{"id":107290,"date":"2018-03-26T11:00:48","date_gmt":"2018-03-26T11:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/03\/moser-nicklisch-10-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:03:17","modified_gmt":"2023-08-23T21:03:17","slug":"moser-nicklisch-10-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/03\/moser-nicklisch-10-2017\/","title":{"rendered":"Auf dem Holzweg? Die Deklarationspflicht f\u00fcr Holzprodukte"},"content":{"rendered":"<p>Wer in der Schweiz ein Holzprodukt kauft, muss \u00fcber die Holzart und das Herkunftsland informiert werden. Dies schreibt die Verordnung \u00fcber die Deklaration von Holz und Holzprodukten vor.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Sie hat zum Ziel, dem Konsumenten zu helfen, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. In der EU hingegen besteht eine Sorgfaltspflicht: Der Erstimporteur muss auf Anfrage nachweisen k\u00f6nnen, dass das Holz nicht aus illegalem Holzschlag stammt. Alle weiteren H\u00e4ndler k\u00f6nnen auf den Erstimporteur verweisen. Eine Pflicht zur Herkunftsdeklaration gegen\u00fcber dem Konsumenten besteht nicht.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieser konzeptionelle Unterschied klingt gering, entfaltet m\u00f6glicherweise aber erhebliche Handelshemmnisse. Um dies zu pr\u00fcfen, haben wir eine Zufallsauswahl von Preisen f\u00fcr von der Deklarationspflicht betroffene und nicht betroffene Holzprodukte in der Schweiz und in Deutschland verglichen (f\u00fcr Holzpellets siehe <em>Kasten<\/em>).<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>Wir erfassten nur Importware, f\u00fcr die es sowohl ein Schweizer als auch ein deutsches Angebot gibt. Hierdurch konnten wir die Preise f\u00fcr identische Produkte vergleichen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei der Analyse konzentrierten wir uns auf M\u00f6bel und definierten einen relativen Schweizer Preisaufschlag.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Dabei verglichen wir die Preisaufschl\u00e4ge f\u00fcr genau deklarierte M\u00f6bel mit solchen f\u00fcr nicht deklarationspflichtige M\u00f6bel: W\u00e4hrend zum Beispiel ein Stuhl mit Buchenholzbeinen der Deklarationspflicht unterliegt, ist ein Spanplattentisch nicht deklarationspflichtig, da er nicht aus \u00abVollholz\u00bb besteht. Zus\u00e4tzlich sind einige M\u00f6bel ungenau deklariert. Dies ist etwa der Fall, wenn bei der Herkunft beispielsweise lediglich \u00abAsien\u00bb steht und das genaue Land fehlt.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Signifikanter Preisaufschlag<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnsere Analyse deutet auf einen signifikanten und systematischen Mehrpreis hin: Der relative Schweizer Preisaufschlag ist bei deklarierten M\u00f6beln 14 Prozentpunkte h\u00f6her als bei nicht deklarierten und bei ungenau deklarierten M\u00f6beln (siehe <em>Abbildung<\/em>). Bleiben wir beim Buchenholzstuhl: Kostet dieser in Deutschland umgerechnet 100 Franken, ist er in der Schweiz 28 Franken teurer \u2013 wovon knapp die H\u00e4lfte statistisch der Deklarationspflicht geschuldet ist.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>M\u00f6bel: Mittlerer relativer Preisaufschlag in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2018\/03\/Abb1_Moser_Nicklisch_DE.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-77447\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2018\/03\/Abb1_Moser_Nicklisch_DE.png\" alt=\"\" width=\"2556\" height=\"1100\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Grundgesamtheit sind 58 Preisdifferenzen f\u00fcr M\u00f6bel. \u00abp\u00bb bezeichnet die Wahrscheinlichkeit, dass die durchschnittlichen Preisaufschl\u00e4ge sich nicht voneinander unterscheiden (berechnet anhand eines einseitigen Wilcoxon-Mann-Whitney-Tests). Je kleiner der p-Wert, desto h\u00f6her die Signifikanz.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWas also mit guten Absichten startete, kommt die Konsumenten teuer zu stehen: Deklarierte M\u00f6bel sind teurer, vermutlich, da f\u00fcr sie weniger \u00abFreiheitsgrade\u00bb in der Produktion existieren. So k\u00f6nnen Wechsel bei Holzlieferanten f\u00fcr den Schweizer Markt eine \u00c4nderung der Deklaration nach sich ziehen, wenn sich das Herkunftsland \u00e4ndert, w\u00e4hrend f\u00fcr den EU-Markt keine Anpassungen notwendig sind. Es scheint also an der Zeit, eine Anpassung der hiesigen Norm zu bedenken.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Eidgen\u00f6ssisches B\u00fcro f\u00fcr Konsumentenfragen BFK: <a href=\"https:\/\/www.konsum.admin.ch\/bfk\/de\/home\/themen\/holzdeklaration.html\">Holzdeklaration<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">EU-Kommission (2013): <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/environment\/forests\/timber_regulation.htm#products\">Europ\u00e4ische Holzverordnung<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Moser und Nicklisch (2017). <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/wirtschaftslage---wirtschaftspolitik\/wirschaftspolitik\/Wettbewerbspolitik\/importerleichterungen.html\">Holzm\u00e4rkte: \u00d6konomische Kosten der Ausnahmen vom Cassis-de-Dijon-Prinzip<\/a>, Studie im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Preisaufschlag = (PreisCH \u2013 PreisD) \/ PreisD.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Zurzeit sind diesbez\u00fcglich zwei Motionen im St\u00e4nderat und im Nationalrat h\u00e4ngig (17.3843 Fl\u00fcckiger-B\u00e4ni und 17.3855 F\u00f6hn, <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20173843\">Gleich lange Spiesse f\u00fcr Schweizer Holzexporteure gegen\u00fcber ihrer europ\u00e4ischen Konkurrenz<\/a>). Sie fordern die \u00dcbernahme der Regelung in der EU, welche die Inverkehrsetzung von illegal geerntetem Holz verhindern soll. Der Bundesrat hat am 20. Dezember 2017 <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/seco\/nsb-news.msg-id-69321.html\">entschieden<\/a>, bei Annahme eines solchen Vorstosses die heutige Deklarationsvorschrift aufzuheben.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in der Schweiz ein Holzprodukt kauft, muss \u00fcber die Holzart und das Herkunftsland informiert werden. Dies schreibt die Verordnung \u00fcber die Deklaration von Holz und Holzprodukten vor. Sie hat zum Ziel, dem Konsumenten zu helfen, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. 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Hinweise legen nahe, dass der Mehrwertsteuerausgleich und Grenzformalit\u00e4ten st\u00e4rkere Importe und eine Angleichung an das internationale Niveau erschweren."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":107293,"main_focus":[156268,156997],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":107297,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"71000","post_abstract":"Die Schweizer Verordnung \u00fcber die Deklaration von Holz und Holzprodukten unterscheidet sich von der entsprechenden EU-Verordnung. Der Unterschied f\u00fchrt zu deutlichen Mehrkosten bei Importm\u00f6beln. 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