{"id":107332,"date":"2018-03-26T11:00:20","date_gmt":"2018-03-26T11:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/03\/schropp-10-2017fr\/"},"modified":"2025-06-14T11:53:42","modified_gmt":"2025-06-14T09:53:42","slug":"schropp-10-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/03\/schropp-10-2017\/","title":{"rendered":"Kanada, Norwegen und Neuseeland machen positive Erfahrungen mit einseitigen Importerleichterungen"},"content":{"rendered":"<p>Die Bedeutung von offenen M\u00e4rkten f\u00fcr die Schweizer Volkswirtschaft ist immens. Angesichts der ungewissen Zukunft der multilateralen Verhandlungen im Rahmen der Welthandelsorganisation bieten sich autonome Importerleichterungen f\u00fcr wichtige Industrieg\u00fcter \u2013 bis hin zum kompletten Zollabbau \u2013 an. In diesem Kontext pr\u00fcft nun auch die Schweiz die M\u00f6glichkeit einer solchen unilateralen Massnahme.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Mehrere L\u00e4nder \u2013 darunter die offenen und entwickelten Volkswirtschaften Singapur, Hongkong, Neuseeland, Australien, Chile, Kanada und Norwegen \u2013 verf\u00fcgen bereits \u00fcber Erfahrungen mit dem autonomen Zollabbau. Bisher liegen jedoch noch keine belastbaren quantitativen Analysen der volkswirtschaftlichen Effekte solcher Massnahmen vor, die Schweizer Entscheidungstr\u00e4gern an die Hand zu geben w\u00e4ren. Deshalb hat die Wirtschaftskanzlei Sidley Austin LLP im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) untersucht, wie sich ein unilateraler Zollabbau auf Exportwachstum, Produktivit\u00e4t und Besch\u00e4ftigung in Neuseeland, Kanada und Norwegen ausgewirkt hat.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Aufgrund der enormen Wichtigkeit des Exportsektors f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft konzentrierten wir uns f\u00fcr diesen Beitrag auf die Auswirkungen des autonomen Zollabbaus auf die Exportst\u00e4rke dieser drei L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Ein unilateraler Zollabbau f\u00fchrt aus volkswirtschaftstheoretischer Sicht nicht nur zu steigenden Import-, sondern auch zu steigenden Exportraten. Der Grund: Niedrige Z\u00f6lle reduzieren die Preise und erh\u00f6hen Auswahl und Qualit\u00e4t von wichtigen Vorleistungsg\u00fctern, die zur Herstellung von hochwertigen Exportartikeln verwendet werden.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Eine weiter gehende Integration in globale Wertsch\u00f6pfungsketten tr\u00e4gt dazu bei, dass Exporteure konkurrenzf\u00e4hig bleiben und teilweise vor den Wirkungen einer Aufwertung der einheimischen W\u00e4hrung abgeschirmt werden. Generell erm\u00f6glichen niedrigere Z\u00f6lle eine Ressourcen-Reallokation zugunsten der Exporteure.<\/p>\n<p>Die Ausgangslage f\u00fcr den einseitigen Zollabbau unterscheidet sich in den drei Staaten und ist durch den jeweiligen wirtschaftspolitischen Kontext gepr\u00e4gt. So waren einseitige Importerleichterungen in Neuseeland nur ein kleiner Teil eines gross angelegten Wirtschaftsreformpakets Ende der Achtzigerjahre, welches das Land vor dem finanziellen Kollaps bewahren sollte. In einer ersten Phase, die von 1988 bis 1992 dauerte, setzte die Regierung den radikalen Abbau von nicht tarif\u00e4ren Handelshemmnissen sowie von Importz\u00f6llen in allen Sektoren \u2013 Agrarg\u00fcter, Konsumg\u00fcter und Rohstoffe \u2013 durch. Zudem trieb Neuseeland eine rigorose Konvertierung von Mengen- und Mischz\u00f6llen zu reinen Wertz\u00f6llen voran. In einer zweiten Phase wurden zwischen 1993 und 1996 weitere Importz\u00f6lle verringert. Insgesamt senkte Neuseeland seine Wertz\u00f6lle von durchschnittlich 16 Prozent auf 6 Prozent, was dem damaligen OECD-Durchschnitt entsprach.<\/p>\n<p>In Kanada wiederum war der einseitige Zollabbau ein wichtiger Teil von Wirtschaftsreformen, welche nach der Weltwirtschaftskrise von 2008 die B\u00fcrokratie und den Verwaltungsaufwand abbauen sollten. Nach intensiven Konsultationen der Industrie liberalisierte die kanadische Regierung zwischen 2009 und 2015 die Z\u00f6lle von mehr als 1900 G\u00fctern \u00fcber drei Phasen hinweg. Der Zollabbau beschr\u00e4nkte sich weitgehend auf Kapital- und Investitionsg\u00fcter. Z\u00f6lle auf Agrar- und Konsumg\u00fcter blieben hingegen unangetastet. Da viele Zolltarife bereits vor der Reform niedrig waren, war die Regierung bestrebt, vor allem sogenannte Nuisance Tariffs zu eliminieren. Damit sind tiefe Zolls\u00e4tze gemeint, deren Administration mehr kostet, als die Z\u00f6lle einbringen. Ende 2016 waren 74 Prozent aller entsprechenden Zolltarife g\u00e4nzlich eliminiert, und lediglich knapp 7 Prozent der Z\u00f6lle \u2013 vornehmlich auf Textilien und Schuhwaren \u2013 verblieben \u00fcber der 10-Prozent-Schwelle.<\/p>\n<p>Norwegen verfolgte die Strategie des kompletten Abbaus von Nuisance Tariffs auf Industrieg\u00fcter. Dies geschah ohne \u00e4usserlichen wirtschaftlichen Druck. Ausschlaggebend waren vielmehr die steigende Bedeutung des asiatischen Marktes, das Streben nach der Produktion h\u00f6herwertiger Exportg\u00fcter und der Abbau von b\u00fcrokratischen H\u00fcrden. Quasi \u00fcber Nacht senkte Norwegen im Jahr 2006 den Durchschnittszoll auf Nichtagrarg\u00fcter von 2,29 auf 0,54 Prozent \u2013 womit im Industrieg\u00fctersektor derzeit lediglich 144 Zollpositionen im Textil- und Luxussegment nicht zollbefreit sind.<\/p>\n<h2><strong>Messbarer Effekt in allen drei L\u00e4ndern<\/strong><\/h2>\n<p>Um die Effekte des unilateralen Zollabbaus zu quantifizieren, verwendeten wir eine sogenannte Event-Analyse. Basierend auf historischen Daten, verglichen wir darin das tats\u00e4chliche Exportverhalten (mit Zollabbau) mit einer Sch\u00e4tzung des Exportaufkommens ohne Zollabbau. Die Differenz zwischen den beiden Szenarien gibt einen Hinweis auf den Effekt des \u00abEvents\u00bb, d. h. des Zollabbaus. Den Zeitpunkt des \u00abEvents\u00bb w\u00e4hlten wir jeweils so, dass der Zollabbau m\u00f6glichst isoliert von anderen durchgef\u00fchrten Reformmassnahmen betrachtet werden kann.<\/p>\n<p>Die Auswertung zeigt: Bei Neuseeland setzte der Effekt der autonomen Zollabbaumassnahmen nach der zweiten Reformphase von 1993 bis 1996 ein (siehe <em>Abbildung<\/em>). Das tats\u00e4chlich erwirtschaftete Exportwachstum lag in den f\u00fcnf Jahren nach der zweiten Reformphase \u2013 im ersten Quartal 1993 \u2013 durchwegs \u00fcber der Prognose: Im Vergleich zur Sch\u00e4tzung ohne Zollabbau stiegen die Exporte zus\u00e4tzlich j\u00e4hrlich um 2,4 Prozent.<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Tats\u00e4chliches und gesch\u00e4tztes Exportwachstum<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<div class='chart chart--normal' id='mahlstein_schropp_1_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#mahlstein_schropp_1_de').highcharts({\n  title: {\n        text: 'Neuseeland'\n    },\n\n   \n\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Exportwachstum (im Vergleich zum Vorjahresquartal)'\n        },\n           labels: {\n            formatter: function () {\n                return this.value + '%';\n            }\n        }\n    },\n    xAxis: {\n        categories: ['1991q1', '1991q2', '1991q3', '1991q4', '1992q1', '1992q2', '1992q3', '1992q4', 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tats\u00e4chlichen Exportraten (gr\u00fcne Linie) oberhalb der vorhergesagten (blaue Linie) befindet, haben die einseitigen Zollabbaumassnahmen eine Erh\u00f6hung der Exporte des jeweiligen Landes bewirkt.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: OECD; Berechnungen Sidley Austin LLP basierend auf einer autoregressive distributed lag (ARDL) Eventanalyse \/ Die Volkswirtschaft<\/span><span style=\"color: #ff00ff;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>F\u00fcr Kanada registrieren wir kleinere Effekte, was auf die geringere Anzahl liberalisierter Zolltarife und auf die \u00ab\u00dcberschaubarkeit\u00bb der Zollsenkungen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. In der Sch\u00e4tzung ber\u00fccksichtigen wir einen m\u00f6glichen Aufholeffekt nach der Weltwirtschaftskrise. Dabei resultiert mit Zollabbau ein um 0,75 Prozent h\u00f6heres j\u00e4hrliches Wachstum der Exporte in den f\u00fcnf Jahren nach dem \u00abEvent\u00bb.<\/p>\n<p>Auch im Fall von Norwegen verzeichnen wir Effekte, selbst wenn wir Erd\u00f6l- und Grossindustrieexporte wie Schiffbau und \u00d6lbohrinseln aus den Exporten herausnehmen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Exportwachstum dank der Zollabbaumassnahmen mindestens 1,2 Prozent h\u00f6her ausgefallen ist als in einer Situation ohne Zollabbau.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a><\/p>\n<h2><strong>Kanadisches Modell f\u00fcr die Schweiz interessant<\/strong><\/h2>\n<p>Die Ergebnisse unserer Studie machen deutlich, dass der einheimische Exportsektor vom einseitigen Zollabbau profitiert. In Zeiten global integrierter Wertsch\u00f6pfungsketten sind Einfuhrz\u00f6lle auf wichtige Industrie- und Vorleistungsprodukte schlicht kontraproduktiv. Importz\u00f6lle schw\u00e4chen die Konkurrenzf\u00e4higkeit des Exportsektors: Sie reduzieren Auswahl und Qualit\u00e4t von Zwischeng\u00fctern und machen die exportorientierten Firmen gegen\u00fcber einer W\u00e4hrungsaufwertung verwundbarer.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Exportland Schweiz mit seinem importsensiblen Landwirtschaftssektor sind die Erfahrungen dieser drei L\u00e4nder von prim\u00e4rer Bedeutung. Aufgrund der direkten Demokratie in der Schweiz scheint das kanadische Modell besonders relevant f\u00fcr das Schweizer Vorhaben: Mit einem \u00c0-la-carte-Ansatz zum Zollabbau (Liberalisierung von speziellen Industrie-, Investitions- und Vorleistungsg\u00fctern), einem schrittweisen und geordneten Abbau von Zollpositionen, einer zielorientieren Vernehmlassung und einer ergebnisoffenen und integrativen Kommunikationspolitik hat Kanada beispielhafte Arbeit geleistet. Dies hat sich nicht nur in h\u00f6heren Ausfuhrvolumina bezahlt gemacht hat, sondern auch die kanadische Privatwirtschaft vom Nutzen des unilateralen Zollabbaus \u00fcberzeugt. Letztere fordert nun sogar von sich aus weiter gehende Importerleichterungen auf Konsumg\u00fcter und Nahrungsmittel.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\"><a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-69321.html\">Bundesrat beschliesst Massnahmen gegen Hochpreisinsel<\/a>, Medienmitteilung vom 20. 12. 2017.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Sidley Austin (2017), <a title=\"Empirical analysis of the potentials and economic impact of the unilateral easing of import restrictions\" href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/wirtschaftslage---wirtschaftspolitik\/wirschaftspolitik\/Wettbewerbspolitik\/importerleichterungen.html\">Empirical Analysis of the Potentials and Economic Impact of the Unilateral Easing of Import Restrictions<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe auch <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch218\/3\/mueller-4-218\/\">Beitrag<\/a> von Larissa M\u00fcller (Seco) in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Statistisch knapp insignifikant (18% Signifikanzniveau). Bei einer k\u00fcrzeren Sch\u00e4tzperiode ohne vollen Konjunkturzyklus sind die Effekte gr\u00f6sser und statistisch signifikant.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bedeutung von offenen M\u00e4rkten f\u00fcr die Schweizer Volkswirtschaft ist immens. Angesichts der ungewissen Zukunft der multilateralen Verhandlungen im Rahmen der Welthandelsorganisation bieten sich autonome Importerleichterungen f\u00fcr wichtige Industrieg\u00fcter \u2013 bis hin zum kompletten Zollabbau \u2013 an. In diesem Kontext pr\u00fcft nun auch die Schweiz die M\u00f6glichkeit einer solchen unilateralen Massnahme. 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Eine Studie der Wirtschaftskanzlei Sidley Austin LLP zeigt, dass das Exportwachstum dank dieser Massnahmen deutlich h\u00f6her lag als in einer Modellprognose ohne Zollabbau. 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