{"id":107387,"date":"2018-03-26T10:48:56","date_gmt":"2018-03-26T10:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/03\/chavaz-10-2017fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:03:13","modified_gmt":"2023-08-23T21:03:13","slug":"chavaz-12-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/03\/chavaz-12-2017\/","title":{"rendered":"Z\u00f6lle senken, ohne der Schweizer Landwirtschaft zu schaden"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Diskussion \u00fcber die \u00abHochpreisinsel Schweiz\u00bb besch\u00e4ftigte sich der Bundesrat auch mit Agrarg\u00fctern und Lebensmitteln. Im Dezember 2017 beschloss er unter anderem, die Importz\u00f6lle f\u00fcr Landwirtschaftsprodukte zu reduzieren, die in der Schweiz nicht angebaut werden.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Das sind beispielsweise Bananen und andere exotische Fr\u00fcchte. Eine entsprechende Vorlage wird durch das Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft (BLW) vorbereitet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Studie des Forschungsunternehmens jch-consult und der Hochschule f\u00fcr Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) hat in diesem Zusammenhang den Handlungsspielraum f\u00fcr einen unilateralen Abbau des Grenzschutzes von Agrarg\u00fctern und Lebensmitteln untersucht. Eine Vorgabe war, dass die Ziele der Schweizerischen Agrarpolitik nicht beeintr\u00e4chtigt werden.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Gleichzeitig soll ein gewisser Spielraum f\u00fcr Zugest\u00e4ndnisse beibehalten werden, die im Zusammenhang mit dem Abschluss von Freihandelsabkommen erforderlich sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Schweiz belaufen sich die auf den Import von Agrarprodukten erhobenen Z\u00f6lle gem\u00e4ss der Welthandelsorganisation (WTO) auf durchschnittlich 36,1\u00a0Prozent. Damit liegen sie um ein Vielfaches h\u00f6her als die geltenden Z\u00f6lle f\u00fcr industrielle Erzeugnisse (1,8%). Zum Vergleich: In der EU betragen die Z\u00f6lle bei den Agrarimporten 10,7\u00a0Prozent und bei Industrieg\u00fctern 4,2\u00a0Prozent.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas hohe Schutzniveau im Agrarbereich in der Schweiz geht mit den hohen Produzentenpreisen einher, die in vielen F\u00e4llen mehr als doppelt so hoch sind wie in Deutschland, \u00d6sterreich oder Frankreich. Bei den Detailhandelspreisen bestehen in etwa die gleichen Unterschiede.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Gem\u00e4ss der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) h\u00e4ngt die geringe Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Lebensmittelindustrie \u2013 mit Ausnahme von Getr\u00e4nken, Kaffee und Schokolade \u2013 mit dem Protektionismus im Landwirtschaftssektor zusammen.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei der Analyse von autonomen, punktuellen Massnahmen stellen sich verschiedene Schwierigkeiten. Zur hohen Komplexit\u00e4t tragen beispielsweise der Zollschutz mit \u00fcber 2400 Zolltarifpositionen und das Importkontingentsystem mit zahlreichen administrativen Vorschriften bei. Die Beurteilung wird auch dadurch erschwert, dass zum Markt nicht ebenso detaillierte Daten vorliegen wie zur Zollbelastung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm zu kl\u00e4ren, ob das Schutzniveau f\u00fcr gewisse Produkte verringert werden k\u00f6nnte, wurden in der Studie mehrere erg\u00e4nzende Methoden verwendet. Die Zolltarifpositionen wurden entsprechend den einzelnen zu analysierenden Kategorien gefiltert. Beim Industrieschutz kamen mehrere Indikatoren zum Zuge. Um die allgemeine Sensitivit\u00e4t der Agrarz\u00f6lle und deren Auswirkungen auf die Wertsch\u00f6pfungskette zu erfassen, wurden mithilfe des Agrarsektormodells Capri verschiedene Zollsenkungsszenarien gesch\u00e4tzt.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Schliesslich erm\u00f6glichten Fallstudien, die Sensitivit\u00e4tsschwellen und die Effekte auf die Preistransmission besser abzusch\u00e4tzen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Produkte ohne Bezug zur Schweizer Landwirtschaft<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei \u00fcber 300 Zolltarifpositionen zu tropischen oder exotischen Produkten kann die Aufhebung der Z\u00f6lle in Betracht gezogen werden. Im Jahr 2015 entsprachen die betreffenden Importe einem Volumen von 2,7 Milliarden Franken \u2013 wertm\u00e4ssig ist das ein Viertel der gesamten Agrareinfuhren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Zollschutz dieser Produkte belief sich auf durchschnittlich 6,1\u00a0Prozent. Beispielsweise wird bei Bananen ein Zoll von 14 Franken pro 100 Kilogramm erhoben, was einem sogenannten Wertzoll\u00e4quivalent<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> (AVE) von 11,7\u00a0Prozent entspricht. Da diese Zollgeb\u00fchren auf die Preise \u00fcberw\u00e4lzt werden, bedeutet dies f\u00fcr die Konsumenten eine unn\u00f6tige Belastung von 3,8 Millionen Franken. Das Entlastungspotenzial ist jedoch zu relativieren, da bez\u00fcglich zahlreicher exotischer Produkte bereits Zollpr\u00e4ferenzen f\u00fcr die \u00e4rmsten L\u00e4nder bestehen; zudem sind weitere Ausnahmen im Rahmen von bilateralen Freihandelsabkommen geregelt.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Zollspitzen und Kontingentierungssysteme <\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Agrar- und Lebensmittelbereich gibt es diverse Zollspitzen, was die sehr ungleichm\u00e4ssige Ausgestaltung des Zollsystems verdeutlicht. Unter anderem tr\u00e4gt der Schutz sensibler Bereiche durch Einfuhrkontingente dazu bei.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZwischen 2012 und 2015 betrug der einfache Durchschnitt des Wertzoll\u00e4quivalents bei \u00fcber 1800 Tarifpositionen mit Einheitss\u00e4tzen 13\u00a0Prozent; bei Produkten, die im Rahmen von Kontingenten eingef\u00fchrt wurden, waren es 11 Prozent. Demgegen\u00fcber belief sich das Wertzoll\u00e4quivalent bei den ausserhalb von Kontingenten realisierten Importen auf knapp 115\u00a0Prozent. Zudem wiesen 124 Zolltarifpositionen eine Zollbelastung von \u00fcber 100\u00a0Prozent auf \u2013 bei diesen wird der Produktpreis bei der Zollabfertigung mindestens verdoppelt. Da sich insbesondere bei Milch, Fleisch, \u00d6len und Fetten sowie Gem\u00fcse zahlreiche Zollspitzen finden, wurden diese Bereiche genauer analysiert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Kontingente wurden anhand mehrerer Kriterien \u00fcberpr\u00fcft. Wie sich zeigt, besteht ein Vereinfachungspotenzial bei jenen Kontingenten, die nicht bewirtschaftet sind (z.\u00a0B. einige Milchprodukte, Eiprodukte, Traubensaft und Hartweizen). Nicht ausgesch\u00f6pft sind die Kontingente bei Zuchtschweinen, bei Obst zu Most- und Brennzwecken sowie beim Wein. Hier ist es grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich, den Zollschutz abzubauen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie meisten Kontingente sind ausgesch\u00f6pft und m\u00fcssen entsprechend differenziert analysiert werden. In diesen F\u00e4llen beeinflussen das Kontingentsvolumen und der Kontingentszollansatz die Preisbildung im Schweizer Markt \u2013 und weniger der Ausserkontingentszollansatz. Das Analyseraster zeigt sogar in sensiblen Bereichen wie beispielsweise Rindfleisch, Gefl\u00fcgel und Kartoffeln, dass eine Reduktion von Z\u00f6llen ohne negative Auswirkungen auf die inl\u00e4ndische Produktion m\u00f6glich ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAus der Analyse der speziellen saisonalen Regelung f\u00fcr Fr\u00fcchte und Gem\u00fcse geht hervor, dass die Kontingentszollans\u00e4tze (einschliesslich w\u00e4hrend der nicht bewirtschafteten Periode) ohne Auswirkungen auf die Produktion in der Schweiz aufgehoben werden k\u00f6nnten. Dies w\u00fcrde die Arbeit der Marktteilnehmer erleichtern, h\u00e4tte aber nur einen geringen Effekt auf die Detailhandelspreise. Zudem besteht bei Fr\u00fcchten und Gem\u00fcse ein gewisser Spielraum, die prohibitivsten Ausserkontingentszollans\u00e4tze zu senken. Mit einer weiter gehenden Reduktion des Grenzschutzes k\u00f6nnte die Einfuhrregelung vereinfacht und die Vorhersehbarkeit verbessert werden. Gleichzeitig k\u00f6nnte man in qualitativer Hinsicht besser auf die sich differenzierende Nachfrage eingehen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Komplexer Industrieschutz<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Industrieschutz gilt jener Teil der Zolls\u00e4tze, mit dem nicht die Agrarrohstoffe gesch\u00fctzt werden, sondern die mit ihrer Verarbeitung verbundene Wertsch\u00f6pfung. Ein solcher Schutz l\u00e4sst sich kaum mit den Prinzipien vereinbaren, die unserer Wirtschaftspolitik zugrunde liegen. Ausserdem schr\u00e4nkt er den Marktzugang von Entwicklungsl\u00e4ndern ein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn bestimmten F\u00e4llen sieht das schweizerische Recht den Industrieschutz explizit vor \u2013 beispielsweise bei M\u00fcllereierzeugnissen: Beim Mehl betr\u00e4gt dieser Schutz 20 Franken pro 100 Kilogramm. Auch bei Nahrungsmitteln der zweiten Verarbeitungsstufe<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> wie Speiseeis, Schokolade, Kleingeb\u00e4ck, Konfit\u00fcren und R\u00f6sti etc. reicht er bis zu 120 Franken pro 100 Kilogramm: Hier k\u00f6nnte der Schutz angesichts der Zugest\u00e4ndnisse, die im Protokoll Nr. 2 des Freihandelsabkommens von 1972 zwischen der Schweiz und der EU und in anderen Handelsabkommen einger\u00e4umt wurden, systematisch aufgehoben werden, ohne dass sich dies negativ auf die landwirtschaftliche Produktion auswirken w\u00fcrde.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZus\u00e4tzlich zum expliziten Industrieschutz weist die Zollstruktur auch einen weiter verbreiteten impliziten Industrieschutz auf. Dieser wurde mithilfe von Indikatoren ermittelt. Beispielsweise betr\u00e4gt der implizite Industrieschutzanteil bei Butter 53 Prozent am beweglichen Teilbetrag des Zollsatzes f\u00fcr Verarbeitungsprodukte<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a>, die Butter enthalten (siehe <em>Tabelle<\/em>).&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Impliziter Industrieschutz bei Vollmilchpulver und Butter in Verarbeitungsprodukten<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<table>&#13;<\/p>\n<tbody>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"138\"><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"146\"><strong>Wertzoll (AVE)<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\"><strong>Industrieschutzquote (ISQ)<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"170\"><strong>Industrieschutzanteil am beweglichen Teilbetrag (ISQ\/AVE)<\/strong><\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"138\">Vollmilchpulver<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"146\">109%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\">42%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"170\">39%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<\/p>\n<tr>&#13;<\/p>\n<td width=\"138\">Butter<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"146\">190%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"150\">101%<\/td>\n<p>&#13;<\/p>\n<td width=\"170\">53%<\/td>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tr>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/tbody>\n<p>&#13;<br \/>\n<\/table>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: EZV, BLW, Seco; Sch\u00e4tzung der Autoren \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie beweglichen Teilbetr\u00e4ge k\u00f6nnten im Prinzip ohne Auswirkungen auf den Milchpreis um 40 bis 50\u00a0Prozent gesenkt werden. Dadurch w\u00fcrden die Vorleistungskosten der Branchen, die diese Produkte verwenden, und die Preise von Milchschokolade und Speiseeis f\u00fcr die Konsumenten signifikant sinken. Insgesamt k\u00f6nnte der Industrieschutz bei rund 600 Zolltarifpositionen vermindert werden. Das tats\u00e4chliche Potenzial ist wom\u00f6glich noch gr\u00f6sser, da die verf\u00fcgbaren Daten keine umfassende Analyse erm\u00f6glichen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Konsumenten profitieren<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Modellierung von einseitigen, linearen Reduktionen von Z\u00f6llen mithilfe des Agrarsektormodells Capri zeigt grosse Sensitivit\u00e4tsunterschiede zwischen den landwirtschaftlichen Teilbereichen. Nach \u00a0ersten Tests mit linearen Zollreduktionen konnten zwei unterschiedliche Szenarien definiert werden: Bei einer Senkung der Zollbelastung auf Kartoffeln, Rindfleisch, Gefl\u00fcgel, Rohmilch und Butter um 25\u00a0Prozent sowie bei einer Senkung der Z\u00f6lle auf Tomaten, Wein, Frischmilchprodukten, Rahm und Milchpulver um 50\u00a0Prozent zeigt das Modell kleine Auswirkungen. Die Effekte liegen bei den Preisen zwischen 0 und \u20132\u00a0Prozent sowie zwischen 0 und \u20131\u00a0Prozent bei den Produktionsvolumen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas zweite Szenario, bei dem die Z\u00f6lle auf bestimmten Produkten um 75 bis 100\u00a0Prozent gesenkt werden, f\u00fchrt \u2013 abgesehen von \u00d6lsaaten und Mais (\u20135 und \u20137%) \u2013 ebenfalls nicht zu einem deutlichen R\u00fcckgang der Agrarproduktion. Die Wohlstandsanalyse zeigt je nach Szenario, dass sich die Konsumentenrente um 80 und 325 Millionen Franken erh\u00f6ht. Demgegen\u00fcber sinken die Gewinne der Landwirtschaft um 23 und 81 Millionen Franken.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Keine spektakul\u00e4ren Auswirkungen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Studie zeigt: Der Zollschutz f\u00fcr Landwirtschaftsprodukte k\u00f6nnte in mehreren Bereichen einseitig abgebaut werden, ohne dass die inl\u00e4ndische Agrarproduktion beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrde. Das genaue Ausmass dieser Reduktionen m\u00fcsste jedoch noch quantifiziert werden. Der aggregierte Ansatz durch die Modellsimulation unterstreicht, dass auch bei als empfindlich geltenden Landwirtschaftsprodukten wie Milch, Rindfleisch und Gefl\u00fcgel, Kartoffeln, Gem\u00fcse sowie Wein ein gewisser Spielraum f\u00fcr Zollsenkungen besteht. Getreide, \u00d6lsaaten und der Obstanbau w\u00fcrden dagegen rascher auf einen Abbau des Zollschutzes reagieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf der ersten Verarbeitungsstufe sind die im internationalen Vergleich hohen Bruttomargen bei der Verarbeitung sowohl auf den Industrieschutz als auch auf den mangelnden Wettbewerb zur\u00fcckzuf\u00fchren. Dies gilt insbesondere f\u00fcr \u00d6lwerke und die Butter- und Milchpulverherstellung. In diesen Sektoren h\u00e4tte ein Abbau des Industrieschutzes wahrscheinlich strukturelle Auswirkungen, wobei sich zumindest mit der Zeit ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit verbessern w\u00fcrde. Profitieren w\u00fcrden hingegen die Unternehmen der zweiten Verarbeitungsstufe, da sie die Grundstoffe zu g\u00fcnstigeren Preisen beschaffen k\u00f6nnten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAngesichts der Einschr\u00e4nkung der zu analysierenden Massnahmen ist klar: Insgesamt sind keine spektakul\u00e4ren Auswirkungen f\u00fcr die Konsumenten und den gesamten Wohlstand zu erwarten. Dennoch k\u00f6nnen ein Abbau des Industrieschutzes und die Aufhebung des Schutzes von Produkten, bei denen kein Bezug zur Schweizer Landwirtschaft besteht, positive Auswirkungen haben. In Anbetracht der Probleme, die durch den komplexen und uneinheitlichen Zollschutz im Agrar- und Lebensmittelbereich verursacht werden, k\u00f6nnte mit mehreren kleinen Schritten getestet werden, wie das komplizierte und vielfach eher intransparente Instrumentarium zu vereinfachen w\u00e4re.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Bundesrat beschliesst Massnahmen gegen Hochpreisinsel, <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-69321.html\">Medienmittteilung<\/a> vom 20. Dezember 2017.\u00a0&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Chavaz J., Pidoux M., Wunderlich A., Kohler A. und Egger U. (2017): <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/wirtschaftslage---wirtschaftspolitik\/wirschaftspolitik\/Wettbewerbspolitik\/importerleichterungen.html\">R\u00e9ductions tarifaires autonomes dans le domaine agroalimentaire<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe insbesondere BLW, Agrarbericht, 2016.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">OECD (2015), OECD-Studie zur Agrarpolitik: Schweiz 2015, Paris.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Simulationen durch Anne Wunderlich und Andreas Kohler, Agroscope T\u00e4nikon.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Zollbelastung, ausgedr\u00fcckt in Prozent des St\u00fcckwerts bei der Einfuhr, w\u00e4hrend die Schweiz im Agrar- und Lebensmittelbereich ausschliesslich spezifische Z\u00f6lle (Fr.\/100 kg) anwendet.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Die zweite Verarbeitungsstufe wird in Abgrenzung zur ersten Verarbeitungsstufe definiert, welche die Erstverarbeitung von Agrarrohstoffen umfasst, z.\u00a0B. die Herstellung von Butter, K\u00e4se, Mehl, \u00d6l, entbeintem Fleisch.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Der Zollsatz f\u00fcr landwirtschaftliche Verarbeitungsprodukte setzt sich aus einem beweglichen Teilbetrag (=Agrarschutzelement), der von den Preisunterschieden der Grundstoffe zwischen der Schweiz und der EU bzw. der \u00fcbrigen Welt abh\u00e4ngt, und einem fixen, expliziten Industrieschutzelement zusammen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Diskussion \u00fcber die \u00abHochpreisinsel Schweiz\u00bb besch\u00e4ftigte sich der Bundesrat auch mit Agrarg\u00fctern und Lebensmitteln. Im Dezember 2017 beschloss er unter anderem, die Importz\u00f6lle f\u00fcr Landwirtschaftsprodukte zu reduzieren, die in der Schweiz nicht angebaut werden. Das sind beispielsweise Bananen und andere exotische Fr\u00fcchte. Eine entsprechende Vorlage wird durch das Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft (BLW) [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2855,"featured_media":23115,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[69,66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[],"post_content_subject":[230],"acf":{"seco_author":2855,"seco_co_author":[4592,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Partner und Projektleiter, jch-consult, Villars-sur-Gl\u00e2ne","seco_author_post_occupation_fr":"Partenaire et directeur de projets, jch-consult s\u00e0rl, Villars-sur-Gl\u00e2ne","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":4592,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Dozent f\u00fcr Agrarpolitik und -m\u00e4rkte, Hochschule f\u00fcr Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl), Zollikofen","seco_co_author_post_occupation_fr":"Professeur de politique et march\u00e9s agricoles, Haute \u00c9cole des sciences agronomiques, foresti\u00e8res et alimentaires (HAFL), Zollikofen"}],"short_title":"Z\u00f6lle senken, ohne der Schweizer Landwirtschaft zu schaden","post_lead":"Um gegen die hohen Lebensmittelpreise in der Schweiz vorzugehen, k\u00f6nnten einzelne Z\u00f6lle unilateral gesenkt werden. Die einheimische Agrarproduktion w\u00e4re davon nicht betroffen.","post_hero_image_description":"Importz\u00f6lle f\u00fcr Bananen abschaffen? Verteilzentrum der Migros in Dierikon LU.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"Keystone","post_references_literature":"","post_kasten":[{"kasten_title":"Einseitige oder gegenseitige Massnahmen?","kasten_box":"Ein einseitiger Abbau von Z\u00f6llen kann auch Auswirkungen auf die Verhandlung von k\u00fcnftigen <em>Freihandelsabkommen (FHA)<\/em> der Schweiz haben, da m\u00f6gliche Zugest\u00e4ndnisse als Verhandlungspfand wegfallen. Diesbez\u00fcglich sind jedoch drei Bemerkungen anzubringen: Erstens w\u00fcrde eine selbstst\u00e4ndige \u00abBereinigung\u00bb gewisser M\u00e4ngel oder veralteter Elemente der Zolltarife die Position der Schweiz bei der Aushandlung eines FHA nicht schw\u00e4chen. Zweitens besteht bei einer Aufhebung des Industrieschutzes f\u00fcr verarbeitete Agrarprodukte ein substanzieller Spielraum beim Abbau der beweglichen Teilbetr\u00e4ge, insbesondere bez\u00fcglich Butter und Milchpulver, aber auch bei Getreide.\u00a0Drittens werden in diesem Beitrag vielf\u00e4ltige Stossrichtungen zur Frage aufgezeigt, die sich sowohl als selbstst\u00e4ndige Massnahmen als auch als bilaterale Zugest\u00e4ndnisse ohne negative Auswirkungen auf die Schweizer Agrarproduktion realisieren lassen."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":107390,"main_focus":[156268,156997],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":107394,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"71774","post_abstract":"Es gibt verschiedene M\u00f6glichkeiten, Z\u00f6lle im Lebensmittelsektor abzubauen, ohne die landwirtschaftliche Produktion zu beeintr\u00e4chtigen oder die Schweizer Agrarpolitik infrage zu stellen. Eine Studie des Forschungsunternehmens jch-consult und der Hochschule f\u00fcr Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) h\u00e4lt fest, dass f\u00fcr einige Produkte im Lebensmittelsektor der Zollschutz punktuell unn\u00f6tig oder unn\u00f6tig hoch ist. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Z\u00f6lle auf exotischen Produkten bzw. auf Erzeugnissen, die f\u00fcr die Schweizer Landwirtschaft unerheblich sind, f\u00fcr bestimmte \u00fcberh\u00f6hte Z\u00f6lle im Rahmen von Kontingentsystemen sowie f\u00fcr den expliziten und impliziten Industrieschutz. Der letztere macht in einigen F\u00e4llen jeweils einen betr\u00e4chtlichen Teil der Zolls\u00e4tze aus. Ein gewisser Spielraum besteht auch bei als sensibel geltenden Agrarprodukten. Da die identifizierten Massnahmen die Ziele der Agrarpolitik nicht antasten sollen, w\u00fcrden sie entsprechend beschr\u00e4nkte Auswirkungen auf die volkswirtschaftliche Wohlfahrt haben.","magazine_issue":"04-2018","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20180327","original_files":null,"external_release_for_author":"20180302","external_release_for_author_time":"23:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/59720685abda2"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107387"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2855"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=107387"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126249,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107387\/revisions\/126249"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4592"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2855"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156997"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156268"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/23115"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=107387"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=107387"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=107387"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=107387"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=107387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}