{"id":107431,"date":"2018-03-26T10:30:04","date_gmt":"2018-03-26T10:30:04","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/03\/scheidegger-fr\/"},"modified":"2023-08-23T23:03:24","modified_gmt":"2023-08-23T21:03:24","slug":"kuenstliche-intelligenz-viele-huerden-sind-zu-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/03\/kuenstliche-intelligenz-viele-huerden-sind-zu-nehmen\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz: Viele H\u00fcrden sind zu nehmen"},"content":{"rendered":"<p>Gesichtserkennung, maschinelle \u00dcbersetzung, fahrerlose Fahrzeuge, musizierende Roboter, lernf\u00e4hige und f\u00fchlende Androiden: Medienberichte zur k\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) suggerieren oft, bei vielen Anwendungen stehe ein Durchbruch kurz bevor. Kein Wunder, wird es manchen Menschen angst und bange angesichts von Meldungen wie \u00abFortschritt in noch nie gekanntem Tempo\u00bb und \u00abGlobale Umw\u00e4lzungen\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs ist unbestritten: KI hat das Potenzial einer sogenannten Basisinnovation. Darunter versteht man bahnbrechende Entwicklungen, welche ganze Branchen und Volkswirtschaften durchdringen und die gesamtwirtschaftliche Produktivit\u00e4t wesentlich beeinflussen. Typische Beispiele sind die Dampfmaschine, die Elektrifizierung, Computer und Informations- und Telekommunikationstechnologien (ICT). Trotzdem d\u00fcrften breitenwirksame Durchbr\u00fcche bei der k\u00fcnstlichen Intelligenz noch in weiter Zukunft liegen. Denn eine technische M\u00f6glichkeit zur Automatisierung von Arbeitsschritten bedeutet nicht, dass der Arbeitsprozess tats\u00e4chlich automatisiert wird. Schon immer setzten gesellschaftliche, betriebswirtschaftliche und rechtliche \u00dcberlegungen dem technisch Machbaren Grenzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHinter vielversprechenden Umbr\u00fcchen steht zun\u00e4chst knochenharte Grundlagenforschung. Dabei birgt das Prinzip von \u00abVersuch und Irrtum\u00bb immer auch das Risiko des Scheiterns. Damit eine auf Grundlagenforschung fussende Technologie Verbreitung findet, ist erg\u00e4nzend angewandte Forschung und damit die Entwicklung von kommerzialisierbaren Anwendungsl\u00f6sungen erforderlich. Diese Prozesse setzen unternehmerische Risikobereitschaft voraus und sind zeitaufwendig. Es gibt Experten, die beispielsweise davon ausgehen, dass bis zum fl\u00e4chendeckenden Durchbruch von selbstfahrenden Fahrzeugen noch Jahrzehnte verstreichen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDies kann nicht erstaunen. Die Adaptierung und der Einsatz von neuen Technologien setzen einen erheblichen Kapitaleinsatz in physische Infrastruktur wie Produktionsanlagen, Ger\u00e4te und Laboratorien voraus. Zudem muss auch in Humankapital (Forschung, Engineering, Ausbildung) und in immaterielle Bereiche wie Organisationsentwicklung und Marketing investiert werden. Deshalb h\u00e4ngt die Entscheidung, ob ein Betrieb eine neue Technologie einf\u00fchrt, stets auch von deren Anschaffungs- und Unterhaltskosten im Vergleich zum Abschreibungsbedarf bestehender Anlagen ab. Ein Unternehmen wird sich nur f\u00fcr die neue Technologie entscheiden, wenn sich die Investition betriebswirtschaftlich rechnet. Dies ist von Firma zu Firma, von Branche zu Branche und von Land zu Land sehr unterschiedlich \u2013 je nach aktueller technologischer Ausstattung und regulativem Umfeld.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin weiterer Faktor, der die Breitenwirkung von neuen Technologien beeinflusst, sind gesellschaftliche Werte und rechtliche H\u00fcrden. Dabei geht es nicht nur um Sicherheits- und Haftungsfragen, sondern auch um Datenschutz, die Fachkr\u00e4ftesituation, soziale und ethische Normen sowie individuelle Pr\u00e4ferenzen. So sind beispielsweise Pflegeroboter in japanischen Spit\u00e4lern willkommen, w\u00e4hrend man bei uns dar\u00fcber noch die Nase r\u00fcmpft.&#13;<\/p>\n<h2>B\u00fccher verschwinden nicht so schnell<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich k\u00f6nnen wir uns alle beim Blick in die Zukunft t\u00e4uschen. Gerade die Kombination von ICT, Smartphones und Tablets hat in den letzten zehn Jahren gezeigt, dass Wirtschaftszweige wie die Musikindustrie, die Medien oder der Detailhandel gemessen an der Branchengeschichte in relativ kurzer Zeit stark unter Anpassungsdruck geraten sind. Allerdings verlieren selbst diese Erfolgsgeschichten je nach Betrachtungswinkel an Glanz: Der Anteil von E-B\u00fcchern liegt beispielsweise in Deutschland mit rund 6 Prozent immer noch auf bescheidenem Niveau. Im Schweizer Musikmarkt teilen sich das Digitalgesch\u00e4ft (Downloads, Streaming) und die physischen Tontr\u00e4ger (CD, Vinyl) den Gesamtumsatz in etwa zu gleichen H\u00e4lften.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAlles in allem sollten die Zukunftsperspektiven der technischen M\u00f6glichkeiten mit einer sprichw\u00f6rtlichen Gelassenheit beurteilt werden: Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesichtserkennung, maschinelle \u00dcbersetzung, fahrerlose Fahrzeuge, musizierende Roboter, lernf\u00e4hige und f\u00fchlende Androiden: Medienberichte zur k\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) suggerieren oft, bei vielen Anwendungen stehe ein Durchbruch kurz bevor. 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