{"id":107693,"date":"2018-02-18T10:30:53","date_gmt":"2018-02-18T10:30:53","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2018\/02\/toengi-03-2018\/"},"modified":"2024-04-04T08:26:10","modified_gmt":"2024-04-04T06:26:10","slug":"toengi-03-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2018\/02\/toengi-03-2018\/","title":{"rendered":"Mieten stabilisieren!"},"content":{"rendered":"<p>Wer die Karte zur Leerwohnungsquote anschaut, sieht einen bunt gefleckten Teppich. Tats\u00e4chlich: Es stehen mehr Wohnungen leer als noch vor einigen Jahren, und es gibt sogar Gemeinden mit zweistelligen Leerwohnungsziffern. Diese liegen in Randregionen und in einem Streifen zwischen dem \u00f6stlichen Aargau und dem Raum Biel. In den St\u00e4dten und in den Agglomerationen hat sich wenig ver\u00e4ndert. Hier liegt die Leerwohnungsquote bei einem halben Prozent, und viele leer stehende Wohnungen sind im Hochpreissegment. Eine echte Auswahl sieht anders aus.<\/p>\n<p>Sucht jemand aktuell eine neue Wohnung, so muss er mit einem massiv h\u00f6heren Mietzins rechnen. Die Preisentwicklung der letzten Jahre ist beunruhigend. Laut dem Beratungsunternehmen W\u00fcest Partner sind die Angebotspreise seit dem Jahr 2000 um 50 Prozent gestiegen. Und auch der Gesamtdurchschnitt aller Mieten steigt weiter an. Alleine seit 2008 betr\u00e4gt der Anstieg 12 Prozent, auch wenn sich in der gleichen Zeit die Hypothekarzinsen halbiert haben und der Referenzzins acht Mal gesunken ist. H\u00e4tten sich die Mieten nach den Regeln des Mietrechts entwickelt, so m\u00fcssten sie heute rund 20 Prozent tiefer liegen als noch vor zehn Jahren.<\/p>\n<h2>Renditegetriebener Markt<\/h2>\n<p>Dieser Missstand ist die Folge eines Wohnungsmarktes, der immer mehr Rendite hergeben muss. Denn Pensionskassen und Versicherungen m\u00fcssen Gewinne vorweisen, und auch Kleinanleger wollen von den lukrativen Renditen profitieren. W\u00fcest Partner geht f\u00fcr 2016 von einer Rendite im Mietwohnungsmarkt von 6,4 Prozent aus. Der Immobiliendienstleister Iazi rechnet mit 5,6 Prozent. Und die Credit Suisse schrieb diesen M\u00e4rz: \u00abIn Anbetracht der hohen Renditedifferenzen zu anderen Kapitalanlagen gibt es f\u00fcr die Anleger kaum Alternativen.\u00bb<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Wer es sich leisten konnte, hat in den letzten Jahren Wohneigentum gekauft. Daf\u00fcr wurden zum Teil hohe Preise bezahlt, doch unterm Strich lohnte es sich: Dank Tiefstzinsen geben Eigent\u00fcmer f\u00fcrs Wohnen heute viel weniger aus als noch vor zehn Jahren. Wer das n\u00f6tige Kapital zum Kauf von Wohneigentum hingegen nicht auf der Seite hat, der muss weiter mieten. Davon betroffen sind insbesondere Personen mit kleinen Einkommen. Sie zahlen heute mehr und haben nichts von den tiefen Zinsen.<\/p>\n<p>Das Orakeln \u00fcber die weitere Entwicklung bringt nichts. Die Zuwanderung und die Bauentwicklung k\u00f6nnen zunehmen oder zur\u00fcckgehen, und auch eine Ver\u00e4nderung der wirtschaftlichen Situation wirkt sich auf die Wohnbed\u00fcrfnisse aus. Klar ist: Der Wohnungsmarkt ist schon immer Zyklen gefolgt \u2013 Versch\u00e4rfungen wie auch Entspannungen der Situation geh\u00f6ren dazu. Daraus kann und soll man keine kurzfristigen Schl\u00fcsse ziehen.<\/p>\n<p>Das Rezept gegen die Ausw\u00fcchse eines renditegetriebenen Mietwohnungsmarktes ist zwar einfach: Es braucht mehr gemeinn\u00fctzige Wohnungen, die dem Renditemarkt entzogen sind und ein Gegengewicht schaffen. Nur mit einem guten Anteil an gemeinn\u00fctzigen Wohnungen k\u00f6nnen wir unabh\u00e4ngig vom Konjunkturverlauf preisg\u00fcnstige Wohnungen bereitstellen. Doch das ist schwierig durchzusetzen, denn die H\u00fcrden daf\u00fcr sind hoch: exorbitante Land- und Liegenschaftspreise, der Bund, der sich zu wenig engagiert, und Stolpersteine in Gemeinden wie fehlende raumplanerische Instrumente oder eine schwierige Partnersuche f\u00fcr gr\u00f6ssere Projekte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich werden uns ein paar Schlaumeier weismachen wollen, man m\u00fcsse nur mehr Markt zulassen \u2013 sprich: die letzten mietrechtlichen Vorgaben abschaffen \u2013, und alle Probleme w\u00e4ren gel\u00f6st. Sollten durchmischte St\u00e4dte und die Verhinderung von Ghettobildungen auch in Ihrem Sinne sein, so rate ich von diesem Experiment ab.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Credit Suisse (2017). <a href=\"https:\/\/www.credit-suisse.com\/ch\/de\/articles\/private-banking\/schweizer-immobilienmarkt-studie-2017-201703.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schweizer Immobilienmarkt 2017<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer die Karte zur Leerwohnungsquote anschaut, sieht einen bunt gefleckten Teppich. Tats\u00e4chlich: Es stehen mehr Wohnungen leer als noch vor einigen Jahren, und es gibt sogar Gemeinden mit zweistelligen Leerwohnungsziffern. Diese liegen in Randregionen und in einem Streifen zwischen dem \u00f6stlichen Aargau und dem Raum Biel. 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