beruf, zur Beseitigung der Zwangsarbeit, zur Vereinigungsfreiheit und zum Recht auf Kollektiv&shy;verhandlungen bei.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweiz hat diejenigen 60 \u00dcbereinkommen ratifiziert, welche f\u00fcr eine entwickelte Wirtschaft relevant sind. Ihre Seriosit\u00e4t in Bezug auf die Umsetzung der Kern\u00fcbereinkommen wird international anerkannt. Sie setzt sich daf\u00fcr ein, dass das rechtliche Regelwerk aktualisiert und den heutigen Bedingungen angepasst wird. Dar\u00fcber hinaus kommt der Schweiz als Sitzstaat eine besondere Verantwortung zu.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie ILO unterscheidet sich von anderen UNO-Organisationen vor allem durch ihre dreigliedrige Struktur aus Regierungs-, Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern. Dieser sogenannte tripartite Ansatz findet sich in allen L\u00e4nderdelegationen und Organen, was der ILO eine hohe Legitimit\u00e4t verschafft.&#13;<\/p>\n<h2><strong>ILO im digitalen Zeitalter<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEntstanden ist die ILO nach dem Ersten Weltkrieg in der Hoffnung, soziale Spannungen in Zukunft zu vermeiden, indem die Staatengemeinschaft die Arbeitnehmenden durch internationale Regelungen besser sch\u00fctzt. Sie durchlebte in der Folge zahlreiche historische Phasen, die bez\u00fcglich der politischen Herausforderungen, der konjunkturellen Entwicklung, grunds\u00e4tzlicher sozialpolitischer Probleml\u00f6sungsphilosophien, aber auch gesellschaftlicher Wertorientierungen starken Ver\u00e4nderungen unterworfen waren. Die Grunds\u00e4tze des sozialen Friedens und der Solidarit\u00e4t sind aber auch hundert Jahre sp\u00e4ter nach wie vor g\u00fcltig \u2013 wenngleich sich die Arbeitswelt ver\u00e4ndert hat. Bestehende Wertsch\u00f6pfungssysteme werden durch die Globalisierung und das in einem bis dato noch nicht da gewesenen Ausmass an Informations- und Kommunikationstechnologien durchdrungen. Die sogenannte vierte industrielle Revolution mischt Wissen, Produkte, Dienstleistungen, Wertsch\u00f6pfungsketten, Jobs und Branchen auf.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese Herausforderungen greift die ILO in einer \u00abInitiative zur Zukunft der Arbeit in unserem Leben und unserer Gesellschaft\u00bb auf, welche der ILO-Generaldirektor Guy Ryder zum 100-Jahr-Jubil\u00e4um lanciert hat. Neben den traditionellen Anliegen, wie etwa der F\u00f6rderung des Rechts auf Arbeit, der Schaffung menschenw\u00fcrdiger Arbeitspl\u00e4tze, der Entwicklung sozialer Sicherungssysteme und letzten Endes der nachhaltigen Sicherung unseres Wohlstandes, geht es in der Initiative auch um die Frage, wie sich die Sozialpartnerschaft angesichts der absehbaren technologischen Ver\u00e4nderungen und der fortschreitenden Tertiarisierung der Wirtschaft weiterhin als relevante und gestaltende Kraft behaupten kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAls kleine und offene Volkswirtschaft macht sich die Schweiz stark f\u00fcr die Initiative. Das Engagement erfolgt nicht nur auf der Basis der gemeinsamen Werte, welche die Schweiz mit der ILO teilt, sondern auch aus dem Willen zum gemeinsamen Handeln heraus, um das Vertrauen in die Arbeitswelt von morgen zu st\u00e4rken.\u00a0Deshalb kandidiert die Schweiz f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaft der internationalen Arbeitskonferenz im Jubil\u00e4umsjahr. Dies ist das h\u00f6chste Organ der Organisation.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Raison d\u2019\u00catre der ILO bedroht?<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBisher hat es die Schweiz bestens verstanden, den steten strukturellen Wandel zu ihren Gunsten zu nutzen. Es ist auch gegenw\u00e4rtig davon auszugehen, dass die Digitalisierung, gleich dem bisherigen technologischen Fortschritt, zu einem gesamtwirtschaftlichen Besch\u00e4ftigungsanstieg f\u00fchren wird und dank der Spezialisierung auf hochwertige T\u00e4tigkeiten sowohl den Werkplatz Schweiz st\u00e4rkt als auch den Besch\u00e4ftigten mehr Wohlstand beschert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine wichtige Voraussetzung daf\u00fcr ist eine starke Sozialpartnerschaft, welche den Wandel in einem offenen und konstruktiven Dialog mitgestaltet. Damit sollen auch in Zukunft dank unternehmerischer Initiativen und Innovationsfreudigkeit neue Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden, wenn anderswo Arbeitspl\u00e4tze verschwinden. Im Hinblick auf das ILO-Jubil\u00e4um begleitet das Departement f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) die Sozialpartner bei der Ausarbeitung einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung zur Zukunft der Arbeit und der Sozialpartnerschaft. Dadurch soll die vertrauensvolle Zusammenarbeit auch angesichts einer globalisierten Wirtschaft und des technologischen Wandels weitergehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie ILO hat in der Vergangenheit ihre Anpassungsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber globalen Ver\u00e4nderungen und neuen Technologien unter Beweis gestellt. Da angesichts der digitalen \u00c4nderungen atypische Besch\u00e4ftigungsformen zunehmen k\u00f6nnten, f\u00fchrt dies wom\u00f6glich zu einem schleichenden Bedeutungsverlust der Sozialpartnerschaft. Dies wiederum gef\u00e4hrdet den tripartiten Ansatz \u2013 die Raison d\u2019\u00catre der ILO.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie globalen Tendenzen widerspiegeln auch die Situation in der Schweiz. Auf der Arbeitnehmerseite bringen schwindende Mitgliederzahlen aufgrund gesellschaftlicher Individualisierungstendenzen die Gewerkschaften in Bedr\u00e4ngnis, w\u00e4hrend auf der Arbeitgeberseite eine zunehmende Aufsplitterung der Interessenvertretung der Unternehmen festzustellen ist. Diese Tendenzen stellen ein grunds\u00e4tzliches Problem hinsichtlich der Repr\u00e4sentanz der Sozialpartner und letztlich ihrer Legitimit\u00e4t im Prozess der Interessenkoordination dar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie erw\u00e4hnte ILO-Initiative richtet sich daher nicht nur auf die Zukunft der Arbeit, sondern auch auf die Zukunft der Sozialpartnerschaft. Nur eine effiziente und funktionierende sozialpartnerschaftliche Verst\u00e4ndigung und Interessenkoordination \u2013 subsidi\u00e4r vom Staat begleitet \u2013 tr\u00e4gt dazu bei, L\u00f6sungen auf Stufe der Branchen und Unternehmen zu finden, welche der Notwendigkeit der Wirtschaft entsprechen, die n\u00f6tige Flexibilit\u00e4t garantieren und einer Verrechtlichung der Arbeitsbeziehungen vorbeugen. Dieser Ansatz schafft Sicherheit und sozialen Zusammenhalt, die zur F\u00f6rderung und zum Schutz von Investitionen, zur Schaffung und zum Erhalt von Arbeitspl\u00e4tzen und schliesslich zur Wahrung des Wohlstands unabdingbar sind.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die in Genf beheimatete Internationale Arbeitsorganisation (ILO) feiert n\u00e4chstes Jahr ihr hundertj\u00e4hriges Bestehen. Damit ist sie die \u00e4lteste Organisation innerhalb des UNO-Systems. 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Denn diese ist wom\u00f6glich durch die Zunahme von neuen Arbeitsformen, einen Mitgliederschwund bei den Gewerkschaften und eine Aufsplitterung der Arbeitgeberinteressen bedroht. Die Schweiz nimmt sich des Themas an und engagiert sich auch multilateral daf\u00fcr. Es geht um nichts weniger als um die F\u00f6rderung des sozialen Zusammenhalts und die Wahrung des Wohlstands.","magazine_issue":"20180501","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20180425","original_files":null,"external_release_for_author":"20180329","external_release_for_author_time":"23:30:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5aaf7feeb0e4d"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107137"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4664"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=107137"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107137\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126231,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107137\/revisions\/126231"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2695"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4664"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22833"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107137"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=107137"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=107137"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=107137"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=107137"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=107137"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}