{"id":107273,"date":"2018-03-26T11:00:50","date_gmt":"2018-03-26T11:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/03\/mueller-steinmann-04-2018\/"},"modified":"2023-08-23T23:03:08","modified_gmt":"2023-08-23T21:03:08","slug":"mueller-10-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/03\/mueller-10-2017\/","title":{"rendered":"Industriez\u00f6lle hemmen Wirtschaftswachstum"},"content":{"rendered":"<p>Der internationale Handel ist in den letzten Jahrzehnten immer freier geworden. Die Schweiz hat neue Freihandelsabkommen abgeschlossen, und die Z\u00f6lle sowie andere nicht tarif\u00e4re Handelshemmnisse wurden massiv abgebaut. Der Bundesrat hat sich nun mit einer autonomen \u2013 also ohne Gegenleistung der Handelspartner erfolgten \u2013 Aufhebung der noch bestehenden Importz\u00f6lle f\u00fcr Industrieprodukte befasst und einen entsprechenden Vorschlag in Auftrag gegeben.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Als Grundlage diente die hier kurz umrissene Arbeit des Beratungs- und Forschungsunternehmens Ecoplan, die im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) die Folgen des Zollabbaus mithilfe eines auf der neuesten Handelstheorie basierenden Mehrl\u00e4nder-Gleichgewichtsmodells simulierte.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie durchschnittliche Zollbelastung f\u00fcr Industrieimporte in die Schweiz ist bereits heute tief und die Schutzfunktion entsprechend gering. Im Jahr 2016 beliefen sich die Importz\u00f6lle im Industriebereich auf rund 480 Millionen Franken. Dies entspricht einer durchschnittlichen Zollbelastung von 0,32 Prozent auf dem gesamten Importwert im Industriebereich. Bereits heute fallen nur noch auf rund 23 Prozent der importierten Industrieg\u00fcter Z\u00f6lle an.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer autonome Abbau der Einfuhrz\u00f6lle f\u00fchrt zu administrativen Einsparungen bei den Importeuren im Inland, der Zollverwaltung und den ausl\u00e4ndischen Exporteuren. Administrative Einsparungen entstehen vor allem dann, wenn f\u00fcr eine Ware aufgrund des Zollabbaus der Ursprung nicht mehr mittels eines Nachweises belegt werden muss. Dies ist jeweils f\u00fcr die Nutzung eines Freihandelsabkommens notwendig. Betroffen ist rund ein Drittel der importierten Industrieg\u00fcter. Diese Waren, welche aufgrund des Ursprungsnachweises zollfrei importiert, in der Schweiz konsumiert oder verarbeitet re-exportiert werden, beliefen sich 2016 auf einen Wert von 52 Milliarden Franken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei einem vollst\u00e4ndigen Industriezollabbau sind gem\u00e4ss dem Forschungs- und Beratungsunternehmen B,S,S. administrative Einsparungen bei den Importeuren, externen Dienstleistern und der Zollverwaltung von insgesamt rund 105 Millionen Franken pro Jahr m\u00f6glich.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Dies entspricht rund 0,2 Prozent des von den Einsparungen betroffenen Importwerts. Nicht enthalten sind darin die Einsparungen durch den teilweisen Wegfall der Ursprungsnachweise bei den Exporteuren im Ausland. Aus \u00e4lteren Studien und der internationalen Literatur lassen sich die Einsparungen bei den Exporteuren auf 0,3 Prozent des Warenwerts grob absch\u00e4tzen. Die gesamten administrativen Einsparungen betragen somit 0,5 Prozent des betroffenen Importwerts, was j\u00e4hrlich 250 Millionen Franken entspricht.&#13;<\/p>\n<h2><strong>BIP und Einkommen steigen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei einem Abbau dieser Z\u00f6lle f\u00e4llt der Zollschutz weg, und g\u00fcnstigere Importe k\u00f6nnen teilweise die heimische Produktion verdr\u00e4ngen. Gleichzeitig f\u00fchrt die Massnahme zu tieferen Importpreisen und h\u00f6heren Importen. Die Exporte steigen einerseits aufgrund der g\u00fcnstigeren Beschaffung bei den importierten Vorleistungen, andererseits aber auch aufgrund der Zunahme der Produktivit\u00e4t. Insgesamt nimmt der Aussenhandel um knapp 0,5 Prozent zu.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer autonome Abbau aller Z\u00f6lle im Industriebereich f\u00fchrt zu leicht positiven volkswirtschaftlichen Auswirkungen: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) steigt um 0,13 und das j\u00e4hrliche Pro-Kopf-Einkommen um rund 40 Franken. Hauptverantwortlich f\u00fcr die positiven volkswirtschaftlichen Auswirkungen ist dabei nicht die Abschaffung der Industriez\u00f6lle an sich, sondern die damit verbundenen administrativen Einsparungen und die entsprechende Effizienzsteigerung in den Handelsbeziehungen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Kompletter Abbau bringt am meisten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAlternativen zum vollst\u00e4ndigen Industriezollabbau machen aus volkswirtschaftlicher Sicht wenig Sinn: Weder der Abbau der tiefsten noch die Reduktion der h\u00f6chsten Z\u00f6lle bringen mehr Nutzen als der vollst\u00e4ndige Abbau der Industriez\u00f6lle. Dasselbe gilt f\u00fcr den Abbau aller Z\u00f6lle auf Rohstoffen und Halbfabrikaten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs spricht aus gesamtwirtschaftlicher Sicht auch nichts daf\u00fcr, den vollst\u00e4ndigen Industriezollabbau schrittweise zu vollziehen. Soll der vollst\u00e4ndige Industriezollabbau aus anderen \u2013 beispielsweise fiskalischen \u2013 Gr\u00fcnden zeitlich gestaffelt erfolgen, so ist auf eine schrittweise Reduktion der einzelnen Zolls\u00e4tze zu verzichten. Ein sinnvoller schrittweiser Zollabbau k\u00f6nnte so ausgestaltet werden, dass in einem ersten Schritt ein vollst\u00e4ndiger Abbau der Rohstoff- und Halbfabrikatz\u00f6lle vorgenommen wird, danach erfolgt der vollst\u00e4ndige Abbau der tiefen Z\u00f6lle, und im letzten Schritt werden alle noch bestehenden Z\u00f6lle abgeschafft.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\"><a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-69321.html\">Bundesrat beschliesst Massnahmen gegen Hochpreisinsel<\/a>, Medienmitteilung vom 20. 12. 2017.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Ecoplan (2017). <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/wirtschaftslage---wirtschaftspolitik\/wirschaftspolitik\/Wettbewerbspolitik\/importerleichterungen.html\">Volkswirtschaftliche Auswirkungen unilateraler Importerleichterungen der Schweiz<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Beitrag von Harald Meier und Miriam Frey (B,S,S.) in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der internationale Handel ist in den letzten Jahrzehnten immer freier geworden. 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Die g\u00fcnstigere Vorleistungsbeschaffung w\u00fcrde die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Industrie verbessern. Hauptverantwortlich f\u00fcr die positiven volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines Abbaus der Industriez\u00f6lle w\u00e4re aber nicht der Zollabbau an sich, sondern die damit verbundenen administrativen Einsparungen, welche die Handelsbeziehungen effizienter machen. Das Forschungs- und Beratungsunternehmen Ecoplan rechnet bei einem Abbau der Industriez\u00f6lle mit einer Zunahme des Bruttoinlandprodukts um 0,13 Prozent und mit einer Erh\u00f6hung des j\u00e4hrlichen Pro-Kopf-Einkommens um 40 Franken.","magazine_issue":"20180401","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20180327","original_files":[{"file":107288}],"external_release_for_author":"20180302","external_release_for_author_time":"22:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/595e4833c3412"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107273"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4194"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=107273"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107273\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126243,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107273\/revisions\/126243"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4588"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4194"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156997"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156268"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22985"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=107273"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=107273"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=107273"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=107273"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=107273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}